SPIELSTIL Artikel

…und täglich grüßt das Würfeltier

Lesezeit: 4 Minuten

- 17.Feb.2023

Mit #BG2GETHER wollen wir uns, genau wie jeden anderen Monat, gemeinsam mit Kolleg*innen einer weiteren Frage stellen. Diesmal werden wir wieder einmal zurückblicken. Uns selbst analysieren und auch das eine oder andere Geständnis abliefern. Denn wir fragen uns:

Frage des Monats Februar 2023

TIME Stories, Chronicles of Crime, Arkham Horror: Das Kartenspiel – wenn ein Spiel eine Geschichte erzählen möchte, die sich verzweigt und unterschiedliche Enden haben kann, könnte man es immer wieder spielen!
Doch habt ihr eigentlich dazu Lust oder reicht euch ein Durchlauf? Oder lest ihr dann womöglich auf den Kartenrückseiten einfach nach, was ihr verpasst habt?

Portrait TomDieses Thema ist natürlich nicht zufällig von mir gewählt. Während ich vor einigen Jahren noch total auf Euros abgefahren bin – also Arbeiter platzieren, Ressourcen sammeln, Ressourcen tauschen, und ganz allgemein den guten, alten Feldsalat – hat sich mittlerweile mein Geschmack deutlich hin zu thematischen Spielen verschoben, die mir eine Geschichte erzählen wollen. Mit dem stundenlangen Sammeln von Siegpunkten durch Bauen und Aufrüsten von Gebäuden und dem Verkaufen von Schafswolle oder dem Tauschen von Stein gegen Korn könnt ihr mir wegbleiben – bringt mir eine ordentliche Geschichte, voller Emotionen, Spannung und einem überraschenden Ende!

Und natürlich gibt es bei dieser Art von Spielen – also quasi story-driven Games – viele Spiele, die einem mehr als nur diese EINE Geschichte erzählen wollen. Viele haben den Anspruch, dass sie trotz der Geschichte im Zentrum auch mehr als eine Partie Unterhaltung bieten wollen. Und das geht halt nur, wenn die Geschichte nicht immer auf dieselbe Art und Weise ausgeht, sondern auch Verzweigungen und Irrwege anbietet. Vielleicht auch die eine oder andere Sackgasse.

Ich beiße mich durch – und keine Spoiler,…

Das bedeutet natürlich auch, dass man eine gewisse Frustresistenz benötigt und auch Durchhaltevermögen. Wenn ich durch das London(?) im Jahr 2400 reise, um herauszufinden, wer einen Mord begangen hat, dann verhöre ich vielleicht zum wiederholten Male einen vercyberten Ganger – und habe immer noch nicht das Detail, um die Wahrheit aus ihm heraus zu pressen! Bei der Abschlussbewertung kann ich immer noch keine Tatwaffe vorweisen und muss erneut meine Ermittlungen von vorne beginnen. Bitte! Keine Spoiler! Das finde ich spannend, da möchte ich mich wie ein Terrier selbst durchbeissen!

Gehe ich mit Hildegard in der Welt von Spire’s End auf die Reisen, so wähle ich in dieser Partie vielleicht den Heißluftballon – und nach der Landung meide ich die Kristall-Höhlen, damit ich dieses Mal nicht von meinem Spiegelbild auf ewig verzaubert werde und dort verhungere und verdurste. Die verschiedenen Enden dieses immersiven Abenteuer-Kartenspiels gilt es zu entdecken, und ich freue mich auf die vielen Wege und Möglichkeiten! Schließlich ist das Erreichen aller Enden das eigentliche Ziel dieses Spiels (wie schon im Vorgänger, Spire’s End).

…aber verarschen lasse ich mich auch nicht!

Aber sind wir mal ehrlich: Auch meine Zeit ist wertvoll. Habt ihr schon mal bei einer Partie T.I.M.E. Stories am Ende die letzte Würfelprobe versaut und das Szenario verloren? Oder – meine persönliche Lieblings-End-Szene: Wähle A oder B! …quasi ohne jeden Hinweis, welche Bedeutung die Wahl haben wird! Solche Enden sind für mich imaginäre Savepoints. Da speichere ich in Gedanken einmal ab, und dann schaue ich mir beide Auflösungen an. Ehrlich: Ich könnte auch das komplette Spiel nochmal bis zu dieser Stelle spielen, nur um dann die andere Wahl zu treffen.

Der Knackpunkt ist: Ich hätte kein anderes Erlebnis! Ich würde nochmal alles ganz genauso erleben und erfahren – nur um dann am Ende eine andere Karte zu lesen. Wenn denn der Weg dahin ein anderer wäre – geschenkt! Dann würde ich die Reise nur zu gerne machen. Aber ohne eine Variation? Nein Danke! Genauso verhält es sich mit den von mir so genannten „Haha! ÄTSCH!“-Mechaniken. Oh, Du warst so neugierig zu schauen, was passiert, wenn Du in das Buch schaust? Tja – BÄM – Du bist einfach mal so tot und das Spiel ist vorbei!

Naja, dreimal dürft ihr raten, was ich dann mache? Genau – Ich lade meinen imaginären Spielstand und spiele so weiter, als hätte ich dieses Ereignis nie gewählt. Wie ich oben schon meinte: Ich würde ja nur wieder bis zu diesem Punkt auf genau dieselbe Art und Weise spielen, um dann eine andere Entscheidung zu treffen!

Um also zu unserer Frage des Monats zurück zu kommen: Ja, ich spiele wirklich gerne mehrere Durchläufe eines Spiels – aber nur, wenn sich damit auch eine komplett neue Geschichte ergibt – und nicht nur ein anderes Ende. Dann drehe ich die drei Karten A, B und C auch gerne einfach so um, und lese mir durch, was die Alternative gewesen wäre… und dann wird ein anderes Spiel gespielt, dass mir ein neues Abenteuer erzählt.

Die weiteren Teilnehmenden:

Ihr seid Content Creator im Brettspielbereich und möchtet an der #BG2GETHER Aktion mitmachen? Schickt uns einfach eine kurze Mail an Christian@Spielstil.net.

Portrait Tom
Written by Thomas Büttner
Tom schätzt neben komplexen Euros auch thematisch satte Solitär-Meisterwerke - und natürlich feine App-Umsetzungen. Dabei wird er schon mal ungehalten, wenn die Steuerung umständlich ist oder das User Interface unintuitiv.

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