SPIELSTIL Rezension

Hochsaison: Grand Hotel Roll & Write

Lesezeit: 4 Minuten

Ein Spiel entwickelt von Ryan Hendrickson, Simone Luciani, Virginio Gigli
erschienen bei Lookout Games

Die Brettspiel-Trinität gibt es schon etwas länger. Also die Regel, dass auf einen guten Titel noch ein Würfel- und ein Kartenspiel folgen. Auch wenn das nun etwas übertrieben ist, kennen wir sie alle – die Beispiele, die diesem Weg gefolgt sind. Nun hat es auch das Grand Austria Hotel erwischt. Mit Hochsaison gibt es nun das passende Würfelspiel.

„Würfel“, werden manche nun sagen, „waren doch auch bisher schon das zentrale Erlebnis des Spiels.“ Das stimmt, und im Kern übernimmt Hochsaison diesen Part auch 1:1. Aber es gibt durchaus ein paar Änderungen. So hat man zum Beispiel die Gäste einfach weggelassen. Nun geht es um maximale Anonymität, die unser Etablissement zu bieten hat.

Manchen Brettspielen hätte es sicherlich gut getan, weniger Elemente einzubauen. Gut, bisher hatte ich bei Grand Austria Hotel nicht das Gefühl, dass man einsparen sollte. Aber ich lasse mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen. Also checkt mit mir ein und lasst uns sehen, ob auch die Hochsaison mehr als einen Blick wert ist.

Sie haben’s gut, Sie können ins Kaffeehaus geh’n!

(Franz Joseph I)

Ziel und Ablauf des Spiels

Ziel des Brettspiels Hochsaison ist es – wer hätte es gedacht – die meisten Siegpunkte zu generieren. Dies schaffen wir mit belegten Zimmern, unseren Angestellten und der Kaiserleiste. Bis dahin ist es aber ein anstrengender Weg.

Sind wir am Zug, müssen wir einen der geworfenen Würfel wählen. Der Würfel selbst bestimmt die Art der Aktion. Die Anzahl der gleichen Ergebnisse die Stärke. Mit den Aktionen können wir nun Zimmer vorbereiten, Gäste einziehen lassen, Mitarbeiter anstellen, Geld einnehmen, die Kaiserleiste voranschreiten oder eine beliebige Aktion kopieren.

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Die Qual der Wahl.

Gäste sollten am besten in farblich passend gruppierten Zimmern untergebracht werden. Ist nämlich eine Gruppe abgeschlossen, gibt es einen Bonus für uns. Gleiches gilt für komplette Spalten oder Zeilen bezogener Zimmer.

Mitarbeiter unterstützen uns bei unserer Arbeit. Sie bieten entweder dauerhafte Effekte, Einmalaktionen oder Belohnungen fürs Spielende. Den Kaiser sollten wir aber auch nicht außer Acht lassen. Denn er kommt alle paar Runden vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Haben wir ihm nicht genügend gehuldigt, gibt es Minuspunkte. Waren wir brav, erhalten wir auch hier eine Belohnung.

Sobald alle Spieler zweimal am Zug waren, geht es in die neue Runde. Alle Würfel werden erneut geworfen und die Aktionen beginnen von vorn. Nach 7 Runden ist das Spiel vorbei und der Gewinner wird ermittelt.

Das Problem für jeden Wiener: Man kann es in Wien nicht mehr aushalten, aber woanders auch nicht.

(Helmut Qualtinger)

Christian meint:

Es gibt Brettspiele, die einen direkt in ihren Bann ziehen. Man ist von der ersten Partie an begeistert und freut sich einfach, den perfekten Titel für sich selbst gefunden zu haben. Dann gibt es diejenigen, bei denen es mehrere Blicke braucht, um Freude daran zu haben. Sei es, weil man eine Regel falsch auslegte oder man erst einmal den Durchblick brauchte, um die Qualität zu erkennen. Hochsaison ist für mich leider nichts von beidem.

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Der Kaiser wird nicht erfreut sein.

Ich mag Grand Austria Hotel und hatte dem Spiel damals eine Wertung von 9 gegeben. Auch heute drehe ich dort noch gerne meine Runden. Aber dennoch wollte Hochsaison nicht bei mir zünden. Dabei habe ich es vielfach versucht. Egal, ob allein oder in der Gruppe, ich hatte keine wirkliche Freude mit dem Spiel.

Ja, mir ist auch bewusst, dass mein Hotelplan wie ein Puzzle zu lesen ist. Wie schaffe ich es, mit meinen beschränkten Aktionen Kettenzüge auszulösen und Punkte zu generieren? Aspekte, die ich in anderen Spielen durchaus mag. Aber hier mochte einfach kein sonderlicher Spielspaß aufkommen. Im Gegenteil. Die Würfelauswahl war dabei noch das Interessanteste. Was muss ich nehmen, damit meine Mitspieler mir keinen Strich durch die Rechnung machen? Wo kann ich noch eine Runde warten? Doch das war es dann auch schon.

Eine Regel war für mich persönlich komplett antiklimaktisch: Die, dass man mit einer Aktion nur einen Gast in ein Zimmer einquartieren durfte. Mir ist bewusst, dass es mechanisch wichtig ist, aber es fühlte sich für mich einfach nicht richtig an. Wie ein Bruch im Schleier der Thematik. Ja, ein Brettspiel braucht Zwänge, aber sie sollten sich auch richtig anfühlen.

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Kettenzüge müssen genutzt werden, denn nur durch unsere Aktionen werden wir Räume nicht füllen können.

Belohnend ist Hochsaison dann, wenn einem ein toller Kettenzug gelingt. Das ist aber auch nicht verwunderlich, sondern ganz normales 1×1 der Würfelspiele. Man nimmt den Moment dankend an, hat ihn aber schon vielfach in anderen Titeln erlebt.

Mein Fazit zum Brettspiel Hochsaison

Hochsaison ist kein Spiel, das ich genießen kann. Ich bin froh, dass ich keine weiteren Partien mehr spielen muss. Und nein, das Spiel ist nicht wirklich schlecht. Aber meinen Nerv trifft es überhaupt nicht. Ich bleibe hier lieber beim echten Grand Austria Hotel.

Dir hat die Rezension gefallen? Du denkst wir liegen völlig daneben? Lass uns wissen was du denkst.

Hochsaison: Grand Hotel Roll & Write von Ryan Hendrickson, Simone Luciani, Virginio Gigli

Leider springt der Funke bei Hochsaison nicht über. Ich bleibe beim sehr guten Grand Austria Hotel. Da steckt mehr für mich drin.

Spielstil – Wertung

Christian:

4/10
Das gefiel uns
  • Kettenzüge (wie immer) belohnend
  • Kann ein interessantes Puzzle sein
Das nicht so
  • Spielerisch unbefriedigend
  • Mir fehlen die Gäste
Hier bekommt ihr „Hochsaison: Grand Hotel Roll & Write“

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Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Christian Renkel

Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

So erreicht ihr Christian:

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