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SPIELSTIL Rezension

Freaky Frogs from Outaspace

Lesezeit: 5 Minuten

Ein Spiel entwickelt von Friedemann Friese
erschienen bei 2F Spiele

- 1.Dez.2023

Der Titel sagt doch schon alles: Freaky Frogs from Outaspace! Na klar! Das kann ja nur … ein Flipper sein, richtig. Doch Moment, das hier ist doch eine Brettspielseite?! Genau! Denn Friedemann Friese von 2F Spiele hatte die geniale Idee, einen Flipper als Kartenspiel umzusetzen!

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Eindeutig: Ein Flippertisch! Muss noch jemand direkt an Revenge of the ‚Gator auf dem Gameboy denken?!

Nur ein verzweifelter Spieler setzt alles auf einen einzigen Wurf.

(Friedrich von Schiller)

Wir haben es hier mit einem puren Solo-Spiel zu tun! Also ganz meine Linie! Und auch sehr passend: In der Regel flippert man ja auch alleine an einem Automaten; höchstens drängeln andere Menschen, die auch mal spielen wollen.

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So sieht der Spielaufbau aus – vom Flippertisch ist jetzt nicht mehr viel übrig

Dabei ist die Idee ja ziemlich naheliegend: Wir müssen ein Deck Karten herunterspielen und dabei immer wieder bestimmte Karten bedienen. Im Grunde wie auch bei einem Flipper: Wenn ich einen Bumper treffe, darf ich danach weitere Bumper spielen, oder aber andere Ziele aus dem oberen Flipperbereich, wie zum Beispiel die Buchstaben-Rollovers ganz oben. Wenn die Kugel schließlich nach unten rollt, muss man einen Flipper spielen, damit sie im Spiel bleibt. Im Grunde ist es also ein Kartenspiel, bei dem man strikte Reihenfolgen einhalten muss, je nachdem, welche Karte man gespielt hat. Da man maximal nur 7 Karten auf der Hand halten kann, und negative Karten dort „kleben“ bleiben, ist Planung nur bis zu einem gewissen Punkt möglich.

Kann man keine Karte mehr spielen – was am Ende logischerweise bedeutet, man hat keinen Flipper mehr – rollt die Kugel ins Aus, man notiert seine Punkte und spielt die nächste Runde der Partie. Drei Kugeln hat man pro Partie, mit der Option auf eine 4. („Extraball“). Dabei wird nicht alles zurückgesetzt: vor Allem die negativen Karten bleiben im Deck – sie stellen die nachlassende Konzentration dar. Natürlich gibt es auch Möglichkeiten zu Tilten, also am Flippertisch zu „rütteln“, um die Kugel doch im Spiel zu behalten – aber auch dafür kassiert man eine Strafkarte.

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Der Multiball! (kleines Token in der Mitte)
Das ist der Weg, um richtig Punkte abzuräumen!

Es gibt eine ganze Reihe von Besonderheiten, also Abhängigkeiten, welche Karten man in welcher Reihenfolge spielen soll oder muss, um Punkte zu kassieren – oder, als finales Ziel, den Multiball zu erspielen, bei dem man dann mit 3 Kugeln gleichzeitig einen (vereinfachten) Spielmodus spielt, bei dem richtig Punkte abgegriffen werden! So haben wir Rollovers, Kippschalter, Lanes und natürlich Bumper – was man eben so auf einem (einfachen) Flippertisch findet.

Du weißt, sobald der Frosch zu gleißen Sich aufbläht, muss er auch zerreißen.

(Johann Fischart)

Thomas meint:

Solospiele von 2F Spiele? Bitte ja! Ich hoffe immer wieder auf ein neues Freitag! Obwohl ich auch schon enttäuscht wurde, wie zum Beispiel von Fertig! – aber ich bleibe gespannt. Also dieses Mal ein Flipper. Die Idee ist eigentlich super: wie auch bei einem echten Flipper kann man bestimmte Elemente immer nur in Folge von anderen Elementen spielen; also zum Beispiel die Lanes nur direkt nach dem Flipperarm und dann kommt die Kugel auch auf diesen Arm zurück. Wenn man eines der Kipp-Ziele an der Seite anspielt, von unten, kommt man noch zu den Bumpern; rollt die Kugel aber hinab, kommt nur noch der Flipperarm.

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Hier sieht man schon fast alle Elemente des Spiels – mehr kommt eigentlich nicht mehr…

Das lässt sich also wunderbar als Kartenspiel abbilden – nur: Wieso wurden diese Abhängigkeiten nicht direkt auf die Spielkarten gedruckt!? Das wäre so simpel gewesen mit einer recht einfachen Symbologie Voraussetzung und mögliche Folgekarten da abzubilden! Stattdessen muss man die Anleitung für diese Regeln konsultieren. Hier gibt es zwar eine Übersicht auf dem letzten Blatt, also der Rückseite, aber (Achtung, direkt der nächste Aufreger!) wieso ist in dieser Übersicht nicht auch gleich aufgelistet, wie die Wertungen der einzelnen Elemente erfolgen und was die Konsequenzen sind mit Lock/Outlane-Karten (den negativen Karten, die einem die Hand blockieren). Und zu Guter Letzt noch ein Wort zur Anleitung im Allgemeinen – ich habe schon viele gute wie schlechte Anleitungen gelesen; diese gehört wohl mit zu den schlechtesten. Regeln für die Spielelemente verteilen sich mitunter über das gesamte Heft; teilweise sind die Regeln unvollständig (Darf man Trickshots während eines Multiballs ausführen?). Tut mir leid, da fehlt mir die redaktionelle Bearbeitung; das wirkt eher wie der Draft aus der Prototyp-Phase.

So. Jetzt habe ich mich schon ordentlich über die Mängel zum Regelverständnis aufgeregt – jetzt gehe ich mal zum Spiel und Gameplay selbst über. Dieser Flipper ist jetzt nicht so kompliziert. Es gibt nur eine Handvoll Elemente: Flipperarme, Bumper, FROGS (Rollover-Targets), RAY/GUN (Kipp-Targets), Locks und die Lanes. Die einzige echte Kombination, im Sinne einer Reihenfolge, ist die: RAY/GUN anspielen, danach ein Lock. Die RAY/GUN-Kipp-Targets erhöhen den Multiplikator für Punkte; und wenn man dreimal das Lock spielen konnte, dann kommt es zum Multiball. Jetzt befinden sich (abstrakt) drei Kugeln im Spiel, was bedeutet, dass man jetzt immer drei Ziele gleichzeitig spielen darf; diese haben keine Bedingungen mehr – und dafür dann auch für alle Ziele Karten nachzieht. In diesem Modus wird satt gepunktet; und das ist auch die Crux:

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Je höher der Highscore, um so länger muss man spielen – irgendwann möchte man nur noch, dass es endet…

Die gesamte (gefühlte) Komplexität des Spiels wird herunter gekocht auf: Sieh zu, dass Du den Multiball freispielst, und sammle dann die Punkte. Fertig. Mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen. Besser wird das Spiel nicht. Und das ist eigentlich das traurige daran: Es gibt keine unterschiedlichen Strategien, keine cleveren Ansätze, ja, nicht mal was zu entdecken. Wir machen in jeder Partie eigentlich immer dasselbe.
Das wäre auch gar nicht so schlimm, wenn diese Partien nicht locker die Dauer von einer Stunde sprengen könnten! Dafür, dass ich am Ende des Tages eigentlich nur den nächsten High Score mit immer wieder derselben Strategie erreichen will, muss ein Spiel nicht 1-2 Stunden dauern! Vor Allem nicht auf so einer niedrigen Komplexitätsstufe.

Da kann ich nur sagen: TILT!!!

Dir hat die Rezension gefallen? Du denkst wir liegen völlig daneben? Lass uns wissen was du denkst.

Freaky Frogs from Outaspace von Friedemann Friese

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Sehr gut funktionierendes Solospiel, welches sich jedoch nach wenigen Partien erschöpft und keinen Raum für weitere Entdeckungen lässt.

Spielstil – Wertung

Thomas:

4/10
Das gefiel uns
  • Unverbrauchtes Thema
  • Mechanisch einwandfrei
Das nicht so
  • Nach wenigen Partien sehr repetetiv
  • Wenig zu entdecken
  • Spielmaterial wenig unterstützend

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Thomas Büttner

Tom schätzt neben komplexen Euros auch thematisch satte Solitär-Meisterwerke - und natürlich feine App-Umsetzungen. Dabei wird er schon mal ungehalten, wenn die Steuerung umständlich ist oder das User Interface unintuitiv.

So erreicht ihr Thomas:

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