SPIELSTIL Rezension

Cartaventura

Ein Spiel entwickelt von Arnaud Ladagnous, Thomas Dupont
erschienen bei Kosmos

Was ist Cartaventura?

Die Cartaventura Spiele bieten interaktive Geschichten. Ihr werdet also vor Entscheidungen gestellt, die euch unterschiedliche Wege beschreiten lassen. Dabei entfaltet sich Schritt für Schritt eine Landkarte, mit der ihr direkt erkennen könnt, wie weit ihr vorangeschritten seid. Für Cartaventure wird immer wieder 7th Continent als Vergleich herangezogen. Dazu kann ich jedoch wenig sagen, da ich dieses nie gespielt habe.

Die Geschichten bieten dabei fünf unterschiedliche Enden. Und mit diesen rückt der Spielmechanismus die Geschichte selbst eher in den Hintergrund. Wichtiger ist das Puzzle, wie man die einzelnen Enden erreichen kann. Hat man eine der Geschichten abgeschlossen, kann es schnell zurückgesetzt und von vorn begonnen werden. Dabei werden jedoch nicht alle Karten in den ursprünglichen Zustand gebracht. Zumindest dann, wenn ihr bestimmte Ziele erreicht habt. Das bietet euch dann die Möglichkeit, andere Wege überhaupt verwenden zu können.

Aber die Ziele freizuschalten klingt schwerer als es ist, denn es reicht einfach, einen anderen Weg einzuschlagen, um wieder einen Schritt weiter zu gelangen. Und spätestens beim dritten Durchlauf weiß man, welche Schalter man noch drücken muss. Man muss nur noch herausfinden, wie. Was jedoch nie zu komplex ist. Aber schön! Wer jedoch den Hauptaspekt auf der Geschichte erwartet, wird enttäuscht. Denn es macht keinen Sinn, eines der Spiele nur einmal zu bewältigen, da das Ziel darin besteht, alle fünf Enden zu finden.

Cartaventura - Beispiel

Die Cartaventura Mehrspielerlüge!

Ihr habt sicherlich gelesen, dass die Cartaventura Spiele für 1 – 6 Spielende sein soll. Vergesst das gleich wieder! Schon das Spiel zu zweit war für mich derart uninteressant öde, dass mir beim Gedanken an eine Partie in Vollbesetzung ein eiskalter Schauer über den Rücken jagt. Ich bin einfach nicht der Typ, der dasitzt und sich gegenseitig Texte vorliest, nur um im Anschluss eine Mikroentscheidung zu treffen, die wieder dadurch belohnt wird, sich gegenseitig Texte vorzulesen. Nein Danke. Und die viel gelobten Diskussionen entstehen nun wirklich nicht. Denn die Cartaventura Titel sind einfach kleine Puzzles. Nicht mehr nicht weniger. Perfekt für Solisten und so auch am besten zu genießen. Sollte euch also jemand vorschlagen, das gemeinsam zu spielen, steht ihr besser auf und geht. Denn das 1 – 6 Spielende steht einfach für 1 Spieler/in + 5 Enden. Nicht mehr, nicht weniger.

Ja, ich weiß, es gibt bestimmt Menschen, denen das Gefällt. Ein ganz großer Fan davon ist zum Beispiel der Christian von Brett & Pad. Ihr wisst ja jetzt, worum es geht und seid alt genug, um selbst zu entscheiden.

Die einzelnen Cartaventura Titel

Cartaventura - Vinland

Cartaventura - Vinland

Cartaventura – Vinland besteht aus zwei verschiedenen Szenarien. Zum einen gilt es die Unschuld unseres Vaters in einem Mordfall zu beweisen. Im zweiten Teil begeben wir uns auf die Suche nach einer Insel, über die wir bisher nur Geschichten gehört haben. Das sagenumwobene Vinland. Und dann wäre da noch der neue, eine Gott. Sollte man lieber auf diesen oder die altgewohnten vertrauen?

Ich empfand das Vinland Szenario als das eindeutig schlechtere der beiden gespielten Cartaventura Titel. Zum einen, weil ich den Bruch in der Geschichte nicht mochte. Also, dass aus einer Mordanklage dann plötzlich eine Reisegeschichte wird. Man hätte meines Erachtens eines von beiden besser verfolgen sollen. Also sich voll und ganz darauf konzentrieren. Und es gab dann noch eine Szene, die mich vollkommen irritiert zurückgelassen hat, weil mir hierzu der passende Kontext fehlt. Nach Rückfragen gehört dieser Teil zu einer alten Wikingersaga. Fehlt einem die Info (und davon gehe ich bei 90 % der Menschen aus), ist man eher verwirrt und peinlich berührt. Alles in allem haben die Geschichts-Schnipsel in Vinland so manch Interessantes aufgegriffen. Aber immer, wenn ich dachte, dass sich daraus ein spannender Konflikt entfaltet, verlief dieser Geschichtsarm auch schon wieder im Sand.

  • Erschienen: 2021
  • Szenario: Wikinger im Jahr 985
Wertung:
6/10

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Cartaventura - Lhasa

Als vom 1. Weltkrieg gebeutelter Reporter begeben wir uns nach Asien, um Alexandra David-Néel zu folgen. Ihr Buch hat uns inspiriert und lässt uns hoffen, die Schrecken des Krieges hinter uns zu lassen. Doch wie können wir sie finden? Sollten wir uns lieber Einheimischen oder britischen Kolonialmächten anvertrauen? Ein interessanter Clou ist das Geld, das uns nicht ausgehen sollte. Um die Reisekasse aufzubessern, schreiben wir zwischendurch immer wieder Artikel, die unsere Zeitung je nach Qualität anders monetarisiert.

Die Suche nach der Journalistin Alexandra David-Néel ist für mich das weitaus bessere Szenario. Zwar gibt es auch Überraschungen im Ablauf, aber eben keinen Bruch, der das zuvor erlebte irrelevant macht. Hier habe ich wirklich genossen die unterschiedlichen Wege und Möglichkeiten zu erforschen. Wobei ich auch sagen muss, dass es zwar befriedigend war ein neues Ende zu erreichen, aber für mich der Weg das Ziel war.

Aber auch hier hätten manche Entscheidungen weitreichendere Auswirkungen haben können. So wurde zwar ab und an abgefragt, ob man einen bestimmten Meilenstein erreicht hat, aber gerade, wenn ein sich daraus entspinnender Konflikt aufkeimte, war er auch schon wieder vorbei. Ich finde, dass die daraus entspinnenden Folgen eine intensivere Geschichte mitgebracht hätten. Zumal tatsächlich weitreichende Entscheidungen vorhanden wären.

  • Erschienen: 2021
  • Szenario: Tibet - Anfang 20. Jahrhundert
Wertung:
8/10

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Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

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