3 x 8 – Amigo Spiele – 2018

“3×8” als Name impliziert dem geneigten Elternteil einen gewissen pädagogischen Mehrwert. Dass dieser erwünscht ist, weiß ich spätestens nach der Diskussion unter Erziehungsberechtigten zum passenden Abschlussgeschenk der scheidenden Kindergartenkinder im Jahrgang meines Sohnes. Bis dahin hatte ich entsprechende Geschichten nur als Witz aufgefasst. Seit diesem Abend weiß ich jedoch, dass das blutiger Ernst ist.

Wie das Spiel weiterhin aufgefasst wird, wenn herauskommt, dass der pädagogisch erscheinende Name sich nicht zum Erlernen des 1 x 1 eignet, sondern ein reines Kartensortieren im Vordergrund steht, weiß ich nicht. Aber eines weiß ich. Das Spiel hat keine Zukunft in unserem Haushalt.


Die Mathematik allein befriedigt den Geist durch ihre außerordentliche Gewissheit.

(Johannes Keppler)

Jeder Spieler hat in “3 x 8” vier Kartenreihen, die er vor sich bilden kann. Diese müssen aufsteigend sein, können jedoch nach dem Ausspielen verschoben werden. Durch die richtige Manipulation müssen nun insgesamt 3 Kartenstapel zu je 8 Karten erschaffen werden. Nebenbei müssen die eigene Hand geschickt ausgebaut und die Gegner passend blockiert werden, damit man als erster sein Ziel erreicht.

Bebilderte Beispielzüge findet ihr in dieser Galerie:

Eine kleine 3er Partie dient als Beispiel für "3x8".
Dies ist unsere Kartenhand.
Wir beginnen und entscheiden uns unser Handkartenlimit zu erhöhen.
Dazu werden alle 3 ausliegenden Karten abgeworfen und durch neue ersetzt.
Im Anschluss ziehen wir von diesen eine.
Von nun an haben 5 statt 4 Handkarten.
Die Reihe wird aufgefüllt und unser Zug ist vorbei.
Der nächste Spieler legt diese zwei Karten in seine Auslage. Danach zieht er in beliebiger Kombination von den ausliegenden Karten oder dem Stapel wieder auf 4 Handkarten.
Der nächste Spieler tut es ihm gleich. Bis zu 4 Stapel darf jeder Spieler so bilden. Wichtig dabei, dass alle Zahlen aufsteigend abgelegt werden müssen.
Ein paar Runden später sieht unsere Auslage so aus.
Wir legen links zwei weitere Karten an.
Danach dürfen wir den Stapel, an den wir angelegt haben, verschieben. Wir haben nun einen Stapel von 8 Karten gebildet.
Alle Karten, bis auf eine, werden auf den Ablagestapel gelegt. Die letzte Karte drehen wir um, um zu zeigen, dass wir einen Teil unserer Aufgabe erfüllt haben.
Wurde ein Spieler mit einer entsprechenden Karte blockiert.
Kann er nur nicht gestrichene Karten anlegen.
Schafft er dies, wird die Blockadekarte entfernt.
Gewonnen hat, wer zuerst 3 seiner 4 Stapel erfüllt hat (also 3 x 8 Karten gesammelt hatte).


Schändlich der Mathematiker, der kein Philosoph wird.

(Peter Handke)

Wie in der Einleitung bereits erwähnt hat “3 x 8” keine großartige Zukunft bei uns. Dafür kommt es zu seelenlos daher. Über den kompletten Zeitraum optimieren wir unsere Kartenhand und Auslage. Dabei entsteht, trotz Blockerkarten, relativ wenig Interaktion. Eine Partie plätschert vor sich hin, bis einer die Aufgabe gelöst hat. Ende.

Ist man am Zug ist meistens relativ offensichtlich, was zu tun ist. Es gibt keine echten Entscheidungen zu treffen. So kommt es viel zu selten vor, dass man sich über einen eigenen, gewitzten Zug freut. Man kommt zu selten in Bedrängnis, sondern stapelt eher vor sich hin.

Ich denke, dass “3 x 8” ein Thema mitsamt schöner Optik gutgetan hätte. Etwas, das ein wenig kaschiert, dass es sich um einfaches Kartensortieren handelt. Hier könnte man dann etwas mehr mitfiebern, selbst wenn das Spiel mechanisch gesehen im selben Korsett steckt.

So bleibt “3 x 8” ein Spiel, das man spielen kann, aber definitiv nicht muss. Etwas weniger bieder und mit etwas mehr Entscheidungsdruck hätte man wahrscheinlich ein besseres Ergebnis bekommen.

3 x 8

Amigo Spiele


Autor: Christian Fiore und Knut Happel
Dauer: ca. 20 – 30 Minuten
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen

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