SPIELSTIL Rezension
Lesezeit: 5 Minuten
Ein Spiel entwickelt von Martin Kallenborn, Matthias Prinz
erschienen bei Kosmos
Die Deutschen lieben ihre Krimis. Zumindest kann ich mir das TV-Programm der Eigenproduktionen nicht anders erklären. Überall wird gemordet und mal mehr, mal weniger sympathische Ermittler ins Rennen geschickt. Das führt dann auch zu seltsamen Auswüchsen einer Wasserschutzpolizei, die sich eben um Mordfälle kümmert, anstatt den Schiffverkehr und Umweltschutz am Bodensee zu überprüfen.
Aber was macht man, wenn man selbst ermitteln möchte? Bis vor wenige Jahre gab es hierzu im Brettspielbereich kaum nennenswerte Möglichkeiten. Inzwischen haben wir jedoch einiges. Neben Detective und City of Angels gibt es noch diverse andere Einzelkrimis wie Feuer in Adlerstein, Cold Case, Crime Story und vieles, vieles mehr.
In diese Reihe stellt sich nun auch Redcliff Bay Mysteries. Wie es sich dabei schlägt, haben wir für euch getestet.
(Sir Arthur Conan Doyle)
In dem Brettspiel Redcliff Bay Mysteries ermitteln die Spielenden gemeinsam in insgesamt vier Fällen. Diese bauen insofern aufeinander auf, dass sie eine zusammenhängende Geschichte erzählen. Jedoch ist das Vorwissen aus anderen Fällen nicht kriegsentscheidend, sondern trägt rein zur Immersion bei.
Nachdem wir den Prolog eines Falles gelesen haben, verteilen wir die zugehörigen Karten entsprechend ihrer Art auf dem Spielfeld. Schon kann das Spiel beginnen. Zu Beginn jedes Zuges wird die oberste News Karte gelesen. Diese treibt nicht nur die Geschichte voran, sondern gibt mit ihrer Uhrzeit auch an, welche Orte wir mit unserer Aktion besuchen können. Denn jeder Ort – den wir entdeckt haben – ist mit Zeiten versehen. Und wir können natürlich nur dann einen Ort aufsuchen, wenn die Uhrzeit passt.
Haben wir uns entschieden, wo wir ermitteln, lesen wir die Ortskarte und führen aus, was darauf steht. So bekommen wir nicht nur Einblick in das Leben der Einwohner, sondern schalten auch neue Orte frei und nehmen Objekte auf. Zusätzlich gibt es immer wieder Entscheidungen zu treffen. Mit wem möchten wir sprechen? Was genauer untersuchen? Wie möchten wir uns verhalten?
Das sorgt im Spielverlauf durchaus für unterschiedliche Wege, die jedoch allesamt irgendwann am selben Punkt ankommen. Dem Ende eines Falls, an dem wir den Täter zu bestimmen haben. In späteren Fällen gibt es noch weitere Antworten, die wir geben müssen. Uns zur Seite steht ein Berater, den wir hier noch fragen können, jedoch gehen dabei Punkte verloren und wir möchten doch mit der besten Bewertung abschließen, oder?
(Georges Simenon)
Wir waren von unserer Zeit in Redcliff Bay Mysteries wirklich begeistert! Irgendwie passte alles. Die Geschichte, der Ablauf und das belohnende Gefühl, wenn ein Fall dann mit voller Punktzahl gelöst war. Und ich möchte jetzt nicht angeben, aber das gelang uns durch nachdenken und kombinieren in jedem der vier Fälle. Nein, so richtig schwer ist Redcliff Bay Mysteries nicht. Aber das Brettspiel richtet sich auch an Familien und hat als Hauptaugenmerk natürlich eine gute gemeinsame Zeit, anstatt die Mitspielenden durch extreme Logik-Kapriolen in den Wahnsinn zu treiben.
Aber genau das ist der große Vorteil von Redcliff Bay Mysteries. Dass es uns alle integriert und nicht überfordert. Ja, auch hier kommen wir an Stellen, an denen wir uns mit den bisher vorliegenden Informationen eher im Blindflug befinden, aber dennoch ist das Spiel nie so gemein, uns in Sackgassen laufen zu lassen. Es nimmt uns eher an der Hand und schubst uns auch mal behutsam in eine bestimmte Richtung und gibt uns dennoch stets das Gefühl, dass wir es selbst geschafft haben.
Dabei wartet die Geschichte des Brettspiels auch immer wieder mit Überraschungen auf. Manche von ihnen sind richtig schön pointiert und haben uns unvorbereitet erwischt und dadurch angetrieben. Andere wieder waren meilenweit sichtbar. Aber nichts, was uns den Spaß so richtig verdorben hätte.
Einzig der vierte Fall war etwas seltsam. Was am Aufbau der Geschichte lag. Nein, ich werde jetzt nicht zu viel verraten. Nur, dass es eben der schwächste Fall war, weil im Großen und Ganzen kein klarer roter Faden erkennbar war. Was dabei herauskam, war zwar im Nachgang stimmig, aber währenddessen eher seltsam. Durch seinen Aufbau stellte es sich im Höhepunkt der Ereignisse dann eben auch selbst ein Bein, indem man kein klares Täter/Opfer-Verhältnis im Verlauf der Geschichte feststellte. Dennoch ist das Rätsel natürlich durch das Prüfen der Informationen lösbar. Aber so richtig rund fühlt es sich dennoch nicht an.
Wir hatten dennoch eine richtig gute Zeit. Nicht umsonst ist das Brettspiel auf unserer Liste der 10 besten Weihnachtsgeschenke gelandet. Dennoch verhindert gerade der vierte Fall, welcher eigentlich der Höhepunkt von Redcliff Bay Mysteries sein sollte, die Höchstwertung. Aber trotzdem ist dieses Spiel für mich der Inbegriff des Familienspiels. Man hat eine schöne gemeinsame Zeit und jeder ist voll integriert. Nur sollten die Kinder aufgrund der Thematik natürlich schon etwas älter sein. Auch wenn die einzelnen Taten nie zu explizit dargestellt werden.
Redcliff Bay Mysteries von Martin Kallenborn, Matthias Prinz
Ein toller Ausflug ins Krimigenre für fast die ganze Familie. Voller Wendungen, skurriler Charaktere und Entscheidungen, die sich mitunter wichtiger anfühlen, als sie sind. Leider ist der vierte Fall ein kleiner Dämpfer der Freude.
Christian:
Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.
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