SPIELSTIL Rezension

Magic: The Gathering

Lesezeit: 7 Minuten

Ein Spiel entwickelt von Richard Garfield
erschienen bei Amigo-Spiele, Wizards of the Coast

- 21.Jun.2021

Blast from the Past

Vor ein paar Wochen meinte ich sinnierend zu Christian, dass ich mich frage, wie gut eigentlich Spiele in unserer Erinnerung altern. Darauf gekommen war ich, weil ich Werbung für Magic Arena: Online von Wizards of the Coast gesehen habe – also DEM Trading Card Game schlechthin. Dem „Urvater“ des kompletten Genres!

Meine Zeit als aktiver Spieler liegt nun bestimmt an die 20 Jahre zurück; vor vielleicht 8 Jahren hatte ich einen Urlaub, in dem ich auf meinem Android-Tablet ein wenig mit der App gespielt hatte – aber abgesehen davon hatte ich mit dem Spiel nicht wirklich Kontakt seit meiner Jugend. Sicherlich, andere TCGs kamen und gingen – Warlord: Saga of the Storm, Marvel VS, Keyforge… und natürlich dann, weit sinnvoller, was die Ausgaben anging, die LCGs, also Herr der Ringe, Arkham Horror und Marvel Champions jüngst…

Was hat die Katze denn wieder angeschleppt???

Doch konnte ich nicht ahnen, dass ich einige Tage nach unserem Gespräch ein Paketbote klingeln sollte, und mir einen Umschlag in die Hand drücken würde. Ich blickte meine Frau fragend an, doch die zuckte nur mit den Schultern – sie hatte Nichts bestellt. Aber auch ich konnte mich beim besten Willen nicht daran erinnern, noch eine offene Bestellung zu haben. Neugierig riss ich das Päckchen auf – und erblickte einen 2-Spieler-Starter von Magic: The Gathering!

And so it begins… again…?

Neue Besen kehren eine Weile ganz gut,
aber alte Besen kehren immer wieder.

(Ulrich Erckenbrecht)

Eigentlich brauche ich hier wahrscheinlich wenig über dieses Spiel erzählen – ich nehme an, so ziemlich jeder Leser dürfte es kennen, oder zumindest davon schon einmal gehört haben. Dieses Spiel ist so alt und gleichzeitig so aktuell, dass man kaum durch die Spielewelt kommt, ohne dass es einem nicht mindestens einmal über den Weg gelaufen ist.

Dennoch ein (ganz kurzer) Abriss: Magic basiert darauf, dass man vor einer Partie aus den Spielkarten, die man besitzt, ein eigenes Deck aus mindestens 60 Karten konstruiert. Dabei darf eine spezifische Karte maximal viermal enthalten sein. Spielt man dann gegeneinander, verkörpert jeder Spieler einen Magier, welcher Kreaturen beschwört, Zaubersprüche wirft, oder Artefakte ins Spiel bringt. Ziel ist es dabei, die 20 Lebenspunkte des Gegenüber zu dezimieren. Der Spieler, welcher zuerst auf Null fällt, hat verloren.

Welche Karte spiele ich als nächstes? Womit kann ich meinen Gegnüber aus der Balance bringen?

Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist das sogenannte „Mana“, quasi die Ressource der Magie, welches in 5 verschiedenen „Farben“, oder Elementen daherkommt. Traditionell sind diesen Elementen auch bestimmte Eigenschaften, Effekte und Spielthemen zugeordnet. Und der Großteil der Spielkarten ist eben einer dieser 5 Farben zugeordnet – was beim Bauen von Decks interessant wird, wenn man nich nur eine Farbe spielen möchte, sondern gleich 2, oder 3 – oder sogar mehr! Denn dann wird die Zusammenstellung des Decks sehr delikat, damit auch alle Karten spielbar bleiben, und man am Ende nicht mit sehr viel grünem Mana dasteht – aber nur rote Karten auf der Hand hat!

Grenzen bei der Konstruktion sind dabei nur durch den eigenen Kartenpool gesetzt – welcher allerdings durch Booster mit zufälligen Karten erweitert werden kann – und da diese Karten in unterschiedlichen Stärken und Seltenheitsgraden daher kommen, sind verständlicherweise einige starke Karten viel gefragter, als die vielen häufigen, eher schwachen Karten. Das Tauschen und Handeln macht demnach also auch einen beträchtlichen Teil des Hobbies aus. Besonders alte, seltene oder spielstarke Karten können schon einmal 100€ oder mehr wert sein (oder auch mehrere 1000€ – falls alle drei Eigenschaften zutreffen…)

Nur eine kleine Auswahl der vielen verschiedenen Karten – leider kauft man diese komplett zufällig und muss Einzelkarten gezielt von anderen Spielern kaufen oder tauschen…

Neben dem freundschaftlichen Duellspiel, ist die Turnierwelt von Magic seit Jahrzehnten ungebrochen aktiv, und es werden regelmäßig sehr hohe Gewinnsummen bei den Meisterschaften ausgeschüttet. Verständlich, dass es deshalb auch ein minutiöses Regelwerk gibt, welches so manchem Gesetzestext in Nichts nachsteht – oder sogar genauer ist!

Gebrannte Kinder fürchten das Feuer oder vernarren sich darein.

(Marie von Ebner-Eschenbach)

Thomas meint:

Tja, da war er wieder – der Teufel Trading Card Game!

Diese Spiele sind ja wirklich ganz ausgezeichnet auf das Belohnungs-Schema des Menschen ausgerichet: Kauf Dir für kleines Geld ein Tütchen mit Karten und Du bekommst Spannung, Spiel und Schokolade Rares! (Rares = Seltene Karten, quasi die seltenen Karten, für die man eigentlich den Booster mit Karten nur öffnet – die restlichen Karten sind in der Regel vollkommen uninteressant. Nur sehr selten gibt es mal eine Edition, bei der auch eine der häufigeren Karten gefragt ist…)

Neben den beiden Decks und einer Anleitung sind auch zwei passende Deckboxen dabei – nett!

In meinem Leben habe ich schon viele TCGs gespielt; und nur ein anderes Spiel so lange, wie ich auch Magic gespielt habe – nämlich Warlord: Saga of the Storm (R.I.P.). Und daher weiß ich, wie schnell man da große Summen von Geld „investiert“. Früher oder später kauft man nicht nur einen Booster, sondern gleich ein Display, also die Verpackungseinheit, die der Ladenbesitzer hinter dem Tresen aufstellt. Da bin ich wirklich ein gebranntes Kind und weiß das mittlerweile sehr gängige Format der „Living Card Games“ doch sehr zu schätzen! Es gewinnt nun nicht mehr die Person, die mehr Geld investiert (und damit bessere Karten hat), sondern eher das besser konstruierte Deck – für das nicht mehrere hundert Euro ausgegeben werden mussten…

So, nachdem ich diesen (für mich) doch sehr großen Kritikpunkt vom Tisch habe – zum Spiel selbst. Man muss neidlos einfach zugeben: Dieses Grunddesign von Garfield ist genial! Länder als Ressource, nur ein Land pro Runde spielen dürfen, fünf Farben mit jeweils eigenen „Eigenschaften“, dabei dann nur eine überschaubare Anzahl von Kartentypen – fertig! Dieses Design ist solide, eingängig und tatsächlich altert es außerordentlich gut! Es spielt sich immer noch toll. Vielleicht eben auch, weil der Aufbau sukzessive erfolgt: Da ich jede Runde nur ein Mana mehr zur Verfügung habe, kommen später im Spiel immer mächtigere, immer stärkere Karten ins Spiel. Das ist eine tolle Spannungskurve, weil ich vielleicht meinen Drachen, Erzengel oder Höllenfürsten seit Runde 1 auf der Hand halte, damit ich ihn dann endlich in Runde 7 oder 8 ausspielen kann.

Die Kartenrückseite ist seit der ersten Edition gleich geblieben – und zeigt das geniale 5-Farben-Design des Spiels

Gleichzeitig verhindert es natürlich, dass ich von meinem Gegenüber sofort hinweg gefegt werde; ich bekomme Zeit, auf die immer stärker werdenden Angriffe zu reagieren und mich ebenfalls zu wappnen. Neuere Spiele haben meist Mechanismen, die schneller und flüssiger große Karten ins Spiel bringen – bis hin zu dem relativ aktuellen Keyforge, welches gleich komplett auf Mana oder Bezahlung in irgendeiner Art und Weise verzichtet.

Was übrigens sehr schade ist: Es gibt keinen Zähler für die Lebenspunkte der Kontrahenten. Zumindest zwei Spin-Down-W20 oder Drehscheiben wie bei Marvel Champions wären wirklich toll gewesen. So fühlt es sich irgendwie unschön an, wenn man sich mit einem Blatt Papier hinsetzen soll…

Und dann ist da noch der Deckbau. Viele meiner Freunde haben – wie auch ich – gesagt: „Das eigentliche Spiel bei Magic ist der Deckbau.“ Am Tisch spiele ich dieses gebaute Deck dann nur noch herunter; jede Aktion zu jeder Zeit ist im Grunde schon vorprogrammiert, denn ich habe die Karten ja zu diesem einen Zweck in mein Deck genommen.“

Nun hatte ich mit den beiden Startern nicht die Möglichkeit, Decks zu bauen – aber ich kann eines sagen: Es hat mich unglaublich in den Fingern gejuckt, schon alleine mit dieser kleinen Auswahl zu bauen. Habe mir Kombos und Strategien überlegt… Hilfe!

Endlich habe ich die 7 Mana für mein doppelt kolossales Schreckensmaul! 26/26 mit Trampeln dürfte das Spiel in der nächsten Runde entscheiden…

Nein, Nein, ich bin aber stark geblieben. Bleibt zum Abschluss zu sagen: Ich bin runter von der Droge „TCG“, aber es war toll, so lange ich es gespielt habe. Und es war auch toll, mal wieder Magic auf dem Tisch zu haben, Länder zu tappen und mit großen Monstern über das Spielfeld in die Reihen des Gegners zu trampeln (Magic-Spieler verstehen diese Anspielung sicherlich…). Obwohl alleine diesen Satz zu schreiben, die Vorstellung an das Spielgefühl… Neeeein! Ich bleibe standhaft! (Es sei denn, Christian schickt mir wieder ein Paket… Hilfe!!!)

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Magic: The Gathering von Richard Garfield

Magic ist nach wie vor ein unglaublich genial durchdachtes Spiel und quasi zeitlos im Design.
Weniger zeitlos ist allerdings das Geschäftsmodell mit zufälligen Karten in Boostern…

Spielstil – Wertung

Thomas:

7/10
Das gefiel uns
  • Zeitloses Design
  • Einfache Regeln – sofort Losspielen
  • Spätestens beim Deckbau offenbart sich die Tiefe
Das nicht so
  • Absolutes Groschengrab durch zufällig abgepackte Karten
  • Für Einsteiger schwer zu erfassen, welche Karten legal sind aktuell
Hier bekommt ihr „Magic: The Gathering“

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Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar selbst gekauft.

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Thomas Büttner

Tom schätzt neben komplexen Euros auch thematisch satte Solitär-Meisterwerke - und natürlich feine App-Umsetzungen. Dabei wird er schon mal ungehalten, wenn die Steuerung umständlich ist oder das User Interface unintuitiv.

So erreicht ihr Thomas:

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