Mein erstes Mal mit Rallyman GT

Fragt man mich nach meinem liebsten Rennspiel, wird sofort ein Titel genannt. Formula D. Es vereint für mich einfach ein schlankes Regelwerk mit Push-Your-Luck Elementen und den nötigen Emotionen, sodass es mich immer wieder an den Tisch fesselt. Der Endorphinschub, wenn ein waghalsiges Manöver geklappt hat oder das gehässige Gekicher, wenn ein Mitspieler seine Reifen durchfräst wissen mich zu unterhalten. Einfach herrlich. An vielen Stellen unkontrollierbar, aber gerade deswegen spaßig.

Dem gegenüber stand eine einzelne online Partie Rallyman, die ich so richtig an die Wand gefahren habe. Die Regeln hatte ich damals eher quer gelesen und mir gedacht, dass der Rechner schon alles übernehmen würde. Es kam, wie es kommen musste. Ich lag weit abgeschlagen auf dem letzten Platz, aber ich hatte zumindest zwischendurch einigermaßen verstanden, was ich machte. Da ich mich selbst kenne, wollte ich das Spiel dann lieber real erleben. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Ich spiele gerne Brettspiel Umsetzungen von Apps. Aber eben dann, wenn ich das Spiel bereits kenne. Mich mit einem Tutorial oder dem Lesen der Regeln einzuarbeiten, um eine digitale Version eines Brettspiels zu spielen, schaffe ich einfach nicht. Warum kann ich mir dabei gar nicht erklären, da ich eigentlich gerne Spielanleitungen lese. Aber irgendein Schalter schafft es nicht, umgelegt zu werden. Ein Umstand, an dem ich vielleicht mal arbeiten sollte.

Also gesagt, getan. Und da es sich gerade anbot, habe ich mir sogleich die aktuelle Version von Rallyman GT besorgt (die Neuauflage von Rallyman Dirt kommt dann, wenn sie verfügbar ist). Voll freudiger Erregung habe ich das Spiel natüirlch sofort geöffnet und ausgepöppelt. Diesmal habe ich dem Drang widerstanden, alle Plättchen auf einen Haufen zu werfen und sie dann später zu sortieren. Zumindest auf diesen großen Akt der Selbstkontrolle bin ich im nachhinein Stolz.

Habt ihr auch Marotten beim Auspöppeln von Spielen? Schreibt sie mir in den Kommentaren!

Gut, das Spiel war also ausgepackt, die Teile vorsortiert, sodass ich mich meinem Feind stellen konnte. Der Anleitung. Immer noch mit dem Stigma des letzten Scheiterns behaftet, hatte ich diesen Punkt lieber nach hinten geschoben. Doch ich habe mich durchgeackert und festgestellt, dass in der Schachtel eigentlich ein einfaches Spiel steckt und nur die Regeln etwas ausufernd (und teilweise auch komplizierter als nötig) formuliert sind. Und so war es gestern Abend so weit. Ich konnte die allererste Runde gegen mich selbst drehen, um die Regeln zu festigen, bevor ich das Spiel meiner Familie vorsetzen kann.

Wie funktioniert Rallyman GT überhaupt?

Im Spiel befinden sich diverse Würfel. Die schwarzen stellen dabei die 6 Gänge dar. Dazu gibt es noch weiße (Geschwindigkeit beibehalten) und rote (Bremsen). Ist man am Zug, legt man nun das Risiko fest, das man eingehen möchte. Also, wie viele Würfel ich einsetze. Dabei zählt jeder Würfel ein Feld. Diese weist man zu, indem man vom aktuellen Gang ausgehend festlegt, wie man weiterfahren möchte. Heißt, zu Beginn bin ich im Gang 0. Ich beginne also mit dem Würfel des ersten Gangs, danach der zweite Gang und dann der dritte. Möchte ich im dritten Gang bleiben, füge ich noch einen weißen Würfel hinzu und so weiter.

Habe ich festgelegt, was ich riskiere, entscheide ich, ob ich noch mehr riskiere oder auf Sicherheit fahre. Möchte ich das Risiko, werfe ich nun alle gesetzten Würfel gleichzeitig, um so Fokus Plättchen zu sammeln. Warum ist das gefährlich? Ich darf in meinem Zug nur eine bestimmte Anzahl Warnschilder sammeln. Diese befinden sich auf den Würfeln. Habe ich zum Beispiel bei schönem Wetter die Reifen für trockene Straßen im Einsatz, verliere ich mit drei Warnschildern die Kontrolle. Spiele ich auf Sicherheit, werfe ich die einzelnen Würfel nacheinander und kann jederzeit aufhören. Oder Fokus einsetzen, um Würfel automatisch auf das richtige Ergebnis zu stellen.

Da wir schon zwei Warnschilder haben, entscheiden wir uns dazu den letzten Würfel nicht zu werfen.

Die Strecke selbst hat ein paar Schikanen, die meine Planung beeinflussen. So gibt es Kurven, in denen ein maximaler Gang vorgeschrieben ist oder Linien, die ich auch nur mit einer bestimmten Geschwindigkeit überfahren darf. Hier gilt es dann die perfekte Mischung aus Geschwindigkeit und optimaler Spur zu finden.

Das macht Rallyman GT richtig.

Im Kern des Spiels steckt ein schlankes Regelwerk, das man relativ schnell erlernt. Zumindest wenn man jemanden hat, der es einem vermittelt. Dabei gefällt mir vor allem der Aspekt der Planung, des Risikomanagements und des Zockens. Wie schnell kann ich mich fortbewegen und dabei noch meine Mitspieler blockieren? Alles Überlegungen, die mir das spielerische Leben versüßen. Zusätzlich gefällt mir das Spielmaterial (bis auf die Autos) optisch und haptisch. Es ist gut zu lesen und sieht dabei immer noch cool aus.

Das nervt an Rallyman GT.

Ich befürchte, dass das Spiel in seinem Design eher repetitiv werden könnte. Ein Umstand, den Formula D durch die Emotionen gut in den Griff bekommen hat. Hier muss Rallyman GT erst beweisen, dass es mich auch packen kann. Gleichzeitig könnte mich auch noch stören, dass ich auch mit einem geringen Risiko die Kontrolle über mein Auto verlieren kann. Hier wäre es cooler, wenn ich mein Auto selbst ausstatten und so diversen Risiken entgegenwirken könnte. Zuletzt sehen die Autos aus, als ob sie selbst von Fererro nie in einem Überraschungsei gepackt werden würden.

Das war ein größerer Kontrollverlust.

Freue ich mich auf die erste richtige Rallyman GT Partie?

Aber sicher! Am liebsten würde ich es in kompletter Besetzung mit sechs Autos spielen. Wenn man sich dann so richtig im Weg herumgeht und seine Mitspieler zwingt, früher zu bremsen, als sie eigentlich wollten. Hier werde ich leider noch warten müssen, aber zumindest meine Familie wird demnächst mit einer Partie beglückt. Wobei ich jetzt schon weiß, dass ich wahrscheinlich zu viel riskiere und die Kontrolle über mein Auto genauso verlieren werde wie über meine Selbstbeherrschung beim Auspöppeln.

Gewonnen!

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Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist. So erreicht ihr ihn: Christian@Spielstil.net

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