SPIELSTIL Rezension

Terraforming Mars – Schwerkraft Verlag – 2016

Lesezeit: 4 Minuten

Ein Spiel entwickelt von Jacob Fryxelius
erschienen bei Schwerkraft Verlag

Was alle mitbekommen haben dürften, es gab eine Art Casting für die erste Mars Mission. Mine Niederländische Firma will Menschen bis 2027 auf den Weg zum roten Planeten schicken. Das Ganze ohne Wiederkehr. Natürlich muss da ein immenses Vertrauen in die Materialien und die Technik bestehen. Denn angekommen muss dafür gesorgt werden, dass der Mensch ohne Hilfe von außen weiter überleben kann. Hier beginnt das Terraforming.

In Terraforming Mars übernehmen wir keine einzelnen Menschen im Kampf ums Überleben, sondern Konzerne, die ihr Geld dafür verwenden, um den Planeten besiedeln zu können. Immer bessere Technologien erlauben es Rohstoffe herzustellen und diese zu nutzen. Und das alles im Dienste der Menschheit. Oder noch besser, zu Gunsten des eigenen Rufs.

Hier ein Beispiel für den Ablauf.

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Das Spiel zu zweit dient uns als Quelle der Beispiele.

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Gelb beginnt und darf 1 – 2 Aktionen ausführen. Die Anzahl ist später wichtig, wenn man dem Gegner noch zuvorkommen möchte, bzw. man gewisse Situationen einfach aussitzen will. Der Spieler beginnt mit „Geothermischer Energie“. Diese kostet 11 Mega-Credit.

 

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Dafür darf man die Energieproduktion um 2 Punkte steigern.

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Als zweite Aktion spielt er „Schürfrechte“, die 9 Mega-Credit kosten.

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Er sucht sich einen Fleck auf dem Mars aus.

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Dort platziert er seine Mine.

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Dadurch steigt nicht nur seine Stahlproduktion um 1. Er erhält auch 2 Stahl, die sich als Aufdruck auf dem Feld befanden, das er mit seinen Schürfrechten abgedeckt hat.

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Nun ist blau an der Reihe. Er spielt „Lunarer Energiestrahl“ von der Hand, was ihn 13 Mega-Credit kostet.

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Dafür senkt er seine Mega-Credit Produktion um 2. Seine Wärme- und Energieproduktion steigt jedoch dafür jeweils um 2.

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Als zweites spielt er „Sonnenwindenergie“, die 11 Mega-Credit kostet.

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Das steigert seine Energieproduktion um 1 und er erhält 2 Titan.

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Damit ist gelb wieder an der Reihe. Dieser spielt „Strahlenchemie-Fabrik“, welche 8 Mega-Credit kostet.

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Aber wir sehen ein schönes Symbol oben rechts. Das bedeutet, wir können Stahl zur Bezahlung verwenden. Jeder Stahl ist 2 Mega-Credit wert. Heißt, wir bezahlen 2 Stahl und 4 Mega-Credits und haben somit die Kosten von 8 gedeckt. (Das Ganze funktioniert übrigens auch mit Titan für entsprechende Produktionen, hier ist eine Einheit sogar 3 Mega-Credits wert.)

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Die Strahlenchemie-Fabrik senkt nicht nur unsere Energieproduktion um 1, sondern lässt auch unseren Terraforming Wert um 2 steigen. Diese dienen nicht nur als Siegpunkte, sondern werden auch zu unseren Einnahmen addiert.

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Danach bezahlt gelb das Standard-Projekt „Asteroid“.

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Er steigert dadurch die Temperatur des Mars um 2° (Juhuu! -28°, packt die Badehosen aus!).

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Wir können uns jetzt nicht nur bräunen, sondern erhalten noch einen weiteren Punkt Terraforming.

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Blau lässt das nicht auf sich sitzen. Er investiert in die Bewässerung.

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Er sucht sich eine der blauen Flächen auf der Marskarte aus.

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Und platziert dort einen Ozean.

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Er erhält dafür einen Punkt im Terraforming.

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Und als Bonus noch die zwei auf dem abgedeckten Feld befindliche Pflanzen.

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Blau entscheidet sich keine zweite Aktion auszuführen. Gelb passt, genau wie blau, der über nicht mehr genügend Geld verfügt, um weitere Aktionen durchzuführen.

Zuerst werden alle Ressourcen aus Energie in den Wärme-Topf verschoben. Danach werden die einzelnen Rohstoffe produziert. Mega-Credits berechnen sich dabei aus dem aktuellen Terraforming-Wert +/- dem aktuellen Wert auf der Mega-Credit Produktion. Den Rest können wir direkt an den Leisten ablesen. Dadurch erhält gelb 24 Mega-Credit, 2 Stahl, 2 Titan, 1 Pflanze, 2 Energie, 1 Wärme.

 

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Für blau sind es 20 Mega-Credit, 1 Stahl, 1 Titan, 1 Pflanze, 4 Energie und 3 Wärme.

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Eine neue Runde beginnt. Jeder Spieler erhält 4 neue Karten. Für je 3 Mega-Credit darf sich der Spieler eine dieser Karten kaufen und auf die Hand nehmen.

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Da der Aufbau zu Beginn immer relativ gleich abläuft überspringen wir hier einige Runden, damit ich euch noch ein paar andere Spielzüge zeigen kann.

Blau hat inzwischen genügend Wärme gesammelt. Diese wirft er ab, um die Temperatur des Planeten um 2° und seinen Terraforming Wert um 1 zu steigern.

 

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Gelb war dafür fleißig bei der Anzucht von Pflanzen. Der Spieler wirft 8 Pflanzen ab.

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Er platziert eine Grünfläche.

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Und steigert dadurch die Sauerstoff-Versorgung um 1%. Was auch wieder einen Punkt auf der Terraforming-Leiste bedeutet.

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Wieder ein paar Runden später hat der gelbe Spieler insgesamt 3 Städte platziert.

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Als Aktion investiert er 8 Mega-Credit um den Meilenstein „Bürgermeister“ für sich zu beanspruchen. Dieser ist am Spielende 5 Siegpunkte wert. Da nur insgesamt 3 der 5 Meilensteine erreicht werden können lohnt es sich also schnell zu sein.

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Der blaue Spieler hat noch keine Voraussetzung zu einem Meilenstein erreicht. Dafür finanziert er die Auszeichnung „Wärmetechniker“. Diese gibt dem Spieler, der am Ende über die meisten Rohstoffe „Wärme“ verfügt einen Bonus in Höhe von 5 Siegpunkten. Sobald mehr als 2 Spieler antreten wird auch der Zweitplatzierte mit 2 Punkten bedacht.

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Das Ganze geht nun so lange weiter, bis alle Terraforming-Werte das Maximum erreicht haben. Also 14% Sauerstoff, 9 Ozeane und eine Temperatur von +8°.

Herzlichen Glückwunsch, die Menschen können nun auf dem Planeten leben. Nun werden noch die Siegpunkte addiert. Dazu zählen:

+ Terraforming Wert
 + Meilensteine
 + Auszeichnungen
 + 1 Siegpunkt je eigene Grünfläche
 + 1 Siegpunkt für jede Grünfläche, die an eine eigene Stadt angrenzt
 + Gebäude/Technologien

Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.



Fazit

Eine Entwarnung vorab. Die Anleitung von Terraforming Mars ist schwieriger zu verstehen, als das Spiel selbst. Wie ihr oben bereits sehen könnt ist das Spiel relativ einfach zu erlernen. Zumindest, was den Ablauf betrifft. Man benötigt dann doch ein paar Partien, um endlich unterscheiden zu können, was in welcher Situation sinnvoll ist und was nicht. Welche Produktion sich lohnt, wie die Abläufe zusammenhängen und in welche Siegpunkte man besser investiert. Somit wird man die erste Zeit damit verbringen, dass man das Spiel Schritt für Schritt näher kennen zu lernen.

Zusätzlich gibt es noch Spielvarianten, die „Zeitalter der Konzerne“, in der neue Konzern- und Marskarten ins Spiel kommen. Diese Variante habe ich bisher noch nicht gespielt, so dass ich die Bewertung hierzu noch nachreichen muss. Aber auch so gibt es neben den „Anfänger-Konzernen“ andere Firmen, die die Startsituation der einzelnen Spieler beeinflusst. Man erhält unterschiedliche Geld-Beträge, andere Fähigkeiten oder Produktionsänderungen, wodurch ein anderes Vorgehen nötig ist.

Aber nicht nur das, sondern auch die eigenen Handkarten entscheiden in Terraforming Mars oftmals, was man denn nun tun soll. Hier kann man unglaubliches Glück haben (günstige Karten, die die Produktion anheizen) oder großes Pech (nur teure Karten, Karten, die man noch nicht spielen darf, weil ihre Grundvoraussetzung nicht erfüllt ist). Meistens hat man eine gesunde Mischung davon, aber ab und an kippt das Glück dann schon. Jedoch gibt es ein ganz großes Aber. Bisher habe ich noch keine Runde erlebt, in der sich ein Spieler dermaßen ins Aus gekegelt hat, dass er 2 Stunden nur noch zum Zusehen verdammt war. Wer in Myrmes zum Beispiel seinen Ameisenbau schon einmal gegen die Wand gefahren hat, der weiß, wovon ich spreche.

Das Material ist „eigentlich“ hochwertig. Selbst die dünnen Papptableaus der Spieler sind passend und stören nicht, da sie ihren Job erfüllen. „Liege plan auf und fasse Würfel.“ Wäre Scythe nicht parallel erschienen hätte hier wahrscheinlich auch kein Hahn nach einem besseren Tableau gekräht. Einzig die Rohstoffwürfel haben diverse Macken. Angeschlagene Ecken und leicht abgeplatzte Farbe. Bleibt zu hoffen, dass die Lackierung hält. Bisher konnte ich jedoch noch keine Abnutzungserscheinungen vom Spielen oder dem Transport erkennen.

Das Thema von Terraforming Mars ist unglaublich interessant und bietet dadurch eine Faszination des unerreichbaren. Leider ist das Spiel selbst streckenweise doch eher abstrakt. Man baut zwar viele Gebäude und Technologien, die einem eventuell in der Realität auch helfen würden, aber eigentlich beschränkt sich vieles einfach darauf die Produktion anzupassen. Das Ganze ist zwar vom Mechanismus her nötig, aber es lässt einen nicht ins Thema versinken, wodurch alles ein wenig trocken wirkt.

Nichts desto trotz hat man mit Terraforming Mars seinen Spaß. Nur sollte man sich im Klaren sein, dass man es hier mit einem klassischen Euro-Spiel zu tun hat. Wenn man wirklich gut sein möchte wird es irgendwann unbedingt erforderlich durchzurechnen wo man steht und welche Aktion nun mehr Siegpunkte bringt als andere. Dies fördert natürlich die Analysis Paralysis. Dennoch lässt sich Terraforming Mars auch recht gut aus dem Bauch heraus spielen. Man wird immer eine Möglichkeit finden, dass das Spiel weitergeht und man weiterhin etwas aufbaut.

Das ist einer der Punkte der irgendwie sehr befriedigend ist. Man sieht in Terraforming Mars, wie der Mars Stück für Stück besiedelt wird und sein Antlitz verändert. Das hat schon bei Siedler funktioniert und erfreut einen hier auch ungemein. Was bleibt ist ein gutes Spiel, das fantastisch wäre, wenn das Thema etwas mehr ziehen würde. Je Euro lastiger ihr im Geschmack seid, desto besser passt das Spiel zu euch.

 

Terraforming Mars

Schwerkraft Verlag 2016


Autor: Jacob Fryxelius
Dauer: ca. 120 Minuten
Spieler: 1-5
Schwierigkeit: Mittel

Anmerkungen

  • Wettlaufcharakteter
  • Könnte Thematischer sein
  • Schönheitsfehler an den Rohstoffwürfeln

Terraforming Mars – Schwerkraft Verlag – 2016 von Jacob Fryxelius

Spielstil – Wertung

Christian:

7/10

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar selbst gekauft.

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Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.
3 Comments
  1. Hi, bin gerade erst auf deinen Blog gestoßen und habe mir schon so einige Rezensionen durchgelesen – stimmt in sehr vielen Punkten mit dem überein, was ich über die rezensierten Spiele denke. Ganz viel ist halt einfach auch immer Geschmackssache 😀 Wie siehts denn mit einer neuen Rezension zu Terraforming Mars aus ? Mit Erweiterungen ? Für mich war Terraforming Mars nach der „wilden Jugend“ vor einigen Jahren das Spiel, das mich meine Brettspielliebe hat wiederentdecken lassen, weshalb es bei mir immer einen gewissen Spezialplatz haben wird. Es kommt bei uns immer mal wieder auf den Tisch, alle Erweiterungen mit dabei, wobei Kolonien nicht immer mitgespielt wird. Mich würde echt mal interessieren, ob das Thema bei euch weiter verfolgt wurde ^^

    Reply
    • Portrait-Christian Renkel-quadratisch-2

      Hallo Christian,

      schön, dass du zu uns gefunden hast. Ich freue mich immer über neue Gesichter hier. 🙂
      Falls du möchtest, kannst du auch gern auf unseren Discord kommen und dort mit uns allen über Spiele sprechen: https://discord.gg/B2vgScUYec

      Zu Terraforming Mars muss ich leider sagen, dass ich keine der Erweiterungen je gespielt habe. Das hat sich einfach nie ergeben. Aber vielleicht kannst du mir sagen, mit welcher Erweiterung man am besten einsteigen sollte und welche unerlässlich sind. Das würde mich interessieren.

      Reply
  2. Hi Christian ^^

    Den Discord schau ich mir mal an 😉

    Also Hellas und Elysium bietet nur neue Spielbretter, die einfach ein wenig nur für ein wenig Abwechslung sorgen, eigentlich nur was für Vielspieler. Meine Lieblingserweiterung ist Präludium, da gibts zwar nicht viel Neues, man zieht beim Start einfach noch mal ein paar Karten, die die Startbedingungen individueller gestalten. Venus gefällt mir auch gut, da kommt ein neuer Wert dazu und sehr viele Karten auf denen Ressourcen gesammelt werden können, quasi mehr vom Gleichen. Wirklich Neu ist dann Kolonien, das einfach die Möglichkeit bringt zu verschiedenen anderen Planeten zu fliegen und dort Boni zu erhalten, leider gibt es dabei ein wenig Ungleichgewicht. Und die größte Erweiterung wäre dann Aufruhr, die mir persönlich am wenigsten gefällt, da kommt ein Politiksystem hinzu samt Ereigniskarten, was irgendwie ein wenig wie ein Spiel im Spiel wirkt und bei uns nur sehr sehr selten mitgespielt wird. Keine Erweiterung ist ein absolutes Muss, alle erweitern die Vielfalt und eignen sich dafür eher für Leute, die das Spiel wirklich häufig spielen, aber die Möglichkeiten werden auch sehr vielfältig, was bei einem so starken Grundspiel genau das richtige Ist. Wie immer alles Geschmacksache. Empfehlen würde ich wahrscheinlich Kolonien (und Venus)^^

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