Ich möchte jetzt ja nicht angeberisch wirken, aber ich bin eine Art Souls Veteran. Das bedeutet jedoch vorwiegend, dass ich alle Spiele der Reihe (Demon’s Souls, Dark Souls 1 – 3 und Bloodborne) durchgespielt habe. Dabei würde ich mich persönlich nicht einmal als guten Spieler titulieren. Eher als den steten Tropfen, der den Stein dann doch letztendlich ausgehöhlt hat. Und genau diese Beharrlichkeit hat dafür gesorgt, dass ich in Bloodborne dann sogar die Platintrophäe erkämpfen konnte. Für alle, die nicht wissen, was damit gemeint ist. Es gibt Aufgaben, mit denen man Trophäen sammeln kann. Hat man alle, gibt es die Platintrophäe, um anzuzeigen, dass man das Spiel zu 100 % gelöst hat. Jedoch hätte ich das nie alleine geschafft. Wie gesagt, ich bin nicht extrem gut in den Souls-Spielen. Doch ich habe im Online Spiel jemanden kennengelernt, die mir mit ihren Freunden unter die Arme griff. Eine wundervolle Erfahrung, wenn man sich dann plötzlich mit eigentlich wildfremden verabredet, um erneut im Kelch-Dungeon zu versuchen, eine stark verschärfte Version von Amygdala zu Fall zu bringen.

Bloodborne - Platin - TrophäeDen Souls-Spielen eilt der Ruf voraus, dass sie unglaublich schwer wären. Und ja, man muss sich auf sie einlassen und immer wieder scheitern. Doch wie kann man aus diesem Masochismus Freude ziehen? Das liegt an zwei Dingen. Zum einen eben daran, dass die Spiele eine höchst emotionale Angelegenheit sind. Sieg und Niederlage fühlen sich immens intensiv an. Und so werden Enttäuschungen im steten Wechsel von Hochgefühlen abgelöst. Aber dann wäre da noch die Spielwelt, die mich mit ihrer Düsternis in ihren Bann zieht. Die es schafft, ohne aufgezwungene Textwüsten oder stundenlange Cutscenes Geschichten zu erzählen. Geschichten, die gleichzeitig verwirren, faszinieren und abzustoßen. Eine Kunst, die viel zu selten Anwendung findet.

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Als dann Bloodborne als Brettspiel angekündigt wurde, wurde ich natürlich hellhörig. Gehört die Vorlage schließlich zu meinen persönlichen Highlights aus dem Videospielbereich. Doch wie sollte man das System überhaupt umsetzen? Und kann man dem Meisterwerk gerecht werden? Lange hat es gedauert, doch die Jagd hat wieder begonnen. Gestern Abend war es so weit. Ich habe die ersten Schritte in Yarnham unternommen. Doch konnte diese erste Partie mich dazu bewegen Bloodborne als Brettspiel weiter verfolgen zu wollen?

Wie funktioniert Bloodborne überhaupt?

Zuerst einigt man sich auf ein Szenario, das man bestreiten möchte. Dieses bestimmt die Grundgeschichte sowie den Aufbau und eventuelle Sonderregeln. Sind wir bereit, starten wir an der ersten Laterne. Zu Beginn der Runde haben wir drei Karten auf der Hand, mit der wir unsere Aktionen auslösen. Heißt, möchten wir etwas tun, müssen wir eine Karte dafür abgeben. Damit können wir uns unter anderem bewegen, interagieren und auch angreifen. Doch es gibt noch eine weitere Sache, die wir überlegen müssen. Für Angriffe sind wir gezwungen, die Karten auf ein freies Feld unserer Trickwaffe zu legen. Gibt es kein freies Feld, können wir nicht kämpfen. Auch nicht dann, wenn wir selbst angegriffen werden.

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Noch sind alle Felder der Trickwaffe frei.

Im Kampf selbst ist dann wichtig, wann wir welchen Angriff verwenden. Schließlich haben diese unterschiedliche Geschwindigkeiten und Schäden, die sie verursachen. Außerdem bringen die Karten noch Fähigkeiten mit sich, die, wenn sie geschickt eingesetzt werden, dafür sorgen, dass wir unbeschadet aus dem Kampf hervorgehen können. Und damit sind wir noch nicht am Ende. Schließlich haben wir noch Fähigkeiten der Trickwaffen, Schusswaffen mit Spezialfähigkeiten, Verbrauchsgegenstände und Belohnungen, die uns bei der Jagd helfen sollen und das ganze etwas planbarer machen. Doch dennoch gibt es Wahrscheinlichkeiten abzuwägen, da wir die Aktionen unserer Gegner mit Karten des entsprechenden Stapels bestimmen.

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Ein Spezialangriff durch den Gegner. Läuft…

Während wir uns durch die Welt bewegen, gibt die Ausgangskarte immer an, wann wir ein Ereignis auslösen. So kann es sein, dass wir eine Ereigniskarte ziehen müssen, wenn wir ein Haus betreten. Auf der Karte wird dann eine kleine Geschichte erzählt, die dann Teil einer Mission sein können. So erscheinen dann Gegner und andere Charaktere, mit denen wir interagieren müssen, um diese Aufgabe abschließen zu können. Schaffen wir es, erhalten wir Belohnungen und können das Kapitel beenden.

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Eine Überlebende gerettet.

Zuletzt gibt es dann noch den Traum des Jägers. Kenner der Vorlage wissen, dass wir dort aufleveln, neue Runen anlegen und unsere Waffen verbessern können. Im Brettspiel ist der Traum vor allem für eines da. Die Karten des eigenen Decks zu verbessern. Hier können wir Blutechos, die wir von besiegten Gegnern erhalten, einsetzen und neue Karten kaufen.

Das war es dann auch schon im Groben. Natürlich gibt es noch weitere Details, aber für einen ersten Überblick wäre das zu ausufernd.

Was macht Bloodborne richtig?

Natürlich muss man hier allem voran erst einmal eines nennen. Kennt man die Vorlage, findet man sich beim Öffnen der Schachtel so richtig abgeholt. Das beginnt mit den Miniaturen (allein schon die Klerikerbestie, Vikarin Amelia und Pater Gascoigne zu sehen ist episch!) und geht mit den vielen Details weiter. Seien es NSCs, Gegenstände, Waffen und Orte. Alles ist bekannt und ruft herrliche Erinnerungen hervor. Erinnerungen, die man natürlich nur hat, wenn man die Vorlage kennt. Aber das ist das Los einer Lizenzumsetzung und die trifft optisch schon mal direkt in mein Herz.

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Vieles erkennt man einfach.

Auch wenn meine ersten Schritte in Yarnham recht holprig waren, habe ich meine erste Partie als spannend empfunden. Zu sehen, wie sich das Spiel entwickelt, was alles passiert und vor allem, wie ich mich im Kampf anstelle. Zu erfahren, was mich erwarten wird. Der Ablauf wirkte als Brettspiel rund und voller Entscheidungen ohne mechanisch überfordern. Dabei hatte das Spiel alles, was man von einem guten Dungeon-Crawler erwarten kann. Erkundung, Kämpfe und Überraschungen.

Was nervt an Bloodborne?

Auch wenn so vieles vertraut wirkte, fühlt sich das Spiel gleichzeitig wie ein Fremdkörper an. Vieles ist designtechnisch nicht mit der Vorlage zu vereinen. Dass man gemeinsam durch die Welt streift, nehme ich noch als gegeben an. Schließlich ist es ein Brettspiel. Aber die Story-Karten laufen so stark gegen das, was Bloodborne für mich ausmacht, dass ich sie fast als störend empfinde. Schon der Anfang „Ihr habt den Auftrag erhalten…“ reißt mich komplett raus. Man bekommt in Bloodborne keinen Auftrag. Man nimmt an der Jagd teil und ist sich hier komplett selbst überlassen. Es gibt keine übergeordnete Macht, die einem sagt, was zu tun ist. Ja, es gibt Personen, die einen um Hilfe bitten, die einem sagen, was für Gefahren vor einem liegen. Aber sonst ist man sich selbst und seiner Freude an Entdeckung ausgeliefert. Das mag jetzt kleinlich wirken, aber nein. So wie das Brettspiel aufgebaut ist, ist es eben kein Bloodborne.

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Die beiden Gegner miteinander? Da könnte man genauso gut direkt aufhören.

Genauso die Kämpfe. Diese sind im Videospiel teilweise auch als schwer zu titulieren, doch schafft man es mit der steigenden Erfahrung die Abläufe zu lesen und ohne Schaden aus dem Kampf hervorzugehen. Einfach, indem man geschickt ausweicht und im richtigen Moment zuschlägt. Oder den Angriff eines Gegenspielers unterbricht und danach immens Schaden austeilt. Das fehlt mir hier bisher komplett. Natürlich muss ich noch Erfahrung sammeln, aber bisher sehe ich noch extrem wenige Möglichkeiten, unbeschadet aus einem Kampf hervorzugehen, indem ich elegant agiere. Gleichzeitig frage ich mich, wo die zwei wichtigsten Hebel aus Bloodborne hin sind. Was ist mit den Blutphiolen, mit denen ich mich heilen kann? Aber fast noch wichtiger, wo ist die Mechanik einen Teil des eingesteckten Schadens durch erfolgreiches Kämpfen wieder zu heilen? Sorry, aber das fühlt sich dann zu sehr nach einem 08/15 Crawler an, anstatt in der Welt von Bloodborne stattzufinden.

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So langsam kommt man voran.

Zuletzt wäre da noch der Schwierigkeitsgrad. Ich bin mit einem einzelnen Jäger losgezogen und habe das gleich innerhalb der ersten erkundeten Plättchen bereut. Denn es gibt nur wenige Skalierungen. Und so passiert es halt, dass man auch gerne mal direkt zwei starken Gegnern gegenübersteht, was einem Todesurteil gleichkommt. Allein schon, weil einem die Möglichkeiten, fehlen „fehlerfrei“ zu kämpfen. Hat man sie dennoch bezwungen, werden sie kurz darauf wieder erscheinen. Nicht, weil ich dies durch die Verwendung einer Lampe auslöse, sondern weil das Spiel es einfach möchte. Ich werde die nächste Partie auf jeden Fall mit zwei Jägern agieren, um eine gewisse Überlebenschance zu haben. So frage ich mich schon, ob irgendwer das Spiel überhaupt solo getestet hat, bevor die Spielerzahl auf die Schachtel gedruckt wurde.

Freue ich mich auf die nächste Partie Bloodborne?

Die Vorfreude ist ein wenig getrübt. Ja, die Partie war schon cool, aber die Optik reicht halt nicht aus, um das komplette Bloodborne Gefühl zu bekommen. Und nein, ich hätte es definitiv nicht besser hinbekommen, aber ich bin schließlich auch kein Designer, sondern einfach ein Fan, der am Tisch erfahren möchte, was ihn an der Konsole derart begeistert hat.

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Aber alleine schon, um herauszufinden, ob die Kämpfe doch taktischer werden können und man durch geschicktes Spiel wie ein Tänzer durch die Gegnerreihen schnetzelt, möchte ich noch weitere Partien absolvieren.

Dennoch werde ich vorher mal ein längeres Gespräch mit Tom suchen, der das Brettspiel schon erkundet hat. Vielleicht hat er noch den passenden Tipp für mich parat.

Weitere ersten Male:

Cthulhu - Death may Die - Brettspiel - Cover Ankh - Cover

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Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist. So erreicht ihr ihn: Christian@Spielstil.net

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