Cover Me – Jumping Turtle – 2017

„Cover Me“ hatte mich ja bereits vor Essen angesprochen. Auf der Top 21 Liste hatte es einen festen Platz. Also war es nur verständlich, dass ich auf der „Spiel“ einen näheren Blick darauf werfen wollte. In Essen selbst hat es zeitlich leider nicht geklappt. Aber im Nachgang haben wir einige Partien absolviert. So viele, dass ich nun genau sagen kann, was sich hinter dem ungewöhnlichen Thema versteckt.
 
Cover Me
 


Verständnis des Schönen und Begeisterung für das Schöne sind eins.

(Marie von Ebner-Eschenbach)

In „Cover Me“ übernehmen wir die Rolle von Chefredakteuren einer eigenen Modezeitschrift. Wir beeinflussen mit unseren Cover-Girls den aktuellen Modetrend. Haben wir den richtigen Riecher können wir Punkten. Und wer zum Schluss die meisten Punkte hat, gewinnt.

In dieser Galerie seht ihr einen bebilderten Ablauf einer Spielrunde:

Wir beginnen ein kleines Spielchen zu zweit.
Bereits zu Beginn liegen zufällig gezogene Models aus, die den aktuellen Trend beeinflussen. Gewertet werden Hintergründe, Haarfarbe und Haarlänge.
Wir haben hier bei den Hintergründen 1 x Streifen und 1 x Karos, wofür die entsprechenden Models einen Schritt nach vorne gehen.
Bei den Frisuren waren 1 x kurze und 1 x mittellange Haar abgebildet.
Als Haarfarbe hatten wir 1 x blond, 1 x rot.
Hier sehen wir unsere Starthand, welche nun noch komplettiert wird.
Wir dürfen entweder vom Nachziehstapel oder eine der offen liegenden Karten nehmen.
Wir entscheiden uns für die Dame im blauen Kleid. Dadurch fehlt nun ein blondes Model.
Es werden so lange Karten vom Nachziehstapel aufgedeckt, bis wieder alle Haarfarben vertreten sind.
Dies führen wir abwechselnd durch, bis wir 9 Karten auf der Hand haben. Dann startet das eigentliche Spiel.
Jeder Spieler legt verdeckt sein gewünschtes Model zu seiner Zeitschrift.
Diese werden gleichzeitig aufgedeckt und dann wird jedes Merkmal wieder nach vorn gerückt.
Also 1 x Streifen und 1 x Karos.
Und 1 x kurzes-, 1 x langes Haar, 1 x blond und 1 x schwarz.
Danach legt jeder Spieler neue Karten an.
Auch diese werden, wie gewohnt, gewertet.
1 Punkte für Streifen und Karos. Dann wie gewohnt die Haarlänge und -farbe.
Eine dritte Runde folgt.
Wieder aufdecken und werten. Diesmal Karos, Streifen, Blond, Rothaarig und zweimal Kurzhaar.
Nun wissen wir, was dieses Jahr Trendy ist. Karos mit blonden Kurzhaarfrisuren.
Jeder Spieler prüft, welches seiner Cover die meisten Merkmale aufweisen und nimmt den Rest auf die Hand.
Hat man alle 3 Merkmale erfüllt sammelt man das Cover unter seiner Magazinkarte. Schafft man es sogar, mit keinem einzigen Cover eines der Merkmale zu erfüllen, erhält man alle 3 zur Wertung.
Die Jahreszeit schreitet voran. Nun sind wir beim Frühling angelangt.
Alle nun noch liegenden Karten werden in den zukünftigen Trend gelegt.
Im Frühling sind die Farben der Kleider wichtig, also macht man hier mit blau schon mal einen Schritt nach vorn.
Außerdem sind aktuell kurzhaarige Blondinen im Trend. Aber nur so lange, bis wir beginnen mit unseren Covern diese erneut zu beeinflussen.
So geht das Spiel über insgesamt 4 Jahre weiter. Später kommen noch grüne, schwarze und weiße Kleider ins Portfolio. Jedes hat einen eigenen Punktewert.
Aus allen gesammelten Magazin-Covern errechnen wir den Gesamtpunktestand. Der Spieler mit den meisten gewinnt das Spiel.

Es ist gar nicht leicht, so schön zu sein, wie man aussieht.

(Sharon Stone)

Ich liebe abstruse Themen, die nicht bereits wie geschmackloser, ständig wiedergekauter Kaugummi daherkommen. Gleichzeitig mag ich es in einem Spiel so richtig zu versinken, so dass ich die Zeit um mich herum vollkommen vergesse. Doch, obwohl „Cover me“ das mit dem Thema mit Leichtigkeit hinbekommt, hapert es am Spielgefühl selbst, was wieder beweist, dass nicht nur eine hübsche Aufmachung zählt, um nachhaltig begeistern zu können. Denn gutes Aussehen erfüllt „Cover me“ auf alle Fälle. Das beginnt beim optisch ansprechenden Laufsteg und endet nicht zuletzt bei den vielen, handgezeichneten Modellen, die auf den einzelnen Karten abgebildet sind.

Leider fehlt „Cover me“ dann doch das wichtigste. Das richtige Spiel, der Einfluss, die Entscheidungen. Jeder legt einfach verdeckt eine Karte ab. Dabei kann man mit wenigen Spielern recht gut beeinflussen, was man tut, je mehr Spieler dabei sind, desto unberechenbarer wird das Ganze. Jedoch ist es nicht auf die lustige Art chaotisch genug, um dennoch unterhalten zu können.

Dabei möchte ich aber nicht sagen, dass „Cover me“ ein totaler Reinfall wäre. Nein, es ist eher wie nackte Nudeln. Kann man sie essen, aber mit der richtigen Sauce wird das Gericht erst ein Geschmackserlebnis. So hätte auch „Cover me“ etwas mehr gut getan. Weitere Mechanismen, die dem Grundstock einfach mehr Substanz geben.

Wobei mir bewusst ist, dass hier eine ganz anderes Klientel, als die Hardcore-Euro-Gamer angesprochen werden soll. Aber, wenn wir ehrlich sind, wird es das Spiel nie zum Gelegenheitsspieler schaffen. Doch auch dieser hat seine Probleme damit. Für ihn sind die Dauer und die Anleitung zu lang.

Auch wird es die Thematik schwerer haben, als ein neues mittelalterliches Aufbauspiel. Da sind viele Spieler einfach zu eingefahren und zu wenig experimentierfreudig. Treffen sie dann noch auf ein mittelprächtiges Spielerlebnis, fühlen sie sich womöglich noch gestärkt in ihrer Meinung.

Schade, denn „Cover me“ hätte genau in eine thematische Lücke springen und sie voll und ganz ausfüllen können. Wäre nur etwas mehr da.

 

Cover Me

Jumping Turtle 2017


Autor: Bram Verbiest
Dauer: ca. 60 Minuten
Spieler: 2 – 5
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen

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