Beast - Spielbox

SPIELSTIL Rezension

Beast

Lesezeit: 9 Minuten

Ein Spiel entwickelt von Aron Midhall, Assar Petterson, Elon Midhall
erschienen bei Studio Midhall

- 12.Dez.2023

Beast ist ein Hidden Movement Game, also Brett gewordenes Verstecken-Spielen. Seit meiner ersten Partie Scotland Yard und die ist schon viele, viele Jahre her, bin ich begeistert vom Konzept der Hidden Movement Games. Nicht, dass man das bei meiner Rezension von Mind MGMT gemerkt hätte. Das Genre übt immer wieder einen besonderen Reiz auf mich aus. Mal sehen, ob Beast mich mit seinen Reizen vor dem Ofen hervorholen kann. Ich schreibe das, während draußen -10°C sind, also da muss es sich schon etwas anstrengen.

Ich habe festgestellt, dass die meisten Probleme nach einer belebenden Tasse Tee nicht mehr ganz so problematisch wirken.

(Mrs. Potts – Die schöne und das Biest)

Beast ist ein durch Karten getriebenes Hidden Movement Game. Ein Spielender übernimmt dabei die Rolle des Beasts während die anderen den Jagdtrupp der Menschen bilden. Abhängig von der Größe der Spielrunde wählt man eine Spielbrettseite und einen Auftrag. Zu viert ist das Spielfeld größer als zu dritt / zweit. Die Aufträge haben z. B. Einfluss auf den Aufbau, die Startressourcen und die Tagesziele. Außerdem geht eine Partie zu viert länger als mit weniger Spielenden.

Beast - Die Aufträge

Zwei der vier Aufträge in Beast. Links für 2 – 2 Spieler, rechts für 4 diese Partie geht eine Nacht länger.

Eine Partie Beast ist in Tage (Runden) unterteilt, die jeweils aus drei Phasen bestehen: Dämmerung, Tag und Nacht.

In der Dämmerung werden die Handkarten für den Tag bestimmt. Die Eigenschaften gehören zu einem Jäger oder dem Beast, man bekommt sie immer wieder auf die Hand. Die Aktionen werden gedraftet. Sie haben einen oberen und einen unteren Abschnitt, der obere gilt für den Jagdtrupp und der untere für das Beast.

Beast - Die Biester

Die 6 Biester in Beast. Alle haben eigene Fähigkeiten, Gefährten und Aufwertungen.

Die Runde beginnt mit dem Beast. Wer an der Reihe ist und etwas tun möchte, braucht eine Karte, die das erlaubt. Man darf ein bis zwei Karten spielen, sind es zwei müssen sie von unterschiedlicher Farbe sein.
Das Beast und der Jagdtrupp versuchen tagsüber die Ziele der Partie bzw. des Tages zu erfüllen. Das Beast muss dafür oft ein Tier oder einen Menschen in den Siedlungen töten. Der Jagdtrupp hingegen möchte das Beast jagen und verletzen oder dafür sorgen, dass Bewohner von Siedlungen überleben. Bewegt sich das Beast braucht es die entsprechende Karte, es setzt die neue Position auf der privaten Karte und legt so viele Richtungskarten aus, wie es Schritte gegangen ist. So sieht man immer, wie viele Bewegungen das Beast seit der letzten Sichtung gegangen ist. Bei den Karten gibt es zusätzliche eine Finte, die “keine Bewegung” Karte. Sie simuliert nur eine Bewegung, es liegt also eine Karte, das Beast ist jedoch stehen geblieben. Hat das Beast sein Opfer erreicht, will es natürlich angreifen, dazu braucht es natürlich eine entsprechende Karte. Mit einem Angriff gibt das Beast auch seine Position preis.

Beast - Ein Aufbau

Ein Aufbau für drei Spieler.

Beast kommt eigentlich ohne Ressourcen aus. Groll ist etwas, das dem am nächsten kommt, man kann es mit “Erfahrungspunkten” vergleichen. Das Beast erhält sie, wenn es ein Opfer tötet, Jäger bekommen Groll durch Karteneffekte. Manche Karten verlangen Groll, damit man sie ausführen kann. In der Nacht kann man mit dem erworbenen Groll den eigenen “Charakter” aufwerten. Dadurch werden zum Beispiel Aktionen stärker oder man darf unter bestimmten Bedingungen Karten wieder auf die Hand nehmen.

Jede Bestie hat ein bevorzugtes Habitat, es gibt insgesamt drei verschiedene Habitate für das Beast und Siedlungen für die Menschen. Beide Parteien können ein bestehendes Habitat in das bevorzugte “terraformen”. Einige Karten setzen voraus, dass die Bestie sich auf einem bestimmten Habitat befindet, um den Effekt nutzen zu können. Für die Menschen können manchen Karten vielfältiger eingesetzt werden, je mehr Siedlungen auf der Karte sind.

In der Nachtphase werden die Bedingungen des Auftrags überprüft, gegebenenfalls Belohnungen für erfüllte Teilschritte vergeben.

Das Spiel endet, wenn entweder die Bestie die Anzahl der geforderten Tiere/ Siedler getötet hat oder der Jagdtrupp die Bestie erlegt hat. Der Gewinner ist derjenige, der sein Ziel erreicht hat.

Es könnte etwas da sein, was vorher nicht da war.

(Mrs. Potts – Die schöne und das Biest)

Robert meint:

Beast kam über eine Kickstarter Kampagne von 2021 zur Welt, die nach einer Viertelstunde finanziert war. Die Lokalisierung ins Deutsche kam dann über die Spieleschmiede, diese Version liegt uns als Rezensionsexemplar vor.

Beast - Die Karte des Beasts

Mit dieser kleinen Version des Spielbretts, hält man die tatsächliche Position des Beasts fest.

Wenn man an Hidden Movement denkt, so hat man, wie auch bei Beast, ein Spiel mit zwei verschiedenen Spielerfahrungen und Herangehensweisen. Einmal das Spiel als Beast, das allein gegen die anderen spielt und dann die Menschen, die als Jagdtrupp gemeinsam das Beast jagen. Als Beast ist man ständig am Beobachten und Belauschen der anderen am Tisch. Was haben die anderen vor? Was glauben sie, wo ich bin? Und vor allem, wann und wo schlage ich das nächste Mal zu? Denn um gewinnen zu können, reicht es nicht, dass das Beast unentdeckt im Wald herumschleicht. Im Gegenteil, wenn es das macht, gewinnt der Jagdtrupp am Ende. Nein, es muss irgendwann zuschlagen und sich damit auch zeigen. Das ist zum einen schön passend zur erzählten Geschichte im Spiel. Es schleicht ein Monster durch die Lande, die Menschen wissen, dass es töten wird, sie haben aber nur eine Ahnung wann und wo. Mechanisch ist es schön gemacht, da das Beast sich zeigen muss und der Jagdtrupp dann eine Fährte neu aufnehmen kann, aber das Beast entscheidet selbst Ort und Zeit. Diese Rolle spielt sich deutlich aufwendiger, sie ist dafür auch die spannendere. Man kann dabei auch immer mal wieder ganz gut ins Schwitzen geraten, wenn der Jagdtrupp dem Beast auf die Schliche kommt. Denn immer wenn ein Mitglied des Trupps über ein Feld geht, auf dem das Beast war, wird dort ein Spurenmarker abgelegt. Damit wird angezeigt, dass das Beast an diesem Ort bereits war. Oder ein Karteneffekt dreht eine der ausgelegten Richtungskarten aus. Die Belohnung für das Beast ist es immer, wenn man den Jagdtrupp mit dem diabolischen Plan überlisten konnte. Irgendwo völlig überraschend zuzuschlagen, ohne dass die Jäger wissen, wie ihnen geschieht, ist ein tolles Gefühl. Insgesamt hat es das Beast schon schwerer sein Ziel zu erreichen und den Sieg davonzutragen.

Beast - Die Helden

Diese wackeren Menschen werfen sich dem Beast entgegen. Auch hier doppelschichtige Tableaus.

Wer zum Jagdtrupp gehört, hat eine gemeinschaftliche Erfahrung. Man tauscht sich aus und überlegt gemeinsam, wie man am besten vorgeht, ohne zu viel zu verraten, denn der Feind sitzt mit am Tisch. Dabei nimmt die Diskussion, wo sich das Monster denn befinden könnte, den größten Raum ein. Die Richtungskarten und die Aufträge für den Tag sind hierbei die wichtigsten Indizien. Wird die Kette der Richtungskarten immer länger, wird die Spur im gleichen Masse kälter, wie die Verwirrung der Jagdmitglieder steigt. Denn irgendwann gibt es zu viele Möglichkeiten und man kann nur noch hoffen, über die Spur des Monster im wahrsten Sinne des Wortes zu stolpern. Die Menschen gewinnen auf zweierlei Weise, sie bringen das Beast zu Strecke oder sie überleben die letzte Nacht ohne, dass das Monster seinen Auftrag erledigen konnte. Das Beast zu töten haben wir als schwierig empfunden. Es zu verwunden war nicht schwer, aber den letzten Schlag zu versetzen gelingt eher selten. Es ist deutlich wahrscheinlicher, dass man das Spiel auf Zeit gewinnt und bis zur letzten Nacht spielt und das Beast daran hindert, den Auftrag zu erfüllen.

Beast - Die Richtungskarten

Mit diesen Karten werden die Bewegungen des Beasts Protokoliert. Ganz unten die „Keine Bewegung“ Karte.

Alle Parteien haben gemein, dass ihre Aktivitäten abhängig von den Karten sind. Mit etwas Glück bekommt man die Hand zusammen, die man gerne hätte. Manchmal kommt aber doch das Leben bzw. das Spiel dazwischen, das höhnisch auf den genialen Plan herab grinst. Bei Beast verwaltet man immer den Kartenmangel, auch wenn es gerade fürs Monster einige Möglichkeiten gibt, weitere Karten zu bekommen. Ich verstehe den Mechanismus dahinter und es ist eine interessante Aufgabe. Es macht Spaß die richtige Kombination oder zumindest die eine Karte zu finden, die zum Plan passt. Trotzdem kann eine stimmungsvolle Partie Beast wie Soufflé in sich zusammenfallen. Wir hatten schon mehrere Partien bei denen die Stimmung langsam über die ersten Tage anschwoll, nur um total im Antiklimax zu enden. Wieso? Es hilft einfach nichts, wenn man haargenau weiß, wo das Beast ist und sogar auf dessen Feld steht, aber die Angriffskarte fehlt. Genauso kann es dem Beast ergehen. Natürlich kann man diskutieren, ob man richtig mit den Karten gewirtschaftet hat. Trotzdem es bleibt einfach das Gefühl der Machtlosigkeit. Denn jeder andere Zug, den man machen könnte ist einfach sinnlos in diesem Moment. Der Jagdtrupp hat dann vielleicht sogar gewonnen, es fühlt sich nur überhaupt nicht verdient an.

Beast - Eigenschaften

Die Menschen haben 3 Karten, Eigenschaften genannt, eine davon ist immer einzigartig, die beiden anderen haben alle Menschen. Man bekommt sie immer wieder auf die Hand.

Die einzelnen Menschen und Beasts haben jeweils besondere Eigenschaften und Stärken, sie spielen sich dadurch schon unterschiedlich. Gerade die besonderen Stärken sollte man gut nutzen, denn sie können den Unterschied machen. Dabei spielen sich manche leichter als andere, so bleibt auch für fortgeschrittene Spielende noch Varianz. Während der Nacht kann man seine Figur noch weiter pimpen. Meistens hat man nicht allzu viel Groll zur Verfügung und gibt ihn daher umso umsichtiger aus. Die Aufwertungen sind recht individuell und man hätte gerne immer mehr davon, als man sich leisten kann. Oder gibt man mehr Groll für eine starke Auswertung auf oder holt sich mehrere schwächere? Schön!

Beast - Die Aktionen

Die Aktionen werden jeden Tag neu gedraftet. Wer an der Reihe kann 2 Karten spielen. Sie müssen jedoch unterschiedlich farbige Symbole haben (blau / rot – in der Mitte)

Ein Wort noch zum Spielmaterial. Die Gestaltung ist großartig, stimmungsvoll und fällt extrem angenehm aus dem Rahmen. Beast sieht gut aus und auch etwas anders, wie viele andere Spiele, die sich immer ähnlicher werden. Die Wege zwischen den Orten sind der einzige Makel, denn sie dürften etwas offensichtlicher gestaltet sein. Man übersieht sie des Öfteren. Auch das Material selbst ist fast ausschließlich genial. Alle Boards sind aus dicker Pappe, die Playerboards sind zwei lagig und die Marker für die Aufwertungen bleiben perfekt an ihrem Platz. Ich kann gut damit leben, dass die Spielfiguren Pappaufsteller sind. Das einzige was das Bild trübt, ist das eben diese Aufsteller immer wieder auseinanderfallen.

Beast - Die Aufsteller

Die Aufsteller der Biester. Leider sind die teilweise wirklich windig und verlieren gerne mal den Fuß.

Dir hat die Rezension gefallen? Du denkst wir liegen völlig daneben? Lass uns wissen was du denkst.
Beast - Spielbox

Ein sehr schön gestaltetes Hidden Movement Game mit fast durchweg tollem Material. Es spielt sich schön thematisch, leider geht ihm manchmal die Luft aus.

Spielstil – Wertung

Robert:

8/10
Das gefiel uns
  • Schöne thematisch Umsetzung
  • Tolles Spielmaterial
  • Interessanter Kartenmechanismus
Das nicht so
  • Wenn die Karten nicht passen, kann man sich schon mal machtlos fühlen.

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen vergünstigt vom Verlag bekommen.

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Robert Alstetter

Brettspieler und auch Sammler mit Hang zum Minimalismus - Rollenspieler D&D 5e - Hobbykoch und ProfiEsser - softwarebegeistert - Sportlaie auf dem Mountainbike - Musikkonsument

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No Comments
  1. Ui, das liest sich wirklich gut..ich glaube in dem KS bin ich xmal ein-und wieder ausgestiegen…Vlt hätte ich am Schluß doch drin bleiben sollen..so eine Art von Spiel habe ich noch nicht in meiner Sammlung (Scotland Yard mal außen vor gelassen).
    Danke für den Tipp

    Reply

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