The Networks – Board & Dice – 2017

Ich werde alt. Klar, war mir das schon vor “The Networks” bewusst. Aber das Spiel hat es wieder geschafft mich an früher zu erinnern. An meine MS-DOS Zeiten, als ich “Mad-TV” Stunde um Stunde gespielt habe. Natürlich in jungen Jahren noch mit durch Cheats erreichtem, unendlichem Geld, damit ich mich rein darauf konzentrieren konnte immer mehr Zuschauer zu erhalten. Doch die Zeit ist vorbei und Interessen haben sich verschoben. Ob ich auch als Brettspieler mit einem verrückten TV Sender Spaß haben kann? Das lest ihr weiter unten.


Fernsehen macht die Dummen dümmer und die Klugen klüger.

(Günther Jauch)

In “The Networks” entwickeln wir Shows, schnappen uns Werbeverträge und heuern Promis an, um Zuschauer zu generieren. Dabei sollte man jedoch das eigene Kapital und die Network Karten nicht aus den Augen lassen, da unsere Gegner sonst mit ihren TV-Sendern bald besser dastehen, als wir.

Nach 5 Runden gewinnt der Spieler mit den meisten Zuschauern.

In dieser Galerie findet ihr einen kurzen Ablauf des Spiels:

Die heutige Beispielspartie von "The Networks" zeige ich euch mit 2 Spielern. Ja, ich weiß, der Ablauf ist nicht zu 100 % richtig. Ihr seht hier einen Standardablauf ab 3 Spielern. Die Eigenheiten der 2er Variante habe ich dabei unter den Tisch fallen lassen.
Wir sind laut Zugreihenfolge Startspieler.
Ein Blick in die Auslage zeigt uns folgendes.
Wir entscheiden uns eine Show zu erstellen. Für 1 Millionen kaufen wir die "Kettenhemdbikini-Kriegerin".
Diese setzen wir in unser Programm um 22 Uhr ein. Ein schwarzer Würfel markiert das Alter der Sendung. Das unten abgebildete Symbol bedeutet, dass wir einen Schauspieler einsetzen müssen.
Wir haben noch einen "C-Promi", der auf seinen Einsatz wartet.
Diesen ordnen wir der Show zu. Diese generiert bei der Abrechnung 11 Punkte. 10, weil wir sie zur bevorzugten Uhrzeit bringen und 1 für unsere Schauspielerin.
Um unsere eigene Übersicht zu verbessern markieren wir diese für uns persönlich.
Die alte Show, die zuvor um 22 Uhr ausgestrahlt worden wäre wandert zu unseren Wiederholungen und wird dabei gedreht. Nun sehen wir oben rechts, dass diese Sendung in der Wiederholung 1 Zuschauer einbringt.
Diesen markieren wir auch, um den Überblick zu bewahren.
Unser Gegner nimmt sich in seinem Zug diese Werbung und erhält dafür sofort 2 Millionen. Die Werbung selbst wandert erst einmal in den Aufenthaltsraum.
Wir sind nicht faul und entwickeln die nächste Show. Diese kostet uns 2 Millionen.
Wir strahlen sie um 20 Uhr aus und markieren das Alter. Das Symbol an der Unterseite bedeutet, dass wir entweder einen Schauspieler oder eine Werbung einsetzen dürfen.
Wir schnappen uns unsere Werbung aus dem Aufenthaltsraum legen sie an.
Auch unsere "virtuellen" Zuschauer aktualisieren wir.
Unser Gegner nimmt sich eine Networking-Karte, die am Spielende Zuschauer generiert.
Wir nehmen eine Werbung, die uns sofort 3 Millionen einbringt.
Unser Gegner entwickelt eine Show. Diese kostet ihn 2 Millionen.
Er entscheidet sich dieser eine Werbung zuzuordnen. Da er die Sendung jedoch um 21 Uhr ausstrahlen möchte muss er die Werbung umdrehen.
Sie generiert dadurch weniger Einnahmen.
Am Ende der Runde prüft jeder Spieler die Ausgaben und Einnahmen (die Zahlen rechts oben auf den Karten). Wir haben 1 Millionen an Einnahmen und 1 Millionen an Ausgaben. Sie heben sich also komplett auf.
An den Zuschauern hat sich nichts mehr geändert. Wir sind immer noch bei 20.
Diese ziehen wir auf der Leiste voran.
Dann werden die aktuellen Sendungen gealtert - die schwarzen Steine wandern nach unten.
Zum Schluss der Runde wandern die Wiederholungen ins Archiv, wo sie keine Zuschauer mehr generieren.

Das Spiel endet nach 5 Runden. Wer dann die meisten Zuschauer sammeln konnte, gewinnt das Spiel.


Fernsehen ist ein Goliath, der all das gnadenlos angreift, wofür das Buch steht.

(Neil Postman)

“The Networks” ist kein schlechtes Spiel, aber eben auch kein gutes. Es spielt sich nett und plätschert vor sich hin, ohne richtig begeistern zu können. Nach einer Partie fühlt man sich zwar leicht unterhalten, aber nicht wirklich befriedigt, selbst, wenn man aufgrund der vielen Seitenhiebe auf die (auch deutsche) TV-Industrie immer wieder lächeln kann.

Das liegt vor allem am relativ spannungsarmen Spielablauf. Klar fühlt man sich leicht unter Druck die besten Shows und Werbungen zu erhalten. Aber nie zu sehr. Schließlich ist von allem mehr als genug vorhanden. Lediglich durch das Sammeln von gleichartigen Shows für den Genre-Bonus hat man gewisse Zwänge, von denen man aber nie weiß, ob und wann man sie befriedigen kann. Schließlich werden neue Sendungen zufällig nachgezogen so, dass es passiert, dass viele Sitcoms, aber keine (von uns gesammelten) Shows ausliegen.

Des Weiteren mangelt es mir bei “The Networks” ein wenig an Abwechslung. Es gibt keine großartigen Abweichungen vom Standard-Ablauf. Man wird in der fünften Runde genau dasselbe machen, wie in der ersten. Man spürt nicht, dass man etwas erschaffen hat oder einfach besser wurde, weil man gut gespielt hat. Nur die Karten werden über den Spielverlauf hinweg besser und heben einen so automatisch nach oben.

Das bedeutet jetzt nicht, dass man theoretisch ohne Plan spielen und gewinnen kann. Ein erfahrener Spieler, der weiß, worauf es ankommt, wird einen Anfänger immer an die Wand spielen. Jedoch ist mir das zu viel Zahlenoptimiererei und spielerisch zu blutleer.

So bleibt “The Networks” ein nettes Spiel, mit dem man auch ab und an seinen Spaß haben kann. Aber eben nichts, was einen auf Dauer fasziniert und unterhält. Der Grundaufbau hätte einfach noch Ideen benötigt, damit Fleisch an die recht mageren Knochen kommt.

The Networks

Board & Dice 2017


Autor: Gil Hova
Dauer: ca. 45 – 60 Minuten
Spieler: 1 – 5
Schwierigkeit: Einsteiger bis Fortgeschritten

Anmerkungen

Das Spiel wurde uns freundlicherweise von Board & Dice zur Verfügung gestellt.

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