Die verlorenen Ruinen von Arnak

Spieler: 1 - 4
Dauer:
30 - 120 Minuten
Zielgruppe: Fortgeschrittene

 Für Familien - Konfliktfrei - Multi-Singleplayer - Solo spielbar - Spielstil Empfehlung - Zu zweit spielbar

- 4.Jan.2021

Hypes haben ein großes Problem, welches sie wie eine wuchtige Woge vor sich herschieben. Nachdem man der Welle aufgesessen ist, gibt es meist nur einen Weg. Nämlich abwärts. Und oftmals ist es das, was ein Hype mit sich bringt. Eine sich stets aufbauende Spannung, die in ihrem Klimax gipfelt, wenn man das Spiel dann endlich in Händen hält. Froh den Trieb des Jägers befriedigt zu haben, die Genugtuung, seinen guten Geschmack durch einen besonderen Titel bewiesen zu haben, geht es mit einer großen Erwartungshaltung an die erste Partie. Die Fallhöhe ist extrem und man nimmt den kompletten Weg hinab mit. Denn wir haben durch den Hype mehr in ein Spiel hineininterpretiert, als es erfüllen könnte. Eine tiefgehende Beziehung zu etwas aufgebaut, von dem wir nicht wussten, dass es doch nicht reines Gold ist, sondern auch einen Makel hat.

Ich persönlich hatte bei die verlorenen Ruinen von Arnak großes Glück. Meine erste Begegnung mit dem Spiel lief direkt auf eine Kennenlernpartie hinaus. Auf der Castle Tricon 2020 hatte ich das Spiel das erste Mal gesehen, erklärt bekommen und direkt digital angespielt. Und was soll ich sagen? Das Spiel hat mich gleich in seinen Bann gezogen. Begeistert sehnend auf die analoge Variante wartend.

Nun liegt das Spiel bei mir und wurde fleißig getestet. Und eines möchte ich gleich hier sagen. Mir gefällt das Spiel immer noch. Aber was es für mich gut macht, mit welchem Problemen man klar kommen muss und was das Spiel tatsächlich ist, erzähle ich euch hier. Also setzt euch nicht auf den Hypetrain, sondern informiert euch mit dem nötigen Abstand, damit ihr auch wirklich ein Spiel bekommt, welches euch dann Freude bereitet. Vielleicht.

Das Kreuz gehört in ein Museum!

(Indiana Jones - Der letzte Kreuzzug)


Die verlorenen Ruinen von Arnak sind eine Mischung aus Deckbuilder, Worker-Placement und Euro-Spiel. Dabei wurden alle Bereiche lediglich angeschnitten, um es nicht unnötig kompliziert zu machen. Am Zug verwenden wir unsere Karten und Rohstoffe, um eine Aktion auszuführen.

Die verlorenen Ruinen von Arnak

Das Brett zu Spielbeginn.

Es ist unter anderem möglich, neue Karten für sein Deck zu kaufen. Hier wird zwischen Artefakten und Gegenständen unterschieden. Artefakte lösen ihre Fähigkeit dabei sofort aus, Gegenstände wandern erst einmal unter das Deck.

Dann kann man sich noch im Camp mit Rohstoffen eindecken. Wichtig hierfür sind die Bewegungspunkte der Handkarten, sowie ein freier Arbeiter... äh... Forscher. Hat man die Bewegung bezahlt und den Forscher platziert, erhält man die angegebenen Rohstoffe.

Die verlorenen Ruinen von Arnak

So langsam füllt sich der Plan.

Gleiches gilt für die Ruinen im Urwald. Für diese werden dann andere Bewegungsarten (Boot, Auto) fällig, zusätzlich zu Kompassen. Hier können wir dann neue Orte entdecken und profitieren sofort von ihren Belohnungen. Leider steht bei jedem neuen Ort auch gleich ein Wächter. Besiegen wir ihn (indem wir die angegebenen Rohstoffe abgeben), gibt es nicht nur Punkte. Nein, denn müssen wir einen Arbeiter von einem Wächter zurücknehmen, erhalten wir eine Furchtkarte, die unser Deck verlangsamt und Minuspunkte bringt.

Die verlorenen Ruinen von Arnak

Für diesen Wächter benötigen wir eine Pfeilspitze und ein Flugzeug.

Zuletzt gibt es noch die Forschungsleiste. Auf dieser können wir uns durch Abgabe von Rohstoffen Stück für Stück nach oben arbeiten. Das Besondere. Wir haben hier zwei Marker, für die gilt, dass das Buch nie höher sein darf als die Lupe. Durch die Leiste erhalten wir am Spielende Siegpunkte und während der Partie Bonusse.

Eine Partie die verlorenen Ruinen von Arnak endet nach 5 Runden. Wer dann die meisten Siegpunkte vorweisen kann, hat gewonnen.


Heute hast du verloren, Kleiner...aber das muß Dir ja nicht gefallen.

(Indiana Jones - Der letzte Kreuzzug)

Christian meint:

Ich weiß, ich bin nicht der Erste, der seine Meinung zu Arnak kundtut. Das liegt aber auch einfach daran, dass ich ein Spiel immer wieder tatsächlich gespielt haben will, bevor ich voreilig die Schachtel in die Kamera halte und verkünde, dass ich das Spiel des Jahres in den Händen halte. Das bremst natürlich etwas, aber für mich persönlich ist es wichtiger, gewissenhaft zu informieren, anstatt einen Hype zu schüren. Und so wird das auch bei den verlorenen Ruinen von Arnak der Fall sein.

Die verlorenen Ruinen von Arnak

Auf dem separaten Tableau hat jeder Rohstoff seinen Platz.

Also, bevor ich ins Detail gehe, muss ich erst einmal eine Theorie in den Raum stellen. Denn in der letzten Zeit habe ich vermehrt in sozialen Medien von Spielern gelesen, die unglaublich enttäuscht von diesem Titel waren. Die Theorie, sie sind alle an ihrer Erwartungshaltung gescheitert. Denn hinter die verlorenen Ruinen von Arnak versteckt sich ein Kennerspiel im oberen Bereich. Es ist kein Euro-Monster, dessen Komplexität dafür sorgt, dass ein reines Duell des Geistes vorliegt. Nein, es will gezielt Spieler ansprechen, die einfach ein schönes, aber nicht banales Spiel haben möchten. Und genau diese Bedarfslücke füllt das Spiel voll und ganz aus.

Die verlorenen Ruinen von Arnak

Die Startkarten.

Es fühlt sich tatsächlich wie ein kleines Abenteuer an und sieht dabei wunderschön aus. Das Spiel führt einen in den Dschungel, zu traumhaften Ruinen und albtraumhaften Wächtern. Dabei werden wir, wenn wir gut spielen, mit vielen Ressourcen hantieren, die es gilt, am Besten einzusetzen. Dass man selten um sie kämpfen muss, wird auf manch Euro-Spieler den Eindruck machen, dass das Spiel belanglos sei. Aber nein, das ist es nicht. Es erlaubt tolle Kettenzüge in den letzten beiden Runden. Für diese ist jedoch auch ein guter Schuss Glück nötig. Oder sagen wir besser behilflich. Denn kommen die passenden Karten zu den richtigen Momenten, werden wir in unserer Taktik unterstützt. Das ist bei der kurzen Spieldauer für mich verschmerzbar. Nein, sogar eher förderlich, um Spannung aufzubauen. Und ja, eigentlich ist es thematisch, dass wir eben nicht wissen, was uns auf unserer Expedition erwartet.

Die verlorenen Ruinen von Arnak

Im Mark sehen wir links vom Stab (der die Runde markiert) die Artefakte, rechts die Gegenstände.

Ja, das Material ist ziemlich schwankend. Ein toller Spielplan, schöne Ressourcentoken und ansehnliche Grafiken treffen auf viel zu dünne Karten. Für ein Spiel, bei dem ein Hauptteil darin besteht, diese zu mischen, ein ziemliches KO-Kriterium. Schade, hier wäre mehr drin gewesen.

Die verlorenen Ruinen von Arnak

Für 2 Gold können wir uns einen Bogen kaufen. Dieser ist am Spielende 2 Siegpunkte Wert. Außerdem bietet sie neben ihrer Eigenschaft noch ein Auto (oben links).

Aber das Wichtigste. Macht das Spiel spaß? Verdammt, ja. Das macht es. Es gibt etwa zwei Handvoll Titel, die meine Frau von sich aus vorschlägt, wenn es um die Frage geht, was wir nun spielen sollen. Und nur eine Handvoll, die sie selbst aus dem Regal zieht und eine Partie einfordert. Und die verlorenen Ruinen von Arnak gehören dazu. Das liegt an dem tollen Spielgefühl. Es ist auf der einen Seite ein Wohlfühltitel mit der nötigen Prise Abenteuer. Andererseits ist man geistig nicht zu unterfordert, als dass es sich so anfühlt, dass man seine Zeit verschwendet hätte. Nein, es ist schön und weiß zu gefallen, wenn man sich vorher nicht mehr Inhalt eingeredet hat, als in die Schachtel gepackt wurde.

Das gefiel uns:

  • Optisch ein Highlight.
  • Abenteuerthema holt voll ab.
  • Das Spielgefühl ist rund.

Das nicht so:

  • Man spielt wieder gemeinsam allein.
  • Die Karten dürften etwas qualitativer sein. Bereits nach kurzer Zeit Abriebe erkennbar.

Zusammenfassung

Ein tolles Abenteuerspiel im gehobenen Familiensektor. Bisher waren wir nach jeder Partie fast schon ein klein wenig wehmütig, dass sie bereits vorbei war.

Spielstil Wertung

9
10
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Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.
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Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist. So erreicht ihr ihn: Christian@Spielstil.net

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