SPIELSTIL Rezension
Lesezeit: 4 Minuten
Ein Spiel entwickelt von Nils Nilsson
erschienen bei HABA
Früher, als ich noch jung war, da hatten wir ja nichts. Also was Spiele angeht. Einen Satz Karten für Skat, Canasta oder Rommé. Ein Mensch-ärgere-Dich-nicht und eine große Spielesammlung. Die (Spiele-)„reichen“ Familien hatten dann noch Monopoly und Scrabble. Aber wir hatten auch Würfel und damit kann man wirklich eine Menge anfangen. Am bekanntesten dürfte wohl Kniffel sein und viele Abende im Familienrahmen wurden mit dieser Würfelei verbracht. Würfelkönig von Nils Nilsson basiert auf diesem Klassiker, verfeinert das Konzept aber mit ein paar zusätzlichen Mechanismen.
(Ivan Sviták)
Der Grundgedanke ist erst einmal gleich. Nimm die Würfel, werfe sie bis zu drei Mal und lege nach jedem Wurf eine beliebige Anzahl davon weg, um sie zu „sichern“. Es fällt aber auf, dass bei Würfelkönig insgesamt sechs Hexaeder dabei sind und sich die Seiten auch noch farblich unterscheiden.
Statt einem Wertungsblock gibt es eine Auslage an Karten. Unter jedem der fünf Ortskartenstapel liegt ein Bürger mit einer individuellen Vorgabe. Diese kann aus bestimmten Augenzahlen oder Farben bestehen. Schaffe ich die Vorgabe mit meinem Wurf, so darf ich mir die Karte nehmen. Passt die Farbe des Bürgers zu dem Ort, bekomme ich sogar noch zusätzlich die oberste Ortskarte dazu. Verfehle ich aber die ausliegenden Vorgaben, so bekomme ich eine Schurkenkarte, die mir am Ende des Spiels Minuspunkte beschert.
Neben den Punkten haben manche der Bürger Sonderfähigkeiten, wie etwa, dass ich in der nächsten Runde sogar viermal würfeln darf.
Das Spiel endet, wenn die Bürger- oder die Schurkenkarten aufgebraucht sind oder wenn einer der Ortskartenstapel leer ist. Dann werden fix die Punkte der gesammelten Karten zusammengerechnet und der mit den meisten Punkten hat gewonnen.
(Französische Heroldsformel)
Würfelkönig klingt komplizierter, als es ist. Man muss zwar erst einmal ein wenig in die Ikonografie reinkommen, aber selbst die Kids können die nach zwei oder drei Partien auswendig. Auf der Packung steht „ab 8“, allerdings kann es mit ein wenig Hilfe auch von Vierjährigen gespielt werden. Und hier hat das Spiel seine große Stärke. Alle können (fast) gleichberechtigt mitspielen. Für Erwachsene ist es nicht total simpel und damit langweilig. Andererseits sind sie aber auch nicht so im Nachteil wie oft beispielsweise bei Memory. Die Entscheidung, auf welche der gerade ausliegenden Karten gewürfelt wird, welche Alternativen man mit dem aktuellen Wurf hat und welches Risiko man eingehen will, ist nicht trivial. Das Zusammenspiel mit den Ortskarten und den Fähigkeiten und die Schadenfreude, wenn die Mitspieler einen Schurken nehmen müssen, macht einfach echt Laune.
Noch schöner an Würfelkönig ist, dass die Kids das Spiel spätestens ab der zweiten Klasse sogar allein mit ihren Freunden spielen können. Perfekt, um auch bisherige Nichtspieler und deren Kinder mit dem Brettspielvirus zu infizieren. Zumal das Konzept „Kniffel“ doch bei den meisten bekannt ist. Für mich gibt es nur zwei kleine Kritikpunkte. Zum einen sind die Farben echt nicht gut gewählt. Braun, lila und blau lassen sich bei den Kartenfarben, gerade bei etwas schlechterem Licht, einfach nicht unterscheiden. Und nichts ist ärgerlicher, wenn man die Voraussetzungen einer Karte erwürfelt hat und dann doch nicht die Ortskarte dazubekommt. Da möchten die Erwachsenen die Würfel auch mal gerne in die Ecke schmeißen (und manche Kinder machen es vielleicht auch ;-)). Zum anderen ist die Spieldauer sehr unterschiedlich. Im extremen Fall kann das Spiel nach drei Zügen vorbei sein. Schwieriger ist es aber, wenn alle 40 Bürgerkarten durchgespielt werden. Dann wird es hinten raus doch arg zäh und für meinen Geschmack mit 30 Minuten zu lang.
Alles in allem bleibt aber ein einfaches, aber trotzdem nicht belangloses Spiel für Kinder und die ganze Familie.
Würfelkönig von Nils Nilsson
Ein fantastisches Spiel für die ganze Familie, das dem bekannten Kniffelmechanismus ein paar neue Nuancen verpasst.
Daniel:
Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar selbst gekauft.
Mehr Informationen zu Affiliate Links und Rezensionsexemplaren findet ihr in unserer Übersicht zur Transparenz und in den Bestimmungen zum Datenschutz.