Mein Traumhaus – Pegasus – 2017

 

Betongold, ein Begriff, von dem jeder von uns andere Ansichten haben dürfte. Die einen schwören darauf, die anderen reden von einer Immobilienblase, die bald platzen wird. Zum Glück beschäftigen wir uns hier mit Brettspielen. Das ist nicht nur weitaus einfacher zu umfassen, sondern Entscheidungen wirken sich auch direkter aus. Gleichzeitig zerstört man sich nicht automatisch das Leben, wenn man einmal „falsch abgebogen“ ist. Und so freuen wir uns natürlich darauf, dass unser Traumhaus bald fertig ist. Und damit es ein Wettbewerb bleibt vergleichen wir unser Können mit dem unserer Mitspieler.Besser nicht genug, als zu viel.

Zeige mir, wie du baust und ich sage dir, wer du bist.

(Christian Morgenstern)

In „Mein Traumhaus“ ergattern wir über 12 Runden Räume und andere Karten, die wir möglichst punkteträchtig einbauen müssen. Dabei unterscheiden sich die Räume nicht nur in ihrem Namen. Manche dürfen mehr Felder belegen, als andere und bringen dafür dann mehr Punkte. Andere sind besonders in Verbindung mit anderen mit Punkten gesegnet. In den restlichen Karten verstecken sich Dächer und Sonderfertigkeiten, die das Spiel zu den eigenen Gunsten drehen können.

Ein paar bebilderte Beispielszüge findet ihr in der folgenden Galerie.

 


1/20

Wir wetteifern heute mit 3 Gegnern um das schönste Haus.

 

2/20

Als Startspieler werfen wir zuerst einen Blick auf das Zentrale Tableau.

 

3/20

Und wählen eine Spalte aus, deren Karten wir an uns nehmen.

 

4/20

Die Küche bauen wir in unser Haus ein.

 

5/20

Das rote Dach mit Fenster legen wir verdeckt auf das zugehörige Feld.

 

6/20

Unser erster Gegner schnappt sich auch ein Dach und eine Werkstatt, die in das Untergeschoß wandert.

 

7/20

Gegner 2 entscheidet sich für ein Kinderzimmer und die Startspielerkarte.

 

8/20

Und unser letzter Gegner schnappt sich Wohnzimmer und Dachdecker (dieser gibt uns eine Zusatzfähgikeit für das Spielende).

 

9/20

Die restlichen Karten werden abgeräumt.

 

10/20

Im Anschluss werden beide Reihen wieder befüllt und es geht in die nächste Runde.

 

11/20

Der neue Startspieler schnappt sich das Kinderzimmer und ein Dach. Das Kinderzimmer setzt er direkt an das Erste an, wodurch der Wert des Raumes nun von 2 auf 6 Punkte steigt.

 

12/20

Dasselbe macht der nächste Spieler mit dem Wohnzimmer und einem Dach.

 

13/20

Wir erweitern unsere Küche und legen ein braunes zu unserem roten Dach.

 

14/20

Der letzte Spieler baut seinen Keller mit einer Rumpelkammer und dem Startspieler aus.

 

15/20

Überspringen wir ein paar Spieler. Ihr erinnert euch an den Gegner mit dem Wohnzimmer. Er nimmt sich im nächsten Zug die Bilder und ein Badezimmer.

 

16/20

Die Bilder setzt er auf das Wohnzimmer. Das bringt ihm zwar 2 Siegpunkte ein, schließt aber gleichzeitig seinen Raum ab. Er darf ihn also nicht mehr erweitern.

 

17/20

Das Badezimmer platziert er im ersten Stock. Ein Raum darf immer dann platziert werden, wenn sich darunter keine leere Fläche befindet. Die Regel ist mit dem Wohnzimmerfeld erfüllt.

 

18/20

Gehen wir zum Spielende und zu der Wertung. Als Stütze verwenden wir die beigelegte Wertungskarte.

 

19/20

Unser Haus hat sich über die 12 Runden gut gefüllt. Wir mussten nur einen leeren Raum platzieren (unten rechts), weil wir kein Kellerabteil erhalten haben, aber bauen mussten. Wir beginnen mit den Räumen. 19 Punkte Dekoration haben wir keine, also 0 Punkte Einrichtungsboni = 6 Punkte

 

20/20

Zuletzt noch das Dach. Wir nehmen die zuvor verdeckten Karten und sortieren uns zusammen, was wir verwenden möchten. Leider haben wir kein Einfarbiges Dach. Macht 3 Punkte + 1 für das Dachfenster. Gesamt haben wir also 29 Punkte. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt. Bei Gleichstand gewinnt der Spieler, der mehr Kinder im Haus habt. Ihr habt sie nicht gesehen? Dann schaut mal genauer auf die Raumkarten.

 


Wer die Sucht zu bauen hat, bedarf zu seinem Verderben keines anderen Feindes.

(Aus Frankreich)

Mit „Mein Traumhaus“ liegt ein nettes Familienspiel vor. Es ist schön illustriert und man fühlt sich beim Anblick schon heimelig. Die einzelnen Zimmer weisen dabei nette Details aus, die gefunden werden wollen. Und dabei spreche ich nicht einmal von den Kindern, die sich in den Zimmern verstecken können. Hier ein nettes Deko-Element, dort eine Spieleschachtel, die einem irgendwie bekannt vorkommt. Die Karten laden einfach dazu ein sie genauer anzusehen.

Im Spiel bleibt davon dann leider wenig übrig. Zumindest, wenn man gewinnen möchte. Hier konzentriert man sich nur noch auf die harten Fakten. Die Punkte. Da ist egal, wie das Zimmer heißt, Hauptsache es bringt einen näher zum Sieg. Okay, nicht ganz, denn man möchte ja noch die Einrichtungsboni erhalten, die bestimmte Räume vorschreiben. Dabei sind die zufälligen Karten Fluch und Segen zugleich. Sie bringen ein schönes Zocker-Element mit sich, das jedoch keine weitreichenden Folgen und schwitzige Hände vor lauter Spannung mit sich bringt. Andererseits unterbindet es aber gleichzeitig ein ewiges hin- und her rechnen, wo man denn nun 1 – 2 Punkte mehr herausholen könnte.

Letzteres hätte dem Fluff im Spiel nicht gut getan. Es ist von einer gewissen Leichtigkeit begleitet, die dafür sorgt, dass selbst die Oma zu einer Runde zu überreden ist. Kein langes Regelerklären, kein langes Grübeln, keine langen Gesichter. Ich persönlich hätte mir noch mehr Sonderkarten gewünscht. So weiß ich in jeder Partie, dass mich Dachdecker, Inneneinrichterin und Paketbote erwarten, über deren Sonderfertigkeit sich streiten lässt. Zumindest, was die Effektivität angeht.

Kinder, die mitspielen, sollten schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben (meiner Meinung nach 10 – 12, je nach Affinität zu Spielen). Denn schließlich sollten sie, so sehr es sich auch anbietet, nicht das ihrer Meinung nach schönste Haus haben, sondern das mit den meisten Punkten. Auch ich wäre froh über ein Spielezimmer zwischen Bad und Küche, aber ein Wohnzimmer derselben Größe bringt einfach mehr Punkte.

Große Strategen und Hardcore Eurogamer wird man mit „Mein Traumhaus“ nicht begeistern können. Für die ist es dann doch etwas zu seicht. Dennoch ist „Mein Traumhaus“ ein nettes Spiel für schöne Familiennachmittage oder Spieleabende, an denen die Glotze einfach mal aus bleibt. Und genau hier macht es einen guten Job, auch, wenn ich mir persönlich einen besseren Spannungsbogen gewünscht hätte. Das Spiel plätschert nett vor sich hin, wie ein Gebirgsbächlein. Alles in Seelenruhe und ohne sich über andere Gedanken machend. Eine Eigenschaft, die ich gern selbst hätte, doch in Spielen brauch ich ab und an einfach etwas mehr Würze. Dennoch lasse ich mich immer wieder gern für 1 – 2 Partien in „Mein Traumhaus“ entführen. Zumindest dort kann ich ausleben, was mir in der Realität versagt bleibt.

 

 

Mein Traumhaus

Pegasus 2017


Autor: Klemens Kalicki
Dauer: ca. 10 Minuten je Spieler
Spieler: 2-4
Schwierigkeit: Einfach

Anmerkungen

Christian Renkel
Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist. So erreicht ihr ihn: Christian@Spielstil.net
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