Tavernen im tiefen Thal – Schmidt Spiele – 2019

Wer schon immer mal die kleine Kneipe besitzen wollte, der hat mit den “Tavernen im tiefen Thal” die Möglichkeit sein gastronomisches Geschick unter Beweis zu stellen. Gleichzeitig erfährt man dabei, was es bedeutet, wenn Mitarbeiter ausfallen oder zahlungsfreudige Kunden ausbleiben, weil die Tische von “ein Spezi bitte” Gästen verstopft werden. Ob ihr nach dem Spiel weiterhin den Traum von der Bewirtung habt, sagen wir euch im Fazit.


Die kleine Kneipe in unserer Straße, da fragt dich keiner, was du hast oder bist.

(Peter Alexander)

Die “Tavernen im tiefen Thal” sind ein Deckbuilder mit Tableau und Würfelglück. Stück für Stück bauen wir unser Deck dabei um Mitarbeiter und Gäste aus, welche sich beide von unterschiedlichen Rohstoffen (Geld oder Bier) angezogen fühlen. Außerdem will die Taverne natürlich ausgebaut werden, um weitere Vorteile zu nutzen, sowie Adlige anzulocken. Letztere sind gerne unter sich, so dass sie nicht nur Siegpunkte, sondern einen Haufen Geld bringen können. Nach acht Runden ist das Spiel vorbei und es gewinnt zur Abwechslung mal der Spieler, der die meisten Punkte gesammelt hat.

In dieser Galerie findet ihr ein paar Runden als Beispiel zum Ablauf des Grundspiels:

Wir spielen zwar zu zweit die "Tavernen im tiefen Thal". Dennoch zeige ich euch vorwiegend unsere eigenen Züge.
Wir beginnen mit Runde eins.
Wie angegeben, nehmen wir uns einen Thekengast. Wir entscheiden uns für diese Seite und legen damit den Bonus fest, für den wir ihn nutzen können.
Danach beginnen wir Karten von unserem Deck aufzudecken. Dies machen alle Spieler gleichzeitig.
Gäste werden dabei an freie Tische gesetzt.
Jeder Mitarbeiter hat seinen eigenen Bereich. Bedienungen kommen zum Beispiel hierhin.
Wir decken immer weiter Karten auf, bis alle unsere Tische mit Gästen besetzt sind.
Danach werfen wir für jede Bedienung einen unserer gelben Würfel.
Danach nimmt jeder Spieler seine vier weißen Würfel und wirft sie.
Jeder wählt von seinen Würfeln einen aus.
Danach gibt er den Rest weiter.
Dies geht so weiter, bis jeder Spieler vier weiße Würfel vor sich liegen hat.
Diese verteilen wir auf unsere Gaststätte. Manche Felder erwarten ein bestimmtes Ergebnis. Auf manche dürfen mehrere Würfel abgelegt werden.
Wir lösen zuerst drei Würfel aus. Wir erhalten von jedem Gast den aufgedruckten Geldbetrag.
Wir verwenden die vier Goldmünzen, um eine weitere Bedienung anzuwerben.
Neu gekaufte Karten werden dabei immer auf den Nachziehstapel gelegt.
Danach erhalten wir ein Bier.
(Bitte entschuldigt, ich habe hier versehentlich bereits die aufgewertete Variante des Fasses ausgelegt)
Da wir für ein Bier nichts erhalten, lagern wir dieses ein.
Als nächstes werten wir den Mönch.
Dieser lässt uns auf der Klosterleiste voranschreiten.
Danach werfen wir noch den Thekengast ab.
Dadurch laufen wir ein weiteres Mal auf der Klosterleiste und erreichen den ersten Bonus.
Wir nehmen einen Bierfahrer und legen ihn auf unseren Nachziehstapel.
Nachdem alle Spieler an der Reihe waren, wandern die gespielten Karten auf den Nachziehstapel und der Startspielermarker geht zum nächsten Spieler.
Es beginnt Runde zwei. Wir dürfen einen der zwei angegebenen Bonusse wählen. Wir entscheiden uns für den Bierfahrer, der auf unseren Nachziehstapel wandert.
Nachdem wir unsere Karten gezogen haben, sieht unsere Taverne wie folgt aus.
Erneut beginnen wir damit zuerst den gelben Würfel für unsere Bedienung zu werfen.
Danach folgen die vier weißen.
Wie zuvor wählen wir in jedem Schritt einen Würfel und geben dann die restlichen weiter an den nächsten Spieler. Das wird wiederholt, bis jeder vier weiße Würfel hat.
Diese verteilen wir auf die Taverne.
Wir entfernen diesen Würfel um zwei Goldstücke zu erhalten.
Da wir nichts kaufen möchten, lagern wir sie komplett ein.
Danach lösen wir diese zwei Fünfen aus.
Mit ihnen können wir zwei Schritte auf der Klosterleiste machen, wo wir unseren nächsten Bonus erreichen.
Dieser erlaubt uns einen Gast von der Theke aus dem Spiel zu entfernen.
Zuletzt wenden wir uns dem Bier zu. Dank eines Fuhrwerks ist jeder hier abgelegte Würfel zwei Bier wert. Wir erhalten hier also vier Bier.
Neben dem einen eingelagerten Bier haben wir noch zwei Bierfahrer, die ihrerseits jeweils ein Bier einbringen. Wir könnten die Runde also sieben Bier einsetzen.
Wir werfen einen Blick in die aktuelle Auslage.
Aus dieser kaufen wir uns diesen Gast für fünf Bier. Auch diesen legen wir auf unseren Nachziehstapel. Das restliche Bier lagern wir ein.
Runde drei beginnt. Erneut müssen wir uns für einen Bonus entscheiden. Wir wählen den Tellerwäscher.
Nun beginnen wir wieder damit Karten aufzudecken. Kurz darauf ist unser Nachziehstapel leer.
Da wir noch weitere Karten ziehen müssen, mischen wir den Ablagestapel und machen weiter.
Erneut füllen wir die Taverne, bis alle Tische mit Gästen besetzt sind.
Diesmal erhalten wir zwei gelbe Würfel für unsere Bedienungen.
Danach werden die weißen Würfel, wie gewohnt, verteilt.
Beim Einsetzen der Würfel kommt unser Tellerwäscher zum Einsatz.
Dieser erhöht einen unserer Würfel um eins, so, dass wir den weißen Würfel hier einsetzen können.
Sobald unsere Würfel verteilt sind, können wir sie wieder auslösen.
Wir beginnen beim Geld. Die Gäste bringen uns neun und die Schatztruhe ein Gold. Somit haben wir für diese Runde zehn zur Verfügung.
Wir entscheiden, dass es Zeit ist unsere Taverne aufzuwerten. Wir wählen den Bereich mit den Bedienungen. Eine Aufwertung kostet laut Aufdruck zwölf Gold.
Wir entsorgen jedoch eine Bedienung und senken den Preis somit um vier Gold.
Die nun geforderten acht Gold bezahlen wir und drehen das entsprechende Teil der Taverne. Von nun an haben wir eine fest angestellte Bedienung, die wir jede Runde nutzen können.
Als weitere Belohnung dürfen wir uns einen Adligen nehmen. Dieser ist nicht nur zehn Siegpunkte wert, sondern wird, wenn er gezogen wird, an einem Tisch mit weiteren Adligen gestapelt. Heißt, wir können alle Adligen an einem Tisch mit einer einzigen Zwei um ihr Geld erleichtern.
Zu den zwei übrigen Gold nehmen wir noch unser Vermögen aus der Vorrunde.
Somit haben wir wieder vier Gold zur Verfügung, für die wir eine weitere Bedienung anstellen, die auf unseren Nachziehstapel wandert.
Danach wenden wir uns dem Bier zu. Diese Runde produzieren wir sechs Bier. Vier über das Fuhrwerk und zwei über die Bierfahrer.
Mit diesen holen wir uns diesen Gast, der uns als Sofortbonus drei Gold mitbringt.
Die investieren wir sofort in einen neuen Tellerwäscher.
So geht das Spiel weiter, bis wir acht Runden absolviert haben. Nun zählt jeder Spieler die Siegpunkte (Schilde), die sich in seinem Deck befinden. Der mit den meisten gewinnt.

Es gibt kein Bier auf Hawaii, es gibt kein Bier, drum fahr ich nicht nach Hawaii, drum bleib ich hier.

(Paul Kuhn)

Christian meint:

War ich zur Spielwarenmesse in Nürnberg noch ziemlich berauscht, was die “Tavernen im tiefen Thal” anging, ernüchterte ich bei der ersten Partie Stück für Stück. Klar ist es ein nettes Spiel, aber dennoch ist nach einer Partie der Spielehunger nicht so richtig gestillt. Dabei mag ich vor allem die Aufmachung des Titels. Ich mag es das Tableau zu puzzeln, ich mag die Optik meiner Taverne, die Gäste, sowie die Idee mit dem Gästebuch (Modul 5) an sich. Man merkt, dass viel Liebe zum Detail im Spiel steckt, aber dennoch holt einen die reine Mechanik nicht so recht ab.

Was mich hier am meisten störte war, dass es im Grunde genommen ein reines Solitärspiel ohne jegliche Interaktion ist. Ohne Interaktion? Nein, ein kleines Detail kämpft genau gegen dieses an. Ich kann mir auch vorstellen, wie Schmidt Spiele sich an Wolfgang Warsch gewandt hat und meinte: “He Wolfgang, tolles Spiel, aber die Spieler haben ja überhaupt nichts miteinander zu tun.” Und Wolfgang antwortete: “Moment… kleine Änderung… Wenn sie einen Würfel genommen haben, sollen sie einfach die anderen Würfel weitergeben. Dice-Drafting war doch immer toll und ihr könnt so lustige Bierdeckel in das Spiel packen.” Klingt ja auch ganz nett, aber das ist wieder ein Punkt, an dem das Spiel eher ins Stocken gerät und kaum bereichert wird. Vielmehr hätte es mehr Möglichkeiten gebraucht, um Würfel und das eigene Deck zu manipulieren. Klar muss eine gewisse Schwierigkeit geboten werden, jedoch sollten meiner Meinung nach Aufbauspiele gezielt beeinflusst werden können. Dabei sind Ansätze vorhanden, aber hier hätte man ruhig einen Schritt weitergehen können.

Die Module zwei und drei sind in Ordnung, wobei sie einen auch nicht wirklich fordern. Etwas Komplexität kommt durch die Module vier und fünf ins Spiel. Dennoch haben die Entscheidungen, die man zu treffen hat, immer noch nicht den Stellenwert, wie ein glückliches Händchen beim Ziehen der Karten und Erhalten von Würfeln. Es gibt nicht wenige Momente, in denen man sich eher gespielt fühlt, als dass man durch seinen freien Willen etwas bewirken konnte. Egal, ob die Auswirkungen positiv oder negativ sind, eigene Entscheidungen müssen sich wichtig anfühlen.

Dabei spielen sich die “Tavernen im tiefen Thal” ansonsten recht fluffig. Zumindest mit insgesamt zwei Spielern. Dann ist eine Partie zügig vorbei und entwickelt dabei das genau passende Tempo im Ablauf. In voller Besetzung zieht sich das dann eher wie ein Kaugummi. Außerdem, und auf den Aspekt hat mich erst ein Mitspieler gebracht, bringt das Spiel einen dazu in der letzten Runde gar nicht mehr zu verfolgen, was die anderen machen, sondern sofort Punkte zu zählen, wenn der eigene Zug vorbei ist. Spielen sollte dann doch eher immer noch ein Miteinander sein.

Die “Tavernen im tiefen Thal” sind für mich weiterhin ein nettes Spiel, dem es etwas an Würze und Emotion fehlt, um häufiger auf dem Tisch zu landen. Der Spannungsbogen im Aufbau einer Gaststätte funktioniert immer dann, wenn Fortuna einen beglückt. Für ein besseres Spielerlebnis fehlen mir die Entscheidungen, die sich wichtig anfühlen. Diese hätte man durch erweiterte Manipulationen von Würfeln und des eigenen Decks sicherlich einbauen können. Natürlich würde ich mich einer weiteren Partie nicht verwehren, aber irgendwie hatte ich mir einfach mehr erhofft.

Tavernen im tiefen Thal

Schmidt Spiele


Autor: Wolfgang Warsch
Dauer: 15 – 20 Minuten je Spieler
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Fortgeschrittene

Anmerkungen

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