Photosynthese – Asmodee – 2018

Wir alle wissen, dass “Photosynthese” ein Vorgang ist, in dem energiearme in energiereiche Stoffe umgewandelt werden. Für Pflanzen bedeutet das, dass sie für sie lebenswichtiges Wasser, Kohlendioxid und Licht umwandeln. Das Abfallprodukt daraus ist Sauerstoff, was für uns recht praktisch ist. Bleibt uns schließlich mehr Zeit Gedanken fürs Spielen aufzuwenden, als für: “Hilfe! Ich ersticke.”

Und so haben wir uns daran gemacht, unseren uns zur Verfügung stehenden Sauerstoff zu verwenden, um einen Blick auf Bäume zu werfen, die aus toten Bäumen gemacht wurden. Was wir dabei herausgefunden haben lest ihr weiter unten.


Bäume predigen das Urgesetz des Lebens.

(Hermann Hesse)

In “Photosynthese” breitet sich jeder Spieler mit seiner Baumgattung aus, lässt diese wachsen und Sonnenpunkte – die zentrale Währung des Spiels – sammeln. Man wirft Schatten, wird geboren, wächst und stirbt. All das, um im ewigen Kreislauf des Lebens Siegpunkte zu generieren und unsere Gegner zu behindern. Denn nur, wer am Schluss die meisten Punkte hat, gewinnt “Photosynthese”.

In dieser Galerie findet ihr einen kurzen Ablauf des Spiels:

Heute spielen wir "Photosynthese" zu zweit.
Wir sind Startspieler und das ist unser aktueller Bestand.
Von diesem nehmen wir einen kleinen Baum und setzen ihn direkt auf eines der Randfelder.
Unser Gegner macht es uns gleich.
Nun darf jeder noch ein zweites Bäumchen einsetzen.
Und schon ist der Aufbau abgeschlossen. Das Spiel beginnt.
Zuerst wird anhand der Sonne geprüft, wer diese abbekommt. In gerade Linie von der Sonne weg schaut man, wie die Bäume stehen. Wir erhalten insgesamt 2 Punkte, unser Gegner nur 1, da einer seiner Bäume in unserem Schatten ist.
Die zur Verfügung stehenden Sonnenpunkte werden auf unserem Tableau markiert.
Für unsere erste Aktion geben wir einen Sonnenpunkt aus.
Mit diesem pflanzen wir einen Samen direkt angrenzend an eines unserer Bäumchen.
Dann geben wir noch den zweiten Sonnenpunkt aus.
Für diesen kaufen wir uns einen neuen Samen vom Tableau in unseren Vorrat.
Unser Gegner gibt seinen Sonnenpunkt aus, um einen Samen zu pflanzen.
Sind alle Spieler fertig, geht der Startspielermarker an den nächsten Spieler.
Die Sonne wandert im Uhrzeigersinn zum nächsten Feld. Erneut wird geprüft, wer wie viel Sonne abbekommt. Diesmal erhält jeder von uns 2 Sonnenpunkte.
Unser Gegner gibt einen Sonnenpunkt aus, um ein kleines Bäumchen aus dem Samen wachsen zu lassen. Das Bäumchen wird dabei aus seinem aktiven Vorrat genommen.
Da auf dem Tableau kein Platz für den Samen ist, wird dieser aus dem Spiel entfernt. Den zweiten spart er sich für die nächste Runde auf.
Wir kaufen für unsere 2 Sonnenpunkte einen kleinen Baum von unserem Tableau.
Da sich erst mal alles wiederholt springen wir etwas vorwärts. Wir sind am Zug und wollen einen unserer kleinen in einen mittleren Baum wachsen lassen. Das kostet uns 2 Sonnenpunkte.
Wir tauschen den kleinen Baum aus. Unser neuer Baum hat eine Reichweite von 2 was das Platzieren von Samen und den Schattenwurf betrifft.
Den kleinen Baum setzen wir auf ein freies Feld unseres Tableaus.
Als später die Sonne gewandert ist, erhält blau 3 Sonnenpunkte, wir selber erhalten lediglich 2 für den mittleren Baum. Der kleine Baum unseres Gegners wirft zwar einen Schatten, unser Baum ist jedoch größer. Dafür wirft unser Baum 2 Felder weit Schatten, wodurch wir uns selbst das Licht wegnehmen.
Einige Runden später sieht das Bild wie folgt aus.
Unser Gegner hat aktuell 7 Sonnenpunkte.
Von diesen gibt er 4 aus.
Die 4 Punkte investiert er in seinen großen Baum.
Er wird vom Spielfeld entfernt und auf das Tableau zurückgestellt. Darunter kommt ein Feld mit 2 Blättern zum Vorschein.
Als Belohnung erhält er das oberste Siegpunktplättchen des 2 Blätterstapels.

Das Spiel endet, wenn die Sonne dreimal komplett um das Spielfeld gewandert ist (was 18 Runden entspricht). Zum Schluss erhält man Siegpunkte für seine aktuellen Sonnenpunkte und die gesammelten Plättchen. Wer die meisten Punkte hat gewinnt.

Das Erlebnis eines Frühlingswaldes kann dich mehr über den Menschen lehren, über Moral, das Böse und das Gute, als alle Weisen.

(William Wordsworth)

Man könnte “Photosynthese” als das Dark Souls der Brettspielwelt bezeichnen, derart unbarmherzig kommt es daher. Denn, was auf den ersten Blick wie ein kleiner, gemütlicher Spaß wirkt, ist ein harter Kampf ums Überleben. Bereits nach kurzer Zeit kann ein Spieler schon derart abgeschlagen sein, dass er eigentlich keine große Rolle mehr innehat. Dabei bedarf es auch der einen oder anderen unliebsamen Entscheidung, die dann wie ein Tritt in die Weichteile wirkt, um siegreich zu sein. Das muss einem liegen, sonst hat man bei “Photosynthese” keinen Spaß. Ich persönlich mag, wenn es auch mal zu Sache geht, weswegen hier das Spiel einen Pluspunkt bei mir gesammelt hat. Endlich wieder ein Titel mit direkter, gnadenloser Interaktion.

Mich stört eher das recht abstrakt wirkende Spielerlebnis. Gerade die schöne Aufmachung fordert förmlich dazu auf ein wundervoll thematisches Spiel zu erwarten. Was jedoch hinter der Fassade steckt ist genau das Gegenteil davon. Ich liebe es in einem Spiel zu versinken. Gerade gestützt durch das Material war meine Erwartung natürlich entsprechend. Desto ernüchternder war dann auch die erste Partie. Schade, denn das Thema an sich ist so herrlich unverbraucht, dass es ruhig etwas mehr Beachtung hätte finden können. So könnte ich genauso gut Säulen mit Sonnenuhren platzieren. Es würde sich genauso anfühlen.

Etwas unglücklich ist auch ein Teil des Ablaufes, dem ein etwas eleganteres Design gut getan hätte. Die Aufteilung in Tableau – also dem Markt zum Kaufen – und persönlichen Vorrat bremst und verlängert dadurch das Spiel. In Videospielen wäre das Äquivalent dazu unnötiges “Backtracking”. Also das erneute Besuchen von Gebieten, die man bereits abgeschlossen hat, ohne etwas wirklich Wichtiges machen zu müssen. Vielleicht hatte man einfach auch nur eine weitere Aktion benötigt, weil sonst gefühlt zu wenig da gewesen wäre? Denn auch mit der Trennung von Markt und Vorrat sind die Regeln schön schlank. Man kann neue Spieler schnell integrieren, ohne sie zu überfordern. Zumindest, was die Regeln angeht.

Über das Material muss ich eigentlich kaum Worte verlieren. Es ist, wie oben bereits erwähnt, wunderschön und stimmig. Das Spielfeld sieht einfach toll aus, wenn der Wald zu wachsen beginnt. Weniger schön sind die Spielertableaus, die sich – zumindest in unserer Ausgabe – zu biegen begonnen haben. Nicht stark, aber spürbar. Außerdem hätte ich persönlich für die Sonnenpunktmarker etwas größeres, Praktikableres genommen.

Auch, wenn ich diverse Probleme mit dem Spiel habe, würde ich es mit der richtigen Runde erneut spielen. Ich würde es nicht bevorzugen, mich aber auch nicht dagegen wehren. Wer die Herausforderung sucht und abstrakten Spielen nicht ablehnend gegenübersteht, kann hier bedenkenlos zugreifen. Harmonieliebende und stark thematische Spieler würde ich zu einem anderen Spiel raten.

 

Photosyn- these

Asmodee 2018


Autor: Hjalmar Hach
Dauer: ca. 10 – 15 Minuten je Spieler
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen

Das Spiel wurde uns freundlicherweise von Asmodee zur Verfügung gestellt.

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