SPIELSTIL Rezension

Mosaic – Eine Geschichte der Zivilisation

Lesezeit: 6 Minuten

Ein Spiel entwickelt von Glenn Drover
erschienen bei Asmodee, Forbidden Games, Sylex

- 13.Mai.2024

Bei Mosaic handelt es sich, wie der Untertitel „Eine Geschichte der Zivilisation“ schon vermuten lässt, um ein Zivilisationsspiel. Wir übernehmen eine Zivilisation, die versucht, die Mittelmeerregion zu besiedeln und die eigenen Städte weiter zu entwickeln, während wir mittels Militär unsere Konkurrenten in Schach halten und unsere eigene Regierung bilden, um unsere Ziele (die meisten Punkte zu erhalten).

Das Artwork hatte mich angelacht und so machte ich mich auf das Spiel zu lernen. Eine ganz eigene Herausforderung, wie ich schnell feststellen sollte.

Die zivilisiertesten Völker sind nicht weiter von der Barbarei entfernt als das glänzendste Eisen vom Rost. Die Völker und die Metalle sind nur an der Oberfläche poliert.

(Antoine de Rivarol)

Jeder übernimmt in Mosaic eine Zivilisation. Welche, ist einerlei, da diese alle gleich sind. Trotzdem wird das Spiel asymetrisch, da zunächst einmal Rollen gedraftet werden. Die Rolle bestimmt Startressourcen und Sonderfähigkeiten der Zivilisationen. Danach setzt noch jeder seine Startstadt und dann geht es mit einer einfachen Zugstruktur los, bei der wir bis Spielende bleiben.

Ist man am Zug, wählt man zwischen acht möglichen Aktionen. Mit der Aktion Arbeit produzieren wir abhängig von unserer Bevölkerung und unseres entsprechenden Produktionswerts Ressourcen. Diese können wir dann für die restlichen sieben Aktionen ausgeben.

So können wir unsere Bevölkerung vergrößern, neue Städte und Dörfer oder sogar ein Weltwunder bauen. Zusätzlich können wir neue Technologien entdecken, Steuern und Zoll erheben, Militär aufstellen und bewegen oder eine Regierung bilden.

So viele Technologien, so viel zu bauen. Oder doch lieber die Bevölkerung wachsen lassen?

Alle diese sieben Aktionen werden über (mit verschiedenen Ressourcen) käuflich erwerbbare Karten gesteuert und in fast jeden dieser Stapel wird zu Spielbeginn eine Imperiumskarte gemischt. Wird eine solche Imperiumskarte im Verlauf eines Zuges aufgedeckt, findet nach dem Zug eine Wertung statt. Dann erhalten alle Punkte für Regionen, in denen sie den meisten Einfluss haben und über einige Spezialfähigkeiten wie zum Beispiel Regierungen.

Griechenland ist hart umkämpft. Assyrien ist noch unbesiedelt und voll mit Ressourcen.

Regionen sind umso mehr wert, je dichter besiedelt sie sind und da die Besiedlung auch Einfluss erzeugen kann, sind stark umkämpfte Regionen mehr wert, als solche, die nur wenig Aufmerksamkeit bekommen. Militär spielt hierbei eine wenig destruktive Rolle. Es stellt mobilen Einfluss da.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, Goldene Zeitalter durch bestimmte Technologiesymbole auszulösen oder Zivilisationserrungenschaften zu erfüllen, die unterschiedliche Bedingungen aufweisen, zum Beispiel drei Hafenstädte zu besitzen.

Wunder, Goldene Zeitalter und Zivilisationserrungenschaften. Sind zwei von drei dieser Reihen leer, endet das Spiel auch.

Das Spiel endet, sollten drei Wertungskarten gezogen worden sein oder zwei der drei Reihen von Wundern, Zivilisationserrungenschaften und Goldenes Zeitalter leer sein. Dann werden noch einmal Spielendepunkte gezählt und wer auch immer die meisten Punkte hat, gewinnt.

What year is it?

(Alan Parrish in Jumanji)

Dirk meint:

Tja, was soll ich sagen. Es fängt damit an, dass Korrektursticker in der Packung sind.

Eines der fehlerhaften Bretter (Nahraung und Bevöalkerung).

Das belustigte mich zu Beginn noch, da die Sticker für drei der sechs Zivilisationsbretter sind, auf denen sich Vokale eingeschlichen haben, die nicht dort hingehören. Nette Geste, die ich gut fand, bis mir ein gigantischer Fehler in der Anleitung auffiel. Der Abschnitt für das Aufstellen der Startstadt fehlt. Also technisch gesehen, existiert ein solcher Abschnitt, nur ist unter der entsprechenden Überschrift die Beschreibung der Aktion „Arbeit“ zu finden. Diese finden wir dann noch einmal, wo sie hingehört. Leider ist nirgendwo die Beschreibung zur Startstadt zu finden, also muss man sich aufmachen, die verbesserte Anleitung auf der Asmodee-Seite zu finden und dort nachzusehen. Und natürlich(!) gibt es dazu KEINEN Korrektursticker.

Nach einem etwas größeren Aufreger deswegen fiel mir während des Studiums der Regeln etwas anderes auf: Das Spiel verteilt während der Partie Punkte und zwar nicht wenige. Welches Hilfsmittel erwartet da wohl der erfahrene Spieler, um diese irgendwie festzuhalten? Etwa eine Punkteleiste? Verzweifelt suchte ich eine, doch wurde nicht fündig. Nach etwas Recherche fand ich heraus: Das Spiel besitzt einfach keine. Man muss die Punkte auf einem Blatt Papier festhalten. Welches Jahr haben wir? 1990? Hat der Verlag noch nie etwas von einer Kramerleiste gehört? Wollte er sich keinen anständigen Redakteur leisten, der so etwas sofort angemerkt hätte? Oder haben sie nur nicht auf ihn gehört?

Dann gibt es noch die Technologiekarten. Diese haben einen kurzen Text, was sie tun (logisch). Manchmal ist dieser jedoch nicht sofort verständlich. In der Anleitung findet man einen Anhang mit allen Karten. Man sollte erwarten, dass dort solche Unklarheiten aufgeklärt werden, aber nein, stattdessen steht dort der gleiche Text wie auf der Karte selbst. Warum? Was soll ich damit? Das ist einfach Platzverschwendung. Die Spielhilfe wiederholt diesen Fehler übrigens.

Das macht mich etwas traurig und etwas wütend und zeigt leider als hervorragendes Negativbeispiel, warum eine gute Redaktion wichtig ist. Und das Schlimmste: Das Spiel an sich ist wirklich gut. Die Mechaniken greifen sehr gut ineinander, das Gefühl, hier ein Civ-Spiel zu spielen, kommt sofort auf. Einzig, Regierungen zu bilden, schien schwierig zu sein, was zu etwas Frust führte, da Regierungen ordentlich Punkte schaufeln können.

Startvorteile, Wunder und Regierungsform. All das will klug gewählt sein.

Nichstdestotrotz hatten wir Spaß und die Entscheidungen waren interessant und es gab viel Hin- und Her, aber immer begleitete der Beigeschmack von solchen großen und kleinen Nervigkeiten. Auch richtig schade ist die Entscheidung, den Solomodus nur in der Kickstarterversion zu haben. Warum? Warum wollt ihr weniger Kunden? Mit Solomodus hätte ich mir vorstellen können, das Spiel in meiner Sammlung zu behalten und vielleicht ab und zu auszupacken und solo zu spielen.

Gut genug finde ich den Spielfluss dafür. Aber ich darf nicht. Zugegeben, auch hier kann ich mir die Anleitung und die entsprechenden Karten auf der Asmodee-Seite herunterladen und selber basteln. Trotzdem halte ich das für eine unnötige Barriere, wenn eine professionell gedruckte Variante existiert. Und wenn im Mehrspieler meine Mitspielenden sich als Aufgabe setzen, noch mehr Fehler zu finden, weil die hier Erwähnten so ins Auge springen, hab ich auch nicht wirklich Lust, es mit mehr Menschen zu spielen. Wenn diese ganzen Redaktionsschwierigkeiten nicht wären, würde ich dem Spiel eine solide 8 geben.

Wirklich schade, aber ich muss hier ordentlich Punkte abziehen. Ich hätte wirklich gerne ein gutes ein- bis zweistündiges Zivilisationsspiel. Mosaic hätte dieses sein können, aber es scheitert an der Redaktion.

 

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Mosaic – Eine Geschichte der Zivilisation von Glenn Drover

Ich hätte wirklich gerne ein gutes ein- bis zweistündiges Zivilisationsspiel. Mosaic hätte dieses sein können, aber es scheitert an der Redaktion.

Spielstil – Wertung

Dirk:

5/10
Das gefiel uns
  • Intuitives Gameplay
  • Absolut solides Zivilisationsspiel
Das nicht so
  • Keine Punkteleiste, aber Punkte während der Partie
  • Fehler in der Anleitung
  • Solomodus nicht in der Retailversion
  • Keine Erklärung der Karten
Hier bekommt ihr „Mosaic – Eine Geschichte der Zivilisation“

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Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Dirk Schlösser

Dirk ist Rollen- und Brettspieler mit einem Hang zu Solos. Interaktive Titel (kooperativ oder richtig hart gegeneinander) haben bei ihm einen deutlich besseren Stand als Hardcore Euros mit hohem Multiplayer Solitär Anteil.

So erreicht ihr Dirk:

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