SPIELSTIL Preview

A Song of Ice and Fire: Erste Gedanken

Ein Spiel entwickelt von Eric M. Lang, Michael Shinall
erschienen bei Asmodee, Cool Mini Or Not

- 25.Jul.2022

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Klassische Erzfeinde!

Vor vielen Jahren (na gut, 2017 – vor 5 Jahren also) bin ich über den Kickstarter von CMON gestolpert, in dem ein Tabletop zu A Song of Ice & Fire angekündigt wurde – passenderweise mit demselben Namen. Ein Tabletop zu A Game of Thrones von George R.R. Martin? Ich war sofort Feuer & Flamme (oder Feuer & Eiszapfen?!) für das Spiel, aber irgendwie hat mich damals das Spielprinzip so gar nicht überzeugt und ich habe müde abgewunken. Ach ja, ein Tabletop mit mauen Regeln und dem Westeros-Hintergrund. *gähn*. Klar verkauft sich das, aber nicht an mich!

Nun hat es sich vor ein paar Wochen ergeben, dass ich wieder über dieses Spiel gestolpert bin und mehr dazu gelesen habe. Nach ein wenig mehr Vertiefung in die Regeln musste ich zugeben: Hm. Vielleicht ist dieses Spiel doch nicht so schlecht? Aber ich bräuchte mindestens einen Spielpartner, der auch Lust darauf hat – das hier ist kein Solozentriker-Material, sondern knallharte Duell-Ware!

Also habe ich mir meinen langjährigen Arkham Horror Kompagnon geschnappt und gesagt: Christoph, altes Haus! Hast Du nicht genug von den Großen Alten? Dem leidigen Chaos-Beutel, aus dem immer wieder nur Totenschädel, Tentakeln oder Schlimmeres gezogen wird? Den Kampagnen, die von „unfair“ bis „extrem unfair“ reichen? Wollen wir nicht mal etwas in einer freundlichen, friedvollen und belohnenden Welt spielen??

Und er antwortete mir: Ja, das wäre wirklich toll!

Ich: Ja, doof, sowas habe ich nicht. Aber wie wäre es mit Blut, Leid, Tod und noch mehr Blut auf den Schlachtfeldern von Westeros?

Und so haben wir uns also die neuen Starterboxen Stark & Lennister (grusel – ich mag die deutschen Namen nicht so richtig als langjähriger Konsument der englischen Bücher und Serie) geholt und mussten nur noch entscheiden, wer welches Haus spielen wird. Da wir beide keine echte Präferenz hatten, wurde der gute, alte Chaos-Beutel konsultiert – ihr erinnert euch, weiter oben?

Christoph zog als erster eines der beiden bestimmenden Symbole – kritischer Erfolg oder Niederlage – und zwar das bläuliche Elder Sign – damit war es also entschieden, und er übernahm die Führung von Haus Stark. Ob das tatsächlich so gut ist, wie es das Elder Sign vermuten lässt – nun, wie werden sehen…

Jedenfalls werden wir euch künftig in lockerer, unregelmäßiger Folge hier an unseren Abenteuern auf den Schlachtfeldern von Westeros teilhaben lassen. Heute fangen wir schon mal damit an, was wir von diesem Spiel denn eigentlich erwarten.

Christophs Gedanken zu A Song of Ice and Fire

Christoph Stark

Und so ist dann endlich passiert! Mit A Song of Ice and Fire tauche ich das erste Mal meine Zehenspitzen in die Tabletop-Welt. Eigentlich komme ich nämlich aus der Brettspielecke (im Vergleich zum Rest hier auf der Seite aber auf Amateurniveau!). Mit Tabletops habe ich zwar immer wieder ein wenig geliebäugelt, mich aber nie getraut ins kalte Wasser zu springen. Letztendlich war ich mir nämlich nicht sicher, ob die Systeme überhaupt interessant genug sind, um den Geld- und vor allem auch den Zeitaufwand für mich zu rechtfertigen. Gerade deshalb habe ich mich über die Gelegenheit hier gefreut einfach mal zu zweit auszuprobieren, ob das etwas für mich ist. Dementsprechend bin ich gespannt, ob ich nach der Erfahrung dann noch tiefer eintauchen oder wieder zurück ans Ufer schwimmen möchte.

Als erstes habe ich mir direkt mal die App heruntergeladen und mich mit den Regeln und Einheiten vertraut gemacht. Die App lässt keine Wünsche offen und hat auch das tolle Feature, dass man mit zwei Klicks alles auf Englisch umschalten kann. Ich will hier jetzt nicht zu einer Tirade zur deutschen Übersetzung ansetzen, aber die Sprachumstellung war schon wichtig, um meinen Blutdruck zu schonen.

Die Spielregeln scheinen zumindest in der Theorie auch schon mal ganz interessant zu sein. Sie verlieren sich nicht in Spezialfällen, sondern sind auf das Wesentliche reduziert und wirken logisch. Gleichzeitig gibt es aber mit Armeezusammenstellung, Taktikkarten, Politik-Feldern usw. so viele Schlachtfelder, dass das Spiel nicht zu einem banalen „Sich-gegenseitig-tot-Würfeln“ verkommt.

Die Starterbox macht einem den Einstieg dann auch noch leicht, weil einfach alles drin ist, was man braucht, inklusive genügend Würfel und Entfernungsmesser jeweils im Fraktionsdesign. Soweit zumindest mal ein richtig guter Eindruck, ohne es je gespielt zu haben!

ASOIAF Komponenten Würfel

Würfel mit Fraktions-Symbolen! Edel!

Die Armee der Starks, die mir der Chaosbeutel zugeteilt hat, hat dann auch tatsächlich das Motto „Winter is coming!“ verinnerlicht. So wie man einen Vorratskeller anlegt, um den langen Winter durchzustehen, heißt es auch beim Haus Stark, wann immer man niedergeprügelt am Boden liegt: Mund abwischen, Krönchen zurechtrücken und weiter geht’s! Spielmechanisch ist das dann so umgesetzt, dass die meisten Einheiten immer stärker werden, je mehr Ränge sie verloren haben.

Die einzelnen Häuser aus dem Norden, die sich unter dem Banner der Starks versammelt haben, bringen dann nochmal unterschiedliche Geschmacksrichtung von Durchhaltevermögen mit sich. So werden z.B. die Berserker von Haus Umber naturgemäß immer wilder und teilen noch mehr aus, je näher sie ihrem eigenen Untergang sind.

ASOIAF Komponenten Wolf

Robb Stark mit seinem treuen Wolf Grauwind!

Letztendlich gehe ich also mal davon aus, dass Haus Stark erst einmal ins Hintertreffen geraten wird, um sich dann aber am Ende doch noch durchzusetzen. Wenn der Winter kommt, ist schließlich das letzte, was man aus dem Wald noch hört, das Geheul der Wölfe.

Toms Gedanken zu A Song of Ice and Fire

Tom LennisterDas Haus Lennister also, die „Bösen“. Ach pff, gut, böse – im Spiel um den Eisernen Thron gibt es nur lebendig oder tot. Gedanklich löse ich mich mal von den „bösen“ Dingen der Lennisters. Letztendlich ist kein Charakter der Geschichte so eindimensional.

Mein zweiter Gedanke war: Och, schade. Die Starks haben einen dicken Wolf, die Lennisters haben irgendwie nichts Besonderes, Spezielles – doch Moment! Wenn ich genauer darüber nachdenke, haben sie das sehr wohl! Immerhin haben die Lennisters gleich zwei Helden, die im ganzen Königreich (und darüber hinaus) bekannt und gefürchtet sind. Zum Einen wäre da Jaime Lennister, der beste und fähigste Schwertkämpfer überhaupt! Und dann Ser Gregor Clegane, der Berg! Ein Mensch, so stark wie ein Pferd! Ja – kein Wolf, aber dafür lebende Legenden! Wow!

ASOIAF Komponenten Der Berg

Ser Gregor Clegane – Ein Berg von einem Mann!

Was die Armee angeht, so sehe ich viele Soldaten – das war schon klar – und sie haben: Gute Rüstungen! Gute Waffen! Und viel Geld! Also erwarte ich von dieser Armee, dass sie jedem Angriff standhält, und dann unerbittlich zurückschlägt und die Aggressoren für die Frechheit blutig bestraft, an einen Angriff auch nur zu denken! Und mit dem nötigen Gold sollten meine Truppen auch stets motiviert sein und nicht feige vom Schlachtfeld fliehen!

Überhaupt erwarte ich von einem bedrohlichen Haus wie den Lennisters, dass sich jeder Gegner zweimal überlegt, ob er angreift – oder lieber gleich flieht und sich ergibt! Also: Moral- und Panikproben! Und zwar ständig und überall! Um möglichst viel in die Pläne meines Gegenübers zu pfuschen.

Pläne vereiteln, das denke ich auch bei meinen beiden zivilen Einheiten: Sowohl Tyrion, als auch Cercei, sind in den Büchern extrem gut darin, Intrigen zu schmieden und Pläne zu durchkreuzen. Ihre Fähigkeiten bilden das gut ab, können sie doch Konterkarten aus dem Kartenstapel fischen!

ASOIAF Komponenten Alles Drin

Bis zum Rand voll und alles drin, was man zum Spielen braucht!

Also Fazit: Ich erwarte, dass die Lennisters standhalten, kontern und am Besten noch viel schlimmer zuschlagen, so dass der Feind direkt flieht; während die zivilen Einheiten die Pläne meines Gegenüber über den Haufen werfen.
Meine Befürchtung: Die Starks schlagen noch stärker zu…

Was meine Erwartung, das eigentliche Spielsystem betreffend, angeht:  Ich mag das Rank&File-System von A Song of Ice & Fire. Sogar Helden müssen sich Einheiten anschließen, und rennen nicht einfach alleine durch die Gegend. Das finde ich sehr schön. Und da man sich mit der Aktivierung der Einheiten abwechselt, entsteht ein tolles Katz-und-Maus-Spiel, wenn man darauf wartet, welche Seite zuerst „zuckt“. Damit man tatsächlich aufeinander zugeht, gibt es eine ganze Reihe von Szenarien, bei denen es um das Erreichen von Siegpunkten geht, welche man durch das Besetzen von Zielen erhält. Sehr gut!

Damit es keine zu starken Kombinationen gibt im Zusammenspiel von Einheiten auf dem Schlachtfeld, zivilen Einheiten und Taktikkarten, gibt es das sehr praktische und einfach anzuwendende Limit, dass kein Würfel mehr als einmal pro Seite neu gewürfelt werden darf; und dass jede Seite nur maximal eine Sonderfähigkeit oder Taktik pro Auslöser verwenden darf. Sehr clever von den Autoren!

ASOIAF App

Aktuelle Regeln und kostenlos – die App lässt keine Wünsche offen

Abgerundet wird das ganze Paket durch eine praktische App, die nicht nur die aktuellen Regeln beinhaltet und alle (wirklich alle!) Einheiten mit ihren Werten, sondern auch noch einen kompletten Armee-Editor bietet, um sowohl seine Sammlung, als auch die Aufstellung, die man spielen möchte, zu pflegen. Außerdem ist sie kostenlos und erfordert keine „komischen“ Berechtigungen, wie Mikrofon oder GPS-Koordinaten. Einzig als WebApp wäre sie noch besser.

In diesem Sinne: HÖRT MICH BRÜLLEN!

Abschließend…

…stelle ich fest, dass wir Beide sehr gespannt der ersten Schlacht entgegen fiebern und schon sehr gespannt sind, wie sich unsere beiden Armeen schlagen werden! Wir werden berichten, versprochen – denn ein Lennister begleicht immer seine Schuld!

Update 1.8.: Mittlerweile haben wir bereits unsere erste Schlacht als Schlachtbericht zu Papier gebracht: A Song of Ice and Fire: Erstes Blut

ASOIAF Würfelteller

Portrait Tom
Written by Thomas Büttner
Tom schätzt neben komplexen Euros auch thematisch satte Solitär-Meisterwerke - und natürlich feine App-Umsetzungen. Dabei wird er schon mal ungehalten, wenn die Steuerung umständlich ist oder das User Interface unintuitiv.
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