SPIELSTIL Rezension

Tabannusi – Baumeister von Ur

Ein Spiel entwickelt von Daniele Tascini, David Spada
erschienen bei Board & Dice, Giant Roc

- 18.Apr.2022

Die T-Serie hat mit Tabannusi – Baumeister von Ur, einen neuen Sprössling bekommen. Das Thema ist typisch für die Serie. Etwas das lange vor unserer Zeitrechnung passiert ist. Unsere letzte Rezension aus der Reihe war Tawantinsuyu, was sich etwas von den anderen Spielen der Reihe abgehoben hat. Tabannusi fühlt sich nun wieder wie ein Spiel der T-Serie an. Wir bauen zusammen das titelgebende Ur, mit Gebäuden, Gärten und Wasser.

Disclaimer: Wir haben das Spiel in der englischen Version getestet. Das Spielmaterial ist völlig sprachneutral. Es kann aber sein, dass wir einen Begriff anders als in der offiziellen Regel übersetzen.

Six or eight thousand years ago, They laid down the law.

(B52’s – Mesopotamia)

Unser Aufgabe in Tabannusi ist es als Baumeister die Stadt Ur (Wikipedia) zu planen und zu realisieren. In drei Distrikte können wir Gebäude, Gärten und Bewässerungsanlagen gestalten. Im Hafen bekommen wir Vergünstigungen und Boni, im Ziggurat (Wikipedia Ziqqurrat) Distrikt, können wir Siegpunkte für erreichte Dinge im Spiel bekommen.

Tabannusi - Ziggurat Distrikt

Der Ziggurat Distrikt. Baut man hier ein Haus, gibt es für bestimmte Aspekte zusätzlich Siegpunkte.

Jeder Spielende hat in Tabannusi 2 Figuren, den Architekten und den Assistenten. Ist man am Zug, nimmt man sich einen Würfel von der Barke des Distrikts, in dem die eigenen Figuren stehen. Der Würfel zeigt an, in welchen Distrikt der Architekt gehen wird. Am Ende des Zuges zieht der Assistent dem Architekten nach. Danach ist der genommene Würfel nur noch eine Ressource der entsprechenden Farbe.

Tabannusi - Die Würfel

Die Würfel, beim Nehmen bestimmt er den Distrikt wohin der Architekt zieht, danach ist er einfach nur eine Ressource.

In einem Zug führt man 2 Aktionen aus. Welche ist abhängig von der Art des Distrikts und beim Aufbau zufällig verteilten Aktionsplättchen. In den Gewöhnlichen legt man Baupläne aus und realisiert diese, indem man sie in Gebäude wandelt oder man bewässert den Distrikt und baut Gärten. Im Hafen belegt man Schiffe, die einem spezielle Boni oder Erleichterungen beim Erwerb von Dingen geben, oder man baut Häuser, die bei der Wertung Siegpunkte ermöglichen. Im Ziggurat Distrikt baut man Häuser, die für einen Multiplikatoren auf Plättchen aktivieren, das ist z. B. “bekomme so viele Siegpunkte, wie du Häuser hast mal 2”.

Sind die Würfel eines Distrikts leer wird dieser Distrikt gewertet. Die fünfte Wertung ist der Anfang vom Ende. Es kommen dann alle bis auf den Startspieler noch einmal dran, danach werden alle Distrikte noch einmal gewertet. Wer die meisten Punkte hat gewinnt.

There’s a lot of ruins in Mesopotamia.

(B52’s – Mesopotamia)

Robert meint:

Ich verfolge die T-Serie jetzt schon über eine ganze Weile hinweg. Auf Spielstil findet ihr dazu Tekhenu und auch Tawantinsuyu. Ich war sehr gespannt, denn bei Tekhenu war das Wort Spielfluss nicht unbedingt angebracht. Etliche Mechanismen bremsten das Spiel immer wieder aus. Jetzt also Tabannusi und gleich vorweg, es hat dieses Problem nicht. Doch hat es so seine Eigenheiten. Kleines Zitat aus der Regel (von mir sinngemäß übersetzt): “Ein Gebäude baut man in sieben Schritten” – ich muss jetzt noch grinsen, das klingt für mich so wie “in sieben einfachen Schritten zum Eigenheim”. Einfach ist hier aber nichts. Tatsächlich würde ich von noch mehr Schritten reden, nur kommen diese nicht immer zum Tragen. Aber nicht nur dies ist kompliziert. Tabannusi vereint einige Systeme und Mechanismen in sich, vieles davon lässt sich auch noch variieren, falls es “langweilig” werden sollte. Aber sind wir mal ehrlich, genau das wurde erwartet und wir haben es auch so gewollt 🙂 ! Aber lohnt es sich auch?

Tabannusi - Die Spielfiguren

Die vier Farben. Die grosse Figur ist der Architekt, die kleine der Assistent.

Der Untertitel, die Baumeister von Ur greift etwas kurz. Tabannusi gewinnt man nämlich (oft) nicht, wenn man den Hafen, den Ziggurat Distrikt und die Leisten vernachlässigt. Es stimmt, man muss Gebäude bauen, um in Tabannusi Erfolg zu haben. Das sieht toll aus, wenn sich die Distrikte von einer planen Fläche zu einer Stadt entwickeln. Tabannusi hat hier eine ziemlich angenehme Art der Interaktion. Wie bei jedem guten Bau beginnt man damit einen Plan zu machen, bei Tabannusi sind das die Projektplättchen. Mit einer Aktion kann man ein solches legen und mit einem Claim Marker für sich reklamieren. Ein Gebäude kann aus Projektplättchen von verschiedenen Spielenden realisiert werden. Dem Erbauer gehört dann das komplette Gebäude, die anderen gehen aber nicht leer aus, sondern wandern auf einer der Leisten nach oben, was durchaus positiv ist. Andererseits kann man so auch die Mitspielenden zeitweise blockieren, denn je grösser das geplante Gebäude ist, umso mehr Ressourcen braucht der Bau. Ein kleiner Hinweis zu den Leisten. Es ist zum Glück nicht nur stumpfes Leistenschieben. Man bekommt Boni und viel wichtiger Multiplikatoren für die Größe der Gebäude bei der Wertung. Also eine gute Siegpunktquelle.

Tannusi - Ein Distrikt

Violett hat ein gelbes Gebäude das aus zwei Teilen besteht, einen Garten rechts vorn und eine braunes Projektplättchen. Rot das weiße Gebäude, zwei Gärten und ein braunes Projekt.

Ist eine Barke leer, wird nach Ende des Zuges dieser Bezirk gewertet. Hier zahlt sich dann aus, wenn man zusammen in einem Distrikt gebaut hat. Denn Häuser mit Gärten geben dem Besitzer mehr Punkte, egal wem der Garten gehört. Distrikte, in denen viel passiert, haben auch das Potenzial öfter gewertet zu werden. So kann es natürlich geschehen, dass ein oder mehrere Distrikte nur ein einziges Mal am Ende gewertet werden. Dies kann schon mal frustrierend sein, für Baumeister die nicht mit der hippen Crew gebaut haben.

Tabannusi - Projektplättchen

Die Projektplättchen, mit denen Grundstücke für den Bau von Gebäuden reserviert werden.

Tabannusi hat, wie viele andere Vertreter seiner Zunft, eine einprogrammierte Ressourcenknappheit. Man hat nie zu viel von irgendetwas, daher ist gut planen angebracht. Trotzdem habe ich das Spiel nicht als besonders bestrafend empfunden. Es gibt immer wieder die Möglichkeit sich Fehlendes zu besorgen, dies verbraucht jedoch wertvolle Züge. Gold ist wie so oft der Joker, ich kann damit die 5 anderen ersetzen. Die sechste Ressource, die man nicht vernachlässigen darf, sind die Claim Marker. Kleine Scheiben, mit dem ich Besitzansprüche markiere. Stehen keine zur Verfügung, sind viele Aktionen nicht mehr möglich. Vor allem gegen Ende einer Partie kann es sein, dass der endliche Vorrat zu Ende geht. Man sollte sich also schon überlegen, wofür die Chips auf dem Brett landen.

Tabannusi - Spielertableau

Das Spielertableau. Für jedes erstellte Gebäude nimmt man sich ein Haus der entsprechenden Farbe. Dabei winken Boni.

Tabannusi, hat meines Erachtens einen kleinen Schönheitsfehler, den ich Euch nicht vorenthalten möchte. Es passiert mit etwas Unaufmerksamkeit und Pech. Entscheidet man sich für einen Sektor, ohne die Würfel dort angesehen zu haben, kann man dort festsitzen oder aber auf eine Odyssee mit seinem Architekten geschickt werden. Die Augen des genommenen Würfels bestimmen den Distrikt für die nächste Runde. Mit Gold kann man die Zahlen ignorieren. Wenn man das aber nicht hat, können einige Züge vergehen, bis man wieder dort landet, wo man hinwollte. Der Extremfall ist, wenn man nur Würfel hat, die auf den gleichen Distrikt zeigen, dann sitzt man fest.

Abgesehen davon lohnt sich ein Blick auf Tabannusi. Es macht Spass die Mechanismen zu entdecken und wenn die Lernkurve langsam hinter einem liegt baut es sich ganz flott und spaßig im alten Mesopotamien.

Tabannusi – Baumeister von Ur von Daniele Tascini, David Spada

Tabannusi - Cover

Tabannusi stellt eine interessante Aufgabe, der ich mich gerne stelle. Es kommt mit der typischen Ressourcenknappheit, vielen ineinandergreifenden Mechanismen und einer positiven Interaktion. Wenn man aber nicht aufpasst, kann man sich um wichtige Runden bringen.

Spielstil – Wertung

8/10
Das gefiel uns
  • Schöne und komplexe Mechanismen
  • Zusammen mit anderen Spielenden bauen lohnt sich
  • Züge fühlen sich wichtig an, kaum Verlegenheitszüge
Das nicht so
  • Passt man nicht auf, kann man sich in einem Distrikt festsetzen

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Robert Alstetter

Brettspieler und auch Sammler mit Hang zum Minimalismus - Rollenspieler D&D 5e - Hobbykoch und ProfiEsser - softwarebegeistert - Sportlaie auf dem Mountainbike - Musikkonsument

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