SPIELSTIL Rezension

Botanicus

Lesezeit: 6 Minuten

Ein Spiel entwickelt von Samuele Tabellini Ferrari, Vieri Masseini
erschienen bei Hans im Glück

All diejenigen, die schon versucht haben, einen Garten nach ihren Vorstellungen zu gestalten, können eines bestätigen. Das ist ständige Arbeit. Zumindest je nachdem, welchen Grad man erreichen möchte.

Ich habe Glück. Die Idee eines englischen Rasens ist mir fremd. Mein Garten soll vor allem zwei Zwecken dienen. Zum einen der Natur selbst, indem sich allerhand tierische Bewohner frei bedienen dürfen. Und dann noch dem bisschen Beeren- und Gemüseanbau, den wir betreiben. Trotz dem abschreckenden Versuch mit Homefarming – Das Spiel wurde mir zumindest der Wunsch nicht ausgetrieben.

Seit diesem Jahr haben wir zwei Hochbeete und diverse ausufernde Pflanzen, aber so richtige Hardcore Gärtner sind wir nicht. Dennoch freuen auch wir uns, wenn hübsche Blüten zu sehen sind.

Reicht das, um in Botanicus erfolgreich zu sein? Mitnichten. Denn die Kenntnisse, die man über Gärten im realen Leben sammelt, können dort nicht angewandt werden. Bis auf eine: Dass andere Menschen immer einen kritischeren Blick auf deinen Garten werfen als man selbst.

Darum geht es in Botanicus

Botanicus ist ein ziemlich solitäres Puzzlespiel. Alle haben ihre eigenen Gärten, die es zu bepflanzen gilt. Hierfür steht ihnen ein Gärtner zur Verfügung, der sich über die vorhandenen Wege bewegen lässt. Theoretisch ließe er sich komplett frei über die Karte ziehen, wenn nicht beinahe jeder Schritt Geld kosten würde. Und das ist durchaus ein kostbares Gut.

Nachdem unser Gärtner dort steht, wo wir ihn haben möchten, dürfen wir unsere Blüte auf eine Aktion der nächsten Spalte legen. Die Position der Blüte beeinflusst dann nicht nur die Aktion, die wir ausführen, sondern auch die Reihenfolge für die nächste Runde. Dabei ist es möglich auf dieselben Felder zu gehen, wie unsere Mitspielenden, jedoch kostet auch das Geld.

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Im Endeffekt gibt es drei Hauptaktionsarten, die sich auslösen lassen. Alle repräsentiert über eine eigene Laufleiste, über die wir mit unserem gewählten Feld marschieren. Da wäre die Schaufel, die uns erlaubt anzupflanzen. Der Wert gibt dabei vor in welcher Stufe sich die neuen Pflanzen befinden. Diese gehen von 1 (ganz klein) bis 4 (ausgewachsen).

Über die Schubkarre lassen sich Pflanzen gießen. Dadurch steigern wir den Status der Pflanze auf die nächste Stufe. Zuletzt ist da noch der Geldbeutel, der uns hauptsächlich Einnahmen beschert. Und zusätzlich lohnt es sich, noch die Leisten entlangzuschreiten. Denn wer am Ende angekommen ist, wird mit Siegpunkten belohnt und beginnt danach seine Reise wieder von vorne.

Dazu kommen noch kleinere Einmaleffekte, die ausgelöst werden können. Hier sind vor allem die Tiere zu erwähnen, die man freispielen kann. Diese liegen auf den Pflanzplätzen und müssen erst einmal verschwinden, bevor wir dort einen Topf platzieren können.

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Im Einsteigerspiel bringen die Tiere nur aufsteigende Siegpunkte. In der fortgeschrittenen Variante erfüllen sie noch weitere Funktionen. Zum Beispiel erhalten wir dank dem Eichhörnchen Geld, wenn wir Spalten vollenden, oder die Schildkröte lässt uns noch eine weitere Zielkarte ziehen.

Es läuft aber alles auf eines hinaus. Wir müssen Aufträge erfüllen. Diese sind in Form Schaulustiger am Rand jeder Zeile zu finden. Diese möchten in der Zeile bestimmte Pflanzen sehen. Haben wir diese, ist der Auftrag erfüllt und wir erhalten Punkte. Dabei hat jede Zeile zwei Aufträge. Einen fest aufgedruckten und einen, den wir selbst am Anfang der Partie – am besten passend – zuordnen.

Ist das Spiel vorbei, gewinnt, wer die meisten Punkte ergattern konnte.

Christian meint:

Ich muss erst mal ein Geständnis machen. In meiner ersten Partie hat mir Botanicus nicht gefallen. Ich stolperte so durch meinen Garten, erfüllte ein paar Aufträge und ärgerte mich darüber, dass das Spiel nach zwei Runden bereits vorbei sein sollte. Ich hatte mich gefragt, ob das schon alles war und mich auf eine harte Zeit vorbereitet, in der ich das Spiel immer wieder spielen muss.

Zum Glück lasse ich bei sowas nicht nach. Vielleicht hätte ich auch nicht mit der einfachen Version einsteigen sollen. Denn beim Wechsel auf die selbsternannte Experten-Variante und etwas mehr Übung, war das Spielerlebnis sehr befriedigend.

Die Experten Variante von Botanicus

Wobei wir auch erst einmal eines definieren müssen. Die Experten-Variante ist trotz der Wortwahl weit davon entfernt schwer zu sein. Wir befinden uns hier eher im unteren Kenner-Bereich. Nichts, was uns so richtig graue Haare bereiten würde.

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Das dient aber nur der Einordnung und soll jetzt kein elitäres Gerede der Art: „Schaut mich und meine tolle Künste an.“, sein. Aber, wer regelmäßig spielt, sollte mit Botanicus keine großen Probleme haben.

Wie ich schon erwähnte ist Botanicus wie alle anderen Puzzlespiele heutzutage sehr solitär. Wir werden nicht groß in unseren eigenen Plänen gestört, sondern können uns frei entfalten. Bis auf ein Problem. Die Wahl der Aktion. Aber auch hier können wir durch etwas Münzeinwurf nicht allzu stark blockiert werden. Vor allem, wenn man nicht in Vollbesetzung spielt.

So ist Botanicus schon einmal ein Spiel, bei dem man sich erst einmal wohlfühlen kann. Die eigenen Pläne werden kaum durchkreuzt, man hat viele Erfolgserlebnisse und wird mit einem Füllhorn an Punkten überschüttet. Das mag jetzt nicht sonderlich herausfordernd sein, aber es fühlt sich einfach gut an.

Dennoch benötige ich etwas planerisches Geschick. Vor allem beim Zuordnen der Aufträge und der Ausführung. Hat man das Prinzip erst einmal verstanden, wird man hier auch vor keine allzu großen Hürden gestellt.

Inzwischen verstehe ich auch, warum das Spiel „nur“ über zwei Runden laufen darf und nicht darüber hinaus. Es würde einfach kippen und einen Aktionsbaum vollkommen sinnlos werden lassen.

Äußerst gut haben mir die beiliegenden Schachteln für das Spielmaterial gefallen. Ich liebe es einfach, wenn alles seinen Platz hat. Ja, sie sind nicht komplett geschlossen, weswegen auch mal ein Plättchen beim Transport rausrutschen kann, aber das ist zu verschmerzen.

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Alles in allem hat mir Botanicus gut gefallen. Es hebt sich durch seine Wegplanung von den vielen anderen Puzzlespielen ab und spielt sich schön locker flockig. Dabei fühlt es sich belohnend und gut an. Zusätzlich sorgt es bei mir immer wieder für ein herrliches Gefühl der Verzweiflung. Und das ruft die Emotionen hervor, die für mich ein tolles Erlebnis ausmachen. Ein Spiel, welches ich nicht ständig auf dem Tisch haben muss, aber dennoch immer wieder gerne spiele. Nichts absolut Neues, aber in der Kombination dennoch unterhaltsam.

Dir hat die Rezension gefallen? Du denkst wir liegen völlig daneben? Lass uns wissen was du denkst.
Botanicus - Cover - Feature Image

Ein paar Anläufe habe ich gebraucht, aber inzwischen mag ich Botanicus sehr gerne. Ein schönes Rätsel, das mich immer wieder fordert und belohnt.

  • Erscheint bei Hans im Glück
  • Für 2 – 4 Spielende und dauert 45 – 60 Minuten
  • Am besten geeignet für Familie

Spielstil – Wertung

Christian:

8/10
Das gefiel uns
  • Schöner Hirnzwirbler
  • Spielt sich dennoch fluffig
  • Spannend und fordernd
Das nicht so
  • Sehr Solitär
  • Wenig wirklich neues
Hier bekommt ihr „Botanicus“

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Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Christian Renkel

Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

So erreicht ihr Christian:

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