SPIELSTIL Rezension

Corrosion

Ein Spiel entwickelt von Stefan Bauer
erschienen bei Deep Print Games, Pegasus Spiele

- 25.Apr.2022

Corrosion lässt uns spüren, dass nichts von Dauer ist. Vor allem nichts was von Menschenhand gemacht wurde. Laut Definition ist Korrosion die Reaktion eines Werkstoffes mit seiner Umgebung und kann zu einer Beeinträchtigung der Funktion eines Systems führen. Genau das erleben wir in Corrosion. Schauen wir aber mal wie die Reaktion auf uns ist.

Der Rost macht erst die Münze wert

(Johann Wolfgang von Goethe)

Corrosion - Aufbau fuer zwei

Aufbau für zwei Personen. Unten links, der Maschinenraum, für die Chrommasichinen, rechts davon die Werkhalle mit dem Rostrad. In der Mitte die Auslage, mit Maschinen etc. zum „einkaufen“.

In Corrosion baut man sich Engines die, abhängig vom Werkstoff, korrodieren, also nicht mehr funktionieren und abgelegt werden. Alles was jedoch Chrom im Namen hat, zerfällt nicht und bleibt bestehen.

Ist man am Zug, wählt man eine von zwei Hauptaktionen:

  • Das Rostrad drehen, dann passiert einiges:
    • Drehmaschinen und Chrommaschinen, die beim Drehen triggern, laufen
    • Einmalmaschinen laufen, wenn sie jetzt am Sektor X liegen
  • Eine Ingenieurin spielen. Mit ihnen kann man alle Arten von Maschinen und weitere Ingenieurinnen erwerben, also Deckbau betreiben. Entscheidet man sich für diese Aktion können die Mitspieler, die gespielte Karte kopieren und ebenfalls diese Aktion ausführen. Dazu müssen sie eine Ingenieurin ausspielen die die gleiche Farbe und einen höheren Wert hat.
Corrosion - Zwei Startsets Ingenieurinnen

Zwei Sets von Ingenieurinnen, die jeder von Beginn an hat. Sie unterscheiden sich durch die Farben.

Eine Aktion ist noch in jeweils eine Wartungsphase vorher und nachher eingebettet.

In der Wartungsphase sind beliebig viele Sekundäraktionen erlaubt, das sind:

  • Maschinen instand setzen, d.h. man gibt Ressourcen aus damit die Maschinen funktionieren.
  • Dampfaktionen, mit denen man Dinge zeitlich vorziehen kann.
Corrosion - Auszeichnungen

Wer sich Auszeichnungen holt bekommt am Ende für die Erfüllung Siegpunkte. Das Ende der Partie kommt wenn drei oder weniger übrig sind.

Ausserdem wird alles was in Sektor X liegt entsorgt, die Korrosion schlägt zu.

Siegunktquellen sind, einige Einmalmaschinen, Chromamaschinen und Auszeichnungen. Wer am Ende die meisten Siegpunkt hat gewinnt.

So wie das Eisen außer Gebrauch rostet und das still stehende Wasser verdirbt oder bei Kälte gefriert, so verkommt der Geist ohne Übung.

(Leonardo da Vinci)

Robert meint:

Kennt ihr das, ihr wisst ihr solltet etwas tun und schleicht aber tagelang drumherum. Prokrastination ist wohl das Schlagwort hier. Bei Corrosion ging es mir genau so. Die erste Partie war im Wesentlichen von Langeweile geprägt, die sich zudem noch ziemlich lange hinzog. Irgendetwas mussten wir falsch gemacht haben. Das Thema und die gestellte Aufgabe sind nicht uninteressant. Man kann vernünftig planen und das meist auch direkt durchziehen. Es gibt mehrere Möglichkeiten an Siegpunkte zu kommen. Das ist alles vernünftig im Spiel entworfen.

Corrosion - Werkhalle

Die Werkhalle am Anfang. Hier liegen die 2 Räder in Sektor 3m die man anfangs hat.

Corrosion hatte mich wirklich nicht gepackt und so eierte ich ziemlich um das Spiel herum. Mir dämmerte, dass man zwei Dinge betonen muss, um das Spiel zu beschleunigen. Die Karten der anderen kopieren, um sie selbst nicht spielen zu müssen und damit dann das Rostrad früher und häufiger drehen zu können. Eine der Spielendebedinung ist erreicht, wenn der Vorrat an weissen Siegpunktmarkern bei 3 ist. Eine komplette Umdrehung des Rostrades oder der Erwerb von Chrommaschinen sind Möglichkeiten an diese Marker zu gelangen und das Spiel in Richtung Ende zu treiben.

Corrriosion - Sonderpunktmarker

Die weissen Sonderpunktmarker. Sind nur noch 3 übrig, kommt es zum Ende der Partie. Mit jeder gekauften Chrommaschine aus der dritten Spalte wird es einer weniger.

Hier hätte ich mir in der Anleitung den einen oder anderen Hinweise gewünscht. Für einige ist diese Vorgehensweise nicht direkt ersichtlich oder intuitiv. In der ersten Partie haben wir kaum Aktionen der anderen kopiert. Mir gefällt die Art der Interaktion, die das mit sich bringt. Die Züge der anderen bekommen damit Relevanz. Prima!
Nur geholfen hat es nicht so recht. Ja, es stimmt, man kommt dadurch schneller zu den benötigten Ressourcen, man spart Züge und ist auch deutlich aktiver.
Doch obwohl wir am Rad drehten und Aktionen kopierten, wie die Wilden, zogen sich die Partien nach wie vor in die Länge. Wir hatten nie das Gefühl, voranzukommen. Man war beschäftigt, aber es berührte nicht. Vielleicht ist es sogar die namensgebende Korrosion, die unseren Spass zerfallen ließ. Eigentlich ein spannender Designtrick. Doch fängt man bei vielem immer wieder von vorn an. Klar die Chrommaschinen bleiben, aber alles andere verschwindet, wenn es das Rostrad will. Sodass sich die immer gleichen Aktionen in einer endlosen Wiederholung aneinanderreihen. Bei einem Mitspieler fiel das Wort “seelenlos”, ich finde, das trifft es ganz gut. Zumal man sich immer wieder neue, aber fast immer kaputte Maschinen ins Werk holt. Das ergibt vom Spiel her schon Sinn, aber thematisch will mir das nicht in den Kopf. Welcher Unternehmer holt sich ständig Schrott in die Fabrik?

Corrosion - Maschinenraum

Hier sind die Chrommaschinen, sie rosten nicht, bleiben also. Die zwei rechten sind schon instand gesetzt und funktionieren. Die zwei linken sind noch unbrauchbar. Die geparkte linke, wird die mittlere überdecken, sobald sie repariert ist.

Rückblickend muss ich sagen, dass Corrosion mich im Wesentlichen durch den Look getriggert hat. Mir hat das Spiel von vornherein gefallen. Jetzt, nach einigen Partien, würde ich es schon wieder mitspielen, wenn nichts anderes zu Hand ist und das ist sehr sehr selten der Fall.

Und Christian meint:

Obwohl ich eigentlich nicht glaube, dass man überhaupt ein Wort darüber verlieren muss, möchte ich erst einmal eines sagen. Es gab diverse Stimmen, die sich über die rein weibliche Form in Anleitung und den Charakteren im Spiel Corrosion aufgeregt haben. Ganz ehrlich – sucht euch mal richtige Probleme. Es führt weder zum Untergang der deutschen Sprache noch zum Abbau des eigenen Testosterons, wenn man mal Spielerin liest oder eine Ingenieurin einstellt. Vielleicht war es auch einfach ein Trick des Verlags, um ein Spiel ins Gespräch zu bekommen, bevor es überhaupt auf dem Markt ist? Oder man wollte einfach guten Willen zeigen? Ich weiß es nicht, und wie oben erwähnt, es juckt mich auch nicht. Schließlich schafft es weder gegendere noch ein generisches feminin meinen Lesefluss zu stören.

Viel wichtiger in der Waagschale ist natürlich taugt das Spiel was? Ich war in einer einzigen von Roberts Testrunden anwesend. Zum einen, weil mich Corrosion interessierte, zum anderen, weil er wissen wollte, was ich davon halte. Heißt, meine Meinung basiert eben auch auf dieser einen Partie und sollte auch als solche angesehen werden.

Den Kernmechanismus von Corrosion empfinde ich tatsächlich als vollkommen unverbraucht und neuartig. Nicht nur, weil einem die Maschine immer wieder wegbricht, sondern in den Möglichkeiten, die ich in meine Planung einbeziehen muss, um ein möglichst gutes Ergebnis zu bekommen. Aber gleichzeitig möchte ich Corrosion nicht unbedingt spielen.

Das liegt an zwei Faktoren. Zum einen dauerte mir das Spiel für das Gebotene zu lange. Denn irgendwie drehte ich mich ständig im Kreis und fühlte mich niemals so, als ob der Knoten geplatzt wäre und ich nun tatsächlich vorankommen würde (kein Wunder, wenn die eigene Maschine immer wieder vernichtet wird). Zum anderen fühlt sich das Spiel unglaublich anstrengend an. Schließlich erfordert es einiges an Timing und akribischer Arbeit, dass mein Plan auch aufgeht. Zusätzlich habe ich kaum Zeit, mich mit mir selbst zu beschäftigen, da ich fast ständig überwachen muss, ob meine Mitspieler mir Vorlagen liefern.

Corrosion fühlt sich für mich mit seiner Mechanik wie ein künstlerisch wertvoller Arthouse Film an. Tiefgründig, anspruchsvoll und den eigenen Horizont bereichernd. Aber ich als Film-Banause kann keinen Lustgewinn empfinden, mir diese anzusehen. So ähnlich ist es bei Corrosion. Ich fühle, dass ich es gut finden müsste, aber so richtig abholen möchte es mich nicht. Und so war ich froh, dass die eine Partie vorbei war und ich weiß bis heute nicht, ob ich mich zu einer weiteren aufraffen wollen würde, um herauszufinden, ob ich mich irre.

Corrosion von Stefan Bauer

Corrosion - Cover

Ein toller Look. Ein interessanter Designtrick, der einem Erreichtes immer wieder abnimmt. Doch reicht das nicht für ein spannendes oder packendes Spielerlebnis. Man ist beschäftigt, nicht unangenehm, dafür ohne Höhepunkte.

Spielstil – Wertung

5/10
Das gefiel uns
  • Toller Look
  • Durch die Interaktion ist es nicht mehr Multiplayer Solitaire
Das nicht so
  • Lange Partien, wenn man nicht darauf achtet auf die Endebedingungen hinzuarbeiten.
  • Man ist spannungsfrei beschäftigt.
Hier bekommt ihr „Corrosion“

Amazon

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Robert Alstetter

Brettspieler und auch Sammler mit Hang zum Minimalismus - Rollenspieler D&D 5e - Hobbykoch und ProfiEsser - softwarebegeistert - Sportlaie auf dem Mountainbike - Musikkonsument

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