Akte Whitechapel – Heidelberger – 2011

Ihr Fans der Akte Whitechapel, ihr müsst nun stark sein. Die Erweiterung „Dear Boss“, die für dieses Jahr auch auf Deutsch angekündigt ist, wird wohl nicht zur Spiel in Essen erscheinen.
Nachdem ich nun alle Hoffnungen zerstört habe verwende ich dann doch eben jene angekündigte Erweiterung als Aufhänger. Denn was verbirgt sich nun tatsächlich hinter Akte Whitechapel? Whitechapel ist ein Stadteil von London der Ende des 19. Jahrhunderts durch einen gewissen Jack the Ripper berühmt wurde. Dieser beging Morde an Prostituierten und wurde seinerzeit nie geschnappt. Ob ihr es besser könnt, könnt ihr nun in diesem Brettspiel versuchen.
Einer der Spieler übernimmt hierbei die Rolle von Jack, der Rest sind die Polizisten, die ihn jagen. Jack gewinnt, wenn er in insgesamt 4 Nächten 5 Prosituierte tötet und entkommen kann. Die Polizei gewinnt, wenn sie Jack vorher fangen kann. Es gibt im Spielablauf gewisse Parallelen zu Scotland Yard, aber das schauen wir uns besser im Detail an.
 
Whitechapel 


Der Ablauf

Bebilderte Beispielszüge findet ihr in dieser Galerie:

Hier seht ihr einen Auszug aus einem Spiel mit zwei Spielern.

Jeder startet mit 4 Karten auf der Hand. Eine grüne Defuse-Karte zum Entschärfen einer Katze hat jeder, der Rest ist zufällig ausgeteilt.

In der ersten Runde sind wir wagemutig und ziehen nur eine neue Karte.

Wir erhalten eine rote Nope-Karte. Damit können wir in Zukunft eine Aktion des Gegners unterbinden.

Nachdem unser Gegner gezogen hat, spielen wir eine schwarze Favor-Karte. Laut Beschreibung auf der Karte bitten wir um Rückenhaarshampoo und erhalten vom Gegner eine Karte seiner Wahl geschenkt.

Der Gegner schenkt uns eine Tacocat.

Alleine hätte diese Karte keinen Nutzen. Haben wir aber zwei identische „nutzlose“ Karten, können wir diese zusammen ausspielen und dürfen vom Gegner eine Karte ziehen.

Unser Gegner besitzt allerdings auch eine rote Karte und verhindert unsere Aktion.

Wir spielen sofort unsere eigene Nope-Karte, füttern dem Gegner ein Nope-Sandwich und machen unsere Aktion dank doppelter Verneinung wieder aktiv.

Wir ziehen vom Gegner eine beige Shuffle-Karte.

Am Ende unseres Zuges müssen wir natürlich noch eine Karte ziehen. Mit einer großen Menge Pech ziehen wir die einzige Exploding Kitten im gesamten Stapel.

Wir spielen unsere grüne Defuse-Karte, lenken die Exploding Kitten mit einem Laserpointer ab und haben sie so entschärft.

Im geheimen dürfen wir jetzt die Exploding Kitten wieder im Stapel platzieren. Voller Boshaftigkeit legen wir sie ganz oben auf den Stapel und hoffen darauf den Gegner zu zwingen seine Defuse-Karte abzulegen.

Leider scheint unser Gegner uns nicht zu vertrauen. Er spielt eine blaue Skip-Karte, reitet auf einem Kaninchenraptor davon und überspringt so seinen eigenen Zug. Wir sind wieder an der Reihe.

Da wir ja wissen was für eine Karte ganz oben liegt spielen wir unsere Shuffle-Karte. Eine Mischung aus Abraham Lincoln und einer Krabbe wird zum Präsidenten gewählt und so dürfen wird den Kartenstapel einmal kräftig durchmischen.

Nach dem Mischen müssen wir natürlich noch die oberste Karte ziehen.

Das Spiel geht jetzt so weiter bis entweder wir oder unser Gegner die Exploding Kitten zieht und keine Defuse-Karte mehr hat. Der Spieler der übrig bleibt hat automatisch gewonnen.


Die Erweiterung

Wie oben bereits erwähnt ist aktuell eine Erweiterung mit dem Namen „Dear Boss“ angekündigt. Neben schöneren Figuren enthält diese einen Sichtschirm für Jack. Außerdem gibt es 3 Module, mit denen das Spiel modifiziert werden können. Je nachdem, ob es den Polizisten zu leicht gelingt oder ob Jack diesen immer wieder ein Schnippchen schlägt kann man den Schwierigkeitsgrad für die einzelne Gruppe anpassen. So können Polizisten Sonderfähigkeiten erhalten oder Jack gezwungen werden durch einen zugeteilten Charakter in einem bestimmten Bereich sein Versteck einzurichten und bestimmte Voraussetzungen erfüllen zu müssen (Beispiel, die erste Bewegung muss immer ein Gassen-Zug sein).
Aber auch Jack kann es leichter haben, mit den Prostituierten-Karten erhält er Vorteile gegenüber den Jägern.


Fazit

Die Akte Whitechapel ist kein Spiel für sanfte Gemüter. Zwar hält sich die Gewaltdarstellung in Grenzen, aber wenn man bedenkt, dass es hier doch um Prostituiertenmord geht dürfte der ein oder andere doch ein ungutes Gefühl bekommen. Nenn mich Gefühlskalt, aber, obwohl ich Thematische Spiele mag, würde ich nie so weit versinken, als dass ich sagen würde, dass ich nun jemanden abgeschlachtet habe. Aber ehrlich gesagt ist das ein Thema für einen anderen Zeitpunkt. Was dürfen Spiele und wie weit darf ein Verlag gehen?

Aber nun besser zur Akte Whitechapel selbst. Ich kann gleich eines sagen, ich mag das Spiel. Denn es ist für beide Seiten sehr spannend gehalten. Der Puls als Jack wird sich regelmäßig nach oben schrauben, wenn sich ihm die Polizisten zu sehr an die Fersen heften. Gleichzeitig macht es eine Riesenfreude, wenn man den Gegnern bei einem für sie kooperativen Spiel zuhört. Die Vermutungen, welchen Weg man genommen hat sind meist haarsträubender als das, was man tatsächlich gemacht hat. Teilweise könnte man sich für die nächste Nacht auch den einen oder anderen guten Tipp holen.

Für die Polizisten selbst ist es spannend den Weg von Jack zu verfolgen und das mögliche Geheimversteck gut genug einzukreisen. Denn nur so haben sie überhaupt die Chance Jack irgendwann festzusetzen. Wie bei allen anderen kooperativen Spielen zählt hier jedoch auch, dass man eine ausgeglichene Gruppe haben sollte. Keinen, der versucht das Ruder an sich zu reißen. Wobei man mit der Rolle des Jack die Möglichkeit hat das zu kompensieren. Gleichermaßen sollten alle am Tisch Spaß an der Deduktion haben. Denn das ist für das Spielgefühl enorm wichtig. Ich weiß, die richtige Phrase wäre: „Mit den richtigen Spielern ist es ein tolles Spiel.“, aber das kann ich nicht über die Lippen bringen…

Von mir erhält die Akte Whitechapel eine klare Empfehlung. Auch zu zweit ist es gut spielbar, wobei es Jack dann aufgrund der besser abgestimmten Aktionen der Polizei um einiges schwerer hat, was man durch die im Spiel befindlichen optionalen Module anpassen kann. Ob die Erweiterungen (außer durch die Figuren) einen großen Einfluss auf das Spiel haben wird kann ich bisher nicht beurteilen. Ihr werdet aber mit dem Grundspiel allein bereits derart spannende Katz und Maus Spiele haben, dass sich die Anschaffung auch wirklich lohnt.

 

Akte Whitechapel

Heidelberger 2011


Autor: ‎Gabriele Mari, Gianluca Santopiertro
Dauer: ca. 120 Minuten
Spieler: 2 – 6
Schwierigkeit: Fortgeschrittene

Anmerkungen

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