Monster Slaughter Cover

Monster Slaughter

Autor: Henri Pym
Verlag: Ankama,
Board Game Box

Spieler: 2 - 5
Dauer:
45 - 60 Minuten
Zielgruppe: Fortgeschrittene

 Zu zweit spielbar

- 11.Aug.2020

Oh Monster, du missverstandene Gestalt aus einer anderen Welt. War es Hollywood, welches deinen Ruf als Familienwesen zerstörte? Dich als blutrünstigen Einzelgänger brandmarkte, um auf alle Zeit vom Menschen verdammt zu werden? Aber nein, wir wissen es besser, wir sind uns gewahr, was dein wahres Ich ist. Wie dein Handeln zu bewerten ist. Deine liebsten versorgend, umhegend und bis aufs äußerste verteidigend. Ins Dunkel gedrängt muss du deine Nahrung in einsamen Hütten suchen. Da diese in den heutigen Tagen immer rarer werden, gilt es diese dann auch noch zu teilen. Und nur weil dein wahres Wesen verkannt wird, benennen wir armselige Menschen dein streben nach Glück als Monster Slaughter. Also, tritt heraus, zeig dein wahrlich grausig Angesicht mit der Familie, die du liebst.

An army of nightmares, huh? Let's get this party started.

(Cabin in the Woods)


Das Szenario von Monster Slaughter ist durch viele Horrorfilme wohlbekannt. Eine Gruppe Menschen hat sich in eine einsame Hütte im Wald zurückgezogen, um dort als Futter zu enden. Die Spieler übernehmen hier die Rolle der comedus anthropophagos (= kannibalische Gourmets) und versuchen auf ihrem Weg der Zerstörung die meisten Punkte zu sammeln.

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Ich weiß nicht ob Britney Mama Mumies Balsamierungstipps so zusagen.

Bevor der Spaß beginnt, müssen erst einmal alle Spieler die Reihenfolge festlegen, in der sie denken, dass die Bewohner der Hütte das Zeitliche segnen. Inklusive einer Markierung für ein Opfer, das durch ihre Hand dahingerafft werden soll.

Am Zug entscheidet man, welches Monster der eigenen Familie tätig wird. Diese unterscheiden sich in ihrer Anzahl an Aktionen und den ihnen zu Verfügung stehenden Würfeln. Danach werden Furcht und Schrecken verbreitet. Die Monster reißen Türen ein, durchsuchen Zimmer und verscheuchen arglose Opfer mit Gebrüll. Immer mit dem Ziel dafür zu sorgen die richtigen Menschen zur richtigen Zeit anzugreifen.

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Der Angriff war erfolgreich. Drei Treffer stehen einem Misserfolg bei der Verteidigung gegenüber.

Alle Proben werden dabei mit Aktionswürfeln bestritten. Während ein Erfolg schon ausreicht, um eine Tür aus den Angeln zu heben, benötigen die Opfer schon mehr. Zumal unsere Mitspieler sie mit Gegenständen ausstatten können, mit denen sie sich zur Wehr setzen. Diese finden wir dann, wenn wir die Zimmer, nach versteckten Menschen, durchsuchen.

Schaffen wir es ein Opfer zu verletzten, sammeln wir, je zugefügter Wunde, Fleisch. Erledigen wir es, gibt es einen Knochen. Jeder Spieler, der den Tod zur rechten Zeit vorhergesagt hat, bekommt noch ein Gehirn und, war es unser bevorzugtes Opfer, ein Fadenkreuz. Alle diese Gegenstände haben einen eigenen Punktewert. Am Ende des Spiels werden diese zusammengezählt. Wer die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt das Spiel.

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Wie gut, dass der Punktewert auf der Rückseite der Plättchen steht.


Ich glaub, ich werd den Wassermann nie sehen.

(Cabin in the Woods)


Christian meint:

Monster Slaughter ist alles andere, als ernst gemeint. Das beginnt bereits beim Szenario und zieht sich, wie ein roter Faden, durch das komplette Spiel. Auch, wenn es sich um klassische Filmmonster handelt, ist ihre comichafte Erscheinung nicht schrecklich. Dem gegenüber stehen diverse schon recht blutrünstige Elemente und Grafiken, die das Spiel für ein jüngeres Publikum absolut unbrauchbar macht. Schade denn vom Ablauf und der Interaktion untereinander hätte das Spiel sehr gut in den Familiensektor gepasst. Denn ähnlich, wie King of Tokyo ist es eine eher seichte Klopperei zu einem Bierchen. Wie blöd nur, dass ich kein Bier trinke.

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Das Werwolf- und das Mumienkind scheinen Spaß auf dem Örtchen zu haben.

Denn so offenbaren sich mir einige Punkte, die mich an dem Spiel stören. Da wäre zum Beispiel der Ablauf, der immer wieder durch kleine Sonderlocken ins Stocken gerät. Exemplarisch seien mal die Fähigkeiten der Opfer genannt. Klar wird das auf Dauer einfacher, wenn man immer mit derselben Gruppe spielt, jedoch hätte es nicht geschadet die Fähigkeit einfach auf der Karte des Charakters anzugeben, anstatt ein relativ nichtssagendes Symbol zu verwenden. Diese liegt offen, sobald man ihn entdeckt, sodass man die Info immer passend parat hat.

Auf dem offensichtlichen, riesigen Glücksfaktor reite ich mal nicht allzu lange herum. Auch nicht, dass dieser mehr über Sieg oder Niederlage entscheidet, als die eigenen Aktionen. Denn das ist designtechnisch gewollt und schmeckt einem, oder eben nicht.

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Britney (grün) ist schon ausgeschieden.

Dann wären da manche Aktionen, die im Spiel so gut wie keinen Sinn machen. Was bringt es mir, ein Opfer zu verjagen? Gedacht ist, dass man die Aktion dazu nutzt, um es in ein leeres Zimmer zu bugsieren, damit es sich wieder versteckt. Schließlich soll genau unsere Reihenfolge an Morden eingehalten werden. Aber, da früher oder später die Räume von Monster geflutet werden, verliert sich der taktische Nutzen beinahe komplett. Auch das Aufreißen der Türen mag thematisch interessant sein, spielerisch sorgt es einfach dafür, dass jeder Anfang eines Spiels fast identisch ist, was ihn eigentlich verzichtbar macht. Aber, das ist so ein altes Ameritrash-Problem von Thema über Spiel, das sich Monster Slaughter mit vielen anderen Vertretern des Genres teilt. Genau wie einen weiteren Punkt.

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Nach dem Spiel ist vor dem Spaß. Denn wir Deutschen puzzeln doch für unser Leben gerne. In diesem Fall Figuren in Aussparungen.

Den Spaß, den es verursacht. Monster Slaughter nimmt sich zu keinem Moment wirklich ernst. Und genau das sollte man als Spieler auch nicht. Denn nur so entsteht der dringend benötigte Trash-Talk. Denn spielerisch reißt der Titel keine Bäume aus. Es gibt uns lediglich ein Grundgerüst, um gemeinsam Stimmung zu erzeugen. Dein Mitspieler vermöbelt gerade den falschen Gast oder rennt deinem bevorzugtem Opfer hinterher? Beschimpfe ihn und wünsch ihm alles Pech der Welt an den Hals. Dein nächster Tipp hat gerade noch einen Lebenspunkt übrig, aber du nur einen einzigen Würfelwurf? Dann lass dir nicht allzu sehr anmerken, dass du innerlich Fortuna nach dem einen, benötigten Erfolg anbettelst.

Und genau hier liegt der Hund begraben. Denn Monster Slaughter kann, weil es den Spielern die Verantwortung aufs Auge drückt, selbst mit derselben Gruppe mal genial, mal unglaublich öde sein. Zusätzlich ist es natürlich total überproduziert. Aber das gehört bei einem Spiel, das ursprünglich über Kickstarter finanziert wurde natürlich dazu. Genau, wie die sinnlosen Details, die einem reibungslosen Ablauf im Weg stehen, dabei aber keinen großen Mehrwert beisteuern. Damit meine ich die ganzen Spezialfähigkeiten, die zwar nett gemeint sind, in den meisten Fällen aber keinen spielerischen Nutzen mit sich bringen.

Wir haben zwei Türen eingeschlagen, vier Wunden verursacht, einmal die Reihenfolge eines Opfers richtig erraten und unser bevorzugtes Ziel umgelegt.

Aber, was ziehe ich jetzt für ein sauberes Fazit und ist das überhaupt möglich? Machen wir es erst einmal mit simpler Mathematik. Von den 12 Testpartien waren 3 spitze und 1 ging ziemlich in die Hose. Mittelmäßig waren 3 und 5 gute Unterhaltung. Macht umgelegt auf unser Wertungssystem (3 * 9 + 1 * 2 + 3 * 5 + 5 * 7) geteilt durch 12. Kommen wir auf 6,5833333, was gerundet auf lange Sicht einer 7 entspricht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Monster Slaughter in unserer Runde gut ankam. Das Spiel wäre mit weniger Material und Regeln ausgekommen, ohne an Flair einzubüßen. Macht ihr euch gerne gegenseitig fertig? Einwandfrei, ihr habt euer Spiel gefunden. Habt ihr eine Allergie gegen Ameritrash und möchtet eure Züge lieber optimieren, dann streicht das Spiel ganz schnell von eurer Wunschliste.

Das gefiel uns:

  • Sieht gut aus.
  • Ist schnell erklärt.
  • Einfach ein spaßiges Spiel...

Das nicht so:

  • ... wenn die Spielrunde mitmacht.
  • Man muss nicht jede Regeln in ein Spiel packen.
  • Für das gebotene Erlebnis (nicht Material) doch recht hochpreisig.

Zusammenfassung

Ein überproduzierter Kickstarter mit unnötigen Regeln, der aber einfach Spaß machen kann. Außer ihr seid Spaßbremsen, dann seid ihr schuld. Oder das Spiel, denn es lastet euch die Bürde auf selbst für das Erlebnis zu sorgen.

Spielstil Wertung

7
10
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Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.
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Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist. So erreicht ihr ihn: Christian@Spielstil.net

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