SPIELSTIL Rezension

Karak

Ein Spiel entwickelt von Petr Mikša, Roman Hladík
erschienen bei Kosmos

Ich gebe es zu. Wenn ich an ein Brettspiel des Genres Dungeon-Crawler denke, käme mir Kosmos als möglicher Verlag so ziemlich als Letztes in den Sinn. Ok, HABA wäre noch eine Stufe dahinter. Aber es war eine Überraschung, als der Stuttgarter Verlag verkündete, die deutsche Lokalisation von Karak zu übernehmen. Ein Spiel, dass das Hinabsteigen in ein gefährliches Labyrinth voller Monster zur Familiensache erklären möchte.

Doch wie gut macht es seinen Job? Ist das Brettspiel fesselnd genug, um auch Kinder an den Tisch zu bringen? Und wie sieht es mit uns Eltern aus? Ist es eines der Spiele, zu denen wir uns dem Nachwuchs zuliebe zwingen müssen? Alles Fragen, die wir hier nun klären werden.

Das Familienleben ist die eigentliche Sittenschule.

(Joseph von Görres)

Alle Mitspielenden wählen einen Charakter, platzieren sich auf dem zentralen Dungeonfeld und schon geht es los. Ist man am Zug, darf man bis zu vier Schritte gehen. Möchte man dabei auf ein bisher leeres Feld, zieht man ein Plättchen und legt es dort an. Wichtig ist dabei, dass einer der Gänge mit dem Plättchen verbunden sein muss, von dem man kommt.

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Im ersten Schritt auf ein Skelett gestoßen, das einen Schlüssel bei sich trägt.

Handelt es sich bei dem neuen Plättchen um einen Raum, wird noch ein Plättchen aus dem Beutel gezogen und auf das Feld gelegt. Ist es ein Gegner, kommt es zum Kampf. Hierfür wirft man die beiden Würfel und zählt diese zusammen. Hinzu kommen noch die Punkte unserer Ausrüstung. Haben wir Sonderfertigkeiten, die hier zum Einsatz kommen können, dürfen wir diese noch ausführen. Danach wird der Wert mit dem des Gegners verglichen. Haben wir diesen übertroffen, ist das Monster besiegt und wir dürfen uns unsere Belohnung nehmen.

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Schon einige Waffen, Schlüssel und Zauber als Belohnung gesammelt.

Zu finden gibt es Waffen unterschiedlicher Stärke, Zauber und Schlüssel. Mit letzteren können wir Truhen öffnen, die sich im Labyrinth verstecken. Diese sind das Ziel, da am Ende des Spiels nur die gesammelten Schätze zählen.

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3,5 Punkte.

So geht es reihum weiter, bis der Drache besiegt wurde. Dieser bringt 1,5 Punkte ein. Alle anderen Schätze zählen 1 Punkt. Wer die meisten hat, gewinnt.

In einer friedlichen Familie kommt das Glück von selber.

(Aus China)

Christian meint:

Karak ist ein sehr einfaches Spiel. Das dürfte spätestens bei einem Blick auf die Altersfreigabe klar werden. Wer also einen Dungeon-Crawler mit Tiefgang, epischen Kämpfen, heldenhaften Mechaniken und einer fesselnden Story erwartet, wird herb enttäuscht werden. Aber genau das möchte Karak auch nicht sein. Allein die Optik entlarvt es als Brettspiel, das Kinder mit Faible für Fantasy mit hinab in ein Verlies nehmen und sie als die großen Helden darstellen möchte. Und genau den Job macht es hervorragend.

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Stets ein neues Abenteuer.

Um das zu schaffen, muss natürlich auch der Ablauf entsprechend einfach gehalten werden. Die Charaktere sind übersichtlich einheitlich in ihren Werten (nämlich ohne) und weisen dennoch alle ihre eigenen speziellen Spielmöglichkeiten auf. Leider sind sie nicht alle gleich gut geraten. Das liegt jedoch nicht unbedingt daran, wie interessant die Fähigkeiten an sich sind. Nein, denn diese sind nicht nur thematisch, sondern bieten auch unterschiedliche Möglichkeiten an. Vielmehr geht es um ihre Stärke. Diese ist nicht wirklich austariert (allein die Fähigkeit der Seherin, zwei Plättchen zu ziehen ist schon heftig), aber dennoch sind alle interessant genug, um sie ausprobieren zu wollen.

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Die 6 Charaktere im Grundspiel.

Aber auch sonst hängt im Spiel sehr wenig vom Können als mehr vom glücklichen Händchen ab. Das beginnt bereits beim Ziehen von neuen Dungeonabschnitten, dem Auslosen der darauf befindlichen Plättchen und den im Kampf verwendeten Würfeln. Wer Glück hat, wird schnell übermächtig, wer nicht ganz so gesegnet ist, bleibt das komplette Spiel über eher ein kleiner Wicht. Das muss man aushalten können. So ist das Spiel.

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Der Magier musste schon einiges an Dresche einstecken.

Was jedoch auffällig war. Auch wenn man selbst als eher schwächlich daherkam, war man von den gesammelten Punkten nie immens abgeschlagen. Denn den einen oder anderen Schatz erreicht man auch so. Jedoch hat dennoch in 9 von 10 Fällen derjenige gewonnen, der schnell an bessere Ausrüstung kam. Egal ob verflucht oder nicht.

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Ohne Waffe muss für die Mumie nur höher als 7 gewürfelt werden.

Und wo wir schon beim Fluch sind. Diesen empfinde ich im Spiel eher als störend. Er sorgt für ein klares, destruktives Element, ohne das Geschehen groß zu bereichern. Schließlich kann er willkürlich verteilt werden und gleichzeitig richtet er bei führenden Mitspielenden so gut wie keinen Schaden an. Ja, die Fähigkeiten werden blockiert, aber wenn ich zwei Äxte (jeweils +3) und ein paar Feuerzauber dabei habe, stellt das kein großes Problem dar.

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Weit verzweigt und voller Möglichkeiten.

Karak ist alles andere als perfekt und schreit förmlich nach Erweiterungen (die es im englischen schon gibt – der Wink mit dem Zaunpfahl für Kosmos). Aber dennoch befindet sich in dieser Schachtel ein sehr gutes Spiel. Es ist schnell und einfach, begeistert Kinder und lässt Erwachsende dennoch nicht aufseufzen. Dazu kommt eine tolle Aufmachung mit einem besonderen Charakterbogen, bei dem alles auf einem Blick zu ergreifen ist. Karak ist gemein und dennoch belohnend. Ein Spiel, das wir immer wieder gern hervorholen und hoffen, dass es bald erweitert wird.

Karak - Brettspiel - Cover

Zwar voll und ganz auf Glück ausgelegt, aber dennoch ein liebenswerter Spaß für die Familie. Zumindest dann, wenn man das Spiel nicht zu ernst nimmt und auch mal gute Miene zum bösen Spiel machen kann.

  • Erscheint bei Kosmos
  • Für 2 – 5 Spielende und dauert 45 Minuen.
  • Am besten geeignet für Familie

Spielstil – Wertung

8/10
Das gefiel uns
  • Wundervolle Optik.
  • Schneller Spielablauf ohne lange Wartezeiten.
  • Man spürt, wie man Stück für Stück mächtiger wird.
Das nicht so
  • Sehr glückslastig.
  • Es braucht kein Können.
  • Manch Fähigkeit ist viel mächtiger, als andere.
Hier bekommt ihr „Karak“

Amazon

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

Mehr Informationen zu Affiliate Links und Rezensionsexemplaren findet ihr in unserer Übersicht zur Transparenz und in den Bestimmungen zum Datenschutz.

Christian Renkel

Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

So erreicht ihr ihn:

4 Comments
  1. Karak und die Erweiterung Regent gab es schon vor Kosmos auf dem deutschen Markt – mit deutscher Übersetzung! Und nicht bloß als schwer erhältliche Nischenprodukt. Auch das Charakter-Pack ist mit deutscher Übersetzung seit der SPIEL21 erhältlich.

    Reply
    • Portrait-Christian Renkel-quadratisch-2

      Danke für die Ergänzung. Ja, ich wusste, dass es eine Version von Albi gibt, die auch Deutsch als Sprache angegeben hatte. Leider habe ich sie aktuell nirgends gefunden. Nur als Vorbestellbar. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob Kosmos sich nicht die kompletten Rechte für den deutschen Markt festschreiben hat lassen.

      Reply
  2. Robert

    Ein Test

    Reply

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