SPIELSTIL Rezension

Terrakotta Armee

Ein Spiel entwickelt von Adam Kwapinski, Przemyslaw Fornal
erschienen bei Giant Roc

- 26.Sep.2022

Die Terrakotta Armee, sie bewachte das einst sagenumwobene Mausoleum von Kaiser Qin Shihunagdi und ist mittlerweile weltbekannt. Inzwischen gehen Teile der Armee selbst auf Weltreise, damit mehr Menschen sich diese prächtigen Kriegerfiguren ansehen können. Przemyslaw Fornal und Adam Kwapinsiki haben sich des Themas angenommen und es in einen Worker Placer geformt.

In einer Partie Terrakotta Armee bauen wir über 5 Runden gemeinsam am Mausoleum von Qin Shihuangdi. Für den Bau hat man Arbeiter und Ressourcen. Es gibt zweierlei Arbeiter. Kleine, mit denen man das Spiel beginnt und Große, in die man Kleine umwandeln kann. Ressourcen stehen zwei oder sagen wir zweieinhalb verschiedene zur Verfügung. Zum einen hat man Geld und den Lehm für das namens gebende Terrakotta. Lehm gibt es trocken und feucht, nur den feuchten kann man für die Soldaten verwenden.

Terracotta Army - Der Aufbau

So sieht der Spielaufbau von Terracotta Army zu Beginn aus.

Ein Zug in Terrakotta Armee besteht aus dem optionalen Verdrehen einer Aktionsscheibe für 2 Münzen und dem Einsetzen eines Arbeiters. Dieser muss in eine Sektion gesetzt werden, in der noch kein großer Arbeiter steht. Es dürfen nie 2 kleine Arbeiter in einer Sektion stehen.

Sitzt der Arbeiter, kann man die Aktionen auf den Scheiben von innen nach außen durchführen. Dazu gehören einen Soldaten für Lehm bauen, den eigenen Lehm befeuchten, einen Meisterplättchen setzen, einen Spezialisten für Geld bauen oder eine Waffe aktivieren.

Terracotta Army - Aktionsscheiben

Die Scheiben mit den Aktionen. Außen sind die Plätze für die Arbeiter (groß und klein)

Haben alle ihre Arbeiter eingesetzt, wird die aktuelle Runde gewertet. Dazu gehört das Wertungsplättchen der aktuellen Runde, die Reihe und Spalte, die zu den Inspektoren gehört und gegebenenfalls bereits bestehende Spezialisten. Wertungsplättchen können verschiedene Aspekte anzeigen, einen der 4 Sektoren des Mausoleums, eine der Mittelachsen, die verschiedenen Sorten Krieger. Wer am meisten in der Kategorie hat bekommt auch die meisten Siegpunkte, wer nur vertreten ist bekommt etwa die Hälfte der Punkte.

Terracotta Army -

Das noch leere Mausoleum. Die beiden Inspektoren werten am Ende der Runde, die Zeile und die Spalte an der sie stehen.

Am Ende der fünften Runde und damit am Ende des Spiels gibt es noch eine zusätzliche Wertung, die Gruppen von gleichen Kriegern bewertet.

Natürlich gewinnt der Spielende der am meisten Punkte gesammelt hat.

Robert meint:

Die Terrakotta Armee war für mich immer schon etwas sehr Besonderes. Als ich vor vielen Jahren China besuchen durfte, war es ein echter Höhepunkt, die Terrakotta Armee dort zu sehen. Ich war damals völlig fasziniert und wollte jetzt unbedingt die Armee “selber bauen” können.

Terrakotta Armee kommt mit tollem Spielmaterial. Die Figuren sehen gut aus. Leider sind manche Krieger ziemlich verbogen. (Lifehack: Ins heiße Wasser legen und ggf. biegen.) Der Organizer für die Krieger ist eine prima Sache. Die Figuren sind während des Spiels auf dem Tisch gut organisiert und in der Box haben sie ihren Platz, wenn man das Spiel wegräumt.

Terracotta Army - Organizer für Krieger

Im Organizer sind alle Krieger untergebracht. Außerdem zeigt er die Siegpunkte an die man für einen Krieger bekommt.

Der Einstieg in Terrakotta Armee ist einfach, eigentlich. Der Rahmen des Zuges ist immer gleich: eine Scheibe drehen ist optional und kostet 2 Münzen, dann den Arbeiter einsetzen (verpflichtend) und danach die Aktionen auf den Scheiben von innen nach außen ausführen. Easy Peasy.
Aber da sind noch die vielen Icons, die auf dem Brett verteilt sind und die man unbedingt beherrschen sollte. Die Ikonografie an sich ist meist sehr ordentlich und verständlich. Trotzdem kommen immer wieder Rückfragen zur Bedeutung der Bildchen, auch noch weit in die erste Partie hinein. Spielhilfen, die man allen an die Hand geben kann, wurden mehrfach vermisst und wären absolut kein Luxus gewesen.

Ein Zug in Terrakotta Armee, besteht meist aus zwei Teilen. Die Wahl der Aktion(en) und eine Figur ins Mausoleum stellen. Die Aktionswahl ist eine Variation der bekannten Worker Placer Kost. Pro gewähltem Segment führt man die, auf den 3 drehbaren Scheiben dargestellten, Aktionen aus. Man hat hier auch die klassischen Zwänge, die das Spiel interessant machen. Kann ich aus den verfügbaren Aktionen etwas Sinnvolles machen und habe ich die Ressourcen dazu? Je weiter die Runde fortschreitet, umso öfter kommen Ausweichzüge vor und das Grummeln der anderen am Tisch wird dabei immer hörbarer.

Terracotta Army -

Die Spezialisten sind Figuren mit besonderen Fähigkeiten. Man kann sie für Gold bauen.

Das Mausoleum ist das Herzstück, an dem alle mitbauen. Dadurch ergibt sich ein interessantes Spiel um Mehrheiten. Die Wahl der Figur und wo man sie hinstellt, ist dabei Dreh- und Angelpunkt. Krieger können mit ihren Sonderfähigkeiten Punkte bringen oder mit anderen nützlichen Dingen helfen. Spezialisten können in jeder Runde oder erst am Schluss Punkte bringen. Herausragend ist das Pferd, nicht weil es so besonders ist, sondern weil seine Fähigkeit am wenigsten eingängig und zu verstehen ist.

Terracotta Army - Die Rundenziele

Die 5 Rundenziele. Ganz links, wer die meisten Krieger im linken oberen Sektor hat bekommt 5, wer nur dabei ist 2 Siegpunkte.

Wo ich einen Krieger platziere, hat direkten Einfluss auf die Mehrheiten und damit auf die Wertungen am Ende der Runde oder dem Ende der Partie. Man sollte hier den Überblick behalten, leicht sieht man die Armee vor lauter Kriegern nicht mehr. Ein gut gewählter Platz bedeutet, dass dieselbe Figur vielleicht mehrmals in eine Wertung einbezogen wird oder dass sie eine Mehrheit, die einer der anderen Spielenden schon für sich beanspruchte, zum Kippen bringt. Das Puzzeln rund um das Mausoleum ist eine schöne Aufgabe. Jeder Zug dort ist für alle am Tisch relevant, da sich die Situation für die aktuelle Runde schnell ändern kann.

Terrakotta Armee gibt mir das gute Gefühl, dass meine Züge wichtig sind. Leider hat man je mehr mitspielen weniger Züge pro Runde zur Verfügung (zu zweit 5, zu viert 3). Das macht die einzelnen Züge noch wertvoller und Verlegenheitszüge noch frustrierender. Gleichzeitig wird das Spiel mit 3+ Spielenden kaum planbar, je weiter die Runde fortgeschritten ist. Meistens beginnt man dann zu überlegen, wenn man an der Reihe ist. Selten kann man den Plan so umsetzen kann, wie anfangs gewollt. Dies trieb die Downtime teilweise in fast schon astronomische Höhen. Zu viert werde ich Terracotta Armee eher nicht mehr spielen wollen.

Eine Party mit zwei Spielenden ist in dieser Hinsicht deutlich besser. Es kann zu zweit jedoch passieren, dass die fünfte Runde fast zu viel ist und in Richtung irrelevant tendiert. Man hat zuvor schon alle großen und wichtigen Dinge erledigt, der Rest fühlt sich dann eher wie Fleißarbeit an. Schade.

Terracotta Army - Das Mausoleum

Das Mausoleum gegen Ende der Partie. Die Basen zeigen an, wem der Krieger gehört.

Am Ende jeder Runde wird das aktuelle Rundenziel gewertet. Am Ende des Spiels werden Gruppen gleicher Krieger gewertet. Hier ist Sorgfalt angesagt, denn die Punkte richtig zu ermitteln ist im engen Gewirr von Kriegern und Spezialisten nicht immer so einfach. Schnell übersieht man den einen oder anderen Punkt.

Wenn ich die vergangenen Partien Terrakotta Armee Revue passieren lasse, fällt mir auf, dass ich anfangs extrem gehyped war. Das Thema ist einfach genial, das Spiel transportiert es aber nur so semi und vom Spielgefühl her bleibt Terracotta Armee mit einem “ganz ok” zurück.

Terrakotta Armee von Adam Kwapinski, Przemyslaw Fornal

Terrakotta Armee - Cover

Netter Worker Placer mit Kriegern der Terrakotta Armee, um Mehrheiten im sagenhaften Mausolemum von Qin Shinhuangdi.

Spielstil – Wertung

7/10
Das gefiel uns
  • Tolles Spielmaterial, der Organizer bringt wirklich Ordnung auf dem Tisch
  • Es macht Spaß das Mausoleum zu gestalten
Das nicht so
  • Zu zweit kann dem Spiel am Ende die Luft ausgehen
  • Zu viert ist die Downtime recht hoch
  • Wertung teilweise unübersichtlich, man übersieht gerne einen relevanten Krieger

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Robert Alstetter

Brettspieler und auch Sammler mit Hang zum Minimalismus - Rollenspieler D&D 5e - Hobbykoch und ProfiEsser - softwarebegeistert - Sportlaie auf dem Mountainbike - Musikkonsument

So erreicht ihr ihn:

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