Seikatsu – Huch! – 2018

“Seikatsu” ist japanisch und heißt Leben. Klingt komisch, ist aber so. Schon allein beim Anblick des leeren Spielfeldes käme man nicht auf die Idee dieses mit dem Wort “Leben” zu verknüpfen. Bis auf ein paar Karpfen in einem viel zu kleinen Teich und wenigen Vögeln tut sich da nicht viel. Das müssen wir ändern. Aber so, dass es Ordnung hat. Wir sind dabei die bürokratischsten Gärtner des Kaiserreiches. Und während sich der Garten immer weiter mit gefiederten Freunden und bunten Blüten füllt ist es wie im realen Arbeitsleben auch. Irgendwer pfuscht einem immer ins Konzept.


Nach drei Jahren mag sogar ein Unheil zu etwas nütze sein.

(Japanische Weisheit)

“Seikatsu” ist schnell erklärt und gelernt. Ist man am Zug legt man ein neues Plättchen angrenzend an bereits ausliegende an. Ist darauf ein Vogel abgebildet, der zu gleichen Exemplaren benachbart ist gibt es Punkte. Sobald der Garten voll ist kommt es zur Endwertung. Wer nun die meisten Punkte hat gewinnt.

In dieser Galerie findet ihr einen kurzen Ablauf des Spiels:

Wir messen uns in einem Duell zu zweit. Uns gehört die rosa Pagode, unserem Gegner die blaue.
Dies sind die zwei Gartenchips, die wir verdeckt erhalten haben.
Von diesen wählen wir den mit dem dunklen Vogel und den violetten Blüten und legen ihn an. Da sich benachbart ein gleicher Vogel befindet erhalten wir für beide Chips jeweils 1 Punkt.
Diese wandern wir voran.
Zum Schluss ziehen wir wieder auf 2 Chips auf.
Unser Gegner legt auch einen passenden Vogel und erhält insgesamt 3 Punkte. Je 1 pro Vogel.
Er hat uns mit seinem ersten Zug überholt.
Wir legen einen Koi-Teich aus. Für diesen dürfen wir selbst bestimmen, als welcher Vogel er einmalig gewertet wird. Wir nehmen den dunklen und haben dabei dann 3 passende, benachbarte Vögel.
Diese 3 Punkte ziehen wir voran.
Unser Gegner legt einen Vogel an. Zu diesem liegt leider kein passender Chip parat, so dass unser Gegner keine Punkte erhält.  Aber wir sehen, dass er beginnt in dieser Reihe die violetten Blumen zu sammeln.
So geht es abwechselnd weiter, bis das komplette Feld gefüllt ist. Nun werden noch die Blumen gewertet. Von jeder Pagode gehen 7 Reihen weg. In jeder Reihe prüfen wir, welche Blume am häufigsten vorkommt und zählen dessen Anzahl. Koi-Teiche zählen dabei als Joker. 

Als Beispiel nehmen wir mal die mittlere Reihe, die direkt von unserer Rosa Pagode nach oben weggeht. Dort sind die gelben Blüten in der Überzahl. Insgesamt 5 Stück befinden sich in dieser Reihe.
Ein Blick auf die Tabelle verrät uns, dass 5 Blüten in einer Reihe 15 Punkten entsprechen. 

Alle Spieler erhalten so für alle ihre sieben Reihen die Punkte gutgeschrieben.
Wer am Ende die meisten Punkte hat gewinnt.

Ein Mensch lernt wenig von seinem Siege, aber viel von seiner Niederlage. 

(Japanische Weisheit)

Ich liebe die optische Eleganz, die die asiatisch thematisierten Spiele ausstrahlen. Alles wirkt harmonisch, stimmig und wunderschön. Das beginnt bei den Zeichnungen und endet hier bei “Seikatsu” bei den Chips, die während einer Partie den Händen schmeicheln. Meine Frau plant bereits eine beleuchtete Vitrine anzuschaffen, um die ganzen Spieleschachteln richtig in Szene zu setzen. Wie kann ich ihr da nur widersprechen. Eben… gar nicht.

Spielerisch kommt “Seikatsu” dabei eher abstrakt daher. Klar geben einem die Bilder ein Gefühl, dass eine schöne Gartenanlage entsteht, aber allein mechanisch heruntergebrochen könnte man sagen, dass es eine Art “Go” mit farbigen Steinen und anderer Wertung ist. Das muss einem liegen, denn sonst wird man hier keine Freude haben. Dabei laufen die ersten zwei bis drei Partien noch recht harmonisch und ohne größere Verzögerung ab. Spätestens dann, wenn man erkennt, wie wichtig die Blumenreihen sind gehen die Überlegungen weiter. Denn, wenn wir ehrlich sind, gewinnt man das Spiel nicht durch die Vögel, sondern durch Blumen. Vor allem dann, wenn einem der Gegner nicht in die Suppe spuckt.

Eine Partie “Seikatsu” fühlt sich dabei recht meditativ an. Es gibt eigentlich wenig Kommunikation und Interaktion. Man spielt mehr für sich selbst. Das stört mich persönlich nicht, ist aber auch kein Garant für Spielspaß für jedermann. Was mich eher stört ist der vorhandene Glücksfaktor, der durch das blinde nachziehen der Chips ins Spiel kommt und abstrakte Grübelspiele nicht benötigen. Hier kann die Waage leicht auf eine Seite ausschlagen und das ansonsten gute Spielgefühl negativ beeinflussen. Da die Partien recht kurz sind und man gerne noch eine Revanche anhängt stört das nicht immens, aber es passt einfach nicht ins Spielgefühl.

“Seikatsu” macht einen guten Job. Es unterhält und ist dabei ein schönes Spiel für zwei bis drei Teilnehmer – die vier Spieler Teamvariante lasse ich mal außen vor, die ist nicht so meins – wobei ein direktes Duell zwischen zwei Gegnern am meisten Spaß macht. Allein das Glückselement hätte es nicht gebraucht.
 

 

Seikatsu

Huch! 2018


Autor: Matt Loomis & Isaac Shalev
Dauer: ca. 20 Minuten
Spieler: 1 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen

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