SPIELSTIL Rezension

Terra Nova

Ein Spiel entwickelt von Andreas Faul
erschienen bei Kosmos

Im Videospielbereich gibt es immer wieder Teams, die sich an Demakes großer Marken setzen. Das bedeutet in diesem Fall, dass man ein beliebtes Spiel nimmt und dieses für ältere Systeme umsetzt. Dabei kommen dann eben Perlen wie Halo für den Atari 2600 heraus. Natürlich werden es diese mit ihren großen Geschwistern nie so richtig aufnehmen können, aber als Projekt empfinde ich das als sehr spannend. Wie muss man das Konzept anpassen, damit es möglicht viel des Originals abbildet, ohne damit die Restriktionen des Systems zu sprengen?

In Brettspielen kommen wir eigentlich so gut wie nie mit Demakes in Kontakt. Also Versuchen, ein Spiel zu entschlacken und zwar so, dass es sich dennoch wie das Original anfühlt. Gut, Mechanismen werden gerne wiederverwertet oder einfach anders interpretiert, aber mir wäre akut kein anderes Beispiel wie Terra Nova bekannt, welche als kleine Version von Terra Mystica daherkommt.

Viel wichtiger ist aber eine andere Frage. Kann man von einem Brettspiel wichtige Details entfernen und dennoch ein spaßiges Erlebnis generieren? Wir gehen dem hier auf den Grund.

Man soll sich keinen Hof kaufen, sondern gute Nachbarn.

(Sprichwort)

Eine Partie Terra Nova geht über fünf Runden. Alle haben gemein, dass wir zu Beginn die freigespielten Einnahmen in Form von Geld und Macht erhalten. Danach sind die Mitspielenden abwechselnd an der Reihe, um eine Aktion auszuführen. Dabei hat jeder ein eigenes Volk mit eigenen Eigenschaften, die das Spiel beeinflussen.

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Die Wüstentöchter starten mit drei statt zwei Häusern.

Ein zentrales Element ist der Bau neuer Gebäude. Wir beginnen mit einem Haus, welches auf einem passenden Landschaftsfeld platziert werden muss. Da sich jedes Volk auf einem anderen Gebiet wohlfühlt, werden diese zuerst mit Spaten angepasst. Spaten erhalten wir entweder für Geld oder über passende Machtaktionen.

Häuser können wir später in Kontore und zuletzt in Paläste umwandeln. Kontore sind dabei günstiger, wenn sie in Nachbarschaft zu Mitspielenden gebaut werden. Paläste schalten wiederum neue Fähigkeiten der einzelnen Völker frei.

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Noch ist viel Platz.

Alle Gebäude haben gemein, dass sie einer Punktzahl zugeordnet sind. Haben wir mindestens vier Gebäude mit einer Punktzahl von sieben oder mehr aneinandergebaut, können wir eine Stadt Gründen und uns dafür einen schönen Bonus aussuchen.

Abgerundet werden die Aktionen noch mit Brückenbau, um Gebäude über Flussfelder zu verbinden und eine Verbesserung der Schifffahrt, damit wir eine weitere Reichweite im Häuserbau haben. Steigen wir aus einer Runde aus, nehmen wir uns eines der ausliegenden Vorteilsplättchen für die nächste. Diese kann uns für bestimmte Gebäude Siegpunkte einbringen, ein schönes Einkommen generieren oder auch mal die Reichweite steigern. Zusätzlich sollte man stets darauf achten, welche Aktion in der laufenden Runde Siegpunkte generiert.

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Die Vorteilsplättchen werden immer mehr wert, je häufiger sie nicht genommen werden.

Ist das Spiel vorbei, werden noch letzte Siegpunkte für übriges Geld und die größte zusammenhängende Fläche an Gebäuden ausgeschüttet. Wer dann die meisten Punkte besitzt, gewinnt die Partie.

Wem das nun zu viel Text war, kann hier über mein TikTok Video dazu eine Kurzzusammenfassung ansehen:

@spielstil

Beschreibung und Bewertung von #TerraNova von Kosmos. #Brettspiel #Brettspiele #Spielstil

♬ Summer Hits – Mr Sami

Man soll sich keinen Hof kaufen, sondern gute Nachbarn.

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Christian meint:

Wir alle hatten uns bei der Ankündigung von Terra Nova zwei Fragen gestellt. Kann das funktionieren und braucht es das Spiel überhaupt? Die erste ist dabei ganz einfach zu beantworten. Ja, Terra Nova funktioniert einwandfrei. Das Spielgefühl von Terra Mystica ist vorhanden und es gibt immer noch genügend Knobeleien, um über eine Partie zu tragen. Die zweite Frage ist da schon etwas kniffliger.

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Eine Stadt wurde gegründet.

Denn wenn man aus dem Bauch heraus antworten würde, müsste man diese verneinen. Terra Mystica ist in sich ja schon fast perfekt. Nicht ganz, aber sehr nahe dran. Es braucht also kein Terra Mystica light. Doch hier kommt das große aber. Denn Terra Mystica kann ich nur mit einem bestimmten Personenkreis spielen und muss dafür dann auch etwas mehr Zeit mitbringen. Gerade an diesen Schrauben hat Terra Nova erfolgreich gedreht. Einfache Familienspieler werden zwar weiterhin überfordert sein, aber Kennerspieler kann ich sehr gut damit abholen. Gleichzeitig ist eine Partie in knackigen 45 – 90 Minuten zu absolvieren, ohne dass alle am Tisch besonders Gas geben müssten.

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Ob ich Terra Nova erfolgreich als Sprungbrett zum großen Terra Mystica einsetzen kann, wage ich aber dennoch zu bezweifeln. Ja, es wird einzelne Mitspielende geben, die ich damit überzeuge, aber ich glaube, das ist die Minderheit. Dennoch freue ich mich, dass Feuerland sehr öffentlich Werbung platzieren konnte und hoffe, dass der sympathische Verlag so einer neuen Kundenschicht präsentiert wird.

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Am Spielende ist das Feld schon etwas voller.

Ist also alles eitel Sonnenschein? Leider nicht. Meine Frau wird mit Terra Nova einfach nicht warm. Ihr ist das Spiel zu abstrakt, als dass sie eine Möglichkeit findet, es erfolgreich spielen zu können, was sie wieder frustriert. Zusätzlich fühlen sich die Völker unterschiedlich stark an. Vor allem in unterschiedlicher Anzahl Mitspielender. Während zum Beispiel die Wüstentöchter sich unglaublich wohlfühlen, wenn sie schön viel Platz haben, stottern die Erfinderinnen eher bei nur einem Gegenspielenden, trotz des kleinen Bonusses. Vielleicht fehlen mir aber noch viele Partien, um die einzelnen Feinheiten richtig zu justieren. Diese werden jedoch bestimmt folgen, denn ich will immer besser werden. Immer noch ein Quäntchen weiter zu optimieren.

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Jedes Volk hat seine persönlichen Taktiktipps parat.

Alles in allem mag ich Terra Nova aber sehr! Es ist fluffiger als Terra Mystica und bietet dennoch eine Herausforderung. Man lernt mit jeder Partie hinzu und kann sich wieder so richtig schön darüber aufregen, wenn Mitspielende nicht das tun, was sie der eigenen Meinung nach sollten. Es bleibt also auch in der reduzierten Fassung ein fantastisches Spiel, auch wenn ich, wenn ich die Wahl habe, Terra Mystica den Vorzug geben würde.

Terra Nova von Andreas Faul

Terra Nova - Cover - Feature Image

Terra Nova ist mag eine reduzierte Version von Terra Mystica sein, das tut dem Spaß aber keinen Abbruch. Es spielt sich etwas fluffiger als sein großes Vorbild, bietet jedoch immer noch genügend Möglichkeiten sich den Kopf zu zerbrechen. Herrlich!

  • Erscheint bei Kosmos
  • Für 2 – 4 Spielende und dauert 60 – 90 Minuten
  • Am besten geeignet für Fortgeschrittene

Spielstil – Wertung

Christian:

9/10
Das gefiel uns
  • Man will es immer weiter erkunden.
  • Die kurze Spieldauer befeuert diese Freude weiter.
  • Zehn Völker wollen optimiert werden.
Das nicht so
  • Immer noch sehr abstrakt.
  • Völker scheinen unterschiedlich Stark mit weniger Mitspielenden zu sein.
Hier bekommt ihr „Terra Nova“

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Hinweis:

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Christian Renkel

Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

So erreicht ihr Christian:

5 Comments
  1. Hallo,
    was ist denn ein ‚Demake‘?
    Eine Erklärung für (im Videospielbereich) nicht so gebildete Leute wäre nicht schlecht.
    Da sich beim Anklicken des Begriffs auch nur dieses Spiel findet, ist es auch nicht so aufschlussreich.

    Gruß Tournesol

    Reply
    • Portrait-Christian Renkel-quadratisch-2

      Hi Tournesol,

      ich hatte gehofft, dass der nachfolgende Satz schon genügend erklärt, ohne zu sehr ins Detail gehen zu müssen. Im Endeffekt nimmst du für ein Demake einen neueren Titel (z. B. Halo) und programmierst daraus ein eigenes Spiel, das sich so anfühlt, als ob es für ein altes System wäre. In dem Beispiel wurde Halo (X-Box) für das Atari 2600 (Konsole in den 80ern) umgesetzt. Also das nachgemachte Spiel ist zwar neuer, fühlt sich aber älter an.

      Ein Remake geht ja den anderen Weg. Es nimmt einen älteren Titel und baut ihn so um, dass er sich wie ein aktuelles Spiel anfühlt.

      Ich hoffe das war etwa verständlicher, auch wenn das Konzept etwas wirr wirkt. 🙂

      Grüße
      Christian

      Reply
  2. Hallo Christian,

    Danke für die schnelle Antwort, ja das ist ausreichend verständlich.
    Bei ‚ältere Systeme‘ auf Brettspiele 🙂 … also entschlacken, gut.
    Es gibt es ja manchmal, dass sie so Richtung Kinderspiele dann gehen:
    Scythe: My little Scythe
    Ganz schön clever: Auch schon Clever
    Quacksalber: Mit Quacks und Co ….
    Ein Beispiel für Erwachsene … hm, höchstens vielleicht ‚Gloomhaven‘ -> Die Pranken des Löwen.

    Gruß Tournesol

    Reply
    • Portrait-Christian Renkel-quadratisch-2

      Stimmt! Da hast du ein paar schöne Beispiele. Ich weiß aber ehrlich nicht, ob ich das wirklich für viele Titel bräuchte.

      Was mir gerade auch noch einfällt, es gibt ja auch noch die Spiele, die sich selbst Demaken. Also die dir empfehlen erst einmal mit schmalen Regelwerk zu starten, bevor du das komplette Spiel erlebst.

      Reply

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