SPIELSTIL Rezension
Lesezeit: 5 Minuten
Ein Spiel entwickelt von Hjalmar Hach, Lorenzo Silva
erschienen bei HeidelBÄR Games, Horrible Guild
Wer will sie nicht? Die prächtigste Sammlung an Kunstwerken, Edelsteinen oder Wissen gedruckt auf den Seiten wertvoller Bücher. The Great Split nimmt uns mit auf die Gala der wichtigsten Sammelnden dieser Epoche. Es gibt nur ein Ziel in The Great Split, am Ende die dickste, wertvollste und prestigeträchtigste Sammlung zu haben.
(Edward Hopper)
Eine Partie The Great Split spielt man immer über 6 Runden.
Bevor es losgeht, gibt es noch abhängig eine Karte Nachschub, der verwendete Stapel ist abhängig von der aktuellen Runde. In den ersten drei gibt es Karten der Stufe 2, danach der Stufe 3.
Das Spiel dreht sich in den Runden im Wesentlichen um zwei Hauptphasen.
Das Angebot aka The Great Split: Ich sortiere meine Handkarten, teile sie mit der Trennkarte in einen linken und rechten Teil auf, packe sie in meinen Umschlag und gebe sie als Angebot an die Person zu meiner Linken. Ebenso bekomme ich ein Angebot von meiner Rechten. Ich wähle aus diesem Angebot den linken oder rechten Teil und gebe den anderen Teil inklusive Trennkarte wieder zurück an den Absender. Genauso bekomme ich einen Teil meines Angebots wieder zurück. So habe ich am Ende einen Teil des Angebots, das ich gemacht habe inklusive der Trennkarte und den Teil aus dem Angebot, das ich bekommen habe.
Nach der dritten und vierten Runde gibt es ein oder zwei Zwischenwertungen der Sammlerstücke (Bücher, Kunst, Juwelen) am Ende werden alle Leisten gewertet. Dabei werden die Siegpunkte der Hauptressourcen Bücher, Kunstwerke und Juwelen jeweils unterschiedlich ermittelt.
Wer nach der Schlusswertung die meisten Prestige-/Siegpunkte besitzt, hat die beste Sammlung ergattern können und gewinnt diese Partie The Great Split.
Die komplette Spielregel zu The Great Split findet ihr hier. (externer Link)
(Erskine Caldwell)
Ein guter Freund sagt immer “Ein gutes Kostüm hält 30 Sekunden, dann musst du liefern …”. The Great Split hat ein wirklich tolles Kostüm. Das Design ist sehr eigen und besonders. Das Feedback war bisher immer einhellig. The Great Split sieht richtig toll aus. Das Material ist wertig, besonders die Tableaus sind zweilagig, schön! Das Thema gibt natürlich auch Hochwertigkeit vor, hier zu sparen wäre nicht stimmig gewesen.
So viel zum Kostüm, um jetzt beim Zitat zu bleiben, The Great Split liefert schon ab, irgendwie. Nur nicht so wie erwartet. Die Hauptidee des Great Splits hört sich in der Theorie spannend an. Man macht der Person zur Linken ein Angebot, von dem man zu wissen glaubt, was sie behalten wird und welchen Teil wieder zurückkommt.
Ich versuche also zu erahnen, was gebraucht wird und was nicht. Ganz nach dem Motto, ich denke, du denkst, was du jetzt brauchst. “Ein Angebot für dich, was du bestimmt nicht ablehnen möchtest.” Ich versuche mich also in die Person hineinzuversetzen, um eine Idee zu bekommen, was behalten und was zurückkommen wird. Was so klingt, als könnte man seine über Jahre verfeinerte mentalen Fähigkeiten endlich wieder einsetzen, wird etwas enttäuscht werden. Letzten Endes ist es fast egal. Wer die Karten nicht komplett doof aufteilt, bekommt auch keinen Schrott zurück. Wichtig ist einfach, dass man die Teile nicht völlig unausgeglichen zusammenstellt. Dabei kann man auf das benachbarte Tableau schauen oder es bleiben lassen. Hat man gesehen, dass der Nachbar etwas besonders stark benötigt und eine Wertung bevorsteht, konnte man schon die ein oder andere “Niete” beimischen. Das geht aber nur in sehr beschränktem Umfang. Eigentlich ist es schlicht egal, man kann sich die Mühe machen oder es lassen. Gewinnen geht mit beiden Strategien.
Als diese Erkenntnis bei uns einsickerte, fühlte sich The Great Split der Karten erst sehr nebensächlich und dann lästig an. Wir wollten endlich zum zweiten Teil der Runde kommen, der uns viel mehr Spaß machte. Hier konnten wir unserem Gefühl nach endlich sinnvoll tätig werden. Jeder hat sich über die Beute hergemacht und versucht, das Beste aus seinem Tableau zu holen. Wie erreicht man geschickt Doppelpfeile auf der Goldleiste oder Pfeile bei den Siegelleisten, um so eine kleine Kaskade auszulösen. Gelang das, hatte man einen Moment, der bei The Great Split am ehesten als zufriedenstellend zu bezeichnen war. Aber insgesamt war dieses Listenschieben nicht originell genug, um längerfristig Spielspaß zu generieren. Denn eigentlich trat The Great Split mit dem Versprechen an, dass es um die Leute neben mir geht. Stattdessen ist es im Wesentlichen solitäres Leistenschubsen. Nach jeder unserer Partien kam im Wesentlichen das gleiche Feedback: “Joah, gaaaanz nett”. Wobei “nett” hier sehr breit zu interpretieren ist.
The Great Split von Hjalmar Hach, Lorenzo Silva
Great Buzz über den not so Great Split. Es sieht toll aus und macht leider da am meisten Spaß, wenn es nicht um den Great Split geht.
Robert:
Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.
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Denny Crane
Diese Art von Optik finde super spannend. Überhaupt nicht mein Geschmack, aber trotzdem erkenne ich Banause, was die Autoren damit in Kombination mit dem Thema erreichen wollten.
Der Rest vom Spiel ist aber leider auch nichts für mich und nach deiner gut geschriebenen Review fühle ich mich da nur bestätigt. Abe trotzdem danke für den Test, für mich quasi ein kleiner Blick über den Tellerrand