Hardback

Gemeinhin stellt man sich die Arbeit als Autor sehr romantisch vor. Sei es in einem Häuschen an der Küste Cornwalls oder im, mit Büchern vollgestopften, Arbeitszimmer mit der guten alten Schreibmaschine. Längst hat sich die Tätigkeit jedoch zu einem ganz normalen Job entwickelt. Zumindest dann, wenn man davon leben will. Einen kleinen Einblick, in die professionelle Schriftstellerei, hatte mir einst Michael Peinkofer gegeben. Ein Moment, an dem ich feststellte, dass das nichts für mich ist. Denn, obwohl ich auch schon zwei Bücher veröffentlichen konnte, ist meine Methodik der Schriftstellerei eher der anarchistische. Sobald mich die Muse küsst, lege ich los, egal, ob es nun gerade zwei Uhr nachts ist und ich besser schlafen sollte. Aber wenn der Flow erst einmal da ist, muss man die Welle reiten, so lange man kann.

Mit Hardback hat das natürlich kaum etwas zu tun. Denn, obwohl sich das Spiel thematisch mit dem Autorendasein beschäftigt, versteckt sich dahinter eine Mischung aus Deckbuilder und Scrabble. Ob man damit auch dann Spaß hat, selbst wenn man bei Büchern lieber auf eine Verfilmung wartet, erzähle ich euch hier.



Wir starten alle mit fast einem identischen Deck aus Buchstaben. Sind wir am Zug, müssen wir aus diesen fünf Handkarten ein Wort auslegen. Zum Glück lässt sich jede Karte als Joker nutzen, in dem wir sie einfach auf die Rückseite drehen. Pech nur, dass diese uns dann keinen Nutzen bringen.

Noch haben wir einfache Buchstaben auf der Hand.

Die Wörter bringen uns Geld, mit denen wir weitere Buchstaben aus dem zentralen Markt kaufen und in unser Deck mischen, und Siegpunkte. Zusätzlich können wir noch Tintenfässchen sammeln. Nur mit ihnen lassen sich Wörter mit mehr als fünf Buchstaben bilden. Setzen wir Tinte ein, ziehen wir dafür blind die oberste Karte unseres Decks. Jedoch müssen wir diesen Buchstaben verwenden, was mitunter ziemlich kompliziert wird. Zum Glück gibt es noch Deckweiß, mit dem wir diese Karten wieder loswerden.

Wir haben uns mit Tintenfässchen die Buchstaben H und N aufgeladen. Nun gilt es ein Wort zu finden. Zum Glück haben wir noch zwei Klassiker ausliegen, deren Buchstaben (E und D) wir benutzen dürfen, aber nicht müssen. Zusammen mit Jokern bilden wir das Word Schaden.

Buchstaben gibt es in vier Buchgenres. Legen wir gleichartige Buchstaben aus, ist der Bonus, den wir daraus erzielen, höher. Erreicht ein Spieler 45 Punkte, wird die aktuelle Runde noch beendet. Wer dann die meisten Punkte hat, gewinnt.


Christian meint:

Irgendwie kommt einem bei Hardback vieles bekannt vor. Das Spiel hat viele Anleihen aus Deckbuildern, wie Star Realms, genommen. Da wären die vier Genres (4 Fraktionen in Star Realms), die sich gegenseitig im Bonus verbessern. Außerdem die Klassiker (Basen in Star Realms), die im Spiel bleiben, bis ein Gegner sie auf den Ablagestapel schickt. Aber dennoch schafft es das Spiel noch genügend eigene Ideen einzubringen. Allein der Scrabble-Aspekt katapultiert Hardback in Galaxien, die zuvor noch kein Deckbuilder gesehen hat.

Dabei gefällt mir vor allem, das puzzeln, bis man das richtige Wort gefunden hat. Und da ich an meiner eigenen Anforderung wachse, möchte ich immer längere, kompliziertere Wörter bilden. Da decke ich gerne mitunter mehr Tintenfässchen auf, als mir lieb ist. Wobei es erstaunlich selten zu einem kompletten Reinfall kommt.

Dank ausreichend Tintenfässchen und Jokern legen wir Vorzeichen aus.

Ein bisschen frustrierend war die Erkenntnis, dass lange Wörter nicht automatisch erfolgreicher sind. Denn dafür sorgen die Sonderfertigkeiten einzelner Karten. Vor allem Abenteuerkarten sind wahre Punktemonster, so dass es sein kann, dass man das Spiel fast automatisch gewinnt, indem man immer wieder dasselbe, kurze Wort legt.

Haben wir die beiden Karten im Wort, erhalten wir dafür insgesamt fünf Punkte, ohne uns groß anstrengen zu müssen.

Das sorgte dann dafür, dass die anfängliche Begeisterung einen Dämpfer verpasst bekam. Denn auch in den Folgepartien zeigte sich, dass es am einfachsten war mit dem Abenteuer-Genre zu gewinnen, so dass es unerlässlich wirkte, dass man einen Teil dieser Karten kauft, sofern sie denn verfügbar sind. Das sorgte dann für ein ausgeglicheneres Spiel, ist aber hoffentlich nicht im Sinne des Erfinders, wenn schon vier Genres angeboten werden.

Einen kleinen Ausgleich schafft das Spiel durch eine Erweiterung, in der es gilt das jeweils längste Wort gelegt zu haben. Die ist ein recht nettes, aber nicht zu entscheidendes Detail.

Wie die meisten Deckbuilder spielt sich Hardback sehr solitär. Die Worte der anderen interessieren einen selten, da man ständig an seinem eigenen, genialen Wurf feilt. Wobei man sich immer noch entscheiden muss, ob man literarisch Großartiges vollbringen oder doch einfach nur Siegpunkte einheimsen möchte. Schade, dass nicht beides möglich ist. Dafür ist die Schachtel eine einzige Augenweide. Ein Blickfang in meinem Regal.

Christian Renkel
Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist. So erreicht ihr ihn: Christian@Spielstil.net
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