Für all diejenigen, die mit dem Zeitdruck und der oberflächlichen Behandlung der Geschichte in Escape Room Spielen nicht klarkommen, hat Kosmos nun neben den “Adventure Games” ein weiteres, passendes Spiel auf den Markt gebracht. Dabei legt “Escape Tales – The Awakening” das Hauptaugenmerk nicht nur auf eine recht düstere Erzählung, sondern garniert sie mit knackigen Rätseln. Wir haben uns auf den Weg begeben um Lizzy zu wecken. Hier erzählen wir euch, was wir dabei gefühlt haben. Fast ohne Spoiler.


Der Zufall ist ein Rätsel, welches das Schicksal dem Menschen aufgibt.

(Christian Friedrich Hebbel)

Zuerst eine Entwarnung. Ihr werdet hier nichts Entscheidendes sehen, was ihr nicht in den ersten drei Spielminuten direkt präsentiert bekommt. Also keine Angst, ihr könnt beruhigt weiterlesen.

In “Escape Tales – The Awakening” erkundet ihr Räume. Diese werden auf ein Spielbrett gelegt und zeigen euch die aktuelle Szenerie.

Wollt ihr euch eine Stelle des Raumes genauer ansehen, legt ihr einen eurer Zeitsteine darauf. Aber Vorsicht, sie stehen nur begrenzt zur Verfügung und weitere Steine können mit einem Opfer verbunden sein.

Das Raster der kleinen Raumkarte gibt euch an, welchen Eintrag ihr im beiliegenden Story-Buch lesen sollt.

Im Besten Fall findet ihr Gegenstände und Informationen, die durch die benannten Karten dargestellt werden. Auf manchen von ihnen sind Rätselsymbole angegeben. Auf der Escape Tales Homepage findet ihr die zugehörigen Rätselsymbole.

Klickt man auf eines davon erscheint ein neuer Bildschirm, auf dem ihr die Lösung eingeben oder euch Hilfestellungen abrufen könnt.


Wo nichts mehr zu enträtseln bleibt, hört unser Anteil auf.

(Ernst Freiherr von Feuchtersleben)

Christian meint:

“Escape Tales – The Awakening” hebt die ganzen Escape Rooms auf eine neue Ebene. Ohne den Zeitdruck, habe ich persönlich mehr Lust darauf mich auf kompliziertere Rätsel einzulassen und einfach mal längere Zeit zu knobeln. Garniert wird das Spiel durch eine Geschichte, die Schritt für Schritt düsterer wird. Zusätzlich erhaltet ihr – so etwas begeistert mich immer wieder – unterschiedliche Enden! Gute, wie Schlechte. Leider wurde das Ganze jedoch nicht komplett durchdacht. [Hier gibt es einen kleinen Spoiler, wer diesen nicht möchte, sollte zum nächsten Abschnitt springen.] Ich hätte mir gewünscht, dass sich mein Verhalten während des Spiels auf das Ende auswirkt. Stattdessen haben wir hier denselben Effekt, wie bei “Mass Effect 3” oder “Deus Ex: Human Revolution”. Man fällt am Schluss eine einzige Entscheidung, die festlegt, welches Ende wir zu sehen bekommen. Hier lauert viel mehr Potential!

Fesselnd fand ich die vielen Entscheidungen, die zu treffen waren. Immer dann hatte das Spiel seine packendsten Momente. Wir müssen Opfer bringen. Und diese fühlen sich tatsächlich entscheidend an. Auch, wenn sie zumeist eher dafür zuständig sind, welchen Weg wir gehen werden. Das heißt aber auch, dass ihr in einem Durchlauf nicht alle Räume und damit auch nicht alle Rätsel sehen werdet. Habt ihr das Spiel gelöst könnt ihr also immer noch neues erleben. Wollt ihr dabei nicht immer von vorn starten, legt euch einfach einen Speicherstand an. Notiert euch, was ihr zum Zeitpunkt der Entscheidung habt und kommt später wieder an dieselbe Stelle zurück.

Die Rätsel selbst sind normales Escape Room Einmaleins. Habt ihr bereits ähnliche Spiele gespielt, werdet ihr das Wissen, das ihr dort erworben habt, transferieren können. So haben fortgeschrittene Spieler natürlich eine andere Wahrnehmung, was die Schwierigkeit der Rätsel angeht. Für alle anderen birgt die App ein passendes, dreistufiges Hilfesystem an. Zusätzlich kann es euch verraten, wie viele Karten ihr in eurem Besitz haben müsst, bevor ihr das Rätsel lösen könnt. Die Rätsel selbst sind allesamt fair. Bis auf eines. Hier frage ich mich immer noch, wie man ohne jegliche Hilfestellung auf die Lösung kommen soll. Aber vielleicht kann mir jemand den “Kühlschrank” erklären. Also nicht die Lösung, sondern wie man darauf kommen soll.

Was ich mich jedoch immer noch frage. Was sollen die Rätsel eigentlich mit der Geschichte zu tun haben? Warum werden Alltagsgegenstände an Orten versteckt, die einem selbst nie in den Sinn kommen würden? Worin liegt die Erklärung darin, dass wir lauter Logik-Rätsel zu lösen haben, die teilweise einfach nur wie abstrakte Mensa-Tests daherkommen? Sollten sie ein Sinnbild dafür sein, dass der Protagonist sich mit sich selbst auseinandersetzt, bevor es weitergeht? Klar macht es keinen Sinn sich bei einem Escape Room Spiel über Rätsel zu wundern, aber dennoch würde ich mir wünschen, dass diese beim nächsten Mal besser in die Geschichte integriert sind, um die Immersion nicht zu zerstören.

Aber dennoch bin ich begeistert. Das Spiel hat mich gefesselt und stellt einen vor psychologische Entscheidungen. Wir erhalten knackige, aber nicht unmögliche Rätsel und eine düstere Story. Ich hoffe, dass bald ein neuer Teil kommt, in den ich wieder derart versinken kann. Top!


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Escape Tales – The Awakening

Kosmos


Autor: Jakub Caban, Matt Dembek, Bartosz Idzikowski
Dauer: ca. 120 – 360 Minuten
Spieler: 1 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger – Fortgeschrittene

Anmerkungen

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