Ocean Crisis – Sheperd Kit. – Kickstarter 2019

Bevor ich mich zu “Ocean Crisis” äußere möchte ich erst ein paar Worte zur Transparenz an euch richten. Auch, wenn es mich in keinerlei Weise bei meiner Rezension beeinflusst, möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich für Sheperd Kit eine Übersetzung der Anleitung erstellt habe. Hintergrund war, dass wir uns auf der Spielwarenmesse in Nürnberg unterhalten hatten. Schon dort war mir klar, dass sich das Spiel vorwiegend an Familien und Kinder richtet. Im Deutschen Raum ist es jedoch wichtig, dass eben eine deutsche Anleitung beiliegt. Weil ich das Thema für wichtig halte und mir das Spiel optisch gefallen hat (ich hatte es zu dem Zeitpunkt noch nicht gespielt), hatte ich mich für eine Übersetzung angeboten. Ich habe für diese nichts erhalten. Kein Geld, keine sonstige Vergütung.

Wie gesagt, auch, wenn ich das gemacht habe, werde ich euch dennoch alles zum Spiel sagen, was ihr wissen müsst. Also, viel Spaß beim Lesen.


Das Meer verkommt zur Müllkippe.

(Jacques Yves Cousteau)

“Ocean Crisis” ist ein kooperatives Worker-Placement Spiel für Kinder. Wir setzen unsere Arbeiter ein und lösen mit ihnen Aktionen aus. Entweder versuchen wir mit ihnen Müll zu beseitigen oder neue Fähigkeiten freizuschalten. Runde für Runde kommt immer mehr Müll, der uns das Leben schwer macht. Wenn wir es schaffen sechs Runden zu überstehen, haben wir das Spiel gewonnen.

In dieser Galerie zeigen wir euch ein Beispiel zum Spielablauf:

Zu dritt bestreiten wir eine Partie "Ocean Crisis".
Zuerst setzen alle Spieler ihre Meeple gleichzeitig ein. Der Startspieler hat (im Spiel zu Dritt) einen zusätzlichen, weißen Meeple, den er nur in die Öko-Basis stellen darf.
Nun gehen wir in die Aktionsphase über. Es stehen insgesamt fünf Meeple in der Basis.
Jeder Spieler zieht nun für jeden eigenen Meeple ein Weegeplättchen. Wir als Startspieler haben mit dem weißen Meeple zusammen insgesamt drei Plättchen gezogen.
Als Startspieler müssen wir unsere Plättchen zuerst komplett verbauen. Von der Basis aus legen wir einen Weg zur Forschungsstation und aktivieren diese damit.
Unsere Mitstreiter verwenden ihre Plättchen, um einen neuen Weg zu beginnen.
Danach werden die Meeple auf den Müllplättchen aktiviert. Wir beginnen mit dem gelben, der auf den Strohhalmen steht. Wir werfen den Würfel und haben mindestens so hoch gewürfelt, wie auf dem Plättchen angegeben.
Dieser Müll wurde beseitigt. Plättchen, die wir am Strand sammeln, landen in der Forschungsstation.
Danach versucht es rot. Er würfelt eine zwei. Die Meeple addieren jeweils eins zum Ergebnis, so, dass wir insgesamt vier erreicht haben. Das Plättchen wurde siegreich entfernt.
Auch dieses Plättchen ist vom Strand und landet im Forschungszentrum.
Zuletzt kümmern wir uns um ein Müllplättchen im Fluss. Wir würfeln jedoch eine null. Auch die zwei Meeple erhöhen unser Ergebnis nur auf zwei, so, dass wir es diesmal nicht geschafft haben.
Die Meeple werden entfernt und das Plättchen auf die verringerte Seite gedreht.
Die erste Runde ist vorbei.
Nun treibt die Strömung des Flusses den Müll in Richtung Meer.
Danach würfeln wir für die Meeresströmung.
Laut Ergebnis, müssen wir sie fünf Felder gegen den Uhrzeigersinn drehen.
Müllplättchen, die dann auf Pfeilen stehen, werden auf die Müllinsel verschoben.
Der Startspieler geht weiter nach links.
Die neue Rundenkarte gibt an, wie viel Müll wir dazu bekommen.
Der Karte folgend, platzieren wir zufällig gezogene Plättchen.
Danach läuft das Spiel, wie zuvor gezeigt weiter. Wir springen gleich voran. Wir haben es geschafft diesen Müllhaufen zu verbinden.
Dieser wird auf die Rückseite gedreht. Als Belohnung, dürfen wir einmalig jeglichen Müll dieses Flussbereichs entfernen.
Zusätzlich schaffen wir es diese Reinigungsanlage zu aktivieren. Von nun an wandert am Rundenbeginn ein Müllplättchen weniger in den ersten Flussabschnitt.
Den letzten Weg nutzen wir, um unsere Verbindung von der Forschungsstation weiter zu führen.
Während des Aufräumens haben wir es geschafft die Forschungsstation zu füllen. Da diese schon aufgewertet ist, benötigt es dafür nur vier, statt sechs Plättchen.
Wir entscheiden uns, dass wir Plastikbecher erforscht haben und legen das zugehörige Plättchen umgedreht in den Forschungsbereich.
Zusätzlich werden alle Plastikbecher, die sich gerade auf dem Spielfeld befinden, auf die verringerte Seite gedreht.
Danach wird die Forschungsstation geleert und muss neu gefüllt werden.

Neben diesen freischaltbaren Fähigkeiten gibt es noch den Meeressauger (beseitigt Müll im Meer), Helfer (neutrale Meeple) und Fähigkeiten für das Team (Beispiel - jede gewürfelte null ist eine fünf).

Das Spiel läuft so über insgesamt sechs Runden. Überstehen wir sie, ohne, dass die Müllinsel komplett gefüllt ist, haben wir gewonnen.

Die Kletterer haben den Mount Everest in die höchstgelegene Müllhalde der Welt verwandelt.

(Sir Edmund Hillary)

Um Vorweg nochmal eines klar zu stellen. Zielgruppe von “Ocean Crisis” sind ganz klar Kinder und Familien. Hardcore Spieler werden das System hinter dem Spiel schnell geknackt haben, so dass lediglich der Würfel entscheidet, ob wir gewinnen, oder nicht. Und dann auch nur, wenn wir die komplette Partie sehr schlecht würfeln.

Für die Zielgruppe ist “Ocean Crisis” jedoch fordernd, dabei aber nicht überfordernd. Die Regeln sind recht übersichtlich und leicht vermittelbar, die Spielzüge nicht ausufernd, sondern einfach greifbar. Eine Partie selbst hat eine angenehme Länge, so dass Kinder nicht nur problemlos alleine spielen können, sondern auch nicht gelangweilt das Handtuch werfen. Dass während der Partie im Grunde genommen lediglich immer dieselben zwei Aktionen ausgeführt werden, fällt dadurch auch nicht allzu stark ins Gewicht.

Die Optik ist herrlich. Ein Zeichenstil, der sich ganz klar dem asiatischen Bereich zuordnen lässt, dabei aber auch auf das europäische Auge nicht befremdlich wirkt. Bis auf den Startspielertoken, der aussieht, wie ein Fuchs, der Windeln trägt.

Wie oben bereits erwähnt, ist das Grundspiel recht leicht zu bewältigen. Zumindest dann, wenn man sich an gewisse Abläufe hält und die Fähigkeiten in der passenden Reihenfolge freispielt. Zum Glück liegen dem Spiel diverse Erweiterungen und Szenarien bei, die den Wiederspielreiz fördern.

Ob Kinder nun durch “Ocean Crisis” für das Thema Plastikmüll sensibilisiert werden, wage ich etwas zu bezweifeln. Dafür hätte es vielleicht keinen gesichtslosen Verursacher gebraucht, wie er in diesem Spiel vorkommt. Denn gefühlt sind wir nur die Guten. Wir reflektieren nicht unser eigenes Verhalten, sondern beseitigen lediglich den Dreck der bösen, anderen. Schade um die vertane Chance.

Dennoch ist “Ocean Crisis” eines der Kinderspiele, von dem nicht nur unser Sohn immer wieder eine Partie eingefordert hat, sondern das auch ich bereitwillig mitspielte. Und wer weiß, vielleicht hat die Schildkröte dann doch geholfen, dass mein Sohn sich irgendwann mal genauer überlegt, wohin der Müll wandern kann.

Ocean Crisis

Sheperd Kit


Autor: Chi Wei Lin
Dauer: ca. 30 – 45 Minuten
Spieler: 2 – 5
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen