SPIELSTIL Rezension

Medical Mysteries – New York Emergency

Lesezeit: 6 Minuten

Ein Spiel entwickelt von Nicholas Cravotta, Rebecca Bleau
erschienen bei Kosmos

Als Medical Mysteries – New York Emergency angekündigt wurde, schoss mir – wie vielen anderen auch – direkt ein Gedanke in den Kopf. Das ist Dr. House das Brettspiel! Dabei ist dieser erste Gedanke tiefgründiger, als man ursprünglich angenommen hat. Denn Dr. House wurde damals unter einem Gedankenspiel ins Leben gerufen. Was passiert, wenn man Sherlock Holmes mit einer Arztserie kreuzt?

Nimmt man nun diese Grundlage und überträgt sie in die Brettspielwelt, kommt irgendwo dasselbe heraus. Was passiert, wenn man ein Krimispiel in eine Notaufnahme bringt? So gibt es dann auch hier gewisse Parallelen, doch wie sieht es mit den Unterschieden aus? Und wie transportiert man das fehlende medizinische Wissen?

Wir haben uns auf das Abenteuer eingelassen und können hier schon mal eines mit Gewissheit sagen. Die Reise lohnt sich, aber es gibt auch diverse Stolpersteine.

Menschen lügen aus vielerlei Gründen, aber niemals ohne Grund.

(Dr. House)

Das erwartet euch in Medical Mysteries – New York Emergency

Wie kann man sich einen Fall in Medical Mysteries – New York Emergency vorstellen? Lasst uns doch einfach ein komplett fiktives Beispiel verwenden:

Es ist 00:00 Uhr, bisher gab es noch nicht allzu viel zu tun. Doch das sollte sich schnell ändern. Der Rettungswagen hat eine junge, bewusstlose Frau vorbeigebracht. Sie wurde von ihrer Mutter begleitet, die uns einen groben Überblick über die Krankengeschichte der Tochter gibt. Außerdem erzählt sie uns, dass die Patientin gegen 22:00 Uhr über starke Kopfschmerzen klagte, sich übergab und später ohnmächtig wurde. Gerade als wir mit der Untersuchung beginnen wollen, wacht die Patientin auf und schreit vor Schmerzen.

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So sehen die Fakten aus. Wir haben ein Patientenblatt, eine Geschichte und einen Stapel Storykarten.

Schnell besprechen wir uns und sind einig, dass wir zuerst einmal etwas gegen die Schmerzen unternehmen sollten. Doch welches Medikament ist das richtige? Wir nehmen die Übersicht zur Hand und gleichen alle Medikationen mit unserem aktuellen Fall ab. Wir möchten etwas gegen Schmerzen verabreichen, doch haben wir hierzu vier Möglichkeiten.

Zwei davon scheiden direkt aus. Eines, weil es nicht wirken würde und eines, weil wir von einer Allergie der Patientin wissen. Doch welches der beiden verbleibenden sollen wir nehmen? Können wir ausschließen, dass die Patientin Alkohol getrunken hat oder schwanger ist? Jeweils ein Medikament hätte fatale Auswirkungen in den Fällen.

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Manchmal ist gut, wenn man die Patientin selbst befragen kann.

Es hilft nichts, wir müssen uns doch umentscheiden und zuerst eine Untersuchung des Blutes beantragen. Mit diesem können wir den Blutalkoholwert prüfen. Um 01:00 Uhr erfahren wir, dass dieser negativ ist. Also wissen wir nun, welche Tabletten wir gefahrlos verabreichen können.

Um 02:00 Uhr wirken sie und die Schmerzen sind erst einmal auf ein erträgliches Maß gesunken. Um den Kopfschmerzen auf den Grund zu gehen, veranlassen wir nun ein CT. Doch auf diesem ist leider nichts Auffälliges zu entdecken. Als wir uns wieder beraten, schlägt das Elektrokardiogramm Alarm. Der Puls der Patientin ist in schwindelerregende Höhen geschossen und wir stehen weiter vor dem Rätsel, wie wir sie in dieser Nacht retten sollen.

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Ein Tutorial plus vier Fälle.

Hier verlassen wir das Beispiel und erzählen nun noch eines. Unser Ziel ist es natürlich, dass unsere Patienten nicht nur die Nacht überleben, sondern wir ihren Fall auch vollends lösen. Am Ende werden wir hierzu immer ein Protokoll ausfüllen, in dem wir angeben, was das Problem war, wie wir behandelt haben und ob wir Ratschläge für die Zukunft mitgeben.

Ein Punktesystem kontrolliert dann, was wir gefunden haben, was unbemerkt vor uns blieb und ob wir uns eventuell sogar falsch verhalten haben. Je näher wir dabei an 100 Punkten sind, umso erfolgreicher waren wir. Das bedeutet aber auch, dass wir jeden Fall nur einmal spielen können und dann um dessen Geheimnis wissen.

Mich interessiert nicht wessen Schuld es ist, vor allem nicht wenn es meine eigene ist!

(Dr. House)

Christian meint:

Wie ich oben schon sagte, hat uns Medical Mysteries – New York Emergency sehr gut gefallen. Es ist spannend nachzuvollziehen, wie man Menschen in ihren schwierigsten Stunden helfen kann. Gleichzeitig ist es äußerst befriedigend, wenn man es nicht nur schafft, den Patienten am Leben zu halten, sondern auch noch darüber hinaus erfolgreich zu behandeln.

Dabei hat das Spiel ein paar schöne Fallen und rote Heringe parat, die uns aufs Glatteis führen sollten. Gleichzeitig empfanden wir aber alle Fälle als nicht allzu schwer und recht einfach lösbar. Klar hätte man manches optimaler machen können, aber wir haben keinen einzigen Patienten verloren.

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Die Ergebnisse unserer Entscheidungen.

Ob das so offensichtlich designt ist, kann ich nicht näher beurteilen. Ich habe schon mal versucht nachzuvollziehen, was man machen muss, damit der Patient die Nacht nicht überlebt. In diesem Fall war das jedoch so ein offensichtliches Fehlverhalten, das uns das niemals in den Sinn gekommen wäre.

Ich möchte uns jetzt hier nicht besonders loben. Denn allzu schlau waren wir auch nicht. So haben wir gewisse Details durchaus übersehen. Meine Familie würde nun behaupten, dass ich nicht gut genug aufgepasst habe, aber wer beschäftigt sich schon mit Schuldfragen?

Medical Mysteries Problem

Was ich aber bei Medical Mysteries – New York Emergency bemängeln kann, ist das Gleiche wie bei anderen Krimifällen auch. Eigentlich sind die meiste Zeit nur 1 – 2 Personen beschäftigt und alle anderen sehen zu. Das nötige Material reicht eben nicht für mehr aus. Manchmal kann man das mit Denken und Diskutieren kompensieren, aber häufig wartet man eben, bis jemand Details in den beiliegenden Dokumenten nachgesehen hat, um die aktuelle Spur zu verdichten.

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Klar gibt es fünf Nachschlagewerke, aber in einer Situation benötigt man häufig eben eines.

Außerdem mangelt es den Fällen an Abwechslung. Spielmechanisch funktionieren alle identisch, die Patienten erfordern eine jeweils etwas andere Vorgehensweise. Nur in einem von ihnen werden wir mit einer neuen Mechanik überrascht, die das Geschehen aber derart positiv bereichert, dass man sich direkt fragt, warum es nicht noch andere Ideen gab.

Anders als in Krimifällen gilt es hier nicht um die Ecke zu denken oder Bilder nach Details abzusuchen. Es gibt Entscheidungen anhand der vorliegenden Faktenlage zu fällen. Diese Daten zusammenzutragen und mit den Begleitblättern abzugleichen gehört dazu, klingt aber gerade langweiliger, als es tatsächlich ist.

Dennoch steckt in Medical Mysteries – New York Emergency genügend Rätselspaß in der Schachtel, um über die Dauer hinweg sehr gut zu unterhalten. Habe ich mich manchmal aufgeführt wie ein Halbgott in weiß? Aber natürlich! Das gehört doch irgendwo dazu. Ich freue mich schon auf weitere Fälle und hoffe, dass ich dabei meinen blütenreinen Arztkittel behalten kann. 

Dir hat die Rezension gefallen? Du denkst wir liegen völlig daneben? Lass uns wissen was du denkst.

Medical Mysteries – New York Emergency von Nicholas Cravotta, Rebecca Bleau

Medical Mysteries - New York Emergency - Brettspiel Test - Feature Image

Kein Spiel für Impfgegner und Querdenker. Anhand der medizinischen Faktenlage gilt es einige Entscheidungen zu treffen. Dabei sind die Fälle interessant und teilweise eine tolle geistige Herausforderung. Nur hätte es mehr Überraschungen geben dürfen.

  • Erscheint bei Kosmos
  • Für 1 – 4 Spielende und dauert 40 x 60 Minuten
  • Am besten geeignet für Einsteiger

Spielstil – Wertung

Christian:

8/10
Das gefiel uns
  • Regt zu Diskussionen an
  • Medizinisches Wissen kompakt gefasst
  • Interessante Fälle
Das nicht so
  • Wenig Abwechslung
  • Spieler sitzen immer wieder ohne Aufgabe da
Hier bekommt ihr „Medical Mysteries – New York Emergency“

Amazon

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

Mehr Informationen zu Affiliate Links und Rezensionsexemplaren findet ihr in unserer Übersicht zur Transparenz und in den Bestimmungen zum Datenschutz.

Christian Renkel

Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

So erreicht ihr Christian:

2 Comments
  1. Dr. Christian in den OP:
    Wir haben Florida Flatline gespielt, hier sind die Fälle leicht schwerer laut Verpackung. Hat uns aber Riesenspaß gemacht. Wenn man ein bisschen was für Medizin übrig hat und die einschlägigen Arztserien gesehen hat, ist das ein tolles Spiel. Auch wenn uns ein Patient während der Nacht verlassen hat…. New York wird sicher noch folgen 🙂

    Reply
    • Portrait-Christian Renkel-quadratisch-2

      Dr. Zeltner, Sie machen mir gerade direkt noch mehr Lust auf Miami. Das liegt schon bereit und wird hoffentlich schnell den Weg auf den Spieltisch finden!

      Ist es eigentlich normal, wenn man vor einem Fall erst einmal die Intromusik der Schwarzwaldklinik abspielt?

      Reply

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