Quacksalber von Quedlinburg – Schmidt Spiele – 2018

“Die Quacksalber von Quedlinburg” ist einer der drei Anwärter auf den Titel “Kennerspiel des Jahres”. Einer Auszeichnung, die auch heute unter der Spielgemeinschaft polarisiert. Schafft es dieser Bag-Builder, dass die Nominierung nachvollziehbar ist?


Seit jenem Tag, an dem der erste Schuft seinen ersten Dummkopf fand, gibt es Quacksalber.

(Voltaire)

Bei “Die Quacksalber von Quedlinburg” braut jeder Spieler sein eigenes Süppchen. Man kauft mit der Zeit immer weitere Zutaten, die man im eigenen Beutel sammelt. Während des Brauvorgangs zieht man Plättchen um Plättchen und legt diese in den eigenen Kessel. Dabei helfen die Sonderfertigkeiten der einzelnen Zutaten immer bessere Tränke zu brauen. Doch Vorsicht, der Kessel explodiert, wenn sich darin mehr als sieben Knallerbsen befinden.

Nach 9 Runden prüft man schließlich, wer die meisten Siegpunkte erreichen konnte.

In dieser Galerie findet ihr einen kurzen Ablauf des Spiels:

Wir beginnen eine 2er Partie "Quacksalber von Quedlinburg".
Diese Plättchen erhält jeder Spieler und wirft sie in seinen persönlichen Beutel.
Zu Beginn der Runde wird eine Wahrsagekarte aufgedeckt.
Dann beginnt das Spiel. Jeder Spieler zieht nun Plättchen aus seinem Beutel und legt sie in seinen Kessel. Wir beginnen mit einer 1er Knallerbse.
Danach ziehen wir erneut und erhalten eine 2er Knallerbse. Gemäß ihrem Wert dürfen wir sie 2 Felder vom letzten Plättchen entfernt legen.
Danach ziehen wir erneut eine 1er Knallerbse.
Und eine weitere. Inzwischen haben wir 5 Knallerbsen in unserem Kessel (= Wert der Plättchen). Überschreiten wir die 7 explodiert unser Trank. Wir könnten nun aufhören, entscheiden uns jedoch dagegen.
Heraus kommt ein grünes 1er Plättchen. Nun hören wir auf.
Auch unser Gegner hat aufgehört, bevor der Trank explodierte.
Da keinem von uns der Trank um die Ohren geflogen ist, dürfen wir den Bonuswürfel werfen. Wir erhalten ein Kürbis-Plättchen für unseren Beutel.
Unser Gegner bekommt 1 Siegpunkt.
Diesen nimmt er sich sofort.
Nun wird geprüft, ob ein Sonderplättchen im Kessel liegt. Wir haben an letzter Stelle ein grünes.
Laut Fähigkeit erhalten wir dafür 1 Rubin.
Diesen nehmen wir uns sofort.
Nun wird geprüft, wer ein Wertungsfeld mit einem Rubin erreicht hat. Das hat unser Gegner geschafft.
Außerdem erhält er noch 2 Siegpunkte, wie auf der Wahrsagekarte zum Beginn der Runde angegeben.
Als nächstes erhalten wir Siegpunkte für unser erreichtes Feld. Das sind für unseren Gegner und uns jeweils 1 Punkt.
Danach dürfen wir für den erreichten Wert (7) einkaufen.
Wir entscheiden uns für einen blauen 1er Chip, der 5 kostet und legen ihn in unseren Beutel.
Zuletzt geben wir noch 2 Rubine aus.
Dafür dürfen wir unseren Tropfen ein Feld vorwärtsbewegen und starten ab der nächsten Runde nun auf dem 2er Feld.
Der Rundenmarker rückt weiter.
Dadurch schalten wir ein neues Buch frei, wodurch gelbe Chips ins Spiel kommen.
Eine neue Wahrsagekarte wird aufgedeckt.
Wir sind von den Siegpunkten hinten dran. Zwischen uns und dem führenden Spieler befindet sich 1 Rattenschwanz.
Als kleinen Bonus (und für die Würze unseres Trankes) dürfen wir unseren Rattenchip platzieren. Wir starten also beim Trankbrauen ab Feld Nummer 3.
Da der Ablauf soweit klar sein dürfte springen wir etwas vor. Wir haben unseren blauen 1er Chip gezogen.
Dieser erlaubt uns, dass wir einen Chip aus dem Beutel ziehen und danach entscheiden dürfen, ob wir diesen einsetzen oder nicht. Die Knallerbse werfen wir zurück in den Beutel.
Wir ziehen weiter und würden mit der 3er Knallerbes unseren Trank zur Explosion bringen.
Aber wir haben noch unseren Trank.
Diesen verwenden wir und dürfen dafür die eben gezogene Knallerbse zurück in den Beutel werfen.
Risikobereit ziehen wir danach ein weiteres Plättchen und entscheiden aufzuhören.
Unser Gegner hatte weniger Glück. Sein Trank ist explodiert.
Das bedeutet, nur wir dürfen den Bonuswürfel werfen und erhalten dafür 2 Siegpunkte.
Für unser grünes Plättchen und das erreichte Feld erhalten wir jeweils 1 Rubin.
Außerdem dürfen wir die Siegpunkte vorwärts ziehen und einkaufen, während unser Gegner sich für eines von beiden entscheiden muss.
In dieser Runde kaufen wir je einen blauen und gelben 1er Chip.
Wie auf der Wahrsagekarte angegeben, wird unser Trank wieder kostenlos aufgefüllt.
Wir springen nun etwas in die Zukunft. Ich zeige euch noch ein Beispiel eines Chips. Wir haben gerade diesen gelben 1er Chip gezogen.
Dieser erlaubt uns eine direkt davor platzierte Knallerbse zu entfernen und wieder zurück in den Beutel zu werfen.
In späteren Runden kann ein fertig gebrauter Trank so aussehen. Das heißt, je besser die gekauften Chips, desto weiter kommt man.
(Ich habe mich übrigens nicht verzählt. Liegen die Chips weiter als auf ihnen angegeben, hat das mit ihrer Spezialfähigkeit zu tun.)
Gespielt wird über 9 Runden. Wer zum Schluss am meisten Siegpunkte hat, gewinnt das Spiel.


Alle Menschen sind Ärzte, nachdem sie geheilt worden sind.

(Sprichwort)

Würde es offizielle Wetten auf das Kennerspiel des Jahres geben, wäre “Die Quacksalber von Quedlinburg” mein Tipp Nummer 1. Es wirkt optisch ansprechend, hat spannende Momente und ist von vorne bis hinten zugänglich. Dabei bietet sich ein Spielgefühl, das weit vor dem bereits guten “Ganz schön Clever” liegt.

Ja, es spielt im Grunde jeder für sich selbst. Aber das geht nicht nur flott von der Hand, sondern ist durch das “Zocker-Element” spannend. Das ständige Beschimpfen des eigenen Beutels, wenn wieder eine Knallerbse kommt, obwohl die Chance dafür gering ist. Die Überlegung, ob man es nun wirklich wagen sollte, noch einmal hinein zu greifen, weil ein Rubin-Feld so nahe liegt. Der Aufschrei, wenn der Trank dann doch explodiert. Das sind pure Emotionen. Das ist, was der Begriff Spiel sein sollte.

Dabei ist “Die Quacksalber von Quedlinburg” vollkommen hinterhältig und gemein. Man wird sich fast nur an die Momente erinnern, in denen man Knallerbse um Knallerbse zieht. Oder daran, dass die Sonderplättchen genau dann kommen, wenn man sie noch nicht brauchen kann. Und dennoch wird man Partie um Partie spielen und jede einzelne davon genießen. Durch die Varianz der Bücher, und damit der Bedeutung der einzelnen Zutaten, in immer neuen, wilden Kombinationen, kommt es zu genügend Abwechslung. Was in der einen Partie noch wunderbar klappt hat, ist in der nächsten bereits zum Scheitern verurteilt.

Für mich ist “Die Quacksalber von Quedlinburg” ein sehr gutes Spiel, mit dem ich immer alle an den Tisch versammeln kann. Ein Spiel, mit dem ich durchwegs positive Erinnerungen verbinde. Ein Titel, bei dem tatsächlich immer alle am Zug sind, wodurch kaum Wartezeiten entstehen. Für mich steht es schon fest, das Kennerspiel des Jahres.

Die Quacksalber von Quedlinburg

Schmidt Spiele 2018


Autor: Wolfgang Warsch
Dauer: ca. 30 – 45 Minuten
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Fortgeschritten

Anmerkungen

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