SPIELSTIL Rezension

Kosmopolit

Ein Spiel entwickelt von Florent Toscano, Julien Prothière
erschienen bei Huch!

Der Traum vom eigenen Restaurant könnte nun endlich in Erfüllung gehen. Denn man benötigt weder Grundkapital noch die nötige Lokalität in bester Lage, um in Kosmopolit erfolgreich zu sein. Schließlich werden wir im Verlauf einer 6 Minuten andauernden Partie immer ausgebucht sein. Aber wir haben mit einem anderen Problem zu kämpfen. Den Gästen und ihren Wünschen. Denn diese zu verstehen und zu bedienen ist alles andere als einfach. Und hiermit herzlich willkommen im wahrscheinlich kulinarischsten Partyspiel der Welt.

Pokee mejika

(Kèo enana)

Um ein Restaurant zu führen, benötigt man in Kosmopolit eine Kellnerin, einen Oberkellner und viele Köche. Die Kellnerin ist die Schnittstelle zwischen Gast und Oberkellner. Sie verwaltet die App, die für das Spiel benötigt wird. Über Kopfhörer erfährt sie, was die einzelnen Gäste essen wollen. Das Problem, diese bestellen in landestypischen Dialekten.

Kosmopolit - Rezension - 5

Die Mannigfaltigkeit der deutschen Sprache.

Während ich als Allgäuer mit dem Schwäbischen noch sehr vertraut bin, setzt es spätestens beim Kölsch aus. Doch das ist noch nicht alles, denn auch afrikanische, asiatische oder amerikanische Dialekte machen die Aufgabe nicht einfacher.

Hat die Kellnerin dann die Bestellung an den Oberkellner übermittelt, ist er das Sprachrohr in die Küche. Dort müssen die Köche dann aus ihren Karten die richtigen Gerichte heraussuchen und die zugehörige Hauptzutaten zuordnen. Alles geht über den Oberkellner zurück an die Kellnerin, die in der App prüft, ob der Gast zufrieden ist.

Kosmopolit - Rezension - 3

Drei verschiedene Rollen kennt das Spiel.

Nach spätestens 6 Minuten ist das Restaurant in Kosmopolit wieder geschlossen. Je nachdem, wie gut wir uns geschlagen haben, erhalten wir mehr oder weniger Punkte. Stück für Stück schalten wir dabei neue Spielstufen frei.

Biescha Tschitschange Inje

(Nasa Yuwe)

Christian meint:

Ich habe sehr lange auf Kosmopolit gewartet. Das, was ich über das Spiel erfahren hatte, klang wie eine einmalige Mischung, die für spaßige Momente sorgen sollte. Chaos und eine extreme Stille Post Erfahrung bringen, so dachte ich, Lacher und eine extrem gute Zeit. Und ja, das Spiel ist als Erfahrung irgendwie witzig, aber gleichzeitig auch wieder nicht.

Kosmopolit - Rezension - 1

Auch die Hauptzutat muss gefunden werden.

Jetzt könnte ich in der Brettspiel-Rezensions-Phrasenkiste wühlen und das alte „es kommt auf die Gruppe an“ hervorkramen. Aber ich denke, es dürfte jedem klar sein, dass es nicht nur auf die Menschen, sondern auch die aktuelle Laune ankommt. Aber alles in allem war ich dann von Kosmopolit doch etwas enttäuscht.

Vielleicht war die Erwartungshaltung einfach zu hoch, aber das Spiel konnte nicht erfüllen, was ich mir zuvor ausgemalt hatte. Das Spiel ist weit weniger chaotisch als gedacht und die Rollen unterschiedlich interessant. Die strikte Trennung der Bereiche treibt dann auch noch einen Pflock in den Spielspaß. Die Kellnerin ist kurzzeitig die witzigste – durch das Abhören der Wünsche -, aber im Endeffekt hat man auch mit ihr viel zu wenige Aufgaben, damit das Spiel über 6 Minuten trägt. Die meiste Zeit wartet man einfach.

Kosmopolit - Rezension - 4

Die im Spiel verfügbaren Gebiete.

Als Oberkellner macht man sich Notizen und liest diese immer wieder vor. Das war es und ist natürlich nichts, was mich als Spieler frohlocken lässt. Als Koch ist man noch am meisten gefordert. Denn hier gilt es die ganzen Karten durchzulesen und zu versuchen, die Lautschrift mit dem Kauderwelsch in Einklang zu bringen. Klingt auf dem Papier aber auch spannender, als es ist.

Alles in allem kann Kosmopolit eine witzige Erfahrung sein, wobei man die meiste Zeit entweder wartet oder sucht. Aber das war es dann auch. Das ist kein Spiel, das dauerhaft begeistern kann. Der Ablauf ist bald ausgelutscht. Schade, denn die Idee liebe ich immer noch! Und obwohl ich eher enttäuscht bin, versuche ich es immer wieder. Vielleicht finde ich sie ja noch, die passende Gruppe, bei der die Mängel nicht immer deutlich sichtbar werden. Vielleicht sollte ich auch einfach mal auf die Regeln pfeifen und dann jeden voll in alle Rollen integrieren.

Kosmopolit - Rezension - 6

Der beiliegende Ratgeber.

Schade, denn der Aufwand für das Spiel selbst muss enorm gewesen sein. Denn nicht nur passende Gerichte, sondern auch zugehörige Dialekte und Menschen, die diese sprechen, mussten gefunden und zusammengeführt werden. Zusätzlich gibt es noch einen kleinen Ratgeber über Weltsprachen, der sehr interessante Informationen bereithält. Hierfür gibt es von mir natürlich ein ganz großes Daumen hoch. Was ich auch Kosmopolit auf jeden Fall mitnehmen durfte, sind interessant klingende Gerichte, die ich bald mal nachkochen möchte.

Kosmopolit - Rezension - 2

Noch verpackt.

Und damit eines klar wird. Meine fehlende Begeisterung hat natürlich dafür gesorgt, dass mir höhere Stufen und der geheime Umschlag verborgen blieben. Es kann natürlich sein, dass das Spielprinzip dort nochmals gehörig durcheinandergewirbelt wird. Ob ich das jemals erfahren werde, steht jedoch in den Sternen.

Kosmopolit - Brettspiel Rezension - Feature Image

Die Idee klingt wahnwitzig, das Spiel steht sich mit seinen Regeln jedoch eher auf den Füßen. Die starr getrennte Rollen sorgen für Wartezeiten und dadurch gebremste Emotionen.

  • Erscheint bei Huch!
  • Für 4 – 8 Spielende und dauert 6 Minuten.
  • Am besten geeignet für Einsteiger

Spielstil – Wertung

6/10
Das gefiel uns
  • Tolle Idee!
  • Interessante Gerichte.
  • Ein Lob auf die Vielfältigkeit.
Das nicht so
  • Leider eher spannungsarm.
  • Wartezeiten bremsen Emotionen.
Hier bekommt ihr „Kosmopolit“

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Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Christian Renkel

Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

So erreicht ihr ihn:

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