SPIELSTIL Rezension

Mille Fiori

Ein Spiel entwickelt von Reiner Knizia
erschienen bei Schmidt Spiele

Manchmal ist es besser, wenn man nicht zu viel weiß. Ein Grundsatz, der sich bei Mille Fiori bewahrheiten sollte. Schließlich hätte man in Zeiten vor dem Internet gar nicht mitbekommen, dass man mit falschen Regeln spielt. Man hätte einfach die Anleitung aus der Box genommen und alles wäre gut. Inzwischen überholt sich der Markt jedoch selbst. Dabei kann man Schmidt Spiele keinen großen Vorwurf machen. Denn ist ein neues Spiel angekündigt, werden die Rufe nach Informationen immer lauter. Dazu kommt dann noch der Abgabedruck für die Druckereien und fertig ist der Moment, an dem man eine Anleitung online stellt, die noch nicht als final angesehen wird.

Dabei sollte man einem Verlag eigentlich dankbar sein, der ein Produkt immer weiter testet und selbst kleinste Nuancen anpasst, nur um am Ende das perfekte Brettspiel abzuliefern. Das wäre früher nicht möglich gewesen. Früher dann hätte man heimlich in der zweiten Auflage eine andere Anleitung platziert und niemand hätte es mitbekommen. Spaß hätte man mit beiden Versionen gehabt. Nicht mehr, nicht weniger.

Und wenn man wieder einmal über das, was mit Mille Fiori passiert ist herziehen möchte, sollte man einfach mal tief durchatmen und sich überlegen, ob es das wirklich wert ist. Ich denke nicht.

Zuviel Sorge zerbricht das Glas.

(Sprichwort)

In Mille Fiori stellen wir alle Glasbauerfamilien in Venedig dar. Und auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheinen mag, durchlaufen wir im Spiel immer wieder Stationen, die damit verknüpft sind. Dabei fällt es vor allem aus einem Grund nicht auf. Nämlich weil die Mechanik die Thematik beinahe schon weg abstrahiert. Denn anstatt direkt zu produzieren und zu verkaufen, machen wir im Spiel vor allem eines. Punkte zählen.

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Aber wir greifen ein kleines Stück vor. Kernmechanismus ist zuerst einmal das Draften. Also eine der Karten, die wir in der Hand halten, aussuchen und vor uns hinlegen. Der Rest der Karten geht nach links weiter. Sind alle fertig, werden die Karten aufgedeckt und nacheinander abgehandelt. Was im Endeffekt immer bedeutet, dass wir eine farbige Scherbe in den angegebenen Bereich legen und dadurch punkten. Dabei haben die einzelnen Bereiche unterschiedliche Regeln, wie Punkte gerechnet werden. Mal hängt es zum Beispiel von den eigenen angrenzenden Scherben ab. In einem anderen Feld die Bauhöhe oder die Menge der gesamt liegenden Scherben.

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Zusätzlich erreichen wir noch Sonderpunkte, wenn wir eines der Ziele eines Bereichs erfüllen. Also zum Beispiel von jedem Symbol mindestens eines abgedeckt zu haben. Und dann wären da noch die Kettenzüge. Diese sind wieder an andere Bedingungen geknüpft, aber erfüllen wir eine, dürfen wir eine der offen ausliegenden Karten aussuchen und sofort spielen/punkten. Erfüllen wir dann wiederum eine Bedingung, gibt es die nächste Karte und so weiter. Wer also geschickt spielt, kann in seinem Zug eine Kette an Ereignissen auslösen.

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Ist das Spiel vorbei passiert nichts mehr, außer dass geprüft wird, wer die meisten Punkte sammeln konnte und somit gewinnt.

Ein gutes Glas Wein ist geeignet, den Verstand zu wecken.

(Konrad Adeauer)

Christian meint:

Was soll ich sagen? Mille Fiori ist ein vollkommen gelebter Punktesalat, der jegliche Aktion belohnt. Im Endeffekt wundert man sich schon fast, dass man nicht bereits fürs Atmen mit Punkten beworfen wird. Das gefällt nicht jedem und fühlt sich auch zuerst einmal etwas seltsam an. Zumal man dadurch eben auch bereits im ersten Spiel in Punkteregionen jenseits der 200 vordringt, was einem bei aller Spielerfahrung irgendwie seltsam vorkommt. Man beginnt an sich selbst zu zweifeln. Hat man alles richtig gemacht oder sich doch irgendwie verkalkuliert?

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Doch das Spiel ist genau so gedacht. Ob das Belohnungszentrum hier bewusst oder unbewusst gekitzelt wurde, weiß ich nicht. Nur eines, dass mir Mille Fiori gefällt. Zumindest in Vollbesetzung, wenn man sich auf dem Spielplan auch tatsächlich in die Quere kommt und seine Mitspielenden genau beobachtet, damit man keine falschen Karten durchlässt, sondern sich selbst das schönste Filet sichert. Dann zeigt das Spiel, was in ihm steckt. Und wenn sich Stück für Stück ein bunter Farbenteppich ausbreitet, spricht mich das einfach an. Etwas weniger spannend ist das Spiel zu zweit. Zumal gewisse Sektoren hier eher uninteressant werden, da diese nur hohe Punkte abwerfen, wenn eben mehrere Spieler darauf gehen und man nicht versucht, alleine alles zu stemmen.

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Ein bisschen zwiegespalten bin ich, was das Thema angeht. Klar wurden den einzelnen Feldern Funktionen und Symbole der Ära und der Glasherstellung zugeordnet. Aber der mathematische Faktor drängt sich dann doch eher in den Vordergrund und springt winkend auf und ab. Denn im Kern ist es mir egal, ob ich nun Asche oder Quarz abdecke, hauptsache ich bekomme mehr Punkte. Genauso ob ich mich nun eher mit den Nobili oder den Populi einlasse. Erneut entscheiden das die im Vordergrund errechneten Punkte. Versteht mich nicht falsch. Denn natürlich kann man optisch das Thema das Spiels wiederfinden. Aber gefühlt könnte man genauso gut eine Pizza belegen und es wäre dabei egal, ob man nun Salami, Pilze oder Ananas mischt, entscheidend ist, dass es zusammenhängt.

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Jetzt mag es sich vielleicht so lesen, als ob ich etwas gegen Mille Fiori hätte. Aber im Gegenteil. Ich mag das Spiel sogar gerne. Denn es spielt sich schön leicht und locker, zeigt dabei aber stellenweise auch Biss. Es ist herrlich, dem Gegner eine Punktequelle abzugraben oder einen lukrativen Kettenzug hinzulegen. Dabei ist es (bis auf wenige kleine Hürden) nicht einmal immens schwer zu lernen. Und obwohl ich selten etwas mit Spielen anfangen kann, die mir Punkte einfach so hinterherwerfen, fühlt sich das bei Mille Fiori dennoch richtig an. Ein Wettlauf, der jedem etwas zuschustert und dennoch gutes Spiel belohnt. Und dann ist eine Partei gefühlt auch noch so schnell gespielt, dass man gleich noch eine hinten dran hängen kann. Was will man mehr?

Mille Fiori mag vielleicht nicht perfekt oder gar bestens austariert zu sein, aber dennoch macht es Laune. Nicht mehr nicht weniger und damit ein guter Kandidat für einen gute Laune Spielenachmittag.

Mille Fiori von Reiner Knizia

Mille Fiori - Brettspiel - Test - Cover

Ein Spiel nach meinem Geschmack. Schnell, nicht zu verkopft und dennoch unterschwellig bissig. Leider lässt es im Spiel zu zweit gerade letzteres vermissen. Dann ist es eher ein Punktesalat ohne Dressing.

  • Erscheint bei Schmidt Spiele
  • Für 2 – 4 Spielende und dauert 60 – 90 Minuten.
  • Am besten geeignet für Familie

Spielstil – Wertung

8/10
Das gefiel uns
  • Sieht im Verlauf des Spiels immer hübscher aus.
  • Viel hängt vom richtigen Timing ab.
  • Kurz und auffordernd genug für eine Revanche.
Das nicht so
  • Etwas holprig im Einstieg.
  • Für Punkte muss man sich nicht anstrengen.
Hier bekommt ihr „Mille Fiori“

Thalia

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Christian Renkel

Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

So erreicht ihr ihn:

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