Kingdom Rush – Lucky Duck Games – Kickstarter-Prototyp

Tower Defense Spiele gibt es wie Sand am Meer. Das bekannteste von ihnen dürfte „Kingdom Rush“ sein. Begann dieses noch als kostenloses Browserspiel, kamen in den mobilen Umsetzungen für Tablets und Smartphones diverse In-App-Käufe groß in Mode. Diese haben es glücklicherweise nicht ins Brettspiel geschafft. Aber konnte Lucky Duck Games, nach „Jetpack Joyride„, eine weitere gute Umsetzung eines Computerspiels erschaffen?


Ein Pferd! Ein Pferd! Mein Königreich für ein Pferd!

(William Shakespeare)

„Kingdom Rush“ ist ein kooperatives Puzzlespiel. Monsterhorden bewegen sich auf unser Königreich zu. Dabei liegt es an uns, diese aufzuhalten. Hierfür bauen wir Türme, die sofort einen Angriff starten. Mit ihnen platzieren wir Tetris ähnliche Plättchen auf den Monstern. Zusätzlich können wir einzelne Soldaten und Helden losschicken. Türme, die wir in einer Runde nicht verwenden, werden verbessert. Außerdem bringen besiegte Monster Edelsteine, mit denen wir die Helden aufleveln oder neue Türme kaufen können.

Schaffen wir es die erscheinenden Portale zu vernichten, gewinnen wir. Doch kommen die wandernden Monster in unserem Königreich an, verliert dieses Lebenspunkte. Sind alle sieben verschwunden, verlieren wir genauso, wie wenn es ein Portal ins Ziel schafft.

In dieser Galerie zeigen wir euch ein Beispiel zum Spielablauf:

Zu zweit halten wir die Monster in "Kingdom Rush" auf.
Dies ist die aktuelle Startposition des zweiten Levels. Die Baugebiete links vom Pfad gehören uns. Die rechts unserem Mitspieler.
Wir beginnen, in dem wir einen Turm bauen. Dieser schießt das abgebildete Bauteil auf die Monster direkt daneben. Dieses darf dabei nicht gedreht werden.
Unser Mitspieler beginnt auch mit einem Turm. Ziel ist es, dass alle Monster eines Tableaus abgedeckt werden.
Da es keine Spielerreihenfolge gibt, macht unser Mitspieler direkt weiter. Er möchte den Sonderangriff seines Magiers nutzen.
Hierfür bewegt er sich ein Feld nach links und blockiert damit unseren Bauplatz. Danach schießt er das Bauteil auf die Monster vor sich. Da es ein entsprechendes Zeichen hat, darf er es drehen, wie er möchte.
Auch wir möchten unsere Attacke verwenden.
Wir ziehen auf die Monster vor uns. Unser Sonderangriff ist mit "Nahkampf" markiert. Deswegen platzieren wir das Bauteil auf demselben Tableau, auf dem auch wir stehen.
Danach baut unser Mitspieler eine Kanone. Auch diese hat ein passendes Bauteil.
Danach legt unser Mitspieler seinen letzten verbleibenden Turm zu uns. Da wir auch keine sinnvolle Aktion mehr machen könnten, tun wir es ihm gleich.
Da wir nicht alle Felder eines Tableaus abdecken konnten, wird kein Gegner besiegt. Nun bewegen sich die Monster. Das vorderste Tableau muss dabei stehen bleiben, da wir uns aktuell darauf befinden.
Dafür verlieren wir jedoch einen Lebenspunkt.
Das nächste Tableau überspringt dafür das blockierte Feld und wandert direkt ins Ziel.
Da wir drei Monster nicht abdecken konnten, verliert unser Königreich drei Herzen.
Das hinterste Tableau bewegt sich einfach ein Feld vorwärts.
Nun kommen neue Monster ins Spiel. Das Szenario sieht vor, dass zwei davon auf derselben Strecke auftauchen. Wir decken die erste Karte auf und platzieren dieses auf das vorderste Feld.
Da dieses nun belegt ist, wird das nächste Monster auf das nächste freie Feld vorwärts gezogen. Die Pfeile auf dem neuen Monster bringen uns ins Schwitzen, denn solange mindestens einer sichtbar ist, bewegt sich das Monster in der entsprechenden Phase zwei Felder.
In der nächsten Phase werden unsere Türme besser. Und zwar diejenigen, die ein Spieler jeweils vom anderen erhalten hat.
Wir geben den erhaltenen Bogenschützen ab und nehmen uns den nächsthöheren Turm derselben Spalte.
Dieser verschießt ein größeres Bauteil, was uns helfen wird.
Unser Mitspieler hat zwei Türme von uns erhalten.
Diese tauscht er gegen Stufe zwei Exemplare.
Danach nimmt jeder die in dieser Runde gebauten Türme zurück.
Zuletzt geben wir den Diamanten aus, den wir in Besitz haben. Besiegen wir Monster, verdienen wir weitere.
Mit diesem Diamanten schalten wir eine weitere Sonderfähigkeit unseres Mitspielers frei.
Später kommen Portale ins Spiel.
Diese verhalten sich wie normale Monster und müssen besiegt werden, indem alle darauf befindlichen Gegner abgedeckt werden. Schaffen wir es alle Portale zu besiegen und die Runde zu überleben, gewinnen wir.
Hat irgendwann unser König keine Herzen mehr, ist das Spiel verloren.

Königreiche lassen sich erben; Länder erfechten; Verdienste kaufen. Aber mein Zutrauen schenk‘ ich nur dem, dem ich es schenken will.

(Ignaz Felner)

Wir konnten uns intensiv mit einem Prototypen beschäftigen, der die ersten drei Level des fertigen Spiels enthält. Dabei fungierten die ersten zwei Stufen wie eine Art Tutorial. Erst im letzten Szenario spielen wir das komplette Spiel mit allen Regeln. Und auch, wenn es im obigen Bilderbeispiel anders aussah, haben wir alle drei Szenarien mit Bestwertung (alle sieben Lebenspunkte blieben nach dem Sieg über die Monster übrig) bewältigt. Eine Musterlösung hätte euch nur ein Teil des Spiels gezeigt, so, dass wir uns dafür entschieden haben, uns etwas blöd zu stellen.

Da nun die Eckdaten klar sein dürften, gehen wir näher auf das Spiel ein. „Kingdom Rush“ ist ein interessant gestaltetes Puzzlespiel. Während unserer Züge kommt es zu keinerlei Überraschungen, da alle Informationen offen liegen. So kann der geneigte Puzzle-Freund die Lösungen des Problems ganz ohne Zeitdruck in Ruhe besprechen und angehen. Wir haben bis auf die fest zugeordneten Bauplätze keinerlei Zwänge. Dennoch bleiben genügend interessante Entscheidungen, die wir treffen müssen.

Das Regelwerk war, trotz des geringen Umfangs, unser größter Gegner. So manches Detail eröffnete sich erst nach erneutem Studium, nachdem wir die ersten Partien absolviert hatten. Teilweise, stehen wichtige Informationen in einem Nebensatz, den man gerne mal überliest. Solltet euch „Kingdom Rush“ viel zu leicht vorkommen, dann habt ihr wahrscheinlich etwas übersehen. Auch bleibt zu hoffen, dass Lucky Duck Games für die Bauplatzfolien eine bessere Lösung findet. Gerade mit etwas weniger Licht oder einer Farbschwäche, hat man Probleme dabei die Spielerzuordnung zu erkennen.

Das Spiel selbst macht in der uns vorliegenden Fassung einen recht guten und durchdachten Eindruck. Natürlich muss man ein Faible für die Art von Spielen mitbringen. Zumal es das größte Problem kooperativer Spiele voll unterstützt. Alphaspieler fühlen sich befeuert jedem ins Handwerk zu pfuschen. Die Kehrseite der Medaille, wenn jeder Spieler über dieselben Informationen verfügt.

Entgegen der Vorlage kommt „Kingdom Rush“ etwas emotionsarm daher. Natürlich wird es im Spiel Diskussionen geben, was nun die richtige Vorgehensweise ist. Da jedoch kein Druck oder Zufall wie ein Damoklesschwert über einem schwebt, kann man jegliches Für und Wider in Ruhe besprechen und ohne Probleme umsetzen. Das verstärkt natürlich den Eindruck einer reinen, logischen Denksportaufgabe, was mir ab und an gefällt, aber eben nicht Abendfüllend oder als Dauerbrenner, den ich immer und immer wieder spielen muss. Bleibt nur zu hoffen, dass die Designer sich noch weitere Überraschungen für die noch nicht bekannten Szenarien haben einfallen lassen.

So ist „Kingdom Rush“ ein gutes Spiel für Zwischendurch, welches eine schöne Puzzle-Herausforderung und relevante Entscheidungen bietet. Und auch, wenn es sie durch die süße Comic-Optik und thematisch eher nicht ansprechen dürfte, ist es ein Spiel für Optimierer, die einmal keine Rohstoffe sammeln und verbessern möchten.

Kingdom Rush

Lucky Duck Games


Autor: Helana Hope, Sen-Foong Lim, Jessey Wright
Dauer: ab 45 – 90 Minuten
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger – Fortgeschrittene

Anmerkungen

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