Dale of Merchants 2 – Snowdale Design – 2016

Ein farbenfrohes Cover, hübsch gezeichnete Charaktere und das Wort Deckbuilder. Mehr brauchte es nicht, um mich davon zu überzeugen, dass ich “Dale of Merchants 2” spielen muss. Da ich mit solchen Titeln bei meiner Frau offene Tore einrenne, konnte ich sie problemlos überreden Partie um Partie mit mir zu absolvieren. Dass sich dabei ein Verdacht bestätigen sollte, hätte ich zu Beginn noch nicht geahnt.


Die Gewaltigen handeln mit Geld, die Schwachen mit Recht.

(Sprichwort)

In “Dale of Merchants 2” startet jeder Spieler mit demselben Deck. Mit diesem kauft er neue Karten und setzt die dadurch gewonnenen Techniken ein. Soweit ein ganz normaler Deckbuilder. Doch zum Sieg muss man keine Siegpunkte sammeln, sondern einzelne Kartenstapel bilden. Acht Stück an der Zahl mit den Werten von eins bis acht. Wer das schafft, gewinnt. Doch, man sollte sich sicher sein, dass man diese Karten nicht mehr benötigt, denn sie kommen nicht mehr zurück auf die Hand.

In dieser Galerie zeigen wir euch ein Beispiel zum Spielablauf:

Zu zweit starten wir in "Dale of Merchants 2" einen Wettstreit der Kaufleute.
Wir beginnen mit dieser Kartenhand.
Zuerst spielen wir diese Karte aus.
Unser Gegner ist gezwungen zwei Karten vom Deck in seine Ablage zu legen. 
Da auf unserer Technik-Karte eine + vermerkt war, haben wir eine weitere Aktion zur Verfügung.
Hierfür werfen wir diese Karten im Wert von vier ab.
Dafür kaufen wir uns diese Karte mit demselben Wert.
Die gespielten Karten wandern auf unseren Ablagestapel.
Die soeben gekaufte Karte kommt auf unsere Hand.
Zum Abschluss des Zuges ziehe wir wieder auf fünf Handkarten und füllen den Markt auf.
Unser Gegner spielt diese Karten aus.
Dafür kauft auch er sich eine Karte im Wert von vier. Drei sind der Grundwert der Karte, für die, aufgrund der Position am Markt, eins addiert wird.
Wir sind wieder an der Reihe und spielen gleich mal die gerade gekaufte Karte aus.
Wir ziehen von jedem Spieler eine zufällige Karte. Danach geben wir jedem wieder eine von diesen Karten.
Wir freuen uns, dass wir eine nutzlose Karte gegen die vom Gegner gekaufte, wertigere tauschen konnten.
Erneut dürfen wir aufgrund des + auf der ursprünglichen Karte eine weitere Aktion durchführen. Wir spielen also eine weitere Technik. Jeder Spieler zieht beim anderen eine zufällige Karte. Da wir nur Müll auf der Hand haben, ist dies vollkommen ungefährlich für uns.
Zum Abschluss legen wir noch diese drei Karten ab.
Dafür kaufen wir uns diese Karte.
Etwas später beginnen wir damit unsere Stapel zu bilden. Wir legen eine Karte mit dem Wert eins aus unsere Hand ab.
Später legen wir eine Karte mit dem Wert zwei dazu.
Im Verlauf des Spiels entsteht so Stapel für Stapel, bis wir acht mit den Werten von eins bis acht vor uns liegen haben. Der erste Spieler, der das schafft, hat gewonnen.

Nur die Handelsleute, besonders die Bankiers wissen, was wir wollen, und werden reich dadurch, wenn auch gleich manche durch falsche Spekulation zugrunde gehen.

(Johann Wolfgang von Goethe)

Als wir unsere erste Partie spielten, fühlte sich in “Dale of Merchants 2” einfach alles richtig an. Die hübsche Optik passte nahtlos in das schnelle, unkomplizierte Spielgefühl hinein. Zusätzlich gab es, im Gegensatz zu vielen anderen Deckbuildern, die Möglichkeit unsere Mitspieler aktiv zu ärgern. Außerdem faszinierte mich die nicht übliche Siegbedingung. Doch Partie um Partie nahm in mir ein Zweifel immer weiter zu. Nämlich der Verdacht, dass man das Spiel gewinnen kann, ohne eine Aktion zu spielen.

Also bestritt ich die folgenden Partien auf eine einzige Art. Karte kaufen, Stapel bilden. Nicht mehr, nicht weniger. Und tatsächlich. In vier von fünf Fällen war ich entweder siegreich oder hab nur ganz knapp verloren. Dass das zentrale Element eines Deckbuilders – Aktionen geschickt verketten – so wenig Einfluss auf das Spiel hatte, hat mich dann doch verwundert. Führt dieser Zustand nicht eigentlich das komplette Spiel ad absurdum?

Jein, denn im Normalfall wird niemand derart langweilig spielen wollen. Dafür reizen die Karten einen dann doch zu sehr. Zumindest teilweise. Denn es sind im Grunde genommen schöne Aktionen möglich. Wenn man beispielsweise gezielt mit den Gegnern Karten tauscht, weil man mit der eigenen Kartenhand nichts zu verlieren hat. Und das sorgt für eine Interaktion, die mir in vielen Spielen fehlt.

Dennoch ist “Dale of Merchants 2” weiterhin ein eher schwachbrüstiges Spiel. Eine Partie plätschert gemütlich und ohne erkennbaren Spannungsbogen vor sich hin. Sind alle Spieler geübt gehen die Züge dabei angenehm von der Hand, so dass kaum Wartezeiten entstehen. Trotzdem wird es extrem selten vorkommen, dass ein Spieler weit in Führung durch das Ziel prescht. Denn die Hürde für das Spielende ist so niedrig, dass sie eigentlich jeder problemlos bewältigt. Man möchte fast sagen, dass man fast ans Ende getragen wird.

“Dale of Merchants 2” funktioniert dadurch am besten als nettes Spielchen für zwischendurch. Leider gibt es davon schon so viele, so dass dieser Titel nur durch seine wunderschöne Optik aus der Masse herauszustechen weiß.

Dale of Merchants 2

Snowdale Design


Autor: Sami Laakso
Dauer: ca. 10 Minuten je Spieler
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen