8
10

Wingspan/Flügelschlag

Plattform: Steam
Autor: Elizabeth Hargrave
Multiplayer: Hotseat & Online
Komplexität: Fortgeschrittene

Transparenz:
Kostenloses Rezensionsexemplar

Wingspan/Flügelschlag (Steam)

Wohl eines der absolut schönesten Spiele der letzten Jahre ist sicherlich Flügelschlag (im englischen Original Wingspan) von Feuerland Spiele. Das Spiel verbirgt einen sehr straffen Engine Builder hinter der Fassade von hübschen Vogel-Illustrationen. Höchste Zeit, dass dieses doch sehr beliebte Spiel nun auch seinen Weg auf unsere Bildschirme findet…

Ein Vogel wollte Hochzeit machen in dem grünen Walde…

Die Umsetzung ist hierbei wirklich sehr schön gelungen. So sind alle Illustrationen der Vögel animiert und klicke ich sie an, ertönt der passende Vogellaut. Spiele ich einen Vogel aus, dann wird mir eine kurze Passage über den gefiederten Freund vorgetragen.

Überhaupt ist die Umsetzung sehr detailverliebt gelungen. Überall bewegt sich etwas, während meine Ohren mit den sanften Klängen der Natur umsäuselt werden. Insekten fliegen vorbei und ich höre das Summen von Bienen.

Dabei wird gleichzeitig dennoch die Übersichtlichkeit gewahrt. Die Symbole sind groß und klar präsentiert. Die Aktionen und Interaktionen müssen immer bestätigt werden; fast schon zu kleinteilig, wenn ich erst die Aktion eines Vogels bestätigen muss, dann einen Spieler wählen muss, dann noch einen Futterwürfel – während das alles auch auf einem Dialog hätte passieren können. Allerdings wird so auch sicher gestellt, dass man nicht aus Versehen eine falsche Entscheidung trifft.

Apropos falsche Entscheidung: Ein Undo, also die Rücknahme einer Entscheidung, wäre hier fein gewesen – so lange nicht neue Informationen aufgedeckt wurden. Aber man kann auch nicht alles haben.

Wingspan Flügelschlag Steam Partie

Die einzelnen Habitate werden detailverliebt dargestellt

Kommt ein Vogel geflogen,
setzt sich nieder auf mein’n Fuß

Es macht einfach Spaß, Flügelschlag auf diese Weise zu spielen. Es ist auch ideal geeignet: Es gibt insgesamt wenige Aktionen, meistens sind sie schnell abgehandelt. So spielt sich eine Partie schnell und flüssig herunter und man hat wenig mit der Buchhaltung des Spiels zu tun; oder muss die Karten immer wieder mischen. Ähnlich wie die App-Umsetzung so mancher Würfelspiele, ist auch Flügelschlag wie geschaffen dafür.

Das Tutorial ist gut gemacht und erklärt die Regeln ausführlich; außerdem gibt es nette kleine Errungenschaften, wie eine Galerie aller bereits gesehener Vögel oder eben Ziele wie das Ausspielen einer gewissen Anzahl Wasservögel, Waldvögel, und so weiter. Einzig schade, dass die kleinen Wissen-Bissen über den jeweils ausgespielten Vogel nur auf Englisch vorliegen. Hier wäre eine komplette Synchronisation toll.

So bleibt unter dem Strich immer noch eine tolle digitale Umsetzung eines tollen Brettspiels über. Definitiv einen Blick wert, wenn man Flügelschlag auch am Tisch gerne spielt!

5
10

Explorers

Plattform: Android
Autor: Phil Walker-Harding
Multiplayer: Globaler Highscore/Tägliche Herausforderung
Komplexität: Einsteiger

Transparenz:
Kostenloses Rezensionsexemplar

Explorers (Android)

Wer kennt das nicht, wenn das Fernweh lockt? Die große, weite Welt ruft und man will seinen Rucksack packen und einfach losziehen. So viel gibt es zu entdecken – wilde Pferde, große Tempel, zu denen man gerade einen Schlüssel gefunden hat, und ausserdem ist man nie hungrig, denn überall liegen Möhren, Äpfel und FIsche herum… häh?! – Naja, zumindet bei Explorers ist das so…

Hänschen klein, geht allein
In die weite Welt hinein…

Und zu diesem kleinen Flip’n’Write gibt es nun auch eine App und die daddelt sich – erwartungsgemäß – sehr flüssig runter. Wir decken Runde um Runde eine neue Landschaftskarte auf und entscheiden uns dann, wo wir unsere Kreuzchen machen wollen. Der Rechner zeigt uns dabei dann auch gleich an, welche Punkte wir schon erreicht haben auf den Auftragskarten, und wie viele Schritte wir noch laufen dürfen.

Multiplayer gibt es hier nicht, aber – wie schon bei der App zu Der Kartograph – man kann Herausforderungen spielen für eine tägliche Rangliste. Dabei entscheidet man, ob nur die Aufträge, oder auch die Landschaftskarten fixiert sind.

Und so tippert man fröhlich seine Partie herunter und am Ende hat man Punkte. Ihr merkt schon – meine Begeisterung hält sich in Grenzen.

Explorers App Spielsituation

So sieht unser „Zettel“ nach einer Partie aus

Über Stock und über Steine
Aber brich dir nicht die Beine

Ja, das Spiel funktioniert auch als App – vielleicht sogar besser? Denn ich habe ja all das Material nicht zu reinigen nach der Partie – geschweige denn aufzubauen. Außerdem überwacht die App, dass ich nur richtige Züge ausführe.

Und da fängt der Ärger für mich schon an. Es ist eine App, also kann sie mich auch unterstützen, finde ich. Zum Beispiel könnte sie Felder, die ich definitiv nicht betreten darf in diesem Zug oder dieser Runde direkt rot markieren – vielleicht gleich mit dem Hinweis, dass in dieser Runde nur Möhren gesammelt werden dürfen? Oder dass mir noch der Schlüssel für den Tempel fehlt?

Nun gut, das wäre nicht ganz so schlimm – wenn es wenigstens eine Undo-Funktion gäbe. Aber leider sind gesetzte Züge hier fest. Ich darf meine Kreuzchen nicht wieder zurück nehmen, und das nervt so richtig. Um nicht zu sagen: Gewaltig! Auf der anderen Seite wird mir eine Entscheidung vorgegaukelt: Die 7 Landschaftskarten liegen jede Runde verdeckt vor mir, und ich muss immer eine auswählen, um weiter zu spielen. Wie sinnfrei ist diese Wahl denn bitteschön? Es ist doch reiner Zufall an dieser Stelle.

So habe ich also eine eigentlich ziemlich gut umgesetzte App – die mir gleichzeitig Zwänge auferlegt und mein Spiel nicht unterstützt, sondern es im Gegenteil noch anstrengender macht. Denn am Tisch kann ich mit Spucke und einem Taschentuch meinen Zug jederzeit zurücknehmen…

7
10

Concordia

Plattform: Android
Autor: Mac Gerdts
Multiplayer: Hotseat & Online
Komplexität: Fortgeschrittene

Transparenz:
Kostenloses Rezensionsexemplar

Concordia (Android)

Heute Morgen sehe ich auf meinem Mobiltelefon eine neue App und dachte unwillkürlich, dass schon wieder eine Malware heimlich bei mir eine Werbeapp installiert hat – dabei habe ich doch gar keine Versicherung bei… ach, Nein! Da fällt es mir wieder ein: Das ist doch die neue Brettspielumsetzung von Acram Digital! Gleich mal starten…

In varietate concordia.
(In Vielfalt geeint)

Jüngst hat der Softwarehersteller ein weiteres Meisterwerk umgesetzt – in diesem Falle Concordia. In diesem Warenwirtschafts-Deckbuilder geht es darum, auf der einen Seite ein effektives Kartendeck zum Spielen zu schaffen; auf der anderen Seite mit diesen Karten aber am Ende des Spiels auch am Besten zu werten.

Als App haben wir bereits relativ lange auf dieses Spiel gewartet, und für die physische Ausgabe sind bereits eine ganze Reihe von Erweiterungen erschienen (in diesem Bezug erinnert es einen schon fast an Funkenschlag). Doch nicht verzagen – auch in der mobilen Version sind die neuen Karten schon angekündigt und werden nach Erscheinen als DLC erworben werden können.

Sonst bietet uns das Spiel neben dem klassischen Solospiel gegen einen oder mehreren Bot-Gegnern (bei denen man aus drei Schwierigkeitsstufen wählen kann) auch Partien im Hotseat-Modus, bei dem wir das Tablet oder Telefon herumreichen. Außerdem kann man bequem Online-Partien starten, welche auch asynchron verlaufen dürfen.

Optisch hat sich die App extrem stark an der Vorlage orientiert, und so sind Grafiken von Karten, Waren und dem Spielplan selbst fast 1:1 vom Brettspiel übernommen. Ergänzt wurden diese mit kleinen Animationen, wie zum Beispiel einer kleinen Seeschlange, die sich durch die Meere schlängelt. Niedlich.

Concordia App Partie

Wie sie sehen, sehen sie nix – der Bildschirm ist wirklich sehr unübersichtlich

Ja, wo laufen sie denn?

Doch wenn ihr mich fragt, wie ich die App finde, muss ich leider abwinken. Was dem Spiel selbst geschuldet ist, sind die Mikrozüge. Ein Spielzug ist bei Concordia oft sehr schnell durchgeführt. Ich handle ein paar Waren. Ich bewege und baue. Ich kaufe neue Karten. Am Tisch oder in einer Live-Partie ist das kein Problem. Aber in einer asynchronen Partie ist das ermüdend und zieht sich schier endlos in die Länge.

Sicherlich, das ist etwas, das dem Design des Spiels zugrunde liegt – aber dennoch möchte ich es erwähnen, denn wenn ihr zu den Casual Gamern gehört, die 2-3 Züge am Tag spielen wollen, aber nicht eine Stunde am Bildschirm verbringen wollen – dann ist der Online-Modus der App einfach nichts für euch.

Und dann ist da noch die Übersichtlichkeit. Bei all der hübschen Optik ist der Bildschirm so zugestellt mit Informationen, dass es einem sehr schwer fällt, hier den Überblick zu behalten. Teilweise überdecken UI-Elemente das Spielbrett, teilweise stehen selbst die Spielfiguren so ungünstig, dass zum Beispiel der Besitz einer Stadt überdeckt wird. Die bunten und verspielten Zeichnungen machen es dabei auch nicht einfacher, relevante Elemente zu erkennen.

Außerdem kann man nicht so weit aus der Karte heraus zoomen, dass man den gesamten Spielplan erkennen könnte. Gerade wenn es um Mehrheiten geht, ist das sehr hinderlich, zumal es keinen Grund gibt, diesen Zoom nicht anzubieten.

Alles in allem bleibt eine solide Umsetzung des Brettspiels übrig, die jedoch sehr „fitzelig“ zu bedienen ist und mit ihrer Unübersichtlichkeit nicht bei der Bedienung hilft. Online-Partien würde ich nur als Live-Partie spielen, auf keinem Fall asynchron. Wer aber das Spiel mag, der wird die App-Umsetzung sicherlich toll finden.

Wir haben Rezensionsexemplare ohne Auflagen vom Verlag bekommen.
Mehr Informationen zu Affiliate Links und Rezensionsexemplaren findet ihr in unserer Übersicht zur Transparenz und in den Bestimmungen zum Datenschutz.

Written by Thomas Büttner
Tom schätzt neben komplexen Euros auch thematisch satte Solitär-Meisterwerke - und natürlich feine App-Umsetzungen. Dabei wird er schon mal ungehalten, wenn die Steuerung umständlich ist oder das User Interface unintuitiv. So erreicht ihr ihn: Tom@Spielstil.net

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