Montana – White Goblin Games – 2017

„Montana“ war einer der Titel, der auf unserer Topliste zu Essen gelandet ist. Da war natürlich eine gewisse Neugierde da. Dementsprechend war es einer der Titel, den wir unbedingt haben mussten. Gesagt, Getan, Gekauft. Nun haben wir genügend Spiele bestritten, damit wir euch genau sagen können, ob sich der Kauf lohnt.

 

Je magerer die Weiden, desto heiliger die Kühe.

(Wolfgang Mocker)

„Montana“ ist ein Wettlauf mit Euro-Korsett. Heißt, es gilt Rohstoffe zu sammeln und aufzuwerten. Mit diesen baut man Siedlungen. Hat ein Spieler alle verbaut leitet er das Ende ein. Wer alle Siedlungen verbaut hat siegt. Gibt es hier einen Gleichstand, entscheiden die Kühe, die man noch hat.

Einen bebilderten Spielablauf findet ihr in dieser Galerie:

 


1/42

Wir wagen ein kleines Spielchen zu zweit.

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Wir sind Startspieler.

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Zuerst stellen wir 2 unserer Arbeiter in die Bank und erhalten dafür 10 Dollar.

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Diese legen wir in unseren Vorrat.

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Unser Gegner ist nun am Zug.

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Er stellt einen grauen Arbeiter in eines der Steinfelder (alternativ dürfte er auch 2 beliebige, andere Farben setzen). Die Aktion kostet ihn noch 3 Dollar. Dafür erhält er 2 Steine.

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Außerdem setzt er auf das Nachbarfeld einen weiteren Arbeiter, um als Bonus einen weiteren Stein zu erhalten.

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Die Steine legt er in seinen Vorrat.

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Die eingesetzten Arbeiter bleiben stehen, bis alle Einsetz-Felder eines Bereiches gefüllt sind. Dann wird dieser geleert.

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Wir machen es unserem Gegner gleich, sammeln jedoch Kürbisse.

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Unser Gegner beginnt mit einer Sonderaktion.

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Er entfernt seine Kuh.

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Dafür nimmt er sich einen Kürbis.

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Danach startet er eine Auktion. Er setzt seinen Kaufmann in die zweite Leiste von unten.

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Zusätzlich erhält er einen Kürbis als Bonus.

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Wir dürfen nun mitbieten. Das nutzen wir, indem wir ein höheres Gebot, als seines, abgeben.

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Er wechselt daraufhin die Zeile. Die Auktion ist beendet.

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Wie wir sehen, müssen wir beide 3 Kürbisse abgeben.

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Unser Gegner erhält für sein Gebot 1 Kuh und darf bis zu 3 Steine/Kupfer aufwerten.

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Er gibt 1 kleines Kupfer und 2 kleine Steine ab und nimmt sich dafür die größeren Versionen.

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Wir erhalten 2 Aufwertungen.

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Damit verbessern wir unseren Stein und unser Kupfer.

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Nun sind wir am Zug. Wir fangen an zu siedeln. Wir geben 1 großen Stein und 1 Getreide ab.

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Dafür dürfen wir eine Siedlung auf das gerade bezahlte Feld einsetzen.

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Die Kuh, die dort stand wandert in unseren Besitz.

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Außerdem haben wir neben einen See gebaut.

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Die dort befindliche Wasserflasche kommt zu uns. Sie erlaubt uns einmalig einen zusätzlichen Zug.

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Damit sind wir noch nicht fertig. Wir geben noch 1 Kürbis und 1 aufgewertetes Kupfer ab.

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Und besetzen das dazugehörige Feld. Die Kuh kommt wieder zu uns.

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Als nächstes tauschen wir 2 Kühe in 2 Getreide.

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Dadurch können wir unser letztes Feld mit 2 Kürbissen und 2 Getreide besiedeln.

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Mit der Siedeln Aktion dürfen wir uns dreimal ausbreiten. Das haben wir gemacht.

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Unser Gegner siedelt auch. 1 großes Kupfer und 1 großer Stein wird abgegeben.

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Da auf dem Feld 2 Häuser abgebildet sind, darf er 2 Siedlungen auf das Feld setzen.

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Er gibt dann noch 2 Steine und 1 Kupfer ab (das hat er durch 1 Kuh ertauscht).

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Er setzt dadurch eine weitere Siedlung. Siedlungen müssen nur angrenzend zu anderen Siedlungen gebaut werden. Es müssen keine eigenen sein.

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Da er nur zweimal gesiedelt hat erhält er als Ausgleich noch 1 Dollar ausgezahlt.

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Schaffen wir es mal in einer Reihe 4 unsere Siedlungen zu setzen erhalten wir einen Bonus.

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Als Belohnung dürfen wir eine weitere Siedlung einsetzen.

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Gehen uns irgendwann unsere Arbeiter aus, dürfen wir neue einstellen. Wir drehen dazu am Rädchen und erhalten die angegebenen Arbeiter. Zusätzlich dürfen wir noch Getreide abgeben. Je Getreide geht der Pfeil ein Feld weiter vor. Wo der Pfeil ankommt erhalten wir 2 weitere Arbeiter.

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Das Spiel endet, wenn ein Spieler alle Siedlungen verbaut hat. Danach wird die aktuelle Runde noch zu Ende gespielt.

42/42

Es gewinnt, wer alle Siedlungen gebaut hat. Haben es mehrere geschafft entscheiden die übrigen Kühe, die man noch im Besitz hat.

Wer Unkraut sät, drischt kein Getreide.

(William Shakespeare)

Ich weiß nicht so recht, wo ich bei „Montana“ anfangen soll. Es vereint die 3 großen Themen von Euros. Rohstoffe sammeln, Rohstoffe aufwerten und Rohstoffe verwenden. Dabei fehlen jedoch größere, eigene Ideen, um aus dem Groß an gleichartigen Spielen heraus zu stechen. Dies versuchte man dann durch Geschwindigkeit zu kompensieren. Denn eine Partei von Montana dauert nicht lange. Man verzichtet darauf eine Maschine in Gang zu bringen, die einen mit Rohstoffen versorgt. Man baut sich nichts auf, sondern kann bereits von Beginn an aus dem Vollen schöpfen. Eine derartige Reduktion funktioniert meines Erachtens bei Euros nicht so richtig. Eine Teilbefriedigung entsteht ja dadurch, dass man merkt, dass man während des Spiels immer besser wird.

Aber gleichzeitig hat „Montana“ natürlich die schlechten Eigenschaften eines Euros geerbt. Man spielt eigentlich eher nebenher. Richtige Interaktion gibt es so gut, wie keine. Ja, man kann anderen Spielern begehrte Rohstoff- oder Siedlungsplätze wegnehmen und sie in Auktionen überbieten. Aber so richtige Auswirkungen hat das nicht. Bei letzterem kann man bereits mit einem Blick feststellen, wer überhaupt bei Auktionen mitmischen wird (Anzahl Kürbisse). Die weggeschnappten Plätze fühlen sich nicht einmal richtig ärgerlich an, weil man immer umschwenken und einen anderen Weg gehen kann.  Es ist eigentlich fast schon egal, welche Rohstoffe ich sammle, das Ergebnis ist fast immer dasselbe. Mach X Aktionen um Y Siedlungsfelder zu besetzen. Die begehrten Felder (2 Siedlungen auf einmal einsetzen) kosten mehr Rohstoffe, weswegen ich mehr Aktionen benötige. Dasselbe schaffe ich aber über weniger Aktionen, indem ich die „billigen“ Felder verwende. Das ist nicht die Art Abwechslung an unterschiedlichen Strategien, die ich mir wünsche. Gleichzeitig zwingt es mich nicht unbedingt zu harten Entscheidungen, sondern man fühlt sich immer vorangetragen, fast egal, was man tut.

Das macht aus „Montana“ aber wahrscheinlich sogar einen perfekten Einstand für neue Spieler im Euro-Genre. Sei es für Kinder, die langsam ins richtige Alter kommen oder für Menschen, die spielerisch bereits erste Erfahrungen gesammelt haben und nun ihren Horizont erweitern möchten, ohne gleich überfordert zu sein.

„Montana“ ist für mich ein gutes Knochengerüst, dem viel Fleisch auf den Rippen fehlt. Klar hat man schönes Material in der Schachtel. Aber viele unterschiedliche Holzrohstoffe sind zwar schön anzusehen, aber ich persönlich hätte lieber etwas mehr Abwechlsung. Auch die schön gestalteten Spielertableaus sind zwar ein Blickfang und wirken sehr aufgeräumt. Aber es ist eben nur aufgeräumt, weil die Tableaus für ihre Zwecke überdimensioniert sind. Denn spielerisch bietet es weitaus weniger Nutzen, als der erste Blick vermuten lässt. Aber macht nichts, denn schön anzusehen ist es allemal. Schöner als die zu besiedelnden Hexfelder, die durch ihre vielen abgebildeten Rohstoffe sehr unruhig wirken. Wieder spielerisch nicht entscheidend, aber optisch wirkt es eher wie ein Wimmelbild.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Montana“ ein nettes Spiel ist. Die Mechanismen funktionieren. Leider wirkt es dann doch zu seelenlos, um sich von den vielen anderen Vertretern des Genres abzubehen. Wer Spaß an Euros hat und einfach mal ein schnelles Spiel der Gattung haben möchte, darf gerne einen Blick riskieren. Ansonsten bietet es einfach zu wenig Neues, um wirklich begeistern zu können.

 

 

Montana

White Goblin Games 2017


Autor: Rüdiger Dorn
Dauer: ca. 10 – 15 Minuten je Spieler
Spieler: 2-4
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen

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