Ich denke, dass mein erster Kontakt zu Mahjong derselbe war, wie für die meisten hier. Als Solo-Variante am Computer, welche mit dem echten Spiel so überhaupt nichts gemein hat. Schließlich ging es nur darum alle Steine vom Feld zu entfernen, indem man immer zwei mit identischem Aussehen anklickt. Doch gerade diese Version liegt näher an “Dragon Castle”, als das Original, so dass man sich sofort heimelig fühlt.


Der Mann, der den Berg abtrug, war derselbe, der anfing, die kleinen Steine wegzutragen.

(Chinesisches Sprichwort)

In “Dragon Castle” nehmen wir uns abwechselnd Steine aus der Auslage. Einer muss dabei immer aus der obersten Ebene sein. Auf unser Tableau gelegt, punkten die Steine, sobald sich mindestens vier derselben Art berühren. Je mehr, desto wertvoller. So bilden sich immer mehr Stapel, die wir mit Dächern abschließen können. Die Höhe des Daches bestimmt dabei den Punktewert. Am Ende zählt nur, wer die meisten Punkte gesammelt hat. Unterschiedliche Aufbauvarianten, Geisterkarten mit Sonderaktionen und Drachenkarten mit weiteren Wertungen sorgen für die nötige Abwechslung.

In dieser Galerie zeigen wir euch ein paar Beispiele zum Spielablauf:

Zu Dritt wagen wir uns an den Festungsaufbau von "Dragon Castle".
Der Startspieler wirft einen Blick in die Auslage. Er muss einen Stein aus der obersten Ebene nehmen, um den gleichen Stein aus einer beliebigen Ebene zu erhalten. Wichtig. Beide müssen an mindestens einer langen Kante frei liegen.
Der Spieler entscheidet sich für diese Steine.
Er nimmt sie aus der Auslage.
Danach legt er sie auf sein Tableau.
Auch wir haben ein passendes Pärchen gefunden. Die Steine dürfen dabei frei platziert werden.
Etwas später nehmen wir uns einen einzelnen Stein für unsere Auslage, da kein gleicher, zweiter zur Verfügung stand. Als Ausgleich erhalten wir dazu ein Dach.
Einer unserer Mitspieler nimmt sich auch einen einzelnen Stein. Da er diesen nicht brauchen kann, wirft er diesen ab, um einen Siegpunkt zu erhalten.
Springen wir wieder etwas in die Zukunft. Unsere Auslage sieht aktuell so aus.
Wir legen zwei Drachensteine an. Nun sind sieben gleichartige Steine verbunden. Ab vier wird automatisch gewertet. Wir erhalten für diese Wertung sieben Siegpunkte. Sechs für die Menge an verbundenen Steine und einen zusätzlichen, weil es sich um Drachen handelt.
Die gewerteten Steine werden umgedreht.
Zusätzlich dürfen wir zwei Dächer einsetzen, da es sich um Drachensteine gehandelt hat.
Wieder später verbinden wir Bambus-Spielsteine. Die Ebene, in der die Steine liegen, ist dabei egal. Sechs verbundene Spielsteine sind fünf Siegpunkte wert.
Auch diese werden umgedreht. Wir dürften für diese Steinart ein Dach setzen, entscheiden uns jedoch dagegen.
Einer unserer Gegner hat diese Steine in der Auslage liegen. Verbunden sind vier 5er Steine.
Er wirft einen anderen Stein ab, um die zufällig ausgeloste Geister-Fähigkeit dieser Partie zu nutzen. Er darf dafür Steine derselben Wertigkeit werten (egal, welche Farbe), zwei Dächer einsetzen und erhält dafür einen zusätzlichen Siegpunkt.
Ist die unterste Ebene erreicht, darf man statt Steinen auch einen der Drachen nehmen.
Dieser ist zum Spielende zwei Siegpunkte wert.
Ist das Feld mit dem Ausrufezeichen erreicht, wird die aktuelle Runde beendet.
Zum Abschluss gibt es noch Punkte für die Dächer. Je höher diese platziert sind, umso mehr Punkte sind sie wert. Außerdem wird die zu Beginn gezogene Drachenkarte gewertet. In diesem Fall erhält jeder Spieler für eine beliebige Zeile und Spalte Siegpunkte in Höhe der Anzahl an den dort platzierten Dächern.
Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Besser auf neuen Wegen etwas stolpern als in alten Pfaden auf der Stelle zu treten.

(Chinesisches Sprichwort)

“Dragon Castle” ist ein eher meditatives Spielerlebnis. Die Partien fühlen sich wie eine Entschleunigung des Alltags an. Dennoch ist die Downtime erstaunlich gering, da die einzelnen Züge relativ schnell abgehandelt sind. Ein Einstieg für neue Spieler ist dabei unproblematisch möglich, da die Regeln kurz, prägnant und flüssig zu lernen sind.

Die Spielsteine fühlen sich sehr gut an. Sie haben ein angenehmes Gewicht und sind gut verarbeitet. Allein ein einzelner Stein hatte in unserer Ausgabe Farbspuren auf der Rückseite. Zum Glück ist das jedoch nicht weiter relevant, da die Steine immer offen liegen. Spielerisch ist “Dragon Castle” natürlich vollkommen abstrakt. Egal, wie sehr versucht wurde eine Hintergrundgeschichte einzuführen, bzw. wie schön die asiatischen Grafiken auf den Karten geworden sind. Man wird in einer Partie nie mehr, als die unterschiedlichen Symbole sehen.

Auch die Interaktion ist bis auf ein Minimum reduziert. Einzig, dass man Gegnern passende Steine vor der Nase wegschnappen kann, würde ich noch nicht als den Gegner beeinflussend bezeichnen.

Wer Spiele mag, die verschiedenste Strategien mitbringen, wird mit “Dragon Castle” nicht allzu glücklich werden. Dafür ähnelt sich der Spielablauf der einzelnen Partien doch zu sehr. Reduziert man diesen auf seine Essenz, sind wir eigentlich das komplette Spiel immer dabei zu überlegen, mit welchem Zug man das aktuelle Siegpunktmaximum erhalten könnte. Natürlich werden erfahrenere Spieler es schaffen mehr Punkte zu ergattern. Sei es durch geschicktes Zusammenführen größerer Einheiten oder dem gezielten Aufbau von Dächern. Doch die Lernkurve ist nicht steil genug, damit man durch geschicktes Spiel allzu weit voranzuschreiten. In unseren Partien waren die meisten Spieler immer punktetechnisch recht nah beieinander.

“Dragon Castle” ist ein wunderschönes Spiel mit leichtem Zugang, das ich immer wieder gern auf den Tisch bringe. Etwas mehr Abwechslung hätte dem Titel noch gut gestanden. Aber für ein vermeintlich abstraktes Solitärspiel, kann man eine wirklich gute, entschleunigte Zeit verbringen.

Dragon Castle

Horrible Games


Autoren: Hjalmar Hach, Luca Ricci, Lorenzo Silva
Dauer: 30 – 45 Minuten
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen