SPIELSTIL Rezension

EXIT – Der Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde

Ein Spiel entwickelt von Inka Brand, Markus Brand
erschienen bei Kosmos

Die Marke EXIT dürfte zum zugkräftigsten gehören, was man aktuell auf dem deutschen Spielemarkt finden kann. Und um gleich Missverständnissen vorbeugen zu können, ich mag sie nicht. Ok, anfänglich gab es einen kleinen Grad Euphorie, aber inzwischen hat sich einfach eine Distanz gebildet, mit der ich sehr gut leben kann. Das beschränkt sich nicht auf die Marke EXIT an sich, sondern den ganzen Escape Spielen, die immer abstrusere Logikaufgaben entwarfen, um mir den letzten Nerv zu rauben.

Ja, ihr habt recht. Wahrscheinlich bin ich einfach zu dumm dafür. Ich persönlich würde es jedoch anders ausdrücken. Auch wenn es mir beruflich liegt, Probleme zu analysieren und eine Lösung dafür zu finden – selbst wenn diese um drei Ecken liegt – ist es für mich keine Freude, das am Spieltisch zu vollziehen. Aber vielleicht sollte gerade EXIT – Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde es schaffen mich mit dem Genre Escape Game zu versöhnen?

Schließlich mag ich Herr der Ringe, seitdem ich die Bücher das erste Mal gelesen habe. Und auch mein Sohn ist voll mit dem Mittelerde-Virus infiziert. Dazu soll dieses EXIT gerade für Einsteiger geeignet sein. Also alles in allem eine Mischung, die gerade mich abholen und bestens unterhalten könnte. Oder?

Mein lieber Frodo, Hobbits sind doch wirklich erstaunliche Geschöpfe. In einem Monat kann man alles Wissenswerte über sie lernen und doch können sie einen nach 100 Jahren noch überraschen.

(Gandalf – Herr der Ringe)

Ihr wisst ja, wie EXIT Spiele funktionieren. Und das ist bei EXIT – Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde nicht anders. Wir bekommen etwas Story präsentiert, dürfen dann Rätsel lösen und bekommen wieder einen Happen Geschichte.

So hangeln wir uns Stück für Stück voran, bis wir dann das Ende erreichen. Der Timer und die verwendeten Hilfen/Lösungen sagen uns dann, wie gut wir uns dabei geschlagen haben.

Meine Freunde, ihr verneigt euch vor niemandem.

(Aragorn – Herr der Ringe)

Christian meint:

Wusstet ihr, dass eine Gruppe abenteuerlicher Hobbits für den positiven Ausgang jeglicher Ereignisse im Herrn der Ringe verantwortlich war? Nein, ich meine natürlich weder Frodo, Sam, Merry oder Pippin, sondern die namenlosen Helferlein, die Gandalf parallel losgeschickt hat, um seltsame Rätsel zu lösen und damit dafür zu sorgen, dass der Ring vernichtet ist. Denn die Geschichte von EXIT – Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde treibt uns an altbekannte Schauplätze und verknüpft dabei Rätsel mit Ereignissen, die wir bereits aus den Büchern und Filmen kennen. Ich wundere mich dabei, warum ich mich darüber eigentlich nicht mehr aufrege.

Als junger Nerd wäre ich noch die Decke hochgegangen, wenn es Gandalf gleichzeitig schafft, mit dem Balrog in die Tiefe zu stürzen, ihn 8 Tage zu verfolgen und 3 Tage lang mit ihm zu Kämpfen und mir am Ausgang von Moria eine Nachricht zu hinterlassen. Oder vielleicht habe ich mich einfach auch schon mit dem ersten Ereignis damit abgefunden, dass das Spiel nicht mehr sein möchte als Fanservice für Menschen, die zu Ostern und Weihnachten in der zweiten Werbepause bei der TV-Wiederholung einschlafen. Ganz ehrlich, es hätte dem Spiel besser zu Gesicht gestanden, sich komplett von der Story zu lösen, diese ab und an am Rande zu erwähnen und sonst einfach in Mittelerde zu spielen, als sich alles so hinzubiegen, wie man es gerade braucht.

Dann sind da die Rätsel. Und die sind wie immer. Auf einer Gratwanderung zwischen „eigentlich ganz witzig“ und „komm, lass uns noch ein Hindernis einbauen, damit die Spieler so richtig genervt sind“. Und während ich etwa die Hälfte der Rätsel akzeptieren und als spaßig empfinden kann, würde ich lieber noch ein paar Runden Mensch ärgere Dich nicht spielen, anstatt mir über manche Dinge Gedanken zu machen. Vor allem, wenn sie einen wieder komplett aus der Immersion der Geschichte kegeln. Aber gut, das kann ein EXIT Fan wieder anders sehen als ich. Ich bin was das angeht eh ein Banause.

Hatten wir mit EXIT – Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde Spaß? Ehrlicherweise waren wir froh, als es vorbei war. Nicht, weil wir die gemeinsame Zeit miteinander nicht genossen hätten. Im Gegenteil, es ist immer wieder schön, mit meinem Sohn gemeinsam eine Leidenschaft zu teilen, zu diskutieren und zu spielen. Aber die Zeit wäre einfach besser in einen Titel investiert gewesen, der uns dann zusätzlich auch noch Spaß bereitet hätte.

Das EXIT – Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde hat auf jeden Fall keine innere Stimme so richtig befriedigt. Der Herr der Ringe Fan musste sich immer wieder zusammenreißen, um nicht loszupoltern. Der Rätsellaie immer wieder in einer der Lösungen nachschlagen. Aber vielleicht seid ihr ja leidensfähiger und intelligenter als ich. Dann wünsche ich euch eine schöne Zeit in Mittelerde.

EXIT – Der Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde von Inka Brand, Markus Brand

EXIT - Herr der Ringe - Schatten über Mittelerde

Ein Spiel sie zu knechten. Wenn ihr abstruse Rätsel mögt, die euch vorführen und dann noch verkraften könnt, dass der Kanon gegen den Strich gebürstet wird, seid ihr hier richtig. Meins ist es nicht.

  • Erscheint bei Kosmos
  • Für 1 – 4 Spielende und dauert 45 – 90 Minuten.
  • Am besten geeignet für Fortgeschrittene

Spielstil – Wertung

4/10
Das gefiel uns
  • Ein paar nette Rätsel sind dabei.
  • Herr der Ringe geht immer.
Das nicht so
  • Die Story ist EXIT typisch schwach.
  • Manche Rätsel nerven.
Hier bekommt ihr „EXIT – Der Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde“

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Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Christian Renkel

Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

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