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Sleeves – Tand Tand ist das Gebild von Menschenhand

Mit #BG2GETHER wollen wir uns, genau wie jeden anderen Monat, gemeinsam mit Kolleg*innen einer weiteren Frage stellen. Diesmal werden wir wieder einmal zurückblicken. Uns selbst analysieren und auch das eine oder andere Geständnis abliefern. Denn wir fragen uns:

Frage des Monats November 2022

Sleeves – Sinnvoller Schutz oder Umweltverschmutzung? Schützt ihr eure Spiele? Was erachtet ihr als wichtig und wann ist es übertrieben? Zusatzfrage, welche Maßnahme eines Enthusiasten kennt ihr, die ihr als vollkommen übertrieben empfindet?

Soll ich die Büchse der Pandora gleich zu Beginn öffnen und meine Meinung rauslassen oder warte ich noch ein paar Sätze, bis ich es mir mit echten Spiele-Fans verscherze? Ach komm, wir sitzen hier so gemütlich beisammen im imaginären Stuhlkreis und können dann auch sofort beichten. Ich fange einfach an.

Hallo, ich bin der Christian und ich finde Sleeves mit das überflüssigste, was es in der Spieleindustrie gibt. Schlimmer sind nur reine Würfel-Laufspiele – wie Tempo kleine Schnecke, Mensch ärgere dich nicht und Konsorten – und Metallmünzen. Wobei Metallmünzen eigentlich schon irgendwie cool sind, aber seitdem ich Pokerchips für meine Spieleabende entdeckt habe, ist der Wunsch nach überteuerten Metallmünzen weit nach hinten gerutscht. Aber ich drifte ab, eigentlich wollte ich ja über Sleeves herziehen.

Ja, ich verstehe euch Sleeve-Fetischisten sogar ein klein wenig. Man kauft sich ein teures Spiel und möchte auch in hundert Jahren noch den optimalen Zustand desselben haben. Aber seid mal ehrlich. Spielt ihr diese teuren Kracher wirklich so häufig, dass sie sich abnutzen würden? Es gab eine Zeit, in der auch ich diesem fehlerhaften Wahn aufgesessen bin, alle Spiele bis ins letzte Detail schützen zu müssen. Das bescherte mir unter anderem ein komplett gesleevtes Thunderstone und Star Realms. Aber was soll ich dazu sagen? Ich hasse es, mit Sleeves zu spielen.

Ich kann nicht richtig mischen, weil die Karten entweder verhaken oder mir in die Handflächen stechen. Außerdem fällt mir ständig ein Stapel um, weil die Oberfläche zu rutschig ist. Das nervt. So sehr, dass ich am liebsten alle Karten wieder befreien würde. Aber was soll ich dann mit all den Sleeves anfangen? Gebraucht will die doch keiner haben und wegwerfen empfände ich als Sünde. Also ärgere ich mich halt weiter mit den eingetüteten Karten herum.

BG2GETHER - November - Cover - Groß

Also ja, in diesem Fall empfinde ich Sleeves als reine Umweltverschmutzung ohne tieferen Sinn. Genau wie eine andere Sache, von der ich zum Glück nur einmal gelesen hatte. Ich bin mir dabei nicht einmal sicher, ob die Anfrage ernst gemeint oder einfach ein Scherz war. Dabei hoffe ich einfach auf Letzteres. Jemand hatte online nach Hüllen für Brettspiele gesucht. Also so wie manch jemand Comics in Plastikbeutel steckt, wollte er eben seine geliebten Brettspiele aufbewahren. Das schlimmste dabei, es war in meiner Anfangszeit. Jedes neue Brettspiel in meiner Sammlung eine Perle und ich noch ziemlich beeinflussbar. Somit hatte ich ihm kurz geglaubt, dass ich so etwas auch unbedingt brauche! Zum Glück habe ich das Produkt nicht gefunden und mir somit nie eine Schutzhülle für Brettspiele gekauft.

Inzwischen bin ich älter. Weiser würde ich nicht sagen, aber entspannter. Ich stelle auch gerne mal Chips und Getränke an den Spieltisch. Denn ich spiele mit Menschen, die einfach achtsam mit meinen Spielen sind. Mehr brauche ich nicht. Sollte dann ein Spiel wirklich mal abgenutzt aussehen, ist das nur eine Art gelebte Auszeichnung für die Qualität des Titels.

Die weiteren Teilnehmer:

Ihr seid Content Creator im Brettspielbereich und möchtet an der #BG2GETHER Aktion mitmachen? Schickt uns einfach eine kurze Mail an Christian@Spielstil.net.

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Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.
7 Comments
  1. 1. Ich lasse generell die Chipstüten am Tisch weg (deren Verpackung zumeist schon nachhaltiger die Umwelt verschmutzt als die Sleeves des Spiels)
    2. Ich sleeve beinahe jedes Spiel. Umwelttechnisch bin ich mit mir im Reinen, weil ich ansonsten versuche die Umwelt so wenig zu belasten wie möglich. Auch wenn mir bewusst ist, dass die Erde durch das Weglassen der Sleeves noch besser dran wäre
    3. Umfallende Stapel? Dafür gibt es Kartenhalter

    Aber wieso mache ich es: Schutz der Karten und ich mag das Handling einfach lieber. Ist natürlich eine subjktive Empfindung.

    Reply
    • zu 2. cool, dass du auch vegan lebst 🙂 sollte viel mehr davon im Hobby geben!

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      • Zumindest kaufe ich kein gesleevtes Gemüse 🙂

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  2. Ich komme zunehmend weg davon Karten zu sleeven. Bei Deckbuildern, wo das Startkarten-Deck xfach pro Spiel neu durchgemischt wird, kann ich das sleeven verstehen.
    Liegen aber Karten einfach nur aus, nachdem sie 1malig am Anfang des Spiels gemischt wurden, haben die Sleeves wirklich ihre Daseinsberechtigung mitterlerweile verloren.
    Hinzu kommt die Optik…gerade bei „Gute Laune“Spielen wie FlameCraft/Tiere vom Ahorntal stört dieser künstliche Plastiklook maximal beim Versinken im Spielesetting. Genauso aber bei schönen endzeit-Optiken…da werden ja die Karten fast noch authentischer wenn sie etwas angerauht sind.

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