SPIELSTIL Rezension

Isle of Cats

Lesezeit: 6 Minuten

Ein Spiel entwickelt von Frank West
erschienen bei Skellig Games, The City of Games

Es gibt zwei Arten von Menschen. Diejenigen die Katzen mögen und sich der Herrschaft der Fellnasen untergeordnet haben. Und die seelenlosen, die über keinerlei Empathie verfügen. Okay, das ist natürlich vollkommen übertrieben. Ich kann verstehen, wenn man mit diesen wandelnden Futtervernichtungsmaschinen nichts anfangen kann. Aber, wer so überhaupt nicht mit Katzen kann, wird bei Isle of Cats wahrscheinlich keinerlei Glücksgefühle beim Thema empfinden.

Für uns als Katzenhaushalt bedurfte es natürlich nicht viele Überredungskünste, ob wir uns mit dem Spiel beschäftigen wollen. Allein die ganzen Yoga-Haltungen der einzelnen Fellknäuel sorgten bei meiner Frau schon dafür, dass das Spiel nur auf eine Art eingeordnet wurde. Süüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüß!

Da waren dann Tür und Tor geöffnet, um das Spiel sofort nach Ankunft auf den Tisch zu bringen. Jedoch verrate ich euch eines vorab. Die Emotionen, die sie beim ersten Blick auf das Spiel hatte, sollten getrübt werden.

Nur ein Narr schafft sich für jede Maus eine Katze an.

(Sprichwort)

Eine Partie Isle of Cats verläuft über 5 Runden, die alle nach demselben Schema ablaufen. Neben 20 Fischen erhält jeder Spieler 7 Handkarten. Nun beginnt das Drafting, welches wir bereits aus vielen anderen Spielen kennen. Wir behalten 2 Karten und geben den Rest weiter. Das wiederholen wir, bis alle Karten verteilt wurden.

Die Qual der Wahl.

Aber damit legen wir uns nicht für unser Deck fest, denn nach dem Drafting entscheiden wir separat, welche Karten wir behalten möchten. Da wir diese mit Fischen bezahlen müssen, will das bei jeder einzelnen Karte wohl überlegt sein.

Einer der Unterschiede zwischen dem Material der Kickstarter- und der Standard-Edition

Nun beginnt die Fang-Phase. Je komplettem Korb darf eine der ausliegenden Katzen gefangen werden. Dabei bestimmt ihr Position, wie viele Fische wir hierfür zu bezahlen haben. Die Form der Katzen lässt es bereits vermuten. Sie müssen auf unser Schiff gepuzzelt werden. Die erste Katze an eine beliebige Stelle, alle anderen angrenzend.

Schaffen wir die Schatzkarten auf unserem Schiff farblich passend zu belegen, erhalten wir zusätzlich einen Schatz.

Haben alle Spieler gepasst, geht es in die Schatzphase, in der die Spieler ausliegende Schätze und Oshax Katzen (kurz gesagt, Joker) sammeln und auf das Schiff bauen. Danach beginnt eine neue Runde.

Bei Oshanx dürfen wir die Farbe selbst bestimmen.

Haben wir das Ganze fünfmal wiederholt, kommt es zur Abrechnung. Minuspunkte gibt es dabei für sichtbare Ratten und unvollendete Räume. Pluspunkte für Katzen gleicher Farbe, die sich berühren und erfüllte Lektionskarten. Wer nun die meisten hat, gewinnt das Spiel.

Komm an mein Herz, mein schönes Katzentier; Zieh ein der Tatze Krallen, Gönn einen Blick in deine Augen mir, Achatgesprenkelt und metallen.

(Charles Baudelaire)

Christian meint:

Gut, von der Hintergrundgeschichte zu Isle of Cats kann man halten, was man möchte. Mich persönlich reißt eine magische Insel der Katzen, die von einem Bösewicht vernichtet werden soll, sodass wir uns aufmachen die Fellviecher zu retten nicht vom Hocker. Aber ok, ich hätte aus den Komponenten Katzenpuzzleteile plus Schifftableaus auch nichts Besseres gebastelt. Außerdem ist das Ganze im Spiel zwar vom Ablauf bemerkbar, aber nicht ganz so präsent, dass man sich daran stören könnte.

Gleich startet eine Partie zu zweit.

Ein erster Blick auf die Regeln lässt ein komplizierteres Spiel vermuten, als hinter dem Titel steckt. Denn im Grunde genommen ist weder die Anleitung, noch das Spiel vom Ablauf her, ganz so umfangreich. Alles geht schnell ins Blut über, sodass man ohne Schwierigkeiten ins Spiel finden kann. Dabei ist es etwas verwunderlich, dass es eine separate Familienversion überhaupt brauchte, aber es schadet auch nicht, dass diese entwickelt wurde. Viel besser wäre es gewesen manche der Karten eindeutig zu definieren oder über eine separate Übersicht genau zu erklären.

Was mich am Spiel jedoch störte, war, dass es wieder vor allem darum geht Lektionskarten (also Missionen, die Punkte einbringen) zu sammeln. Teilweise führt das sogar dazu, dass man diese blind im Drafting zieht, da man sie sowieso teilweise erfüllt. Dadurch fühlt sich das puzzeln, welches eigentlich zentraler Bestandteil des Spiels ist, etwas unwichtiger an, als es sein sollte.

Es liegt noch einiges an Arbeit vor uns, damit wir nicht zu viele Minuspunkte einfahren.

Zusätzlich ergibt sich durch das Drafting noch ein kleines Problem. Denn es gibt Lektionskarten, die man für viele Punkte behalten und problemlos erfüllen kann. Wenn man sie denn zu Beginn des Spiels erhält. Zieht man sie erst später, sind sie einfach nur nutzloser Ballast, den es abzuwerfen gilt – es sei denn, wir haben zufällig passend gebaut. Eine Lösung wäre zum Beispiel gewesen an alle Spieler zu Beginn 2 – 3 besondere Lektionen auszuteilen, von denen jeder wählen darf. Sie hätten das grundlegende Spiel vorgegeben und so – in Kombination mit den anderen Lektionen – zu einem jeweils eigenen Spielgefühl geführt.

Das ist natürlich kein Beinbruch, und soll, genau wie der sehr hohe Glücksfaktor, zum Spielgefühl zählen. Aber zumindest das hätte durch einfache Mittel behoben werden können, um uns so ein runderes Spielgefühl zu bescheren. Dass es dennoch recht willkürlich ist, welche Katzen und Karten ins Spiel kommen, ist eine andere Geschichte, die mich persönlich jetzt weniger störte, anderen aber sicherlich sauer aufstoßen wird.

Wann, welche Katze, wo auftaucht, ist unkontrollierbar. Man sollte nur vermeiden mit Leuten zu spielen, die ewig nach einem für sie passenden Teil tasten.

Jedoch hatten wir auch so Spaß daran die Katzen auf unsere Schiffe zu schaffen und dabei stets abzuwägen, wie man welches Problem nun am Besten angeht. Immer wieder neu zu bewerten, welche Kröte wir nun schlucken, um einen anderen Bonus kassieren zu können.

Wir freuen uns auf jeden Fall schon auf die deutsche Version, die gegen Oktober bei Skellig Games erscheinen wird, da wir dann unseren Sohn auch einfach in das Spiel einbinden können. Die Sprachbarriere ist für seine aktuellen Englischkenntnisse einfach noch viel zu hoch. Schön wäre auch zu sehen, wenn das oben angesprochene Lektions-Problem dann sein Ende finden würde und damit der Glücksfaktor zumindest ein klein wenig entschärft würde.

Dir hat die Rezension gefallen? Du denkst wir liegen völlig daneben? Lass uns wissen was du denkst.

Isle of Cats von Frank West

Schönes Katzenpuzzle, das einen immer wieder zu Entscheidungen zwingt. Schön wäre, wenn die Lektionskarten etwas weniger Anteil an den gesammelten Punkten hätten. Und obwohl man über weite Strecken solitär spielt, lohnt es sich dennoch beim Draften und der Katzenwahl ein Auge auf die Mitspieler zu werfen.

Spielstil – Wertung

Christian:

7/10
Das gefiel uns
  • Tolle Aufmachung.
  • Der Ablauf geht schnell in Fleisch und Blut über.
  • Die Entscheidungen fühlen sich wichtig genug an.
Das nicht so
  • Man spielt wieder einen großen Teild es Spiels nur mit sich selbst.
  • Bei den Lektionskarten wäre eine andere Lösung besser gewesen.
Hier bekommt ihr „Isle of Cats“

Milan-Spiele

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexpemplar als zeitlich begrenzte Leihgabe ohne Auflagen vom Verlag bekommen.

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Christian Renkel

Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

So erreicht ihr Christian:

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