SPIELSTIL Rezension

Wikinger Saga

Lesezeit: 6 Minuten

Ein Spiel entwickelt von Christian Fiore, Knut Happel
erschienen bei Schmidt Spiele

Der Glaube, dass Wikinger Hörner hatten, liegt tief in uns verankert. Ob es daran lag, dass wir alle mit Wickie aufwuchsen? Oder die klassische Fantasy auch immer wieder große Krieger mit Hornhelmen als Motiv wählte? Ich kann es nicht sagen. Aber dennoch möchte ich nun ein wenig zum Allgemeinwissen beitragen. Wikinger trugen keine Helme mit Hörnern!

Nachdem das endlich gesagt wurde, können wir uns der Wikinger Saga widmen und warum sie dort Hörner tragen dürfen. Denn hier befinden wir uns schon thematisch im Bereich einer Fantasy-Geschichte. Große Krieger stellen sich mythischen Herausforderungen, bis sie dann den Bifröst entlangschreiten, um zuletzt nach Walhalla zu gelangen.

Wir haben uns den neuen Titel von Schmidt Spiele genauer angesehen. Haben Saga um Saga gespielt, um euch nun sagen zu können, ob wir ein tolles Heldenepos vor uns haben oder doch eher mit einem Groschenroman vorlieb nehmen müssen.

Eine Partie Wikinger Saga besteht aus acht Abenteuern, die unsere Mannschaft zu bewältigen hat. Diese wählen wir aus einem Stapel von 35 Karten, von denen eine (Bifröst) immer dabei ist. Jede hat gemein, dass ein stimmungsvoller Text uns auf das kommende Ereignis vorbereitet. Ob wir uns nun Seehexen, bösartigen Zwergen oder der Weltenschlange selbst entgegenstellen.

Die Abenteuertexte sind zwar recht unterschiedlich, laufen jedoch immer auf dasselbe hinaus. Wir bewegen uns auf einem Pfad von A nach B und hoffen dabei auf lukrativen Feldern stehen zu bleiben. Damit das jedoch nicht zu einfach ist, wird jede Runde eine Karte vom Wegstapel aufgedeckt, die angibt, wie weit sich der Pfad bewegt, auf dem wir gehen.

Es gibt im Spiel jeweils zwei Seeabenteuer, in denen wir uns auf einem kürzeren Schiff befinden. Die erste hier aufgedeckte Wegkarte zeigte eine 2. Das Schiff wurde also zwei Felder vorwärts bewegt, bevor wir am Zug sind.

Danach legt jeder Spieler eine seiner Handkarten verdeckt vor sich ab. Diese legt fest, wie weit die Figur sich diese Runde bewegt. Bleibt sie auf einem der Symbolfelder stehen, erhalten wir den dort aufgeführten Bonus oder erleiden den Malus.

Blau verliert eine Münze, während grün zwei Siegpunkte erhält.

Haben wir die Abenteuerkarte erreicht, dürfen wir aussteigen. Ansonsten müssen wir in der nächsten Runde weitermachen. Fallen wir hinten vom Weg runter oder ziehen über die Abenteuerkarte hinaus, werden wir durch Siegpunktabzug bestraft. Ist das Abenteuer vorbei, schicken wir einen der gespielten Wikinger-Karte nach Walhalla. Die so gesammelten Gefährten geben am Ende des Spiels nicht nur Siegpunkte. Nein, auch nur diese bestreiten das letzte Abenteuer auf der Regenbogenbrücke Bifröst.

Zwischen den Runden werben wir neue Wikinger für unser Deck an. Dabei schalten die Orte, die wir besuchen, immer weitere Anwärter frei, aus denen wir wählen können. Zusätzlich lassen sich Götterkarten in den Abenteuern finden, die das eigene Deck noch weiter verstärken.

Aktuell stehen uns Wikinger aus drei Welten zur Verfügung, die wir kaufen können. Die großen Zahlen geben dabei ihre Bewegungsweite an.

Haben die Wikinger dann am Ende von Abenteuer acht nach Walhalla gefunden, gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten.

Christian meint:

Die Wikinger Saga war für mich eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Als der Titel angekündigt wurde, malte ich mir einen Deckbuilder mit Schlachten aus, die allesamt zwar nicht allzu detailliert ausgearbeitet, aber dennoch voller epischer Momente waren. Dann habe ich das Spiel auf der Spielwarenmesse in Nürnberg präsentiert bekommen. Ein sehr ernüchternder Moment, wenn die eigenen Erwartungen nicht nur unterboten werden, sondern zermalmt und in alle Winde verteilt. Aber dennoch war ich neugierig und voller Hoffnung, dass ich mich irrte. So landete das Spiel dann auf meinem Tisch. Nachdem ich dann die Regeln gelesen und verinnerlicht hatte, kam die erste Partie. Gut, es war keine Geschichte voller Epik, aber eben auch nicht der befürchtete Bauchplatscher im Eiswasser. Einfach ein nettes Spiel, das irgendwo zwischen Familien- und Kennerspiel angesiedelt ist, dem aber einiges fehlt, um wirklich gut zu sein. Aber fangen wir am Anfang an.

Auf zukünftige Wikinger trifft zuerst ein Regelwerk, das, für das zugrunde liegende Spiel, als recht ausufernd bezeichnet werden kann. Sollte das jemand in die Finger bekommen, der nicht bereit ist, sich durchzubeißen oder eben schon etwas erfahrener ist, wird wahrscheinlich genau hier die Saga enden. Wobei das Spiel selbst total einfach ist, jedoch gewisse Details aufweist, die eben beachtet werden müssen.

Das letzte Abenteuer hat zwei Karten, die bewältigt werden müssen. Das macht das Spiel interessanter.

Als Nächstes steht die Erkenntnis im Raum, dass die Geschichten der einzelnen Abenteuer zwar sehr stimmungsvoll geschrieben sind, die aufgebaute Erwartungshaltung aber nicht befriedigt wird. Denn, was bringt es, die Texte vorzulesen, wenn wir uns der Gefahr dann nicht stellen oder die Geschichte nicht zu einem Abschluss bringen? Es wäre dabei egal, ob wir uns durch die Tiefen der Hölle bewegen oder nur Äpfel von einem Baum pflücken. In beiden Fällen bewegen wir uns auf einem Pfad, bis wir aussteigen und das war es. Kein Abschluss, keine epischen Momente. Gut, ein paar Unterschiede ergeben sich schon. Aber eben nur in den zur Verfügung stehenden Wikingern und den ins Deck gemischten Wegkarten.

Aber werfen wir besser einen Blick auf das Spiel selbst. Das ist, wie oben bereits erwähnt, nett. Es hat seine guten Momente, in denen man sein Glück versucht und auch mal einen grandiosen Erfolg einheimsen kann. Aber dennoch lässt es einen nach einer Partie eher unbefriedigt zurück. Achtmal hat man einen Pfad vorangeschoben und ist auf ihm gewandelt. Und erst beim letzten Abenteuer fühlt sich das Spiel so an, wie es wahrscheinlich gemeint war. Alles davor ist ein nettes Geplänkel, das jedoch keine Emotionen hervorrufen möchte. Teilweise fühlt es sich an, als ob wir uns auf Schienen vorwärts bewegen.

Die vorbereiteten Abenteuer in dieser Partie.

Zusätzlich wird man doppelt bestraft, wenn es im Spiel nicht so recht klappen möchte. Wer auf den Pfaden nicht auf Geld landet, bekommt nur schwer neue Wikinger für sein Deck. Wer keine Wikinger bekommt, hat es auf den Pfaden schwerer. Gut, ein schöner Ausgleich ist, dass wer nach Siegpunkten hinten liegt, mehr Handkarten hat. Ein schöner Mechanismus, der jedoch auch dann zieht, wenn der Führende nur einen Punkt entfernt ist. Denn, wer mehr Karten hat, hat eben die größere Auswahl und damit mehr Glück gerade die passende Karte im eigenen Deck zu erhalten. Somit kann dies situationsbedingt übermächtig sein.

Alles in allem ist die Wikinger Saga ein Spiel, das mit seiner Ausstattung richtig protzt. Tolle Bilder treffen auf wunderschönes Material. Leider kann das mittelprächtige Spiel da nicht so ganz mithalten. Denn obwohl der Mechanismus neu und unverbraucht ist, kann er einfach nicht genug begeistern. Eine Partie ist wie Fast Food. Mal ganz nett, reicht aber ab und an.

 

Dir hat die Rezension gefallen? Du denkst wir liegen völlig daneben? Lass uns wissen was du denkst.

Wikinger Saga von Christian Fiore, Knut Happel

Tolle Optik trifft auf ein Spiel, das man spielen kann, aber nicht unbedingt muss. In der Mischung sind zwar tolle Elemente aus Fantasy, Deckbau und Push-Your-Luck vorhanden. Aber alles leider nur in sehr homöopathischen Dosen.

Spielstil – Wertung

Christian:

5/10
Das gefiel uns
  • Sieht super aus
  • Schnelles, eingängiges Spiel
  • Bringt tolle Geschichten mit …
Das nicht so
  • … die jedoch nicht abgeschlossen werden und so nichtig wirken
  • Es mag keine Spannung aufkommen
  • Entscheidungen fühlen sich eher unwichtig an
Hier bekommt ihr „Wikinger Saga“

Amazon

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

Mehr Informationen zu Affiliate Links und Rezensionsexemplaren findet ihr in unserer Übersicht zur Transparenz und in den Bestimmungen zum Datenschutz.

Christian Renkel

Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

So erreicht ihr Christian:

3 Comments
  1. Einmal mehr eine nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich gut geschriebene Rezension.
    Bei manchen anderen deutschsprachigen Seiten, die hier namenlos bleiben sollen, sieht das leider ganz anders aus. Vielen Dank dafür und gern weiter so – es wird „da draußen“ geschätzt!

    Reply
    • Portrait-Christian Renkel-quadratisch-2

      Hallo Ulrich,

      danke für das Lob. Eines kann ich dir versprechen. Wir werden so weiter machen. Unsere Meinung mag nicht immer zum Rest passen, aber dafür ist sie grundehrlich.

      Liebe Grüße
      Christian

      Reply

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