Ein kooperatives Spiel, in dem nicht geredet wird, kann ganz schön in die Hose gehen. Denn eigentlich sind die Gespräche über das Vorgehen zentraler Bestandteil und tragen auch mal ein schwachbrüstiges Spielprinzip. Nicht so bei “The Mind”, denn hier sollen die Spieler in Einklang kommen. Sich verbinden und mit fehlenden Informationen umgehen können. Helfen soll dabei die beiliegen CD, die mit sphärischen Klängen den Vorgang unterstützen soll.


Geist in Verbindung mit dem Gemüth gedacht ist Seele.

(Joseph Görres)

Eigentlich ist “The Mind” schnell erklärt. Legt in jeder Runde eure Handkarten in aufsteigender Reihenfolge ab. Dabei werden es von Level zu Level mehr. Macht ihr einen Fehler, verliert ihr ein Leben. Habt ihr keine Leben, verliert ihr das Spiel. Doch Absprachen und Zeichen gibt es nicht, so dass man alle Mitspieler abschätzen muss.

Einen bebilderten Spielablauf findet ihr in dieser Galerie:

Eine Partie "The Mind" ist schnell vorbereitet.
In Level 1 erhält jeder Spieler eine Karte.
Wir nehmen unsere auf die Hand. Auf ein Kommando hin beginnt das Spiel. Nun müssen wir ohne Absprachen oder sonstige Hinweise abschätzen, wann unser Moment gekommen ist.
Mit der 46 können wir etwas warten. Einer unserer Mitspieler hatte die fünf, die er relativ zügig legt.
Direkt im Anschluss legt der andere Spieler die sieben darauf, denn die Karten müssen immer in aufsteigender Reihenfolge gespielt werden.
Danach werfen wir die letzte Karte und haben das Level damit gemeistert.
Level 2 beginnt und somit erhält jeder Spieler zwei Karten.
Wir sind diesmal im niedrigen Sektor dabei.
Erneut beginnt auf ein Kommando das Spiel.
Nach kurzer Zeit legen wir die acht.
Wir geben unseren Mitspieler noch etwas Zeit, als einer von ihnen die 19 abwirft.
Das ist höher, als unsere 16, welche wir ablegen, dafür jedoch auch ein Leben verlieren.
Wir sind aus der aktuellen Runde raus. Unsere Mitspieler legen nun noch zuerst die 21.
Und danach die 23.
Zum Abschluss wandert mit der 100 die höchste Karte auf den Stapel. Das Level wurde beendet, wenn auch nicht ganz optimal.
Nun kommen wir zu Level drei, erhalten jedoch vorher als Belohnung einen Wurfstern.
Diesen nehmen wir in unseren Bestand auf.
Für Level 3 erhalten wir alle drei Karten.
Nach dem Startsignal werfen wir sofort die eins ab. Dieses ist die niedrigste Karte im Spiel.
Da wir danach einen relativ hohen Sprung auf unserer Hand haben, schlagen wir vor einen Wurfstern zu verwenden. Unsere Mitspieler stimmen zu.
Jeder legt die aktuell niedrigste Karte offen vor sich ab.
Da unser Mitspieler sieht, dass wir mit unseren restlichen Karten höher liegen müssen, wirft er sofort die 15 auf den Stapel.
Danach stockt das Spiel etwas und wir schauen uns alle nur abwechselnd an. Bis wir den Eindruck haben, dass wir an der Reihe sind. Wir werfen die 63 auf den Stapel.
Zuletzt folgen noch die 75 und die 80 unserer Mitspieler und wir haben auch dieses Level gewonnen. 
So geht das Spiel weiter, bis wir entweder keine Leben mehr haben (und verlieren) oder alle Level bestehen konnten.

Die Angst vor der Verbindung, dem Hinüberfließen. Dann bin ich nicht mehr allein.

(Franz Kafka)

Ich mach es kurz. “The Mind” ist der absolute Hammer. Nicht für immer oder für jeden Spieler, aber wir hatten immensen Spaß mit einem Spiel, das eigentlich gar nicht funktionieren dürfte. Doch, wie eine Hummel trotzdem fliegt, zeigt auch “The Mind”, wie spielen tatsächlich funktioniert. Dabei gibt es jedoch zwei Fehler, die man begehen kann. Der eine ist, das Spiel als total belanglos und unter der eigenen Würde abzutun. Man sollte offen für etwas Neues sein, sonst kann ich euch gleich jetzt sagen, dass ihr das Experiment als äußerst unbefriedigend empfinden werdet. Zusätzlich ist es verpönt das Spiel austricksen zu wollen und innerlich bis 100 zu zählen. Denn dadurch beraubt man sich selbst des Gefühls und wird das dem Spiel zu Lasten legen.

Ja, ich weiß. Das Spiel ist simpel und banal. Aber mit komplexeren Möglichkeiten würde es nicht funktionieren. Es ist lange (sehr lange) her, dass ich bei einem Spiel freiwillig in einen “nur noch eine Partie” Modus geraten bin. Doch “The Mind” hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe in letzter Zeit sogar jeglichen Besuch sofort überrumpelt mit mir zu spielen. Keiner von ihnen hatte es bereut.

Dabei habe ich das Gefühl, dass sich das Spiel eines kleinen Tricks bedient. Während es uns vorgaukelt, dass wir immer mehr im Einklang liegen, gibt es durch mehr Karten einfach nur kürzere Intervalle. Gepaart mit den Wurfsternen fühlt es sich im mittleren Levelbereich dann einfacher an, die passenden Karten zu platzieren, bevor man vom Spiel eines Besseren belehrt wird. Dabei spielt natürlich das das Kartenglück eine gewisse Rolle. Folgen viele Karten nach einem großen Sprung dicht aufeinander, tut man sich entsprechend schwer den richtigen Zeitpunkt abzupassen. So trägt das Glück natürlich auch erheblich dazu bei, ob wir siegreich aus einer Partie hervorgehen werden.

Die beiliegende CD liefert zwei Musikstücke, als Untermalung. Dabei sind beide zwar hörbar vorhanden, drängen sich dabei aber nicht zu sehr in den Vordergrund. Mir persönlich gefällt der erste Track besser. Dieser greift das Spielprinzip auf und gibt ihm mit seinen Klängen die richtige Bühne.

“The Mind” kann man nicht durch Lesen erfahren. Man muss es erleben. Und auch wenn die ersten Partien etwas holprig sind, lohnt es sich am Ball zu bleiben. Ich denke, dass es aktuell kein Spiel gibt, mit dem man neue Spieler besser integrieren und kennenlernen kann. Allein das Spiel zu zweit ist relativ langweilig und einfach zu meistern, so dass ich immer empfehlen würde mit drei oder (besser) vier Spielern an den Start zu gehen.


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The Mind

NSV


Autor: Wolfgang Warsch
Dauer: ca. 15 Minuten
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen