Mein Erstes Mal…

Das Erste Mal…

…wenn ein Spiel auf dem Tisch landet, ist für mich immer ein besonderer Moment. Natürlich ist es auch toll, wenn man die Packung das erste Mal öffnet und das Spielmaterial bewundert. Sich über hübsche Meeples und Miniaturen freut, tolle Artworks oder neue Designentscheidungen (The LOOP, weiter unten, hat zum Beispiel einen gefalteten, 7eckigen Spielplan!) – aber auch ärgert über schlechte Kartenqualität oder ein Inlay, welches hinten und vorne nicht passt. Dann werden die Regeln studiert und erarbeitet – aber Alles Lesen und Studieren hilft nicht – wirklich spannend ist doch dann der Moment, wenn das Spiel das Erste Mal aufgebaut vor einem liegt und man die erste Partie spielt!

Hier kommen dann alle Hoffnungen, Erwartungen und Befürchtungen auf einem Punkt zusammen, und das Spiel kann zeigen, was es drauf hat. Danach ist man vielleicht enttäuscht – oder euphorisch – und hat eine ziemlich starke Meinung von dem Spiel. Zumindest geht es mir dann so. Sicherlich, mit mehr Partien relativiert sich diese Meinung dann in der Regel – aber um genau diesen ersten Eindruck eines Spieles mit Euch zu teilen, schreibe ich hier zukünftig in lockerer Folge über meine Erstpartien – immer nur knapp, und zu 100% subjektiv und gefärbt vom Eindruck der ersten Partie – wenn ihr eine faire Bewertung wollt, dann müsst ihr schon auf die ausführliche Rezension warten…

Damit die Sache in Schwung kommt, schreibe ich hier mal über meine letzten 5 Erstpartien ein paar Sätze. Also hinein ins kalte Wasser:


Bloodborne: The Board Game

Ok, das hatte ich wirklich nicht auf dem Schirm, aber als dann plötzlich ein anderer Forenuser nur das Grundspiel loswerden wollte, habe ich einfach mal zugeschlagen. Und hierbei sei angemerkt: Ich kenne nicht mal das PS4-Spiel… (Christian wäre fast an seinem Snickers erstickt, als ich ihm das gestanden habe…)

Wie im Computerspiel spielen wir einen „Hunter“, einen Jäger von Monstern, in einer sehr, sehr düsteren und zerstörten Stadt. Die Monster sind missgestaltete Kreaturen, teilweise weit größer als wir, aber wir haben dafür eine Reihe von exotischen „Trick-Weapons“, die mit allerlei Sonderfähigkeiten den Ungeheuern den garaus machen! Abgerundet wird das Ensemble durch Kampagnen, die mittels Story-Karten richtige stimmungsvolle, kleine Geschichten erzählen, anstatt: „Geh auf den Friedhof und töte 5 Wölfe“.

Jedenfalls: Erste Partie – True Solo, also nur mit einem Hunter – das tat mal so richtig, richtig weh. Ich habe so gar kein Land gesehen, und das will was heißen bei einem Solo/Coop-Spiel! Auf der anderen Seite ist das Ding wirklich edel anzusehen. Optisch hat der Verlag da ein Schmuckstück geschaffen, und dazu noch ein richtig gutes Inlay – also Platz für das gesamte Spielmaterial und sogar Aussparungen zum „Speichern“ der Kampagne! Wow!

Das bleibt auf jedem Fall und wird weiter ausgelotet – wäre doch gelacht, wenn ich das Spiel nicht knacken würde…


Dune: Imperium

Dune: ImperiumNoch dieses Jahr kommt der neue DUNE-Film in die Kinos, oder zumindest in die Streaming-Kanäle. Aber ich liebe schon den ururalten Film – trotz der grauseligen Special Effects. Ich habe sogar die Special Edition, mit Zusatzmaterial und, und, und… Entsprechend habe ich mich auch auf das neue Dune: Imperium gefreut, und als es sich anbot, habe ich schnell zugeschlagen.

Anders als im bereits veröffentlichten Dune von Galeforce Nine, ist Dune: Imperium von Direwolf (auch bekannt für seine digitalen Umsetzungen von Brettspielen!) und Legendary kein Massive Multiplayer mit Intrigen und Messern im Rücken, sondern eine solide Mischung aus Deckbuilder und Worker Placement. Dazu schon durch die Bank sehr schön illustriert mit Bildern aus dem kommenden Film (allerdings gezeichnet – keine Fotos!). Es ist ein Wettrennen auf 10 Siegpunkte; gleichzeitig aber auch auf 10 Spielrunden limitiert. Obwohl extrem interaktiv dabei keineswegs destruktiv – ich kann Wegschnappen, aber nicht den Mitspielern ihre Karten oder ihre Ressourcen einfach zerstören. Perfekt!

In meiner ersten Partie habe ich einfach mal drei Spieler simuliert, um zu sehen, was so passiert – und es war klasse! Ich habe nach und nach herausgefunden, welche Karten welche Strategien ermöglichen, so dass ich am Ende wusste: Das Spiel wird sowas von bleiben! Und noch viel besser: Es gibt einen sehr schönen Solomodus mit einem Kartendeck, welches von Direwolf Digital auch noch als App umgesetzt wurde – ganz, wie es einem lieber ist (übrigens kommt dieses Deck auch zum Einsatz im Spiel zu zweit…).


Gloomhaven: Die Pranken des Löwen

Gloomhaven: Die Pranken des LöwenDas große Gloomhaven war mir immer „zu viel“. Zu viel Schachtel, zu viel Spielzeit, zu viele Dungeons, zu viele Optionen – well, zu viel von Allem. Dabei ist das Spiel sicherlich ganz großartig; alle meine Bekannten erzählen mir das immer wieder. Um so besser, als dann „Die Pranken des Löwen“, der kleine Bruder, angekündigt wurde!

An dieser Stelle nochmal Danke an Feuerland Spiele für das Senden eines Rezensions-Exemplars. Das Spiel sieht jedenfalls sehr gut aus! Es kommt mit vier Helden daher und einem Abenteuer-Buch, in dem alle Dungeon-Pläne eingezeichnet sind (das kennt man zum Beispiel auch von Near & Far oder Herr der Träume) – der Vorteil ist nicht nur, dass der Aufbau damit super schnell geht – die Karte besteht nun auch nicht mehr aus generischen Bodenplatten, sondern hat immer das passende Design. Ein Schiff ist ein Schiff; ein Saal ein Saal.

Dabei beginnt das Spiel sehr milde: Nach und nach werden die Regeln eingeführt. Dementsprechend war meine erste Partie eher… lahm. Denn nicht nur waren die Gegner komplett berechenbar – die Karten meiner Helden waren auch massiv abgespeckt, damit sie nicht zu kompliziert sind. Ich habe dann gleich Szenario 2 und 3 hinterher geschoben – die wurden dann auch nach und nach immer besser, mit immer komplexeren Regeln, aber auch Möglichkeiten. Mal schauen, ob sich diese Steigerung wieder legt – Szenario 4 wird dann mit kompletten Regeln sein!


A Thief’s Fortune

A Thief's FortuneTaverna Ludica hat dieses doch sehr an Aladdin erinnernde Spiel von Artipia Games umgesetzt und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Allerdings ist die Idee weniger Aladdin von Disney, bei dem es ja auch um das Thema Schicksal geht, sondern ich finde, dass Prince of Persia: The Sands of Time viel eher passt: Denn mit Sanduhren manipulieren wir hier quasi unser Schicksal!

Dies geschieht mittels Karten, die wir Runde um Runde draften und in unserer „Zukunft“ auslegen. Nehmen wir diese Möglichkeiten wahr – indem wir die Ressourcen dieser Karten nehmen – wandern diese Karten in unsere „Gegenwart“. Hier können wir sie nun Nutzen und damit Punkte und Ressourcen umwandeln, oder aber auch auf andere Ereignisse reagieren. Doch die Anzahl der Karten in der Gegenwart ist begrenzt, und so wandern die Karten nach und nach in unsere „Vergangenheit“, also den Ablagestapel. Das ist auch unser Ziel: Denn nur dort werden sie am Ende auch gewertet, weil sie Teil unserer Geschichte wurden. Wenig überraschend, dass wir „Schicksalspunkte“ sammeln…

Auch hier habe ich zum Lernen der Regel einfach zweihändig gegen mich selbst gespielt, und muss zugeben: Ich habe nicht viel erwartet – aber ich wurde sehr positiv überrascht! Das Spiel ist wirklich ein hervorragender Engine-Builder, der mit seiner Dynamik direkt Spaß macht und nach einer weiteren Partie ruft. Mal schauen, ob es immer noch Spaß macht, wenn man alle Karten kennt – nach kurzer Durchsicht gibt es jede Karte wohl nur zwei Mal, und die Kartenstapel sind hoch. Es wird also eher Taktik, denn Strategie gefragt sein…


The LOOP

The LOOPDieses Spiel ist mir vor Allem aufgefallen, weil es so ausgefallen aussieht. Das Artwork ist mehr als gewöhnungsbedürftig, die Farbwahl ist bestenfalls als „exzentrisch“ zu bezeichnen – und der Untertitel: Dr Foo strikes back…back…back… – Was soll das? Daher musste ich dieses spezielle Schätzchen einfach besorgen – ich fühlte mich ein wenig wie bei der Entdeckung von Kick-Ass, welches auch völlig unter dem Radar fliegt.

Und ja, es geht hier um Zeitreisen: Wir sind Zeitreise-Agenten, die durch alle 7 Zeitebenen reisen, um Dr Foo aufzuhalten und seine diabolischen Pläne zu stoppen. Dabei sammeln wir Ausrüstung aus allen Jahrhunderten – und hier wird es schon absurd komisch: Mit der Perücke D. Trumps, einer verdorbenen Currywurst und der letzten 80er Hit-Compilation der Erde ausgerüstet, stoppen wir in der Zeit verstreute Doppelgänge Dr Foos. Die Zeit ist dabei logisch als Ring aufgebaut: Beginnen wir in der Antike, bewegen wir uns über Mittelalter, Renaissance weiter, bis wir durch das zukünftige Roboterzeitalter kommen und dann natürlich zwangsläufig in der Apocalypse landen – aber keine Sorge – ab hier geht es wieder mit der Antike weiter, wenn sich aus den Ruinen eine neue Zivilisation erhebt… Irgendwie auch beruhigend zu wissen, oder?

Und wie spielt es sich nun? Knackig scharf und schwer zu gewinnen (aber nicht so schlimm wie Bloodborne – siehe oben), dabei gleichzeitig eine Mischung aus Zufall, wenn Dr Foo am Zu ist, und relativ klar planbarer eigener Züge. Das ist total stimmig: Schließlich weiß ich ja, was ich tue – nur Dr Foo überrascht mich immer wieder aufs Neue, dieser Teufel! Ich finde das Spiel jedenfalls großartig!


Zukünftig werde ich das fortsetzen und euch auf dem Laufenden halten, was auf meinem Tisch landet. Meistens dabei die Erstpartien – ob das Spiel dann auch ins Regal darf, werden dann doch eher die Folgepartien entscheiden. Die könnt Ihr dann wie immer in Form unserer Rezensionen genießen.

Written by Thomas Büttner
Tom schätzt neben komplexen Euros auch thematisch satte Solitär-Meisterwerke - und natürlich feine App-Umsetzungen. Dabei wird er schon mal ungehalten, wenn die Steuerung umständlich ist oder das User Interface unintuitiv. So erreicht ihr ihn: Tom@Spielstil.net
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