SPIELSTIL Rezension

Shamans

Ein Spiel entwickelt von Cédrick Chaboussit
erschienen bei Corax Games

Seit frühester Kindheit bin ich Fan von Stichspielen. War es zu Beginn vor allem 66, das ich innerhalb meiner Verwandtschaft gespielt habe, kam später – beigebracht durch meinen Opa – vor allem Schafkopf in den Rang des besten Stichspiels aller Zeiten. Da wir auch Leser jenseits des Weißwurst-Äquators haben, werde ich irgendwann mal die Gelegenheit nutzen, Schafkopf vorzustellen. Aktuell belassen wir es einfach dabei, dass ich es auch heute noch begeistert regelmäßig spiele.

Doch mit den vielen Jahren kamen und gingen die Stichspiele. Nur wenige blieben im Herzen haften (Wizard, Skull King). Viele wurden wieder der Wohnung verwiesen. Doch immer noch bin ich fasziniert von den Möglichkeiten, die sich in einem Stichspiel auftun können. Und von Ideen, die diese bereichern. Wie zum Beispiel einem verdeckten Verrätermechanismus, wie es bei Shamans der Fall ist. Denn hier sammeln wir im Spiel keine Punkte, sondern kämpfen um Licht und Dunkelheit. Aber ist dieser Twist dann wirklich spielbereichernd? Und wie sieht es mit den anderen Eigenheiten des Titels aus?

In der Natur und der Welt gibt es keine Dissonanzen, die eine löst sich in der anderen auf.

(Hans Christian Andersen)

Je nach Anzahl Mitspielender in Shamans werden zu Beginn einer Runde eine feste Menge an Schamanen und Schatten verdeckt als Rollen verteilt. Zusätzlich bekommen alle noch Handkarten und schon kann das Spiel beginnen. Der Häuptling spielt eine Karte und legt damit fest, welcher Bestimmungsort (also welche Farbe) bedient werden sollte.

Shamans - Rezension - Beispiel 2-min

Die Anzahl der Mitspielenden bestimmt, welche Farben mitmachen.

Ja sollte, denn niemand ist gezwungen, in Shamans die passende Farbe zu spielen. Tut man das nicht, wandert jedoch die Schattenfigur ein Feld den Schattenpfad entlang. Kommt sie ans Ziel, haben die Schatten die Runde gewonnen.

Im Anschluss erhält der Mitspielende mit der niedrigsten Zahl einen Gegenstand, der mit der höchsten legt die Karten an den Bestimmungsort. Ist dieser dann voll, muss er dessen Fähigkeit benutzen.

Shamans - Rezension - Beispiel 1-min

Die Grafiken sind wunderschön.

Was bringen die Gegendstände in Shamans?

Mit den Gegenständen ist es möglich, die Schattenfigur zu bewegen, sich zu demaskieren, Extrapunkte zu sammeln oder einen Mitspielenden zu eliminieren. Richtig, man kann aus der aktuellen Runde beseitigt werden. War man jedoch ein Schamane, wird die Schattenfigur wieder vorwärts gezogen. Je mehr Karten man auf der Hand hatte, umso weiter. Jedoch braucht man in Shamans zur Elimination neben dem passenden Gegenstand auch noch einen gefüllten Bestimmungsort, damit es nicht allzu leicht passiert.

Shamans - Rezension - Beispiel 5-min

Die Gegenstände im Überblick.

Die Schamanen gewinnen, wenn sie alle Schatten eliminieren oder alle Handkarten gespielt wurden. Die Schatten, wenn sie ihre Figur ans Ende des Schattenpfades bringen. Die Überlebenden der Siegpartei bekommen Punkte. Hat danach noch keiner mindestens 8 davon gesammelt, startet eine neue Runde Shamans.

Wir können die Natur nur dadurch beherrschen, daß wir uns ihren Gesetzen unterwerfen.

(Francis Bacon)

Christian meint:

Ich hatte mich auf Shamans gefreut. Vor allem auch, weil Sebastian von den Spielefritten so davon geschwärmt hatte. Also war zum Zeitpunkt der ersten Partie die entsprechende Fallhöhe aufgebaut und konnte fast nur an den Erwartungen scheitern. Ganz so schlimm war es dann doch nicht, doch war die erste Partie dann schon etwas ernüchternd. Das Spiel war ganz nett, aber ich konnte den Reiz darin nicht erkennen. Macht jedoch nichts, denn manche Titel offenbaren sich nicht direkt. Und selbst beim in der Einleitung erwähnten Schafkopf braucht man einige Zeit, um richtig ins Geschehen einzusteigen und Freude daraus ziehen zu können.

Shamans - Rezension - Beispiel 3-min

Also kamen weitere Partien Shamans. Diesmal ohne überbordende Euphorie. Aber über ganz nett kam keine davon hinaus. Wobei mein Hauptproblem mit dem Spiel erst einmal nichts mit dem Mechanismus zu tun hat. Es ist ein rein Optisches. Ich habe Probleme, die Farben der Karten zu unterscheiden. Vor allem, wenn ich es nicht mit komplett aufgedrehtem Tageslicht zu tun habe, sehe ich häufig die Unterschiede darin nicht. Erst hatte ich befürchtet, dass meine leichte Farbblindheit mir einen Strich durch die Rechnung macht, jedoch hatten alle Mitspielenden genauso damit zu kämpfen. Obwohl ich die Karten (wie auch das restliche Spielmaterial) als wunderschön empfinde, trägt die Farbgebung nicht dazu bei, dass ich ohne Unterbrechungen im Spielablauf agieren kann.

Shamans - Rezension - Beispiel 4-min

Aufgefächert ist es nicht ganz so leicht im Unterscheiden der Farben.

Das restliche Spiel kommt dann aber leider auch im Ablauf nicht über OK bei mir hinaus. Weder fesselt es mich, noch war ich davon genervt. Es plätschert eher vor sich hin. Dabei sind natürlich die Highlights – also Spannungsspitzen – dann, wenn man versucht, hinter die Maske der Mitspielenden zu blicken. Also durch das Verhalten ihre Rolle zu erahnen. Leider fehlen mir hier dann jedoch die Anhaltspunkte. Ich kann es mir nicht Stück für Stück erschließen. Nicht weil die Schatten extrem gut spielen würden, sondern die Mechanik von Shamans das Verstecken begünstigt.

Das Shamans Balanceproblem

Witzigerweise schlugen die Waagschalen bei uns mit unterschiedlicher Anzahl Mitspielender jeweils stark in eine einzelne Richtung aus. Bei der Minimalbesetzung von 3 hatte der Schatten eigentlich keine Chance. Bei 5 waren es die Schamanen, die kaum eine Partie für sich entscheiden konnten. Klar gibt es den ein oder anderen Kniff, den man mit weiteren Partien lernt und nutzt, aber dennoch blieb bis zur letzten Partie dieses Gefälle da.

Shamans - Rezension - Beispiel 6-min

Die Schatten haben gesiegt.

Eigentlich schade, denn eigentlich wollte ich Shamans mögen. Doch die tolle Optik und die lustigen Momente bei der Auflösung halfen dem Spiel nicht, den restlichen Ablauf zu einem guten Spiel anzuheben. Es ist ok, man kann es spielen. Jedoch wird es keinen meiner Stichspiel-Dauerbrenner vom Thron stoßen

Shamans von Cédrick Chaboussit

Shamans - Rezension - Cover

Wunderschön anzusehen, aber etwas spannungsarm im Ablauf. Ganz ok, wenn auch farblich etwas unübersichtlich.

Spielstil – Wertung

6/10
Das gefiel uns
  • Optisch wunderschön gestaltet.
  • Verschiedene Rollen sind eine spannende Idee.
  • Witzig, wenn man herausfindet, wer auf welcher Seite stand.
Das nicht so
  • Unausgeglichen je nach Anzahl Mitspielender.
  • Ohne Tageslicht sind die Farben nicht leicht zu unterscheiden.
Hier bekommt ihr „Shamans“

Spiele-Offensive

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Christian Renkel

Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

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