SPIELSTIL Rezension

Terra Pyramides

Lesezeit: 6 Minuten

Ein Spiel entwickelt von Michael Kiesling, Wolfgang Kramer
erschienen bei Huch!, Korea Boardgames

Die Kombination Kramer/Kiesling lässt schon länger die Herzen von Brettspielverrückten höher Schlagen. Auch ich bin ein kleiner Fanboy und freue mich auf jedes neue Spiel des Duos. Nicht immer, aber immer wieder werde ich mit einem Titel erfreut, der genau das bietet, was ich am Spielen liebe.

Bei Terra Pyramides hatte ich jedoch so meine Probleme. Allein schon mit der Regel des Basisspiels. Nein, es ist nicht schwer, diese zu lernen. Jedoch hatte ich nach der reinen Lektüre – ohne Aufbau des Spiels – derart viele Fragezeichen über dem Kopf, dass ich mich erst einmal vom Schreck erholen musste.

Terra-Pyramides-Brettspiel-Preview-Vorschau-007Ganz so schlimm war es nicht. Aber ungewohnt nach dem Lesen nicht direkt ein Bild vom Ablauf im Kopf zu haben. Ich hoffe, ich war an dem Tag einfach angeschlagen. Dann hätte ich schon mal eine Ausrede parat.

Alles fürchtet sich vor der Zeit, aber die Zeit fürchtet sich vor den Pyramiden.

(Aus Ägypten)

Während sich ein standard Eurospiel vor allem mit Rohstoffveredelungen, Transport und Ausbauten beschäftigt hätte, geht Terra Pyramides einen anderen Weg. Denn das Legespiel kommt weit abstrakter daher. Am Zug bauen wir unser Plättchen in die Auslage, wählen bis zu vier Plättchen in einer Reihe und erhalten ihren Bonus.

Terra Pyramides – der richtige Bonus

Das können dann Bausteine in sieben verschiedenen Farben, Siegpunkte, Geld oder auch Arbeiter sein. Nimmt man dann noch die Erweiterungen ins Spiel, kommen noch gezogene Felder auf dem Nil und gesammelte Punkte für Grabbeigaben und Oasen hinzu. Also vorwiegend andere Möglichkeiten, um Siegpunkte oder Multiplikatoren derselben zu erhalten.

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Das unterste Plättchen haben wir platziert. Wir werden diesmal die zwei benachbarten Plättchen und den Nil selbst.

Doch was muss man tun, um eine Pyramide zu bauen? Zuerst einmal gilt es für jeden Bauabschnitt drei Arbeiter auf der Baustelle zu versammeln. Außerdem muss man über genügend Steine einer Farbe verfügen, um die nächste Ebene zu erstellen. Da die Arbeiter dann wohl in Rente gehen, muss man wieder neue heranschaffen, um weiterbauen zu können.

Alles gar nicht so einfach, da die Lage unseres Plättchens nicht nur beeinflusst, ob und wie viele Arbeiter wir bekommen. Nein, wir sollten uns auch in einer geraden Linie zur gewünschten Baustelle befinden, damit sie dort überhaupt ankommen können.

Terra-Pyramides-Brettspiel-Preview-Vorschau-005Das Spiel selbst endet, wenn das letzte Plättchen eingesetzt wurde. Dann geht es in die Endabrechnung und wir sehen, wer die Partie Terra Pyramides gewinnt.

Die Menschen und die Pyramiden sind nicht gemacht, um auf dem Kopf zu stehn.

(Gottlieb Konrad Pfeffel)



Christian meint:

Wer bei Brettspielen auf möglichst thematische Spiele steht, könnte mit Terra Pyramides nicht allzu glücklich werden. Denn ein Großteil des Titels ist sehr abstrakt. Das spüren wir vom ersten Zug an. Wir haben keinen erfassbaren Erwerb von Rohstoffen, sondern immer nur ein Plättchen, das geschickt platziert werden möchte. Schließlich wollen wir einen möglichst perfekten Bonus dafür erhalten.

Das Hirn raucht in Terra Pyramides

Das klingt jetzt vielleicht leichter, als es tatsächlich ist. Denn mit jedem neuen Plättchen steigen die möglichen Kombinationen. Stets muss abgewogen werden, ob nun ein erhaltener Bonus wichtiger ist als die Lage und was ich daraus machen kann. Das bringt das Oberstübchen teilweise schon in Ekstase. Also die, bei der die Spieler am Tisch aussehen, als wären sie alle eingeschlafen.

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Die Menge an Symbolen und deren Kombinationen fordern kluge Entscheidungen.

Aber wie wir Profis wissen, rattert dann genau das Gehirn. Schließlich muss man optimal spielen, um zu punkten. Am schwierigsten wird das, wenn man versucht, eine Pyramide innerhalb einer Partie komplett entstehen zu lassen. Dabei kann ich nicht einmal sagen, dass es sich äußerst befriedigend anfühlt, diesen Kraftakt zu gehen. Und das liegt vor allem an den Siegpunkten.

Hier muss ich aber erst einmal ausholen. Terra Pyramides ist eines der Spiele, das euch mit Siegpunkten überschüttet. Auf unterschiedliche Arten natürlich. Mal addiert, mal multipliziert, aber immer schön nach vorn voranschreitend. Dafür gibt es (im kompletten Spiel) dann zweieinhalb Hauptwege. Sammle ich viele Baustellen, muss ich gleichzeitig auf dem Nil entlangfahren. Baue ich eine komplette Pyramide, muss ich dazu noch Oasenpunkte sammeln. Der langweiligste ist es, Grabbeigaben zu forcieren.

Aber egal, welchen Weg ich wähle. Am Ende werde ich mit Punkten überschüttet werden, wenn ich nicht abgewichen bin. Und ich muss ehrlich sagen, ich bin irgendwie an einem Punkt in meiner Spielerkarriere angekommen, an dem mich diese Siegpunktezählerei nicht mehr mit Euphorie überschüttet. Ich mag inzwischen die direkte Konkurrenz lieber. Dieses um jeden Erfolg kämpfen, um gerade das Quäntchen besser zu sein als meine Mitspieler.

Macht das aus Terra Pyramides ein schlechtes Spiel? Nein. Es ist interessant und eine geistige Herausforderung. Hat man selbst ein Faible dafür und Mitspieler, die darauf abfahren, kann man eine richtig gute Zeit damit haben. Würde ich es dann als gelungen bezeichnen? Nein, denn es gibt auch hier diverse Störfaktoren.

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Was bringen die Erweiterungen? Vor allem eigene Leisten, auf denen wir voranschreiten.

Hier nervt Terra Pyramides

Das beginnt mit der Umständlichkeit, mit der Terra Pyramides daherkommt. Wir alle kennen bereits Brettspiele mit verschiedenen Modulen. Das System wurde bei Terra Pyramides auch verwendet, um Schritt für Schritt zum kompletten Spiel zu führen. Dass man hierzu aber dann drei Regelhefte beilegt, die man dann immer alle zum Nachschlagen dann braucht, ist ungeschickt.

Genau wie Details zu fordern, die spielerisch keine Auswirkung haben. Man wird immer wieder daran erinnert, die Treppenstufen seines Plättchens zur benachbarten Baustelle zu drehen. Spielerisch oder optisch hat das jedoch überhaupt keinen Sinn. Zumindest hat sich mir dieser nicht erschlossen.

Dazu haben wir noch kaum greifbare Pyramidenbauteile. Ja, es sieht am Ende ganz hübsch aus, aber man sollte Spielmaterial so gestalten, dass man es auch aufnehmen kann. Wobei ich lobend erwähnen möchte, dass die Bauteile aus Holz sind. Ganz seltsam ist jedoch die Entscheidung, dass der Bau einer Pyramide mit jedem neuen Modul immer weniger wichtig wird.

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Mir rutschen die Pyramidenbauteile immer noch durch die Finger.

Terra Pyramides kann ein richtig gutes Spiel sein. Denn es ist ein geistiger Wettstreit, bei dem die Mitspieler nie das tun, was sie sollten. Außerdem lässt sich das Glück beeinflussen, was für mich immer wichtig ist. Der Bruch im Thema – es ist nicht unbedingt wichtig, Pyramiden zu bauen – und das komplett abstrakte Spielgefühl senken die Freude etwas. Das macht das Spiel für mich solide. Ich spiele es gerne mit, aber Begeisterung löst es keine aus.

Dir hat die Rezension gefallen? Du denkst wir liegen völlig daneben? Lass uns wissen was du denkst.

Terra Pyramides von Michael Kiesling, Wolfgang Kramer

Terra Pyramides - Cover - Feature Image

Ein solides, gutes Spiel. Nicht mehr, nicht weniger. Man darf sich nur nicht daran stören, dass es kaum thematisch ist. Dafür ein schönes abstraktes Rätsel.

Spielstil – Wertung

Christian:

7/10
Das gefiel uns
  • Geistig herausfordernd
  • Einfaches Spiel mit komplexem Gefühl
  • Sehr belohnend
Das nicht so
  • Wenig thematisch
  • Manche Designentscheidung unglücklich
  • Die Pyramidenbauteile nerven
Hier bekommt ihr „Terra Pyramides“

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Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Christian Renkel

Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

So erreicht ihr Christian:

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